Elektroschock für Konsumenten in Griechenland

22. Juli 2013 / Aktualisiert: 07. Juni 2017 / Aufrufe: 1.485

Die Abgabe zur Finanzierung Erneuerbarer Energiequellen wurde in Griechenland für private Haushalte in einer Nacht- und Nebelaktion um 118 Prozent erhöht.

Während die in der jüngsten Botschaft des Premierministers Antonis Samaras an das griechische Volk beteuerten Versprechungen, es werden keine neuen Maßnahmen verhängt werden, noch in den Ohren nachklingen, kommt die Öffentliche Elektrizitätsgesellschaft (DEI) und greift den privaten Haushalten noch tiefer in die fast leeren Taschen: Infolge „heimlich“ ratifizierter Erhöhungen wird ein durchschnittlicher Haushalt jährlich 54 Euro mehr an die DEI zu entrichten haben.

Konkret gab am Freitagabend (19 Juli 2013) – in einem teuflischen Zufall werden alle negativen Beschlüsse der Regierungsfaktoren immer Freitags bekannt – die Energie-Regulierungsbehörde (RAE) die ab Anfang Juli 2013 rückwirkend in Kraft tretende Erhöhung der Sonderabgabe zur Finanzierung der Erneuerbaren Energiequellen (ETMEAR – Ειδικό Τέλους Μείωσης Εκπομπών Αερίων Ρύπων = Sonderabgabe zu Minderung der Abgasemissionen) bekannt, die für einen durchschnittlichen Haushalt (= 400 Kilowattstunden pro Monat) zu einer monatlichen Mehrbelastung von 18 Euro auf der Stromrechnung führt.

Erhöhung der Abgabe für Erneuerbare Energiequellen um bis zu 118%

Die so wie so schon auf dem Boden kriechenden griechischen Haushalte werden also fortan aufgefordert sein, jährlich 54 Euro mehr für die Deckung der Defizite der DEI bei der „grünen Energie“ zu zahlen! Bezeichnend ist, dass für die privaten Haushaltskonsumenten die Erhöhung der Abgabe für die Erneuerbaren Energiequellen 118% erreicht, während „Hochspannungs-Verbraucher“ (sprich Industriebetriebe) um fast 50% entlastet werden!

Die Ironie ist, dass die Regierung bis vor kurzem die Aussetzung der Abgabe zu Gunsten der öffentlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt (ERT) durchtrommelte! Und außerdem beteuerte der Premierminister, die harten Maßnahmen haben ein Ende! Schämt Euch!

Der durchschnittliche Betrag der ETMEAR wurde auf 14,96 Euro pro Megawattstunde festgesetzt, gegenüber 9,30 Euro im ersten Halbjahr 2013 (woraus sich also eine Erhöhung um 60% ergibt). Detailliert stellt sich die rückwirkend ab Begin des zweiten Halbjahrs 2013 geltende Höhe der ETMEAR je nach Kunden-Kategorie folgendermaßen dar:

  • Landwirtschaftliche Nutzung (Mittelspannung) 6,97 €/MWh (von 5,57 €/MWh, Erhöhung um 25%).
  • Sonstige Mittelspannungsverbraucher (Industrie, Handelsketten) 8,87 €/MWh (von 7,76 €/MWh, Erhöhung um 14%).
  • Landwirtschaftliche Nutzung (Niederspannung) 7,33 €/MWh (von 6,48 €/MWh, Erhöhung um 13%).
  • Haushaltsnutzung (Niederspannung) 20,80 €/MWh (von 9,53 €/MWh, Erhöhung um 118%).
  • Sonstige Niederspannungsverbraucher (Büros, Geschäfte usw.) 21,77 €/MWh (von 14,91 €/MWh, Erhöhung um 46%).
  • Hochspannungsverbraucher 1,79 €/MWh (von 3,55 €/MWh, Senkung um 49%).

Subvention „grüner Energie“ verursacht enorme Defizite

Die Energie-Regulierungsbehörde (RAE) betont, die Erhöhung sei signifikant niedriger als jene, die sich auf Basis der Daten des Marktbetreibers (LAGIE) ergab und im Durchschnitt 23,50 €/MWh erreichte – und zwar mit Richtschnur die Notwendigkeit (die im übrigen auch eine Verpflichtung aus dem Memorandum darstellt), bis Ende 2014 das Defizit bei der Finanzierung der erneuerbaren Energiequellen auf Null zu bringen. Dieses Defizit schwillt jedoch trotz der ergriffenen Maßnahmen kontinuierlich an, da weiterhin neue Anlagen zur Erzeugung elektrischer aus erneuerbaren Energiequellen (PV-Anlagen, Windparks usw.) installiert werden, die für die erzeugte Energie mit hohen Garantiepreisen vergütet werden.

Die Behörde betont in diesem Zusammenhang, die Angleichungen der ETMEAR „sind das Resultat der Probleme, die sich bei dem Verfahren der Eingliederung der verschiedenen EE-Technologien und hauptsächlich der photovoltaischen Systeme in das Energiesystem des Landes einstellten„. Sie merkt dennoch an, die Belastung der Konsumenten unter diesen schwierigen Umständen könne nicht weitergehen und ruft alle Beteiligten auf, alternative Lösungen zu finden, damit der Belastung der Konsumenten Einhalt geboten wird.

Quellen des Ministeriums für Energie führten an, die durchschnittlichen Produktionskosten aus erneuerbaren Quellen liegen im Vergleich zu konservativen Energiequellen zweieinhalbmal höher, wobei die höchsten Kosten auf die PV-Anlagen (2012 mit 420 €/MWh) und weniger auf die Windanlagen (90 €/MWh) entfallen.

Es sei angemerkt, dass der griechische Staat inzwischen zur Deckung des sich aus den erneuerbaren Energiequellen ergebenden Defizits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen hat, wie die Senkung der garantierten Abnahmepreise für die „grüne“ Energie, die Erhebung einer Sonderabgabe von den Erzeugern, die Aussetzung des Genehmigungsverfahrens für neue PV-Anlagen, die Erhebung einer Sonderabgabe auf Braunkohle und die Umleitung von 25% der Rundfunkgebühren (deren Erhebung allerdings wegen der am 11 Juni 2013 verfügten Schließung der öffentlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt ERT ausgesetzt wurde) auf das Konto der erneuerbaren Energien.

(Quellen: Nez.gr, Voria.gr)

  1. kosblog
    22. Juli 2013, 18:51 | #1

    Langsam geht ja wohl gar nichts mehr. Irgendjemand hört in Griechenland den Schuss nicht mehr. Habe heute Morgen bei der DEI Strom bezahlt. 3 waren an der Kasse, 15 standen am Servicepoint. Noch Fragen. Fast 2/3 der Summe auf der Stromrechnung sind nur noch Gebühren, Abgaben, Sonderabgaben, Infrastrukturkosten usw. Und dann die wöchentlichen Stromausfälle. Mittlerweile hat jedes Gerät bei uns im Haus ein UPS. Welch ein Wahnsinn. Und dann brennen manchmal den ganzen Tag die Straßenlaternen!!!! Was läuft da schief. Hat denn noch keiner bei der DEI etwas von Smart Grid gehört. Mir kommt das alles vor wie Flickschusterei. Keinerlei Nachhaltigkeit. Kein Plan. Und leiden müssen die immer ärmer werdenden griechischen Mitbürger und im Sommer die Touristen. Denn die nächsten Strompreiserhöhungen kommen unweigerlich. Genau wie der nächste Stromausfall!

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