Griechenland wird seine Schulden nie tilgen können

11. Juli 2013 / Aufrufe: 2.474

Die Zeitung New York Times bezeichnet das Konzept zur Rettung Griechenlands als falsch, während das Wall Street Journal einen Schuldenerlass kommen sieht.

Die beiden großen amerikanischen Zeitungen gehen in Leitartikeln auf die Entwicklungen in Griechenland ein. Die „New York Times“ vertritt anlässlich des letzten Beschlusses der Eurogruppe, „das Rezept für Griechenland ist falsch„, während das „Wall Street Journal“ von der „kommenden Streichung der griechischen Verschuldung“ spricht.

Die „New York Times“ merkt an, Griechenland und seine Bankaufseher haben sich am vergangenen Montag (08 Juli 2013) über die Bedingungen für die Fortsetzung der Kreditzahlungen geeinigt. Die Vereinbarung stelle eine Linderung dar, ohne die Griechenland pleite gehen würde. Im selben Augenblick stelle sie jedoch keinen Grund zum Feiern dar, in Wirklichkeit sei sie genau das Entgegengesetzte.

Premierminister Antonis Samaras bekam zu spüren, keine Wahl zu haben

Laut der Redaktion der New York Times Griechenland in diesem Moment schmerzhafte Reformen umsetzen, jedoch seien die Voraussetzungen für diese Reformen nicht die wie in der Vereinbarung geforderte Austerität, sondern der wirtschaftliche Aufschwung.

Im weiteren Verlauf wird die Ansicht zum Ausdruck gebracht, Griechenland befinde sich bereits in einer kritischen Lage und die am Montag getroffene Vereinbarung werde die Dinge einfach nur schlimmer machen. Die chronische Austerität und die wirtschaftliche Rezession haben das politische Leben Griechenland vergiftet, einen von vier Griechen (und fast 2 von 3 jungen Leuten) arbeitslos gemacht und das Netz der sozialen Sicherheit im Land eingerissen, wird charakteristisch betont.

Wie argumentiert wird, haben diese Opfer die Investitionen erstickt und menschliche Ressourcen verschwendet. Die Gutachter erklären, es bestehen wenige Chancen, dass die weiteren Opfer die griechische Wirtschaft wiederbeleben oder die griechische Verschuldung tragbarer machen. Genau dies behaupten jedoch ein weiteres Mal die Europäische Union, die EZB und der IWF.

Im Leitartikel der „New York Times“ wird ebenfalls angeführt, der griechische Premierminister Antonis Samaras habe gespürt, keine andere Wahl gehabt zu haben als die Vereinbarung zu akzeptieren. Wie angemerkt wird, stimmte er also zu, die Löhne zu kürzen und 15.000 Arbeitsplätze auf dem öffentlichen Sektor zu streichen, nicht mittels Pensionierungen oder Ausscheidungen, sondern indem den Inhabern dieser Positionen gekündigt wird.

Austerität hat katastrophale Folgen für die Wirtschaft Griechenlands

Wie betont wird, ist der griechische öffentliche Sektor aufgeblasen, ineffizient und wird von Kundenbeziehungen gegeißelt und hat ganz klar Reformen im Rahmen eines allgemein Programms der wirtschaftlichen Reanimation und Erholung nötig. Wenn jedoch die Arbeitslosigkeitsquote 27% beträgt, stellt die Kündigung tausender Arbeitnehmer nicht den geeigneten Weg für eine wirkliche Reform dar, speziell wenn dies auf Befehle der ausländischen Bankiers erfolgt. Jene letzte Runde der Kürzungen auf dem öffentlichen Sektor, im vergangenen Monat, als der öffentliche Träger für Rundfunk und Fernsehen seinen Betrieb einstellte, hatte sehr negative Ergebnisse und hätte fast die zerbrechliche Koalitionsregierung des Herrn Samaras zersplittert, schätzt die Redaktion der Zeitung ein.

Ebenfalls verlangt – wie in dem Artikel unterstrichen wird – die Vereinbarung von Montag nach einem variablen Programm zur Freigabe der Zahlungen, was den Gläubigern gestattet, die Kreditraten auszusetzen, wenn Griechenland sich bis zum 19 Juli 2013 nicht an seine Verpflichtungen hält. Kurz gesagt, je unschlüssiger die Austerität als Medikament für die Wirtschaft wird, um so weniger wird sie als politische Formel in Zweifel gezogen.

Ihre standhafteste Verfechterin, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, bereitet sich auf Neuwahlen in diesem September vor, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie ihr Verhalten – welches bei den deutschen Steuerzahlern sehr populär ist – vor den Wahlen ändert. Laut dem Artikel ist es ebenfalls auch nicht wahrscheinlich, dass Frau Merkel ihr Verhalten im Fall ihrer Wiederwahl ändern wird.

Schließlich wird betont, andere Gläubiger – wie der internationale Währungsfond – scheinen mehr über die Offensichtlichkeit beunruhigt zu sein, dass die Austerität für die griechische Wirtschaft eine wirkliche Katastrophe herbeigeführt hat. Diese Wahrnehmung hat aber bisher keine Änderung der Politik bewirkt oder den leidenden Griechen eine Erleichterung gebracht.

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  1. Rudi
    11. Juli 2013, 20:39 | #1

    Die Feststellung des Wall Street Journals: “Die EU wird ihr Geld niemals zurück bekommen“. ist keine neue Erkenntnis, sondern kalter Kaffee. Wer daran jemals glaubte, glaubt auch an den Osterhasen.

  2. CYR
    12. Juli 2013, 13:06 | #2

    @Rudi
    Es ging nicht darum das GR die Schulden zurückzahlt sondern das die „Nord“europäische Banken und Vermögensverwaltungen ihr investiertes Kapital nicht verlieren. Mittlerweile sind die Schuldner nicht mehr Privatpersonen und Firmen sondern mehrheitlich (multi)staatliche Institutionen. Gerettet wurden nur die Banken. Die Kritik oben ist ziemlich mau nach den Motto ja es klappt nicht weil die Wirtschaft nicht wächst, zu viele Arbeitslose, Austeritätspolitik, usw usf. Alles tralala.

    Keiner hinterfragt ob das ganze System nicht falsch ist. Zum Beispiel darf die griechische Regierung direkt von der Zentralbank kein Geld leihen. Also leiht sie diese für 3% bis 6% Prozent bei den Banken. Diese leihen es von der Zentralbank für 0,5% also machen die Banken einen Gewinn von 2,5% bis 5,5% Prozent oder sogar höher. Der griechische Steuerzahler freut sich da er höhere Steuern zahlen muß.

    Die Banken freuen sich weil das locker verdientes Geld ist. Und weil die Finanzinstitute und nur die bestimmen was eine Anleihe wert sein darf, kann dann eben mal schnell passieren das ein Staat pleite geht weil es keine Bank findet die seinen Anleihe kauft. Und das ist mit Griechenland passiert.

  3. Ottfried Storz
    13. Juli 2013, 14:27 | #3

    @CYR
    Sie liegen mit ihren Annahmen falsch. Die von ihnen erwähnten Anleihen zu 4-5 Prozent gibt es zwar, sie machen jedoch zusammen genommen weniger als 3 Prozent der Gesamtverschuldung aus und dienen nur und ausschließlich zur kurzfristigen Finanzierung. Entsprechend betragen die Laufzeiten auch nur 3-12 Monate und diese müssen zudem mit der Troika abgesprochen sein, damit Griechenland sich nicht zu viel Akutgeld zu teuer leiht. Einfach mal Griechenland Kapitalmarkt Anleihe googeln.

    Länger laufende Anleihen kann Griechenland bereits seit 2010 nicht mehr platzieren, eben darum hilft die Troika (EST, IWF) seitdem mit Anleihen zu circa 2 Prozent Zinssatz. Das ist insofern wichtig, als das auch alle auslaufenden Anleihen so neu finanziert werden. Üblicherweise laufen Anleihen in Europa mit 5 – 10 Jahren Laufzeit.

  4. Rudi
    13. Juli 2013, 14:40 | #4

    @CYR
    Natürlich ist das ganze System falsch. Das braucht auch keiner mehr zu hinterfragen. Es wissen eh alle. Noch wird so lange von Arm zu Reich geschaufelt, bis die Bombe platzt. Warum sind die Aktienkurse und die Immobilienpreise, obwohl die Wirtschaften schwächeln, im Moment so hoch?
    Das viele billige Geld muss irgendwohin. Jeder, der eins und eins zusammenzählen kann, weiß dass das Schneeballsystem bald am Ende ist und versucht seine Kröten in Firmenanteile oder Beton zu verwandeln.
    Griechenland ist überall, auch die Schweiz und Norwegen z.B. werden keine Inseln der Glückseligkeit bleiben. Die nächsten Jahre werden hart!
    Und weil der Mensch nichts lernt, wird nach dem Reset das alte Zins- und Zinseszinsspiel weitergespielt. Solange Geld mit Geld verdient werden kann, ist das Chaos programmiert.

  5. CYR
    16. Juli 2013, 11:55 | #5

    @Ottfried Storz
    Ich habe den Rat befolgt und bin mit Hilfe von Mister Google auf interessante Inhalte gestossen. Ich erlaube mir, die Liste der aktuellen gr. Anleihen vorzustellen Stand Juni 2013. Aufgeteilt ist die Liste in Namen; ISIN(Kennzeichen der Anleihe); Laufzeitende; Wert der Anleihe und Zinssatz.

    NAME ISIN Tilgungstag Wert Zinssatz
    Griechenland-Anleihe: 4,625% bis 25.06.2013 XS0372384064 25.06.2013 € 1.500.000.000,00 4,625%
    Griechenland-Anleihe: 2,125% bis 05.07.2013 CH0021839524 05.07.2013 € 650.000.000,00 2,125%
    Griechenland-Anleihe: 1,597% bis 21.05.2014 GR0514017145 21.05.2014 € 3.690.000.000,00 1,597%
    Griechenland-Anleihe: 1,183% bis 23.07.2014 GR0514018150 23.07.2014 € 78.000.000,00 1,183%
    Griechenland-Anleihe: 1,008% bis 10.08.2014 GR0514019166 10.08.2014 € 1.500.000.000,00 1,008%
    Griechenland-Anleihe: 3,800% bis 08.08.2017 XS0079012166 08.08.2017 € 50.000.000,00 3,800%
    Griechenland-Anleihe: 5,000% bis 11.03.2019 IT0006527532 11.03.2019 € 200.000.000,00 5,000%
    Griechenland-Anleihe: 4,676% bis 13.07.2020 XS0224227313 13.07.2020 € 250.000.000,00 4,676%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2023 GR0128010676 24.02.2023 € 2.658.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2024 GR0128011682 24.02.2024 € 2.658.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2025 GR0128012698 24.02.2025 € 2.658.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2026 GR0128013704 24.02.2026 € 2.658.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2027 GR0128014710 24.02.2027 € 2.658.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2028 GR0133006198 24.02.2028 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 6,140% bis 14.04.2028 XS0110307930 14.04.2028 € 200.000.000,00 6,140%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2029 GR0133007204 24.02.2029 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2030 GR0133008210 24.02.2030 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2031 GR0133009226 24.02.2031 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2032 GR0133010232 24.02.2032 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2033 GR0138005716 24.02.2033 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2034 GR0138006722 24.02.2034 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 5,200% bis 17.07.2034 XS0191352847 17.07.2034 € 1.000.000.000,00 5,200%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2035 GR0138007738 24.02.2035 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2036 GR0138008744 24.02.2036 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2037 GR0138009759 24.02.2037 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2038 GR0138010765 24.02.2038 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2039 GR0138011771 24.02.2039 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2040 GR0138012787 24.02.2040 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2041 GR0138013793 24.02.2041 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,000% bis 24.02.2042 GR0138014809 24.02.2042 € 2.836.000.000,00 2,000%
    Griechenland-Anleihe: 2,380% bis 25.07.2057 XS0292467775 25.07.2057 € 1.600.000.000,00 2,380%
    Griechenland-Anleihe GRR000000010 PERPETUAL € 55.834.000.000,00 Variabel

    GESAMTSUMME: € 122.382.000.000,00

    Das erste was einem Auffällt ist die letzte Anleihe mit einem Wert von 55 Milliarden. Es wird kein Zinssatz angezeigt. Wenn man sich die Emissionsbedingungen diese Anleihe anschaut so hat sie einen steigenden Zinssatz der mit 2% anfängt und hoch geht bis 4,3%. Um die Sache zu komplizieren gibt es eine Teilrückzahlungen bei gleichbleibendem Nennwert, beginnt ab 2021. Angeblich läuft die Anleihe bis 2042. Ab 2016 ist der Zinssatz 3%. Die Aussage, nur 2% der Anleihen haben einen höheren Zinssatz als 2% ist somit nicht korrekt, weil diese Anleihe schon 40% der Schulden ausmacht.

    Ich habe mir die Anleihen mit 2% Zinssatz auch genauer angeschaut. Alle haben einen ratierlichen Zinssatz, das heisst der Zinssatz wechselt. Der letzte ratierliche Zinssatz liegt bei 4,3%! Was mir auch noch aufgefallen ist, das es keine Möglichkeit gibt die Anleihen vorzeitig zurückzuzahlen. Kündigungsmöglichkeiten sind überhaupt nicht vorgesehen. Außerdem wurden die Anleihen nach ENGLISCHEM Recht emittiert. Das bedeutet dass bei Rechtsstreitigkeiten ein englisches Gericht und Gesetzgebung dafür zuständig ist.

    Mein Fazit: dem griechischen Staat wurde überhaupt nicht damit geholfen. Bei Laufzeiten von über 10 Jahren und einen kontinuierlichen steigenden Zinssatz ist eine Rückzahlung bei gleichbleibender fallender Wirtschaftsleistung überhaupt nicht möglich.

  6. Ottfried Storz
    16. Juli 2013, 21:04 | #6

    @CYR
    Ich liege mit meinen Aussagen richtig, denn diese Großanleihe hat speziellere Konditionen und Großeigentümer (LZB, Versicherungen). Um die speziellen Konditionen zu verstehen, einfach mal „GDP-Kicker WKN A1G1UW“ googeln. Zusammen gefaßt sind die Konditionen dieser Großanleihe wie folgt: Damit es überhaupt Zinsen gibt, muss das griechische Bruttosozialprodukt (GDP) real (nach Inflation) oberhalb einer bestimmten nominalen Schwelle steigen. Wenn Griechenland boomt, zahlt Griechenland für die Anleihe hohe Zinsen, aktuell nach meinem Verständnis 1 (!) Prozent.

  7. CYR
    17. Juli 2013, 13:48 | #7

    @Ottfried Storz
    Interessant ist das ich ganz andere Informationen finde. Hier einen Ausschnitt aus den Emissionsbedingungen vom Griechischen Staat die für alle Bonds die seit 24.02.2012 neu ausgegeben worden sind:

    Summary Terms of the New Bonds, GDP-linked Securities, EFSF Notes
    and Short Term EFSF Notes to be delivered by the Republic
    Summary Terms of the New Bonds and GDP-linked Securities

    Co-Financing Agreement:
    Holders of the New Bonds will be entitled to the benefit of, and will be bound by, a Co-Financing Agreement among, inter alios, the Republic, the New Bond Trustee and the European Financial Stability Facility (the “EFSF”) linking the New Bonds to the Republic’s loan from the EFSF of up to EUR30 billion in a variety of ways, including the appointment of a common paying agent, the inclusion of a turnover covenant and the payment of principal and interest on the New Bonds and the EFSF loan on the same dates and on a pro rata basis.

    Final maturity: 2042
    Amortization: Commencing on the 11th anniversary of the issue date.
    Coupon:
    2.0% per annum for payment dates in 2013, 2014 and 2015
    3.0% per annum for payment dates in 2016, 2017, 2018, 2019 and 2020
    3.65% per annum for payment date in 2021
    4.3% per annum for payment dates in 2022 and thereafter Interest will accrue from 24 February 2012

    Ist alles sehr komisch, denn auch der Monsterbond „GDP Linked Bond ! “ fällt darunter. Und wenn man das TERMSHEET sich anschaut wird das ganze noch unheimlicher. Es gibt eine Menge von Klauseln.

    Übrigens für alle anderen Bonds zählen nur die ersten drei Jahre 2%, danach steigen die Zinsen auf 3% und später noch höher, das sind 60% der Anleihen.

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