Griechenland zockt Auslandsgriechen ab

10. Juni 2013 / Aktualisiert: 11. Februar 2014 / Aufrufe: 6.953

Das Finanzamt in Griechenland zockt im Ausland lebende Griechen ab, die so dumm waren, ihre Ersparnisse auf Konten bei griechischen Banken zu überweisen.

Der griechische Staat knöpft griechischen Emigranten skrupellos die Hälfte der Gelder ab, die sie in den letzten Jahren in ihr Vaterland transferierten, obwohl die Beträge bereits in den Ländern besteuert wurde, in den sie arbeiteten und ihr Geld verdienten.

Genauer gesagt verlangt das Finanzministerium von den Betroffenen, auf das von ihnen nach Griechenland gebrachte Geld 45% Einkommensteuer nebst den anfälligen Strafsteuern und Zuschlägen zu entrichten oder aber vor die  Verwaltungsgerichte zu ziehen, die über die Substanz ihres Falls entscheiden werden.

Formfehler stigmatisiert zigtausend ehrliche Bürger als Steuerhinterzieher

Entstanden ist die Situation, weil die zahllosen Emigranten wie von der einschlägigen Gesetzgebung vorgesehen vor (!) ihrer Umsiedlung eine Erklärung über die Verlegung ihres Steuerwohnsitzes einzureichen und zu beantragen gehabt hätten, entweder dem Finanzamt für Auslandsansässige (sofern sie in Griechenland in Attika wohnten) oder dem Finanzamt der Hauptstadt ihrer Präfektur (sofern sie in der Provinz lebten) unterstellt zu werden.

Von den in die ganze Welt ausgewanderten Millionen Griechen haben die meisten dies allerdings nicht getan, entweder weil sie nichts zurückließen, was sie mit der Heimat verbunden hätte, oder aus Unwissenheit oder sonstigen Gründen. Viele von ihnen schickten dann als Arbeitnehmer aus dem Ausland jahrelang insgesamt zig Millionen Euro nach Griechenland, und zwar auf Bankkonten, die sie bei griechischen Banken – manchmal gemeinsam mit Verwandten – führten.

Weil das Finanzamt diese Emigranten jedoch immer noch als Einwohner Griechenlands (sprich Steuerinländer) betrachtet, „sieht“ es so mittels der pauschalen Recherchen der Bankguthaben und Einkommen, dass sie Gelder auf griechische Bankkonten einzahlen, ohne in Griechenland entsprechenden Einkommen deklariert haben. Diese Gelder werden auf keinerlei Weise versteckt gehalten und bieten somit dem Finanzamt und dem Dezernat für Wirtschaftskriminalität (SDOE) ein „Ziel“, die jeweiligen Konteninhaber als Steuerhinterzieher einzustufen und zu überprüfen.

Überweisungen in die Heimat erweisen sich als böser Bumerang

Charakteristisch ist der Fall eines in England ansässigen Griechen, der von dem SDOE einen Steuerprüfungsbescheid erhielt, weil er in den im Ausland verbrachten Jahren 2006 – 2011 in Griechenland minimale oder gar eine Einkommen hatte, jedoch fast ununterbrochen jeden Monat Überweisungen in Höhe von insgesamt 90.000 Euro auf persönliche oder Gemeinschaftskonten überwies, die er bei griechischen Banken führte.

Die Lösungen, die der Staat all diesen betroffenen Bürgern bietet, sind zwei: Entweder sie rufen die Verwaltungsgerichte an und nehmen alles in Kauf, was mit einer solchen Klage einhergeht, oder – sofern sie es noch schaffen – sie ziehen ihr Geld aus Griechenland ab, um nicht wenigstens die Hälfte (oder noch mehr) ihrer Guthaben zu verlieren, da das Finanzamt – wie von der Steuerordnung bestimmt – die nicht fristgerechte (sprich rückwirkende) Meldung der Verlegung des Steuerwohnsitzes nicht akzeptieren kann.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass den Betroffenen abhängig von der Höhe der strittigen Beträge unter Umständen auch strafrechtliche Konsequenzen und weitere Sanktionen bis hin zu empfindlichen Haftstrafen drohen. Nach dem selben Muster werden im übrigen auch eventuelle Mitinhaber der strittigen Konten in die Pflicht genommen, obwohl sie meistens nur eingetragen wurden, um formal für Rechnung der eigentlichen (im Ausland ansässigen) Kontoinhaber agieren zu können.

(Quelle: Marketbeast.gr)

Relevante Beiträge:

  1. CYR
    10. Juni 2013, 13:25 | #1

    Das schlimme an dieser Situation ist für mich das erstens der griechische Staat jeden Bürger als Verdächtigen und mit Vorsatz kriminell ansieht, und zweitens das in Zukunft die „Auslands“-Griechen weitaus weniger Geld überweisen werden. Etwas was die griechische Gesellschaft am wenigsten braucht.

    Auch diese Passage ist lustig
    „…wie von der einschlägigen Gesetzgebung vorgesehen vor (!) ihrer (Emigranten) Umsiedlung eine Erklärung über die Verlegung ihres Steuerwohnsitzes einzureichen und zu beantragen gehabt hätten…“

    WOW ich emigrierte im zarten Alter von 18 Monaten nach D. Und nun, bin ich jetzt formal immer noch Steuerpflichtig in GR?

    Den Beamten sollte wohl klar sein dass damit die Doppelbesteuerungsabkommen mit anderen Ländern verletzt werden.

  2. V99 %
    10. Juni 2013, 16:02 | #2

    Dass man, wenn man seinen Wohnsitz nicht ordnungsgemaess abmeldet, mit „Repressalien“, also Forderungen von irgendwelchen Aemtern, Behoerden, rechnen muss, ist in anderen Laendern auch ueblich. Nur die griechische Regierung (komisch, immer wenn dieser Begriff faellt, muss ich an den guten alten George W. Bush denken und seine Titulierung: „Schurkenstaaten“, um den Ueberfall auf den Irak zu rechtfertigen) und ihre Abzock-Eliten haben mal wieder jedes Maass verloren und beklauen ihre eigenen Landsleute auf mieseste Art und Weise. So wird es nie mehr was mit Investoren aus dem Ausland. Ich sehe mit erstaunen, was gerade in der Tuerkei passiert und wundere mich immer noch, wie brav man hier bleibt.

  3. Maria P.
    10. Juni 2013, 16:49 | #3

    Jetzt verstehe ich, warum Griechenland seine Bürger nicht aus der Staatsangehörigkeit „entlässt“!

  4. Götterbote
    10. Juni 2013, 16:50 | #4

    Das ist, als wenn das schlechte Essen des Tavernen-Kochs nicht ausreicht, um die Gäste zu vergraulen und der Koch daraufhin noch vor den Augen der Gäste ins Essen spuckt. Wie kann man es als Staat nur schaffen, sich immer wieder so dermaßen lächerlich zu machen?! Was steckt dahinter? Pure Absicht oder tatsächlich unglaublich große Dummheit?

    Es muss doch jedem Politiker/Beamten der auf solche Ideen kommt, klar sein, dass man sich damit erneut ein Eigentor schießt. Nicht nur, dass man damit weiteres Vertrauen in den Staat verliert, ggfs. Abkommen (wie im Vorkommentar erwähnt) verletzt, sondern damit vermutlich genau das Gegenteil erreichen wird. Die Leute werden ihr Geld dort abziehen und keines mehr schicken. Das freut die Banken und unterm Strich die ganz bestimmt. Ich hatte tatsächlich vor, in nächster Zeit Geld auf mein griechisches Konto zu transferieren, aber unter diesen Umständen lasse ich es besser sein.

  5. kronos
    10. Juni 2013, 18:15 | #5

    Man fragt sich, in wessen Händen sich der griechische Staat eigentlich befindet? In den Händen der Mafia? Auslandsgriechen, die jahrzehntelang so naiv waren, ihr hart erarbeitetes Geld nach Griechenland zu schicken, um sich dort eventuell den Traum eines ruhigen Lebensabends zu verwirklichen oder ein Geschäft zu eröffnen, werden von einem irrwitzigen Beamtenapparat wie Schwerstkriminelle vorgeführt. Es war auch das Geld der Auslandsgriechen, welches in Griechenland für Erneuerung und Investitionen gesorgt hat! Nicht mal ansatzweise wurde dies bisher honoriert. Diese Menschen haben ihrem Land immer die Treue gehalten und bekommen nun einen Tritt. Wie soll man für so einen Staat noch irgendeine Sympathie entwickeln? Offensichtlich sind sich einige in den Amtsstuben des Landes in ihrem Wahn Steuern auf Teufel komm heraus einzutreiben nicht ganz bewußt, dass für viele Griechen im Ausland grade eine Welt zusammenbricht; sie sehen ihr Land versinken, werden ihren Lebensabend im Ausland verbringen müssen und nie mehr zurückkehren. Das tut weh, denn das haben das Land, seine Kultur, seine Geschichte und auch die vielen einfachen und ehrlichen Leute nicht verdient!

  6. manoli h.
    10. Juni 2013, 20:59 | #6

    Ich verstehe das Wehklagen nicht. Der Griechische Staat hat mit Griechenland und der Mehrzahl seiner Bürger nichts gemeinsam. Das sind zwei absolut unterschiedliche Welten. So wie Kriminelle und Polizisten – wer was ist überlasse ich eurer Fantasie.

  7. evemar
    10. Juni 2013, 21:25 | #7

    Das ist ja unglaublich!!!! Kann man da nicht vor den Europäischen Gerichtshof ziehen wegen Doppelbesteuerung? Und wie ist das mit Griechen oder Ausländer die hier leben und zu 100% nur Geld aus dem Europäischen Ausland erhalten (und sonst keinerlei Vermögen haben) das auf kein griechisches Konto eingeht?

  8. Moppel
    10. Juni 2013, 22:09 | #8

    @evemar
    Wie in dem Artikel angesprochen wird, steht den Betroffenen der – allerdings kostspielige und zeitraubende – Weg vor die griechischen Verwaltungsgerichte offen.
    Wer in Griechenland als „Steuerinländer“ geführt wird, muss sein gesamtes Welteinkommen aus allen beliebigen Quellen in Griechenland deklarieren und gemäß der griechischen Gesetzgebung versteuern. Bereits im Ausland entrichtete Steuern können im Rahmen ggf. bestehender Doppelbesteuerungs- / bilateraler Abkommen zur Verrechnung kommen.

  9. Kostantinos
    11. Juni 2013, 13:10 | #9

    Der Staat vergrault sich damit fast alle Griechen die im Ausland leben und damit auch jedlichen neuen Kapitalfluss von denen nach Griechenland. So kann man die Banken auch platt setzen.

    Leider waren meine Eltern auch betroffen. Allerdings sind diese im Rentenalter von Deutschland nach Griechenland umgesiedelt und haben sich dort ordenlich Steuerlich angemeldet. 5 Jahre blieben sie dort, dann mußten sie aus Gesundheitlichen Gründen wieder nach Deutschland zurück. Da trudelte ein Brief von der Oberfinanzverwaltung aus Athen ein, es wurde direkt eine Steuerhinterziehung unterstellt und eine Abgabe von 45 % des Guthabens verlangt, wenn nicht innerhalb von einer Frist, bewiesen wird woher die Gelder stammen und ob sie versteuert wurden. Alles was vormals von Deutschland nach Griechenland überwiesen wurde, ist dann wieder zurück nach Deutschland überwiesen worden.
    Das Finanzamt forderte dann Nachweise über den langen Aufenhalt in Deutschland und über den Rentenbezug aus Deutschland. (Obwohl für die Zeit des Aufenthaltes in Griechenland, die Steuererklärungen abgegben wurden)
    Wir mußten, eine Archivauskunft vom Einwohnermeldeamt besorgen, für den langjährigen Aufenhalt in Deutschland. Einen Nachweis der Renteneinzahlungen und einen Nachweis wie lange sie hier gearbeitet haben, einen Nachweis vom Finanzamt das die Einkommensteuererklärungen in Deutschland erfolgt sind.
    Für den Nachweis vom Finanzamt war eine Vorbeglaubigung vom Hauptfinanzamt notwendigt. Danach mußte alles mit einer Apostile versehen werden und nach Griechenland geschickt werden. Das läuft nun über ein Jahr und geklärt ist immer noch nichts.(Wir hatten Glück, das die alte Steuernummer meiner Eltern noch auffindbar war)

    Meiner Meinung nach setzt die Regierung darauf, daß viele Menschen diese Nachweise nicht mehr erbringen können. Es ist nicht gerade preiswert und wer in Griechenland lebt und keinen hat der im Ausland alles besorgt, müßte richtig tief in die Tasche greifen.

    Vermutlich würde Griechenland alle Prozesse verlieren, weil die Gelder ja schon im Ausland versteuert wurden, aber wenn ca. 40 % oder 50% nicht in der Lage sind, innerhalb der Fristen die Dokumente zu besorgen oder teure Prozesse zu führen, hat die Regierung mit einem Schlag viel Geld „eingenommen“

  10. Team
    11. Juni 2013, 14:35 | #10

    @Mark
    Kommentar und Vorbereitung des Beitrags überschnitten sich zeitlich, der Text ist inzwischen auch in deutscher Übersetzung verfügbar:
    Griechenland korrigiert ungerechte Besteuerung von Auslandsgriechen

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