Hotels in Griechenland kämpfen um das Überleben

20. Juli 2013 / Aufrufe: 2.534

Trotz der diesjährigen Rekordzahlen bei den Ankünften ausländischer Touristen kämpfen in Griechenland 80 Prozent der Hotels um ihr Überleben.

Es erweist sich, dass auf dem Boden der Krise fast alles gedeihen kann – und zwar gleichzeitig. Zu einer Stunde, wo der griechische Tourismus bei der Anziehung ausländischer Touristen einen Rekord nach dem anderen bricht, sind hunderte Hotels von der Schließung bedroht. Einige Zielgebiete und Hotels haben zu wenig Betten um der explodierenden Nachfrage entsprechen zu können, während man in anderen Regionen jedes Mal jubelt, wenn überhaupt eine Buchung getätigt wird.

In einer zeitlichen Periode, in der davon ausgegangen wird, dass der griechische Tourismus einen neuen Rekord von 17 Mio. ausländischer Besucher und Einnahmen von 11 Mrd. Euro tangieren wird, erklärt der Präsident der Hotelkammer Griechenlands /XEE bzw. Hellenic Chamber of Hotels / HCH), Giorgos Tsakiris, gegenüber Euro2day.gr: „8.000 der insgesamt 10.000 griechischen Hotels begegnen bereits jetzt Überlebensproblemen oder werden ihnen begegnen, während sogar selbst in der Hauptstadt die illegalen Hotels Orgien feiern …

Die Schattenwirtschaft im Tourismus blüht

Die Wirtschaftskrise scheint als Dünger für das Aufblühen einer kompletten „grauen“ touristischen Schattenwirtschaft zu fungieren, deren Größen – sollten sie sich bestätigen – schockieren. Was dies praktisch bedeutet: Einnahmeverluste für die Hotelunternehmen, aber auch einen unermesslichen Aderlass für die leeren öffentlichen Kassen.

Laut dem Präsidenten der HCH werden allein in Attika offiziell wenigstens 2.000 Wohnungen und Villen als touristische Unterkünfte vermietet, während inoffizielle Daten deren Anzahl auf 5.000 erhöhen. In den Händen der zuständigen Behörden befinden sogar sich ein einschlägiger Katalog und Angaben zu 1.200 Wohnungen und Villen in Attika, die mittels dutzender Webseiten (mehr als 100) illegal als touristische Unterkünfte vermietet werden.

Laut Herrn Tsakiris gibt es selbst auch komplette Mehrfamilienhäuser, die in der Praxis als illegale Hotels in Athen betrieben werden! Die touristische Schattenwirtschaft scheint sich sogar gemäß den Vorbildern der legalen Unternehmen organisiert zu haben und entsprechende Dienstleistungen anzubieten.

Charakteristisch ist laut dem Präsidenten der HCH, dass die illegalen Hotels ihren ausländischen Kunden Dienstleistungen bis hin zu dem Transfer vom Flughafen zur Unterkunft anbieten. Es gibt Taxis, welche die Kunden vom Flughafen abholen, und der Taxifahrer ist derjenige, der sie zur Wohnung führt, ihnen die Räumlichkeiten zeigt und Einzelheiten zu deren Ausstattung erklärt und ihnen dann die Schlüssel übergibt.

Hoteliers verlangen, dem Problem umgehend zu begegnen

Den Hoteliers brennt es unter den Nägeln, dass von Seite der Regierung kurzfristig Lösungen in Angriff genommen werden, da die entgehenden Einnahmen ungeheuer sind – zumal in einer Periode, in der die Unternehmen der Branche finanziell ausgetrocknet und von der Schließung bedroht sind.

Aufzeigend für die in den populärsten touristischen Regionen des Landes herrschende Situation ist laut den Hoteliers die Tatsache, dass Chania eine Zunahme ausländischer Touristen von 30% aufweist, der Anstieg des Geschäftsbetriebs in den Hotels des Gebietes jedoch 10% – 15% nicht übersteigt.

In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass Steuerfahndung und Wirtschaftspolizei inzwischen speziell in populären und „hochpreisigen“ touristischen Zielgebieten gezielt gegen „unter der Hand“ erfolgende Vermietung privater Wohnungen und Häuser vorgehen. Die jeweiligen Objekte werden üblicherweise per Internet ausgelobt und gehören häufig Ausländern, die sich auf diese Weise ein erkleckliches Zubrot verdienen, ohne die Einnahmen entsprechend zu deklarieren und zu versteuern – von den fehlenden Genehmigungen und sonstigen Voraussetzungen einmal ganz zu schweigen.

Ebenfalls sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die „Kunden“ solcher schlitzohriger „Anbieter“ nicht nur keinerlei Rechtsschutz genießen, sondern sich gegebenenfalls auch der Mittäterschaft in einem Steuerverbrechen schuldig machen und vor der griechischen Justiz zu verantworten haben werden!

Der Markt bewegt sich mit drei Geschwindigkeiten

Wie erklärt es sich jedoch, dass fast 80% der griechischen Hotels von der Schließung bedroht sind oder gerade noch an der Grenze überleben? Wie der Präsident der HCH anmerkt, bewegt sich der Hotelmarkt trotz des Rekords bei den Ankünften bereits mit wenigstens drei verschiedenen Geschwindigkeiten. Den Löwenanteil aus der gestiegenen touristischen Kundschaft teilen sich dabei ungefähr 2.000 Hotels, die sich in der oberen und mittleren „Geschwindigkeits-Liga“ bewegen.

In der „Oberliga“ bewegen sich die Hotels in Gebieten wie Kreta, Rhodos, Kos, Santorin, Chalkidiki und Kefalonia – sprich in den Regionen, welche die größte Nachfrage aus dem Ausland erfahren und wo die Hotelunternehmen mit den stärksten ausländischen Reiseveranstaltern kooperieren, die ihnen eine große Anzahl von Kunden sicherstellen.

In der „Mittel-Liga“ bewegen sich laut Herrn Tsakiris Regionen wie Mykonos und Korfu, wo man volle, aber auch leere Hotels antrifft. Als Schlusslichter des Marktes und Kandidaten für eine Schließung erscheinen dagegen Hotelunternehmen in Regionen der Peloponnes, auf dem Festland, in Epirus und in Nordgriechenland.

Niedrige Preise, Kapitalmangel und schwache Nachfrage

Was verursacht jedoch das „Ersticken“ bei 80% der Hotelunternehmen? „Sie geben die Zimmer zu niedrigen Preisen ab, haben weder Kapital noch Zugang zu dem Banksystem und eine sehr niedrige Nachfrage. Dies ist das Triptychon, welches das ‚Ersticken‘ verursacht„, erklärt der Präsident der HCH.

Unternehmer der Branche führen an, dass sich sogar auch kreditfreie Hotels nicht einmal einer Bankgarantie über 50.000 Euro zu versichern vermögen um an einer Ausschreibung teilzunehmen. Auf diese Weise sind tausende Hotelunternehmen dem Schicksal überlassen worden, wie auch immer zu überleben oder aber zu schließen und dabei tausende Arbeitsplätze mitzureißen … .

(Quelle: Euro2day.gr)

  1. Roditisa
    24. Juli 2013, 07:48 | #1

    Das ist ja nett, dass man im Ausland gerne über die schlechte Steuermoral der Griechen schimpft, aber dann mal schnell sein Ferienhaus auf Kreta am griechischen Fiskus vorbei vermietet …
    Irgendwie beruhigend, dass die noblen Ausländer auch nicht ehrlicher ihre Steuern zahlen. Es liegt also nicht an der Moral der Griechen, sondern an den äusseren Umständen.

  2. juls
    24. Juli 2013, 16:15 | #2

    @ Roditisa

    von solchen Menschen gibt es leider jede Menge, Leute die sich in Griechenland ein Haus gleich mit einer oder zwei Einliegerwohnung/en gebaut haben und munter vermieten und alles am griechischen Finanzamt vorbei. Die haben oftmals die groesste Klappe … was Steuermoral angeht … die haben ueberhaupt keine Moral … und nehmen auch noch anderen evtl. Gaeste weg, weil sie preislich auch anders dastehen … denn sie zahlen 0 Abgaben …

  3. xenya
    10. November 2013, 07:40 | #3

    OHH!! Hoert mir bloss auf!! Als wuerde man in Deutschland alles angeben. Habe noch nie eine Quittung von einem deutschen Schuster erhalten. Und alles was man in Deutschland schwarz machen kann, machen die Deutschen auch. Mal davon abgesehen: Was ist schlimmer? Bestechen, bestechen lassen, keine Steuern abgeben oder keine Quittung haben zu wollen?
    Man muss alle in einen Topf werfen und DEUTSCHE Firmen bestechen alle! Angefangen von dem kleinen Einkaeufer bei Karstadt bis hin zur Kriegs-und Baumaschinerie, bis hin zum letzten Zoellner in Timbuktu. Ich kann es nicht mehr hoeren, dass immer nur anscheinend die Griechen so unsauber sind. In GR schrieben die Aerzte keine Quittungen, dafuer wurden die Krankenkassen in der BRD beschissen. In der Auslaenderbehoerde wurden die Beamten bestochen, in der Baubehoerde genauso. Deutsche Firmen bestechen um an Grossauftraege zu gelangen, OHHH, ich kann es nicht mehr hoeren, wie boese doch die Griechen sind!

  4. Drees
    17. Juni 2015, 13:13 | #4

    Wir waren im Mai in Griechenland. In unserem Hotel bekommen die fleissigen Leute ihr Gehalt nicht bzw. nur zum Teil, obwohl das Hotel sehr gut besucht ist. Manchen Angestellten ist der Hotelier noch 3000 Euro schuldig!!!! Wo das Geld bleibt, ist unklar, jedenfalls nicht bei den Angestellten

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