Arbeitslose in Griechenland verschmähen Feldarbeit

5. Juni 2013 / Aufrufe: 4.608

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit in Griechenland sind nur wenige Griechen bereits, sich zu den üblichen Hungerlöhnen in der Landwirtschaft zu verdingen.

In letzter Zeit wird viel darüber geredet, dass sich in Griechenland hauptsächlich junge Leute dem Sektor der Landwirtschaft zuwenden. In der Praxis scheint sich diese Tendenz jedoch nicht auf die klassische Landarbeit, sondern auf die kleinunternehmerische Tätigkeit in neuen Kulturen zu beziehen. Charakteristisch ist, dass bei der Pfirsichernte in den Präfekturen Imathia und Pellas ein weiteres Jahr Ausländer – hauptsächlich aus Albanien und Bulgarien – arbeiten, da die Griechen nicht einmal kamen um eine Bewerbung auszufüllen.

Zu einer Stunde, wo laut den offiziellen Daten der griechischen Arbeitsbehörde (OAED) für den Monat März die Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe von 30 bis 54 Jahren 63% übersteigt, bekundeten 1.850 ausländische Arbeiter und gerade einmal nur 28 Griechen ihr Interesse, in der Pfirsichernte zu arbeiten.

Pfirsichernte wird überwiegend von Albanern und Bulgaren eingebracht

Die einschlägige Bekanntmachung erfolgte von der „Spontanen Bewegung der Landwirte“ der Präfektur Imathia per Internet. Von den 28 Griechen, die sich anfänglich interessiert zeigten, begaben sich letztendlich sogar nur 2 – eine Mutter mit ihrem Sohn aus Thessaloniki – nach Imathia, aber als sie genau über die von ihnen zu verrichtende Arbeit informiert wurden, zogen sie wieder ab.

Entsprechend war das Bild auch im vergangenen Jahr, da alle Griechen, die sich zur Arbeit einstellten, diese sehr schnell aufgaben. „Geht man jetzt nach Veria, sind die Cafeterien voll mit jungen Leuten, die dort herumsitzen und ihren Kaffee trinken und keinerlei Interesse für den Tageslohn zeigen, den sie auf den Feldern verdienen können„, erklärte im Gespräch mit Voria.gr Kostas Liliopoulos, Mitglied der „Spontanen Bewegung der Landwirte von Imathia“, der auf seinen Feldern seit 20 Jahren speziell albanische Felder beschäftigt und betonte: „Wir bevorzugen die Griechen, sobald jedoch diejenigen, die überhaupt kommen, das erste Geld erhalten, gehen sie weg und lassen uns hängen.

Jedes Jahr entstehen von Mai bis September in den beiden Präfekturen 10.000 – 12.000 Arbeitsplätze, die sich hauptsächlich auf die Ernte und die Weiterverarbeitung der Pfirsiche beziehen. Der Tageslohn bewegt sich bei 23 – 25 Euro und bezieht sich auf eine achtstündige Arbeitszeit nebst Sozialversicherung. „Die Arbeit ist besonders in den Sommermonaten schwer„, erkannte Herr Liliopoulos jedenfalls an. (Anmerkung: In der Praxis beträgt die Arbeitszeit häufig 10 Stunden und mehr, und bezüglich der Sozialversicherung wird ebenfalls auf breiter Basis „gemauert“.)

Sicherlich hat kein junger Mensch – besonders wenn er studiert hat – als Traum seines Lebens, eine dermaßen mühsame manuelle Arbeit zu verrichten, in keinerlei Zusammenhang mit dem Gegenstand seiner Ausbildung und mit nicht besonders befriedigenden Bezügen. Es ist jedoch ein Tagelohn, um zu der wirtschaftlichen Situation seiner Familie oder auch der eigenen beizutragen, den er sogar auch inmitten der tiefen Krise finden kann, welche unser Land durchlebt.

(Quelle: Voria.gr)

  1. windjob
    5. Juni 2013, 03:56 | #1

    Kommt mir irgendwie bekannt vor. Dasselbe Thema hatten wir ja in Deutschland bei der Spargelernte. Dort arbeiten als Spargelstecher auch meist Polen, da sich die arbeitslosen Deutschen dafür zu schade sind. Also nicht nur Griechenland typisch.

  2. Fragezeichen
    5. Juni 2013, 08:05 | #2

    Ob das wirklich so einfach gesehen werden kann, dass sich jemand „zu schade“ zu Arbeiten sei, das sollte an dieser Stelle im Interesse ALLER angezweifelt werden, denn ein Job für etwa 2 bis 3 Euro pro Stunde, das ist keine Arbeit, das ist Sklaverei. Wird dazu gerechnet, dass sich der Arbeitgeber auch noch die Sozialversicherung, insbesondere die Krankenversicherung, einspart, dann ist so ein Jobangebot in der Tat inakzeptabel.
    Das ist kein Niedriglohn, das ist ein Hungerlohn, der kaum dazu betragen dürfte, eine Familie zu ernähren – beschämend, dass ein Arbeitgeber überhaupt den Mut hat, so ein Entgeld überhaupt anzubieten.
    Ich komme aus Deutschland und lebe seit fast 14 Jahren in Griechenland, seit 4 Jahren in Makedonien, und ich denke, dass ich mir ein Urteil über die Situation erlauben kann:
    Hier jobben junge Leute für 3 bis 4 Euro pro Stunde in Cafés, Bars und Bistros, wer in der Küche steht, kommt zumeist auf 10 Stunden am Stück, der Arbeitstag endet nicht selten lange nach Mitternacht. Sozialversicherungen nein, ganz klar, denn die bezahlt kein Arbeitgeber. In der Regel jedoch sind das Geschäftsinhaber, die durchaus die Mittel hätten, ihren Mitarbeitern ein zumindest angemessenes Entgeld geben zu können, um jedoch ihren Lebensstandard halten zu können, sparen sie an Lohnkosten.
    Persönliches Fazit:
    Würden sich die Menschen – ob Deutsche, Griechen oder andere – mit dem oben genannten Lohn einverstanden erklären, dann würden SIE es sein, die den Boden bereiten dafür, dass es im kommenden Erntejahr noch weniger sein würde. Und irgendwann arbeitet man dann für 30 Euro pro Monat, eine warme Mahlzeit pro Tag und kostenlose Logis in einer Holzbaracke neben dem Arbeitsplatz.
    Woran erinnert mich das nur? Ach ja, China, Bangladesh, …

  3. himmelhupf
    5. Juni 2013, 09:01 | #3

    Bei einem Tageslohn von 23-25 EURO würde ich auch keinen Handschlag tun. Wer das nicht versteht, tut mir nur leid.

  4. tubo
    5. Juni 2013, 09:28 | #4

    Na vielleicht haben die Griechen einfach keine Lust Frondienste zu leisten nur weil ein Paar fettgefressene Banker sich mit ihrem Geld verzockt haben und jetzt pleite sind. Immerhin sind die Griechen durch die EU-Schuldenfalle schon genug gestraft. Da wäre eine gewaltsame Revolution vielleicht der bessere Weg anstatt seine Kraft sinnlos auf den Feldern zu verplempern. Denn auf friedlichem Wege ist in der EU ja offenbar leider nichts möglich.

  5. ernst
    5. Juni 2013, 09:45 | #5

    Das betrifft nicht nur die pfirsichernte: spargel (nordgriechenland-bulgaren); erdbeeren (einwanderer); fischerboote (ägypter) ; oliven (alle nichtgriechen); trauben + tomaten + orangen (auf der peloponnes), obst (im pelion); griechische frauen sind in ihrem fleiß über jeden zweifel erhaben …

  6. 5. Juni 2013, 10:10 | #6

    @windjob
    anstatt die Ausbeuter anzuprangern, die für 2,50€ Stundenlohn schwere körperliche Arbeit machen lassen, die soziale Nöte und Ungleichheiten der Bezahlung innerhalb Europas hemmungslos ausnutzen, stellen Sie sich hin und behaupten, dass sich deutsche und griechische Arbeitslose für einen solchen Job zu schade sind.
    Ich wünsche Ihnen eine Saison als Erntehelfer bei der Spargelernte als Zwangsarbeit von der Arbeitsagentur angeordnet. (Wenn Sie ablehnen gibts eben kein Geld mehr von Ihrer Arbeitsagentur).
    Und ich hoffe, Sie sind es gewohnt 10 Stunden am Tag in gebückter Haltung zu arbeiten. Denn anderenfalls wird man Sie beschimpfen, dass Sie sich schon am dritten Tag krankschreiben lassen. Die Arbeitsagentur unterstellt Ihnen dann, dass Sie sich für den Job eben zu schade sind und streicht Ihnen das Geld.

    Guten Appetit beim Spargelessen

  7. Normanne1066
    5. Juni 2013, 11:07 | #7

    Windjob, dass ist eine unfaire Pauschalisierung! Sicher gibt es Arbeitslose, die sich zu fein sind, sich die Finger schmutzig zu machen. Aber viele haben so wenig Arbeitslosengeld, weil sie früher bereit waren, solche Niedriglohnjobs zu machen. Jetzt haben sie kein Auto mehr um überhaupt solche Arbeitsorte zu erreichen. Bei 2 – 3 Euro Brutto verdient man gerade das Spritgeld, KFZ-Steuer und die Versicherung. Über einen Beitrag zum Familieneinkommen braucht man da nicht mehr nachzudenken. Bei den niedrigen Lebenshaltungskosten in Bulgarien oder Albanien bleibt sehr wohl etwas übrig am Monatsende. Das ist eine völlig andere Motivation. In Polen haben die polnischen Kollegen auf dem Lande eine Warmmiete von 50 Euro. Warum soll man einen Chef reich machen, wenn sich das eigene Leben kein bisschen verbessert? Man lebt nicht, um zu arbeiten, sondern man arbeitet, um zu leben!

  8. Ich’s
    5. Juni 2013, 11:40 | #8

    Windjob möchte gerne Knochenarbeit für 3,12 Euro die Stunde machen. Oder noch besser gleich umsonst arbeiten. Hauptsache Arbeiten, alles andere ist egal.

  9. Griechenversteher
    5. Juni 2013, 11:57 | #9

    Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: 10 Stunden Schwerstarbeit für 25 Euro.
    Aufgewachsen in einer der wohlhabendsten Regionen der Welt, zur Schule gegangen, Studium oder Ausbildung abgeschlossen – und dann für 2, 50 Maximalstundenlohn in der Gluthitze zentnerschwere Körbe schleppen, bis man zusammenbricht? UND die daraufhin notwendige medizinische Behandlung von den eigenen paar Kröten bezahlen? Also bitte.
    Naja, zum Glück gibt’s die Globalisierung. Und wenn die Albaner schlapp machen, holen wir eben die Leute aus Somalia. An Verzweifelten herrscht ja erfreulicherweise kein Mangel mehr.

  10. Fred Guston
    5. Juni 2013, 12:17 | #10

    Es geht den Jungen wohl immer noch zu gut. Eine wirkliche Depression sieht anders aus.

  11. Alter Schwede
    5. Juni 2013, 12:20 | #11

    Diese ewigen „Berichte“ dass die Menschen in Europa sich fuer Feldarbeit „zu schade“ wären, gehen doch am Kern der Sache allesamt vorbei. Es kann doch nicht so schwer endlich mal zu begreifen das solche „Berichte“ Desinformation reinsten Wassers darstellen! Die Menschen sind sich nicht „zu schade“, diese sogenannten Jobs sind ganz einfach keine Alternive fuer Menschen, die eine Familie ernähren wollen.
    Es ist doch ganz klar dass der Lohn fuer diese Art Arbeit im alleruntersten Bereich angesiedelt ist der ein ueberleben fuer eine Familie in keinster Weise gewährleistet. Wäre die Entlohnung fair und wuerde sich darauf eine Existenz aufbauen lassen, wuerde auch kein Grieche, Deutscher, oder wer auch immer, diese Arbeit verweigern. Ist dass wirklich nicht zu begreifen??!!

  12. Guerilla
    5. Juni 2013, 12:21 | #12

    @windjob
    Mir kommen solche Leute wie Sie bekannt vor, die solche Hungerlöhne wie hier aktuell 2,87 Euro brutto pro Stunde gutheißen, damit sie sich mit den von Hungerlöhnern geernteten Erdbeeren, Pfirsichen oder auch Spargel den Wanst vollschlagen können. Wären Sie und Leute Ihres Schlages bereit, mehr Geld für ehrliche Erntearbeit über den Endverbraucherpreis auszugeben, wäre auch mancher bereit, diese Arbeiten zu verrichten, immer vorausgesetzt, die Arbeit wird anständig bezahlt.
    Übrigens bin ich mit der Problematik gerade polnischer Saisonkräfte vertraut, da ich teilweise als Dolmetscher arbeite, und muß in dem Punkt mal die rosarote Brille zurechtrücken: das Interesse polnischer Saisonarbeiter hat merklich nachgelassen, eben wegen der gezahlten Hungerlöhne. Was jetzt nachkommt, sind (schwarz arbeitende) Weißrussen und Ukrainer sowie Leute aus dem Baltikum. Die Polen sind nach Frankreich weitergezogen, da dort ein Mindestlohn gezahlt wird (schwarze Schafe gibt es natürlich auch da).

  13. Griechenversteher
    5. Juni 2013, 12:32 | #13

    Um das noch mal ausdrücklich zu erwähnen:

    An jedwedem persönlichen Elend sind Somalis, Albaner, Griechen, Deutsche usw. selbst schuld. Banker, Politiker, Konzernbosse und Krisengewinnler jeglicher Couleur können nichts für garnichts, denn sie unterliegen alternativlosen Sachzwängen und wollen nur unser Bestes.

    Ich hoffe, das haben bald alle verinnerlicht. Dann werden endlich die vielen schönen Gelder frei, die jedes Jahr für die globale Massenmanipulation draufgehen.

  14. CYR
    5. Juni 2013, 14:12 | #14

    Finde ich auch gut so dass die Griechen sich nicht so einspannen. Es ist immer die alte Leier. „Wir würden gerne mehr einheimische Mitarbeiter einstellen, aber leider wollen sie nicht für den Lohn den wir den ausländischen Mitarbeiter zahlen arbeiten.“ Neoliberales Denkweise die fatalen Folgen hätte. Es würde eine Spirale erzeugen die den Lohn immer weiter nach unten drehen würde, denn man findet immer einen Ausländer der die Arbeit dann für 1,50 macht.

  15. Bugs
    5. Juni 2013, 14:35 | #15

    Wie wäre es, wenn wir unsere Politiker und Staatsbedienstete zum Pfirsichernten nach Griechenland schicken. Da können wir endlich aufatmen und haben bestimmt genug Geld übrig, um ganz Europa mit durchzuschleppen, ohne es überhaupt mitzubekommen …

  16. Ben Holland
    5. Juni 2013, 15:34 | #16

    Für Arbeit zu schade? Weil man monotone, sinnfreie Arbeit schmäht, bei Einheitspfirsiche und Einheitspargel, die nichtmal in der Region gegessen sondern für den Export irgendwo ganz anders hingeschafft werden? Ich betrachte das als Zeichen geistiger Gesundheit. Bei dieser Arbeit hast du keine Identifikation mit dem Produkt. Ganz anders als in communitygärten oder privaten hydrokulturen, vertikal farms und Guerillagrows. Aber für diese Arbeit die nützlich wäre und die und den Menschen in deiner Umgebung gut tut wird man ja nicht bezahlt. Dumme Welt. Schade, dass es immer noch Menschen gibt die so verzweifelt sind, dass sie für eine monoton, langweilige und harte Arbeit ihre Heimat und Familien verlassen. Ihr merkt selber was falsch läuft, oder? Das Märchen vom faulen griechen oder deutschen, der sich zu „fein“ ist, zieht nicht mehr.

  17. Götterbote
    5. Juni 2013, 15:58 | #17

    Ganz einfach: seid bereit, mehr für Eure Lebensmittel zu zahlen, dann können die Arbeiter auch besser bezahlt werden. Das gilt in erster Linie den Deutschen!

  18. Peter2509
    5. Juni 2013, 16:18 | #18

    @himmelhupf
    Hunger tut weh. Was glauben Sie, für was Sie alles arbeiten würden, wenn es ans verhungern geht?

  19. Willi F. Gerbode
    5. Juni 2013, 17:50 | #19

    Tja, wenn es denn nur so wäre, dass nur für eine vergleichbar kleine Branche Hypo-mini-löhne gezahlt werden! – Die Realität der post-eurotischen Arbeitswelt ist: Der gesetzliche Mindestlohn für Berufsanfänger in GR entspricht ziemlich genau dem der Spargelbranche: 23 – 25 €/ Tag, das sind bei einer 5-Tage-Woche maximal 125 €/ Woche, also 500 €/ Monat. Der Mindestlohn liegt meines Wissens für Berufsanfänger bei 485 €, für alle anderen einen Hunderter höher. Davon kann NIEMAND in GR leben, es sei denn, er lebt bei Freunden oder Verwandten. Schlimmer: Ein derzeitiger Lohn bedeutet selbst bei voller Beschäftigung keinerlei Zukunftsperspektive, also auch keine Chance, auf dieser Basis eine Familie zu gründen. Das Problem ist also beileibe nicht, dass sich irgendjemand zu schade für diese Art von Arbeit wäre (natürlich hat nicht jeder Lust und Kraft, auf dem Felde zu arbeiten), sondern dass diese Arbeitsrealität sozial (siehe oben), aber auch ökonomisch und politisch in die Irre führt. Es dürfte ein Irrtum sein, dass die Griechen, besonders die jungen, nur eine zeitlich begrenzte Wanderung durch ein Tal der Tränen machen müssten, um dann alsbald die Oase des Wohlstands zu erreichen. GR wird noch mehr zu einem Billiglohnland werden. Die Reise des Arbeitsmarktes geht in Richtung Bulgarien und Rumänien – wo ebenfalls die Perspektive ARMUT ist und nicht Wohlstand. Diese ökonomische Sackgasse wird aber – so meine These – in eine politische führen. In dem Moment, wo ALLE die Ausweglosigkeit der Lage erkannt haben, steht m.E. eine soziale Revolte ins Haus. Mag sie nun in Form eines Bürgerkriegs daherkommen nennen oder als Volksaufstand … „Gewalt“ wird am Ende des Tals der Tränen aufscheinen. Und viele – auch im übrigen Europa – werden sagen: das haben wir aber nicht gewollt. Und aus der griechischen Tragödie könnte sich spätestens dann eine europäische entwickeln. Also nochmal: Es geht m.E. nicht darum, ob sich jemand für eine Arbeit zu schade ist – diese miese Bezahlung ist sowohl Symptom als auch ein Vorzeichen für Schlimmeres. Fred Guston verkennt diese Gefahr völlig, wenn er im Stil der Stammtischkopfeten singt: „Es geht den Jungen wohl immer noch zu gut.“ Gutwillige Malocher werden die Misere nicht beenden.

  20. Mitteldeutscher
    5. Juni 2013, 20:10 | #20

    @himmelhupf
    Dann werden sie aber noch staunen, daß sie für Essen und Trinken arbeiten werden, um nicht zu verhungern! Wenn das ganze System zusammengebrochen sein wird, geht es um die nackte Existenz.

  21. JorgoGR
    5. Juni 2013, 20:15 | #21

    Hallo ich Lese jeden Tag über die neuigkeiten. Habe auch hier und da schon meinen Komment dazu gelasen. Ich Lebe selbst in Griechenland. Und ganz so wie der Artikel hier niedergeschrieben worden ist, stimmt nicht. Man spricht hier von Tageslöhner. Das kommt in ca. hin mit den 25 Euro Pro Tag. Sozialversicherung fehlanzeige. Oft werden die Albaner und Bulgaren Schwarz beschäftigt und keine Pauschal Steuer gezahlt. Alles am Fiskus vorbei. Mit den vollen Cafes … nun ja es gibt Sie tatsächlich Jugendliche treffen sich in den Cafes, das ist richtig, aber sie werden dort auch geduldet, nur 2 bestellen was und 5 sitzen dabei. Ich verstehe nicht das man einen Beitrag auch noch öffentlich verfassen tut wo hunderte Lesen und so ein falsches Bild auch ensteht. Bleibt doch bitte bei der Wahrheit auch etwas. Ich bin Vater von 3 Kindern Lebte in Deutschland bis 2006. Es wäre leicht für mich zurück zu gehen. Ich tue es aber nicht meine Famillie zu Liebe. Ich selbst bin Tageslöhner mache oft 2 bis 3 Jobs verschiede pro woche und rutsche immer Tiefer rein jeden Monat … achja noch eins zum Abschluss. Sicher wurde in ganz Griechenland es bekannt gegeben das man Hilfskräfte sucht und die Mutter mit ihrem Sohn nimmt man als Beispiel nun für zig Griechen. Klar wir sind das Land wo die Götter Urlaub machen ganzen Tag in Taverne und Ouzo und Sirtaki … ich würde gerne noch etwas dazu schreiben doch es würde in das Politsche rein gehen und ich getraue mich ehrlich gesagt auch nicht es öffentlich zu schreiben da ich danach Angst um meien Famillie hätte … soweit sind wir schon in Hellas … bleibt stabil und glaubt nicht alles was man so zum Lesen bekommen die Realtät sieht oft anders aus.

  22. HJM
    5. Juni 2013, 22:47 | #22

    @Willi F. Gerbode
    Stimmt alles. Auch ich nehme immer wieder fassungslos zur Kenntnis, was sich Arbeitgeber in Griechenland „trauen“. Es ist auch in der Tat sehr gut möglich, daß am Ende dieses Weges Gewalt stehen wird. Nur: davor kann doch kein halbwegs vernunftbegabter Mensch die Augen verschließen! Die Frage lautet also: was ist beabsichtigt? Billig(st)lohnland? Wem sollte das letztendlich nutzen? Oder kann es sein, daß „der Politik“ die Notwendigkeit einer dauerhaften Alimentierung des griechischen Staates klar ist und soll diese deshalb auf möglichst niedrigem Niveau stattfinden?

  23. V99 %
    5. Juni 2013, 22:49 | #23

    Die Klammer im vorletzten Absatz sagt eigentlich alles. Wer will sich schon freiwillig in die Haende von solchen Bedingungen begeben, wenn er nicht unbedingt muss. Wie JorgoGR schon erwaehnte, wird wieder mal froehlich am bezahlen von Steuern und Krankenkassenbeitraegen vorbei gearbeitet und ob man dann sein Geld ueberhaupt erhaelt, oder wie die Erdbeerpfluecker in Manolada, mit Gewehren und Pistolen zum Teufel gejagt wird, weiss eh keiner. Wenn die Bedingungen tatsaechlich mit IKA und geregelter Arbeitszeit und bezahlten Ueberstunden halbwegs verlaesslich waeren, waere die Bezahlung, im Vergleich zu anderer Arbeit in GR, gar nicht mal so schlecht (25 € : 8 = 3,13 €/h). Zum Vergleich, wenn man fuer die beruehmten 700 € gearbeitet hat, entspricht das einem Stundenlohn von ~ 4€. Und mit jungen Leuten ueberfuellte Cafes, ich meine Tagsueber, sehe ich schon lange nicht mehr in der Hauptstadt. In anderen Artikeln, aus griechischen Zeitungen, wird erwaehnt, dass es sehr wohl Studenten gibt, die Pfirsiche ernten um ihr Studium zu finanzieren.

  24. Griechenlandfanin
    6. Juni 2013, 00:04 | #24

    @Willi F. Gerbode
    Ihre Kommentare gefallen mir wirklich gut. Danke

  25. hassprediger
    6. Juni 2013, 00:11 | #25

    @Götterbote
    jo, das kommt mir irgendwie bekannt vor (habs in ne Reportage im Fernsehen gesehen). KiK- Jeans und Edel-Designer Jeans werden in Asien in derselben Fabrik genäht. Jetzt kaufe ich nur noch Jeans für 200 EUR, damit die Arbeiter jetzt stat 10 Cent pro Stück ganze 2 EUR bekommen. Tolle Logig!

  26. Medley
    6. Juni 2013, 08:17 | #26

    @Willi F. Gerbode

    „In dem Moment, wo ALLE die Ausweglosigkeit der Lage erkannt haben, steht m.E. eine soziale Revolte ins Haus. Mag sie nun in Form eines Bürgerkriegs daherkommen nennen oder als Volksaufstand … “Gewalt” wird am Ende des Tals der Tränen aufscheinen. “

    Achja? Und dann? Und anschließend erhalten die Pfirsichernter -dank der glorreichen Revolution- statt 25 Euro revolutionäre 250 Euro Tageslohn? Und sorgen die Verantwortlichen für die Revolution dann auch dafür, daß das Volk, in dessen Namen sie revoltiert hatten, die nun 10mal so teuren Pfirsiche auch kaufen? Notfalls mit der klassischen Revolutions-Kalaschnikov AK7 an der Stirn? Glauben sie allen Ernstes, mit Revolutionen kann man die Marktgesetze, die, egal in welcher Gesellschaftform, immer auf gleiche Art am Wirken sind, aus der Welt schaffen? Doch nicht wirklich, oder?!

  27. Maximus
    6. Juni 2013, 09:34 | #27

    Die Jugendlichen scheints wenig zu stören, schließlich ist ja Sommer und man schlürft lieber Kaffee oder ist am Meer. Geheule kommt erst wieder in den kälteren Monaten. Ich weiß nur, dass auf Peloponnes viele Familien Olivenplantagen oder Orangenbäume haben, aber die eigenen arbeitslosen Kinder keinen Finger krümmen um die Familie zu entlassten. Lieber stellt man irgendwelche Bulgaren oder Albaner ein.

  28. JorgoGR
    7. Juni 2013, 09:19 | #28

    Maximus :
    Die Jugendlichen scheints wenig zu stören, schließlich ist ja Sommer und man schlürft lieber Kaffee oder ist am Meer. Geheule kommt erst wieder in den kälteren Monaten. Ich weiß nur, dass auf Peloponnes viele Familien Olivenplantagen oder Orangenbäume haben, aber die eigenen arbeitslosen Kinder keinen Finger krümmen um die Familie zu entlassten. Lieber stellt man irgendwelche Bulgaren oder Albaner ein.

    Irgendwie nicht alles gelesen oder einfach mal was geschrieben. Ich ergänze deinen Beitrag
    Ironiε an: Die Griechen ca 10 Millionen einwohner. Sonnenverwöhntes Sirtaki Tanzendes Völkchen. Sehr nette Menschen eigentlich. Ganzen Tag Hopa Hopa-Tagsüber am Strand-Abends in der Taverne bis in die frühen Morgen stunden. Alles Chronische Nixtuer. Wen es regnet oder kälter wird jammernd … oh Mann.

    Verzeiht mir bitte meinen Beitrag. Ich lebe am Minimum … vor Ort. Ich kann manche Klisches nicht mehr lesen. Wen ich wüsste, wie man hier einen Beitrag zu Diskussion stellen könnte und mal die Lage vor Ort schildern. Nicht das, was man durch die Medien so zu sehen und lesen bekommt, sondern der Altag und wie man in Athen Augenwäscherei betreibt für das Volk und für die EU. Was bald auf uns zu kommen wird, denn im Hintergrund ziehen hier manche die Fäden, die eine Gefahr nicht nur für Europa sind und für das Land selbst. Manche denken hier Monate voraus und scheuen auch nicht davor, dass es eventuell ein zweites Jugoslawien gibt, nur in einer anderen Form.

  29. Zoe
    18. Juni 2013, 21:23 | #29

    Ach ja und was sagt die Chrysi Avgi dazu?

  30. Götterbote
    18. Juni 2013, 23:05 | #30

    @hassprediger

    Ihr Kommentar zeigt, dass Sie es nicht verstanden haben.
    1. würde es den Arbeitern sehr wohl helfen, wenn sie statt 10 Cent 2 Euro erhalten. Fragen sie die mal, die würden weinen vor Glück.
    2. muss ich wissen, was ich wofür ausgebe. Wenn Sie glauben, es ist egal, ob Sie 99 Cent für das Kilo Pfirsiche aus Spanien ausgeben oder 1,99 Euro für ein Kilo aus Griechenland, dann irren Sie. Was glauben Sie wohl, warum Sie hauptsächlich spanische und italienische Früchte in den deutschen Supermärkten finden? Dort gibt es große Ländereien und Großbetriebe, die es in Griechenland in der Form kaum gibt, die sich nicht nur gegenseitig immer weiter im Preis unterbieten müssen, um ihre Ware überhaupt los zu werden, sondern im Fall von Italien sogar mafiöse Strukturen aufweisen, um nicht zu sagen, teilweise von der Mafia geleitet werden. Die gehen aus guten Gründen auch schon mal unter die „Produktionskosten“, um die Ware los zu werden. Das ist etwas, was ein griechischer Kleinbauer nicht machen kann. Der Handel tut nur das, was Sie ihm als Konsument vorgeben. Und wenn Sie immer zu dem Billig-Kram greifen, wird er auch weiter billig einkaufen müssen.

    Wer sich schon Dokus dieser Art anschaut (und es gibt eine Menge solcher Filme zu vielen Themen dieser Art), der sollte auch versuchen zu verstehen was die Aussage ist und nicht alles in einen Topf schmeißen und die falschen Schlüsse daraus ziehen.

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