Paradiesische Renten von maximal 800 Euro in Griechenland

5. Juni 2013 / Aufrufe: 10.057
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Laut den aktuellen Daten des größten Versicherungsträgers IKA in Griechenland beziehen rund drei Viertel seiner Rentner monatliche Rentenzahlungen von maximal 800 Euro.

Spätestens nach den letzten „horizontalen“ Kürzungen (= gestaffelte Kürzungen bei Bezügen von über 1.000 Euro sowie Zusatzrenten) der Renten im angeblichen Rentenparadies Griechenland wurden die im Ausland nach wie vor immer wieder gerne populistisch angeprangerten „Luxusrenten“ des größten gesetzlichen griechischen Versicherungsträgers für Arbeitnehmer (IKA) zu einer „von der Ausrottung bedrohten Art“.

Von den insgesamt 1.158.309 Rentnern des Trägers beziehen gerade einmal 3.118 Personen weiterhin Renten in Höhe von über 2.000 Euro, während sich die Anzahl derjenigen „Luxusrentner“, deren monatliche Bezüge infolge der wiederholten globalen Kürzungen auf Beträge zwischen 1.100 und 1.400 Euro sanken, verdoppelte.

Die „Landschaft“ der Bezüge der IKA-Rentner in Griechenland

Den Umsturz gibt die von der „Imerisia“ publizierte „Rentenkarte“ der IKA wieder, die sich auf die Beträge bezieht, welche die Rentner der größten griechischen Pflichtkasse für (einschließlich auch der von den DEKO und Banken kommenden) Arbeitnehmer nach den Kürzungen erhalten, die auf die Summe der Rentenbezüge jeglicher Art (Haupt- plus Zusatzrente) in Höhe von über 1.000 Euro zur Anwendung kamen.

Auf Basis dieser Daten verteilen sich die Rentenzahlungen der IKA an insgesamt 1.158.309 Rentner folgendermaßen:

Rentenbetrag in € Anzahl der Rentner Anteil an der Gesamtzahl der IKA-Rentner
Bis 800 838.135 72,40%
800,01 – 1.100,00 125.578 10,84%
1.100,01 – 1.400,00 134.110 11,58%
1.400,01 – 1.700,00 48.426 4,18%
1.700,01 – 2.000,00 8.937 0,77%
2.000,01 – 2.300,00 2.223 0,19%
2.300,01 – 2.600,00 657 0,05%
2.600,01 und mehr 238 0,02%

Altersarmut und Kopfsteuern anstatt Grundsicherung …

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass in Griechenland ergänzende Sozialleistungen zur Sicherstellung des Lebensunterhalts auf Basis von Mechanismen wie beispielsweise der in Deutschland etablierten „Grund- / Mindestsicherung“ unbekannt sind. Einzige Ausnahme stellt die sogenannte „Soziale Solidaritätszulage für Rentner“ (EKAS) dar, die jedoch aufgrund strenger Einkommenskriterien und speziell auch der neuen Alterskriterien (2013: Erfüllung des 64. Lebensjahrs, 2014: Erfüllung des 65. Lebensjahrs) nur noch einem relativ kleinen Kreis Berechtigter gewährt wird, während bezeichnenderweise die Empfänger der Mini-Renten des OGA von der Leistung pauschal ausgeschlossen sind.

Stattdessen werden sogar auch Empfänger geradezu lächerlich geringer Mini-Renten mittels der berüchtigten und absolut willkürlichen „Lebensführungs-Indizien“ gnadenlos in die Pflicht genommen und mit völlig absurden Steuerforderungen konfrontiert, denen die Betroffenen natürlich weder in ihrem jetzigen noch in einem eventuellen zweiten oder gar dritten Leben zu entsprechen vermögen werden … .

(Quelle: Imerisia)

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  1. Mark
    5. Juni 2013, 12:29 | #1

    Es sollte erwähnt werden das IKA nicht der einzige Rentenversicherungsträger in Griechenland ist. Alle Versicherungsträger zusammengenommen ergibt sich ein anderes Bild. In GR sind 22% ALLER Renten über € 1000,- im Monat. Das trifft letztendlich auch auf die IKA zu. Da die Rentenzuschüsse aus dem Staatshaushalt für einen Renter der OTE 11000,- und der DEI 16000,- im Jahr betragenund zusätzlich diese Rentner ja auch noch von Ihrer Kasse finanziert werden kann man sich ausmalen was für Renten dort gezahlt werden. Es bleibt dabei, die Parteienkundschaft und die Seilschaften bekommen immer noch die Sahne und für den Rest bleibt die Molke!

  2. Götterbote
    5. Juni 2013, 16:04 | #2

    @Mark
    Ich kann auch nach Ihrem Beitrag nicht erkennen, welches andere Bild sich dadurch ergeben soll. Dass über 20% der Renten bei über 1.000 Euro liegen, war schon ablesbar, dass sich wenige viel einstecken dürfen auch (warum auch nicht, ist überall so?!).
    Ich stelle mir eher die Frage: sind „über“ 1.000,- Euro zuviel? Wohl kaum …

  3. Petroulla
    5. Juni 2013, 18:43 | #3

    @Götterbote
    Zuviel nicht. Aber wenn man bedenkt, daß viele Beschäftigte im privaten Sektor von einem G E H A L T dieser Höhe nur träumen, kommen einem die Relationen schon etwas verschoben vor. In der Tourismusbranche sind 600,-€ monatlich bei einer 7-Tage-Woche und 10 – 12 Stunden Tagesarbeitszeit normal. Aber die höheren Renten werden auch nur im öffentlichen Dienst und bei staatlichen Unternehmen gezahlt, die hierzulande ja schon eine eigene Klasse darstellen. Mark hat schon völlig recht. Stellt sich nur die Frage, auf welcher Seite etwas geändert werden sollte.

  4. JorgoGR
    5. Juni 2013, 20:26 | #4

    Mark :
    Es sollte erwähnt werden das IKA nicht der einzige Rentenversicherungsträger in Griechenland ist. Alle Versicherungsträger zusammengenommen ergibt sich ein anderes Bild. In GR sind 22% ALLER Renten über € 1000,- im Monat. Das trifft letztendlich auch auf die IKA zu. Da die Rentenzuschüsse aus dem Staatshaushalt für einen Renter der OTE 11000,- und der DEI 16000,- im Jahr betragenund zusätzlich diese Rentner ja auch noch von Ihrer Kasse finanziert werden kann man sich ausmalen was für Renten dort gezahlt werden. Es bleibt dabei, die Parteienkundschaft und die Seilschaften bekommen immer noch die Sahne und für den Rest bleibt die Molke!

    Da ändert sich gar nichts mehr an dem Bild … weil alle Pleiten sind … und da wird sich auch in Zukunft nichts mehr ändern, denn aus dem Uhrwerk sind ein Paar Zahnrädchen gebrochen. Alles andere was geschrieben und Statistik auf dem Papier steht ist Augenwäscherei und das Volk still zu halten die Gläubiger dazu … würde nicht so gut kommen wenn es öffentlich wird, dass steuergelder in den Hochofen GR verheizt worden sind. Ich Lebe hier in Griechenland und liebe das Land und bin sehr stolz darauf … das war es aber auch schon … es hilft nur eins … noch … alles auf null. Eine Reagierung aus verschiedenen Länder zusammengesetz die das Geld der EU nicht verbraten sondern das Land damit Aufbauen … am Rande erwähnt Parteien wie ND oder Pasok sind selbst Pleite richtig Pleite … also ratet mal wo geld abgezwackt wird um gerade so noch die Parteien am Leben zu halten …

  5. Helmut Josef Weber
    5. Juni 2013, 21:26 | #5

    3,7 Millionen Rentner leben in Deutschland mit einer gesetzlichen Rente von unter 300 Euro im Monat. Sechs Millionen Rentner erhalten eine bis zu 500 Euro. 13 Millionen Senioren, rund 72 Prozent, erhielten 2012 eine Rente von 1000 Euro im Monat. Davon darf der Rentner noch Krankenkasse und die Zuzahlungen bei Leistungen zahlen zahlen.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  6. JorgoGR
    5. Juni 2013, 23:37 | #6

    Helmut Josef Weber :
    3,7 Millionen Rentner leben in Deutschland mit einer gesetzlichen Rente von unter 300 Euro im Monat. Sechs Millionen Rentner erhalten eine bis zu 500 Euro. 13 Millionen Senioren, rund 72 Prozent, erhielten 2012 eine Rente von 1000 Euro im Monat. Davon darf der Rentner noch Krankenkasse und die Zuzahlungen bei Leistungen zahlen zahlen.

    Das streitet sicher keiner ab. Wie viele waren Selbständig und haben nicht vorgesorgt? Oder haben die alle fleißig eingezahlt? Das wird noch heftig in Deutschland, wenn all die Hartz-Empfänger mal in Rente gehen. Aber eins ist nicht von der Hand zu weisen: dass Deutschland eins der sozialsten Länder dieser Welt ist, da wird keinem der Strom abgestellt, ebenso sitz da im Winter auch niemand im Kalten, wenn er sich darum bemüht sorgt der Staat schon.
    Vergleichen wir Deutschland mit Griechenland, empfinde ich es als eine Schande in einem Wirtschaftsstaat wie Deutschland, dass hier Menschen so leben. Aber Griechenland ist kein Vergleich zu Deutschland … allerding würde das nun hier auch den Rahmen sprengen denke ich, aber danke für ihren Beitrag. Ich vermute … nein ich schreibe es nicht, ich denke mir meinen Teil und schmunzel darüber nur.

  7. Griechenlandfanin
    5. Juni 2013, 23:51 | #7

    @Helmut Josef Weber
    Sie vergessen bei Ihrer Aufrechnung, dass Griechenland gerade mal gut 10 Mio. Einwohner hat (weiss es nicht genau, aber so in Etwa). Wieviele Einwohner hat Deutschland? Solche Rechnungen funktionieren nicht. Gerade deshalb auch nicht, weil es in Deutschland viele Beihilfen gibt. Kein Rentner in Deutschland lebt mit einer Rente unter 300 Euro. Wohngeldzulage, Sozialhilfe oder Harz V. Bekleidungsgeld etc. All das gibt es in Griechenland nicht! Dazu kommt, dass ausser Gemuese der Saison alles sehr viel teurer ist als in Deutschland. Wer hier arbeitslos ist, hat auf Dauer verloren. Arbeitslosengeld sehr befristet und sehr sehr niedrig. Wissen Sie, dass hier mittlerweile sehr viele Menschen ohne Strom leben? Sie koennen es nicht mehr bezahlen. Wissen Sie, dass sehr viele Menschen nicht mehr krankenversichert sind? Haben Sie in Deutschland in den letzten Jahren mal einen Behinderten ohne Beine auf einem Rollbrett, sich mit den Haenden vorwaertsschiebend gesehen? Kommen Sie nach Athen oder in andere Grossstaedte. Es ist mir klar, dass in Deutschland auch nicht alles bestens ist. Aber es kommt doch darauf, an die Relationen zu erkennen und auch, was mit Griechenland passiert. Griechenland ist ein kleines Land und lebt vom Tourismus und etwas von Landwirtschaft. Es ist kein Industrieland wie Deutschland. Die Griechen sind auch nicht faul, wie so oft in der Presse in Deutschland das Bild vermittelt wird. Wenn Sie hier waeren und das Land erleben wuerden, wuessten Sie, dass es im Sommer sehr heiss ist. Dann gibt es eine Art Siesta. Dafuer aber wird in den sehr fruehen Morgenstunden gearbeitet und am spaeten Abend. Klar gibt es Misstaende in der Regierung und diese gehoert abgewaehlt. Korruption, nicht entschuldbar, ueberall , auch in Deutschland. Gehen wir doch gemeinsam dagegen an. Es ist nicht rechtens, dass es Arme in Deutschland, in Griechenland oder ueberhaupt irgendwo gibt und sich andere eine goldene Nase an dieser Armut verdienen. In diesem Sinne. Sage ich Kalinichta und hoffe, dass nicht zu viel verdorben wird von der Springer Presse.

  8. Roditisa
    6. Juni 2013, 08:42 | #8

    @Helmut Josef Weber
    Prozentual gesehen sind also etwa gleich viele Menschen in beiden Ländern von Altersarmut betroffen (Deutschland 0,08% der Bevölkerung, Griechenland 0,09%). Die grosse Frage ist, unter welchen Umständen leben diese Menschen nun?

    Kennen sie in Deutschland Menschen, deren Kinder von der Schule abgehen, um die Medikamente des Vaters (Frührentner) zu zahlen? Kennen sie in Deutschland Rentner, die ohne Strom leben, weil sie die Grundsteuer nicht bezahlen können? Kennen sie in Deutschland Rentner, die medizinisch notwendige Behandlungen nicht bekommen, weil sie diese nicht bezahlen können? Kennen sie in Deutschland Rentner, die keine Heizung haben?

    Ich wohne auf einer griechischen Insel, wo sie Situation lange nicht so dramatisch ist wie in den großen Städten. Dennoch kennen ich persönlich Menschen, die so leben.

  9. Mark
    6. Juni 2013, 09:36 | #9

    Die Renten als Gesamtes sind in Griechenland bei weitem zu hoch. Da muß noch sehr viel gekürzt werden. Die jetzigen Leistungserbringer dürfen nicht so belastet werden das Sie ausbluten. Zum einen sehr hohe Abgaben und selber die Aussicht fast garnichts zu bekommen. Schöner Generationenvertrag. Die Alten hatten und haben ein schönes Leben auf Pump und das ohne oder wenig Leistungerbringung und die Jüngeren müssen jetzt ordentlich bluten. Ich kann jedem jungen Menschen in GR nur empfehlen, auszuwandern. GR ist nur ein Paradies für Sonnenhungrige und nicht für Leistungsfähige und Leistungswillige.

  10. Willi F. Gerbode
    6. Juni 2013, 11:08 | #10

    @Jorgo GR: „weil alle Pleiten sind“ – richtig, nur zur Ergänzung noch der Hinweis, dass eine wesentliche Ursache für die extreme Verschuldung der öffentlichen Versorgungsträger ist, dass diese seinerzeit (mehr oder minder gedrängelt) griechische Staatsanleihen gekauft haben. Manche meinen, für die schlechte Kassenlage seien im wesentlichen die durch die Rezession und Arbeitslosigkeit zurückgegangenen Rentenversicherungseinnahmen verantwortlich. Diese verschärfen nur die Lage der Träger – und der Rentenbezieher. Es ist zu erwarten, dass die Mindestrente noch weiter absinken wird, und die liegt weit von der in der IMERISIA aufgeführten Unterklassengrenze von 800 € entfernt: halb so hoch nämlich, 400 €. – Wen wundert es also, dass die hier angesiedelten Renten-Underdogs besonders in den Zentren eine wichtige Wählerklientel für Chríssi Avgí darstellen!

  11. Dimitri Takides
    1. Oktober 2014, 13:19 | #11

    All die oben aufgeführte Kommentare haben Ihre Berechtigung aber leider beschreiben nur peripher die dramatische Situation.Ich komme nach viele Jahre zum Besuch nach Griechenland und meine Eindruck auf Grund der Situation meine verwanden ist unbeschreiblich.
    Man hat ein Land nicht nur wirtschaftlich sondern auch moralisch vernichtet (die Menschen weil machtlos und weil keine positive Zukunftsperspektiven zu erkennen sind, haben aufgegeben, sind nicht mehr an den gesellschaftlichen Prozess beteiligt , gefährlich apathisch, wie lange noch unbekannt?), einer super ausgebildete Jugend ist die Zukunft für vorerst eine ganze Generation geraubt. Man hat den Griechen Ausländisches Kapital unbegrenzt bis 2009 zur Verfügung gestellt, die Banken haben Ihre Kunden regelrecht gezwungen Geld zu nehmen und haben ständig Ihre Kunden angerufen um die gute und langfristige Rückzahlungskonditionen zu erwähnen.
    Nach der Weltwirtschafts- und Eurokrise wollten nun die Banken Ihre Geld von heute auf Morgen zurückhaben. Die Ergebnisse sind bekannt. Nichts, keine Troika und keine Regierung kann helfen zumal alle Maßnahmen die Situation eher verschlechtert haben. Die Schulden Griechenlands wuchsen durch das sogenannte „Memorandum “ um das Zweifache nach Beginn der Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit ebenfalls. Die Ironie? Die europäische Regierungen hund die Massenmedien haben je nach dem diese Maßnahmen an Ihre Klientel als altruistisch, großzügig, humanitär, europäisch verkauft. Daraus ist unter den EU Bürger des Nordens der Eindruck entstanden „wir verschulden uns wegen den faulen Griechen“.
    Europa ist so wie so tot. Was nun Griechenland helfen wurde ist ein neuer Anfang.

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