Wohnungen für 10000 Euro in Griechenland

25. Juli 2013 / Aktualisiert: 30. September 2017 / Aufrufe: 8.154

In Griechenland werden Altbau-Wohnungen in Notverkäufen inzwischen zu Preisen in Größenordnungen von ein bis zwei Jahresmieten zum Verkauf angeboten.

Die anhaltende wirtschaftliche Krise in Griechenland führt zu einer völligen Entwertung des privaten Immobilienvermögens. Der dramatische Rückgang der Immobilienpreise hat – hauptsächlich bei den Altbauwohnungen – solche Niveaus erreicht, dass die Ersparnisse der Griechen praktisch zu einem großen Teil verloren gegangen sind.

Die Situation auf dem griechischen Immobilienmarkt hat sich so gestaltet, dass es heute hunderte Verkaufsangebote zu Preisen von sogar auch unter … 100 Euro pro Quadratmeter gibt. Und es handelt sich nicht etwa um „Ruinen“, die einer umfangreichen Renovierung bedürfen, sondern um 30 – 40 Jahre alte Wohnungen, die umgehend bezogen werden können.

Altbauwohnungen werden für „einen Apfel und ein Ei“ angeboten

Viele Eigentümer bringen in ihrem Besitz befindliche Wohnungen unter den Hammer, um sich der steuerlichen Belastungen, aber auch der Unterhaltskosten zu entledigen. Das Unvermögen zur Auffindung von Mietern, die pünktlich zahlen und keine Schuldenberge auflaufen lassen, hat einen ungeheuren Bestand unverkaufter Wohnungen geschaffen, der auf insgesamt 200.000 – 270.000 Einheiten veranschlagt wird.

Altbauwohnungen in abgewerteten Gebieten – hauptsächlich der Hauptstadt Athen – stehen jahrelang leer, während die Eigentümer gleichzeitig Steuern, Abzocken, Gemeindeabgaben zahlen und sich auf die neue Besteuerung ab 2014 auf Basis der sogenannten „objektorientiert festgesetzten Werte“ vorbereiten, die nicht der Realität entsprechen.

Ein- und Zweizimmerwohnungen kann man bereits zu minimalen Preisen erwerben, die in der Größenordnung von ein, zwei Jahresmieten liegen. Kypseli, Agios Panteleimonas, Sepolia, Keratsini, Chatzikyriakia, Platia Amerikis, Pagkrati, Ilisia usw. sind die Bezirke mit den meisten Altbauwohnungen, die zu Spottpreisen verkauft werden. Wohnungen für 8.000 oder 10.000 Euro und ohne spezieller Reparaturarbeiten zu bedürfen sind kein Traum, sondern ein … Albtraum für ihre Eigentümer.

„Preiswalze“ drückt Altbaupreise ins Bodenlose

Für alle Interessenten, die solche Wohnungen kaufen wollen, ist es natürlich ihre große Gelegenheit, da die Preise vor 6 – 7 Jahren zwei- und dreimal höher waren. Die Beispiele dafür, dass die Wohnungspreise „auf Grund“ gelaufen sind, sind viele.

In Kypseli wird eine Wohnung mit 55 qm im ersten Stock, Baujahr 1958, in ausgezeichnetem Zustand für 11.000 Euro, also 200 Euro/qm verkauft. Es geht jedoch auch noch viel … doller. In Kato Patisia wird eine Kellerwohnung mit 68 qm mit zwei Schlafzimmern, Fenster zur Straße, Baujahr 1976, jedoch in ausgezeichnetem Zustand, für … 7.000 Euro, also 103 Euro/qm verkauft. Die Schnäppchen erschöpfen sich jedoch nicht nur im Zentrum. In Trokantero / Palio Faliro wird eine Tiefparterre-Wohnung mit 56 qm, Baujahr ’75, für 8.000 Euro verkauft.

Auch im übrigen Griechenland kann man – wenn auch in geringerem Umfang – große Gelegenheiten finden. In Thessaloniki wird eine Parterrewohnung mit 50 qm für 10.000 Euro verkauft, auf Korfu wird ein Einfamilienhaus mit 55 qm, Baujahr 1920, für 10.000 Euro verkauft, während in Kypseli / Chania eine 1965 erbaute Tiefparterre-Wohnung mit 55 qm für gerade einmal … 5.000 Euro bzw. 91 Euro/qm verkauft!

Marktspezialisten betonen, dass hauptsächlich für die nicht vermieteten Altbauten die Geringschätzung dermaßen groß ist, dass für die konkreten Immobilien praktisch kein Markt existiert. Fallweise werden nicht einmal 5.000 Euro geboten um eine Wohnung zu erwerben, die höchstwahrscheinlich mit den Mühen eines ganzen Lebens gekauft worden ist.

Parallel sind wegen der wirtschaftlichen Krise tausende Ausländer weggegangen, die sich über Jahre in Griechenland niedergelassen hatten. Es handelt sich hauptsächlich um Immigranten albanischer Herkunft, die in den letzten 20 Jahren Wohnungen in Bezirken des Zentrums von Athen mieteten oder kauften. Es geht um die selben Immobilien, die heute praktisch nicht mehr losgeschlagen werden können, da – gleich, zu welchem Preis sie angeboten werden – keine Nachfrage besteht.

Im selben Moment befinden sich die nach dem sogenannten System der „objektorientierten Wertbestimmung“ festgesetzten Preise der Immobilien, auf deren Basis ihre Eigentümer besteuert werden, weiterhin auf hohen Niveaus und werden sich bis 2016 höchstwahrscheinlich nicht ändern. Dies bedeutet, dass beispielsweise eine Immobilie in einem Bezirk des Zentrums, die für 10.000 Euro verkauft wird, jedoch einen drei- und viermal höheren objektorientierten Wert hat, ihren Eigentümer überdimensional mit der Immobilien-Sonderabgabe (EETIDE bzw. EETA) oder mit Gemeindesteuern belastet. Auf dem Papier und zur Freude des Finanzamts verfügt er also über ein Vermögen, welches Vermögen jedoch keinerlei Wert hat und höchstwahrscheinlich noch mehr abgewertet werden wird.

POMIDA schlägt Abtretung von Immobilien an den Fiskus vor

Der Panhellenische Verband der Immobilieneigentümer (POMIDA) hat Vorschläge zur „Rückgabe“ von Immobilien zu Gunsten des Fiskus gemacht, damit ihre Eigentümer der Zahlung der sie belastenden Steuern entgehen. Praktisch handelt es sich um Altbauwohnungen, die ihren Eigentümern keine Einnahmen bringen, sie aber mit allen Steuern belasten. Der POMIDA verlangt, die einseitige Abtretung von Immobilien an den Fiskus zwecks Begleichung von Steuern für Verbindlichkeiten von über 50.000 Euro – wofür eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr vorgesehen ist – zu erlauben.

Eine solche Planung könnte jedenfalls auch zur substantiellen „Absorption“ eines Teils des Altbaubestands des Landes beitragen. Vor den 60er Jahren, aber auch danach errichtete Mehrfamilienhäuser mit hunderten Wohnungen in schlechtem Zustand und ohne Wert könnten mit Geldern aus der grünen Kasse gekauft oder mittels der Boden-Bank und des Bebauungsfaktor-Transfers verwertet werden, deren Umsetzung erwartet wird.

Die Eigentümer der Immobilien könnten sie also gegen ihre Schulden an den Fiskus abtreten und die offiziellen Träger zu einer Verwertung schreiten, entweder indem sie die konkreten Immobilien abreißen und Freiflächen schaffen oder sie instand setzen, damit sie für verschiedene Zwecke genutzt werden können.

(Quellen: Imerisia.gr)

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  1. Leser
    25. Juli 2013, 12:27 | #1

    Die beschriebenen Wohnungen wie Kellerwohnung Tiefparterre u.ä. sind doch absoluter Schrott. niemand würde auch hierzulande so etwas kaufen, da unbewohnbar. Was soll die Panikmache des Artikels. Das die Preise in einer Depression einbrechen ist sonnenklar. Viel interessanter und informativer wäre daher die Preise von normalen bewohnbaren Immos zu beschreiben.

  2. Bruno Froehlich
    26. Juli 2013, 05:54 | #2

    Wer noch nie in Griechenland lebte, Ansprueche und Wohnverhaeltnisse im Land nicht kennt, sollte das Wort “Schrott” meiden. Zudem wurden im Beitrag ja auch Beispiele von Wohnungen etwas hoeher ueber dem Boden genannt.

  3. kakopedi
    27. Dezember 2013, 13:53 | #3

    wenn man diesen artikel liest, möchte man meinen, man bekomme wohnungen in griechenland quasi geschenkt. dem ist aber nicht so. die hier beschriebenen wohnungen befinden sich höchstwahrscheinlich in üblen gegenden und sind mit deutschen standards nicht zu vergleichen.
    man kann z.b. in athen günstig eine wohnung kaufen, jedoch muss man meistens die fenster ausstauschen und auch sonst noch einiges tun. arbeitskraft ist billig, aber das material muss trotzdem bezahlt werden.

  4. GR-Block
    29. Dezember 2013, 02:12 | #4

    Für die Griechen sind Immobilien keine Spekulationsobjekte. Anders als in Industriestaaten besitzt man sie einfach nur. 75% der Bevölkerung bezahlt keine Miete. Das macht sie unabhängig und deshalb schädlich für das EU-System. Die wenigen Immobilienspekulanten, die sich jetzt publizistisch in den Mittelpunkt rücken, sind vollkommen irrelevant. Sie machen vor allem Geschäfte mit ausländischen „Anlegern“.
    Es wäre interessant zu beobachten, wie weit die 75%ige Unabhängigkeit durch die Finanzkrise zurückgefahren wird. Wieviel vom Wohnungsmarkt werden EU-Konzerne ergaunern? Falls GR – wie die „Kernstaaten“ – bei 50% Wohneigentum ankommt, wird die EU dann einen Markt von jährlich 5 Mrd. € „erschlossen“ haben. Da lohnt es, ein Volk finanziell an die Wand zu fahren.

  5. Edwin Kreuzpointner
    16. Januar 2014, 11:47 | #5

    Ich denke nicht dass die EU ein Interesse daran haben kann die Leute zu enteignen und einen theoretischen Markt schaffen wollen. Wozu denn? Es gibt keine Interessenten und das wird so bleiben. Ich bin regelmäßig in dem Land, weil meine Familie dahin ausgewandert ist, mittlerweile seit mehr als 20 Jahren. Und man muss dazu sagen dass 1. viel zuviel gebaut wurde und die Preise durch den Bauboom zu schnell gestiegen sind, was sich jetzt durch die ganzen Leerstände wieder relativiert.
    Wenn man vor etwa 10 Jahren etwa durch die Stadt Volos gegangen ist konnte man schon an jedem 3. oder 4. Haus lesen „Wohnung zu vermieten bzw. zu verkaufen“.
    Dass es zu dieser Entwicklung kommt war damals schon vorher zu sehen. Angesichts der Inflation früherer Jahre war das Volk eben der Meinung dass man Geld am besten und sichersten in Immobilien anlegt. Wie die Regierung jetzt die eigenen Leute abzockt ist eine Schande und das in einem Land wo viele weder einen Job haben noch versichert sind.

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