Griechenland nimmt Bankkonten ins Visier

4. August 2013 / Aufrufe: 1.846

In Griechenland sind Inhaber von Bankkonten mit jährlichen Bewegungen ab 200000 Euro fortan grundsätzlich der Steuerhinterziehung verdächtig.

Selbständige mit Bankguthaben von über 200.000 Euro, die ihren Konten während des vorherigen Jahres gutgeschrieben wurden, sowie auch Unternehmen, auf deren Konten im vorherigen Jahr die insgesamt getätigten Einzahlungen oder Abhebungen in bar 300.000 Euro überstiegen, gelten fortan als der Steuerhinterziehung verdächtig.

Finanzminister Giannis Stournaras verlangt mit einem von ihm erlassenen Beschluss von den Banken, der Zentrale für Informationssysteme des Finanzministeriums (GGPS) detaillierte Daten über die konkreten Kunden zu übermitteln, die automatisch der Kategorie eines hohen Steuerhinterziehungs-Risikos zugeordnet werden.

Welche Kontoinhaber der Steuerhinterziehung verdächtig sind

Der Beschluss wird ab dem Geschäftsjahr 2011 aktiviert. Die Banken haben bis zum 30 Oktober 2013 die sich auf das Jahr 2011 und bis zum 31 Dezember 2013 die sich auf das Jahr 2012 beziehenden Daten zu entsenden. Für die nächsten Jahre erfolgt die Übermittlung der Daten jeweils bis zum 30 April des Folgejahres.

Auf Basis der von den Banken übermittelten Daten wird die Zentrale für Informationssysteme mit umfangreichen Recherchen und Überprüfungen der Steuererklärungen beginnen, damit Fälle heimlicher Einkommen, der Verbergung von Lebensführungsindizien und nicht deklarierte Käufe von Vermögensgegenständen großen Wertes (Immobilien, Freizeitboote, luxuriöse Fahrzeuge) ausfindig gemacht und enthüllt werden.

Gemäß dem Beschluss des Finanzminister Giannis Stournaras sind die Banken verpflichtet, der Zentrale für Informationssysteme Dateien mit Daten wirtschaftlichen und steuerlichen Interesses zu übermitteln, in Bezug auf:

  • Freiberufler und Selbständige, die Inhaber oder tatsächliche Berechtigte von Konten sind, auf denen während des vergangenen Kalenderjahrs Beträge über ihre Gesamteinkommen von mehr als 200.000 eingingen, und
  • juristische Personen, auf deren Konten die Gutschriften oder Barabhebungen während des vorherigen Kalenderjahrs den Betrag von insgesamt 300.000 Euro überstiegen.

Die Kreditinstitute sind verpflichtet, der GGPS Daten über jede Kategorie ihrer Kunden zu übermitteln. Die Übermittlung wird mittels eines sicheren Systems der Dateiübermittlung unter Nutzung des Internets direkt an die GGPS erfolgen. Die Spezifikationen, der Modus der Weiterleitung und der Zeitplan für die Dateiübermittlung werden auf der Website der GGPS bekannt gegeben werden.

Die Banken werden die an die GGPS übermittelten Daten für einen Zeitraum von wenigstens drei Monaten ab ihrer Entsendung aufbewahren. Die GGPS wird die Daten über einen Zeitraum von sechs Jahren ab deren Erhalt aufbewahren.

Banken müssen Risiko-Profile erstellen

Die Banken haben von der Griechischen Bank bereits eine Anweisung bezüglich der Bestimmung des Steuerhinterziehungs-Risikos ihrer Kunden erhalten und wenden zusätzliche Verfahren zur kontinuierlichen Beobachtung unternehmerischer Beziehungen und Transaktionen natürlicher oder juristischer Personen an, die gemäß speziellen Kriterien ein erhöhtes Risikos der Verübung von Steuerhinterziehung oder Legalisierung des aus dieser Straftat hervorgehenden Vorteils beinhalten. Spezieller berücksichtigen die Banken auch folgende Kriterien:

  • Einkommensquelle einer natürlichen Person (z. B. freier Beruf, Gehalts- / Lohnempfang, Gewerbe usw.).
  • Branche oder Art der beruflichen oder unternehmerischen Aktivität des Kunden.
  • Rechtliche Form und Land, in dem eine juristische Person ihren Sitz hat.
  • Anzahl und Höhe der Einzahlungen und Abhebungen in bar auf die Konten des Kunden.
  • Signifikante Abweichung von dem Finanz- / Transaktionsprofil des Kunden im Vergleich zu dem durchschnittlich deklarierten Einkommen entsprechender Berufe oder Aktivitäten.
  • Kunden, für welche von Steuer-, Zoll-, Gerichts- oder Verfolgungsbehörden ein Antrag auf Erteilung von Daten oder Verhängung vorläufiger Maßnahmen einging, sowie auch deren direkte Verwandte und engen Mitarbeiter.
  • Veröffentlichte Berichte oder Studien oder statistische Daten der Griechen Bank, zuständiger öffentlicher oder unabhängiger Behörden sowie auch anerkannter nationaler oder internationaler Organismen oder Forschungszentren in Zusammenhang mit den Einkommen und einbehaltenen Steuern, welche die Steuerpflichtigen in Griechenland deklarieren oder abführen, Steuerhinterziehungsmechanismen und mit der Steuerhinterziehung in Zusammenhang stehende verdächtige Transaktionen.

(Quellen: Imerisia)

Relevante Beiträge:

  1. Böse
    4. August 2013, 11:27 | #1

    Gut so!
    Vertrauen ist gut und Überprüfung leider besser.
    Hätte der Staat in früheren Jahren nicht so viel Vertrauen diesbezüglich in das Volk gehabt, wäre die heutige Situation viel viel besser

  2. Coco
    4. August 2013, 20:30 | #2

    Überprüfung gut, aber ist es auch okay, wenn alle erst einmal unter Generalverdacht der Steuerhinterziehung stehen, weil deren Einzahlungen / Abhebungen bzw. auf den Konten die Gutschriften 300.000 Euro übersteigen? Bravo, solche Vorab-Verdächtigungen wären auch ein legitimes Modell für D. Immerhin gab es bereits im ersten Halbjahr 2013 so viele Selbstanzeigen in D für Steuerhinterziehung wie im gesamten letztem Jahr 2012.

  3. GR-Block
    5. August 2013, 00:34 | #3

    Schaumschlägerei. Da wird kein € mehr versteuert werden als bisher. Samaras schlittert gerade in eine Vertrauenskrise und versucht, dem Volk mit viel Schaum die Sicht zu nehmen. Nein, ich bin sicher, GR wird auf das nächste Memorandum vorbereitet. Neue Kürzungen stehen an, bis die „unrentable“ Privatwirtschaft komplett ausgeschaltet ist. Dann gibt es endlich den erwarteten Schnitt und die Konzerne brechen ins Rudel ein. Man muss wirklich böse sein, um Misstrauen ins Volk und nicht umgekehrt in die Politik zu predigen. Wo doch nachweislich das Volk sehr sorgsam mit der Steuerabführung umgeht. Die Politik dagegen scheint vollkommen außer Kontrolle geraten zu sein, beim Ausgeben dieser Steuergelder.
    Deshalb schlage ich eine weitere Kontrollmaßnahme vor. Banken, die offensichtliche Gefälligkeitsprojekte Athener Lobbyisten an ausländische Konzerne finanzieren, sollen sofort zur Bad Bank für faule Kredite umgewandelt werden. Die Lobbyisten hingegen sollen per „Scherbengericht“ für mindestens eine Legislaturperiode in die Verbannung geschickt werden. Am besten in die Länder mit den größten Schattenwirtschaften, aus denen sie geschmiert werden, also nördlich der Alpen.

  4. V99 %
    5. August 2013, 16:09 | #4

    Leider existiert eine Studie … [die hier bereits zusammenfassend vorgestellt und folglich nicht erneut ellenlang zitiert werden muss]

  5. Bubulina
    6. August 2013, 10:19 | #6

    Bis jetzt wurden nur die kleinen Einkommen bis unter das Existenzminimum steuerlich ausgebeutet. Die bekannten „Kleinverdiener“ / Steuerhinterzieher wie Ärzte, Rechtsanwälte, Reeder, Spekulanten etc. haben ihre Lobbyisten und gehen nach wie vor steuerfrei aus.

Kommentare sind geschlossen