Zahlungsstopp der Haushalte und Unternehmen in Griechenland

25. Mai 2013 / Aktualisiert: 30. September 2017 / Aufrufe: 5.021

Die Hysterese der staatlichen Einnahmen in Griechenland dokumentiert einen zunehmenden Zahlungsstopp der Haushalte und Unternehmen an den Fiskus.

Haushalte und Unternehmen in Griechenland scheinen einen Zahlungsstopp gegen den Fiskus verhängt zu haben, mit dem Ergebnis, dass die Schulden an Finanz- und Zollämter jeden Monat mit geometrischem Fortschritt ansteigen. Allein im April 2013 näherten die „neuen“ fälligen Verbindlichkeiten sich 1 Mrd. Euro, während die fälligen Verbindlichkeiten in ihrer Gesamtheit inzwischen 58 Mrd. Euro „tangieren“.

Ein bezeichnendes Fakt ist, dass einer von vier Steuerpflichtigen, die der Pflicht zur Abgabe einer MwSt.-Erklärung unterliegen, diese nicht eingereicht hat. Zur selben Stunde schreiten die Steuerprüfungen bei den Großunternehmen … gemächlich voran und es ist die Gefahr sichtbar, dass der Wirtschaftsstab nicht seine Zielvorgaben erreichen wird, die von der Troika bezüglich der Realisierung einer konkreten Anzahl von Kontrollen gesetzt worden sind.

Hysterese der Steuereinnahmen stellt Haushaltsplan in Frage

Es ist somit kein Zufall, dass die Verzögerung der Steuereinnahmen den Haushaltsplan zur Entgleisung zu bringen droht. Detaillierter gestalteten sich gemäß den Daten der Zentrale für Informationssysteme (GGPS) gegen Ende April die „neuen“ fälligen Verbindlichkeiten an den Fiskus (die also innerhalb des laufenden Jahres 2013 fällig wurden) auf 3,09 Mrd. Euro, gegenüber 2,17 Mrd. Euro im März 2013.

Parallel gestaltete sich die Summer aller fälligen Verbindlichkeiten (alte Verbindlichkeiten bis 31/12/2012 und neue Verbindlichkeiten seit Anfang 2013) der natürlichen Personen und Unternehmen an den Fiskus gegen Ende April 2013 auf 58 Mrd. Euro, gegenüber 57,28 Mrd. Euro im März 2013. Aus den selben Daten geht hervor, dass im April 2013 die Einnahmen des Fiskus aus der Begleichung eines Teils der „neuen“ Verbindlichkeiten 401 Mio. Euro betrugen (gegenüber 140 Mio. Euro im März 2013) und aus den alten fälligen Verbindlichkeiten 754 Mio. Euro erreichten (gegenüber 606 Mio. Euro im Vormonat).

Jeder vierte Verpflichtete reichte keine Mehrwertsteuer-Erklärung ein

Es ist anzumerken, dass im vergangenen Monat insgesamt 108.100 MwSt.-Erklärungen abzugeben gewesen wären. Fristgerecht eingereicht wurden jedoch nur 82.755 Erklärungen, was bedeutet, dass 25.345 Verpflichtete keine Erklärung abgaben. Einer von vier Freiberuflern und Gewerbetreibenden … vergaß also, periodische MwSt.-Erklärungen einzureichen, und führte damit einhergehend auch nicht die entsprechende Steuer ab.

Ebenfalls wurden im April 2013 insgesamt 1.462 Kontrollen bezüglich der MwSt.-Abführung durchgeführt (gegenüber 943 Kontrollen im März 2013) und 25,1 Mio. Euro an Steuern und Geldstrafen festgestellt. Beigetrieben wurden jedoch nur 7,8 Mio. Euro, gegenüber 8,3 Mio. Euro im März 2013.

Bei den Großunternehmen wurden 48 reguläre Prüfungen durchgeführt und Steuern und Geldstrafen in Höhe von 63.2 Mio. Euro festgestellt, und die Einnahmen erreichten 15,1 Mio. Euro. Ebenso wurden 68 vorläufige Prüfungen bei großen Unternehmen durchgeführt, Steuern und Geldstrafen in Höhe von 22 Mio. Euro festgestellt 5,6 Mio. Euro beigetrieben. Bei den Selbständigen erfolgten 75 Kontrollen und bei Steuerpflichtigen mit großem Reichtum 40.

(Quelle: Imerisia)

Relevante Beiträge:

  1. pedrobergerac
    25. Mai 2013, 15:15 | #1

    Genauso muss man es machen. Der verbrecherische betrügerische Staatsmoloch muss ausgetrocknet werden. Würde der nämlich sein Geld machen, anstatt es sich von den Privatbanken zu leihen, bräuchte niemand mehr Steuern zahlen. Die Politiker müssten dann endlich eine ehrlichen Arbeit nachgehen ohne so wie bis jetzt, wie die Made im Speck auf unsere Kosten zu schmarotzen.

  2. General-Investigation
    25. Mai 2013, 16:39 | #2

    Mein Lob an die Griechen! Laßt Euch das nicht bieten, denn diejenigen die Euch in diese Lage gebracht haben, leben immer noch wie die Könige. Meine besten Wünsche nach Griechenland; haltet zusammen und haltet durch; ihr schafft das.

  3. Petroulla
    25. Mai 2013, 22:24 | #3

    Zivilisierte Länder, in denen keiner Steuern zahlen muß, gibt es nicht. Selbst in Sozialstaaten wie Schweden oder Australien ist so etwas nicht möglich. Zu sagen, wenn keiner mehr Steuern zahlt, bricht das gesamte System zusammen, dann gibt es keine Regierung mehr, keine Behörden, keine Renten, kein Gesundheitssystem, einfach nichts, und dann geht es uns allen gut, ist nun wirklich etwas naiv. Oder meint ihr, dann kommt einer, der euch für immer alles gibt, was ihr braucht? Und zur Urgesellschaft wollen wir doch sicher auch nicht zurückkehren. Das Steuersystem muß nur endlich gerechter gestaltet und vor allem auch durchgesetzt werden. Es geht nicht an, daß, wenn die Wohlhabenden nicht zahlen mögen, man sich einfach an die Mittellosen hält, die sich nicht wehren können. Und daß die Steuergelder endlich richtig verwendet werden und nicht dazu, die Oberschicht fettzufüttern. Investitionen in die Infrastruktur, Aufbau einer funktionierenden Wirtschaft, soziale Leistungen für (wirklich) Bedürftige zum Beispiel. Statt daß sich die Regierenden gegenseitig imaginäre Beraterhonorare und andere Zuwendungen zuschanzen und zum Teil auch direkt zugreifen. Von den überzogenen Gehältern und Diäten ganz zu schweigen. Daß sie ihr eigenes Volk ausbluten und selber wirklich wie die Könige leben. Stichwort: Korruption. Hier muß wirklich einiges passieren. Die große Frage ist nur: Wer könnte das hinkriegen? Immer nur zwischen den beiden großen Parteien hin- und herzuwechseln, scheint jedenfalls nicht die Lösung zu sein.

  4. Team
    25. Mai 2013, 23:04 | #4

    Wie erwartet wurden wieder etliche tumbe Statements nach dem eindimensionalen Denkmuster „… Unternehmer knöpft die MwSt. den Kunden ab und steckt sie in die eigene Tasche …“ hinterlassen (und gelöscht). Solche Klischees bezeugen tiefe Unkenntnis des (griechischen) Steuersystems, der größte MwSt.-Betrüger in Griechenland ist der Staat!

    Ein erheblicher Teil der angeblichen „Verpflichtungen“ der Unternehmer wäre auf einen Schlag gegenstandslos, wenn der Fiskus die Gelder, die er dem Privatsektor alltäglich rechtswidrig abpresst oder vorenthält, endlich herausrücken oder zumindest mit Forderungen (die unter dem Strich gar keine sind) verrechnen würde. Stattdessen wird jedoch mit immer neuen Bestimmungen die Abführung von Steuerbeträgen, die nachweislich überhaupt nicht eingenommen wurden, und obendrein auch noch die Beitreibung horrender Abschlagzahlungen auf zukünftige Umsätze ausgeweitet, von denen niemand weiß, ob sie jemals erfolgen werden. (Bitte jetzt nicht wieder blöde Kommentare wie „MwSt.-Vorauszahlungen gibt es nicht“ – in Griechenland gibt es alles!)

    Es ist bestimmt kein Zufall, dass seit geraumer Zeit – wenn auch bisher immer wieder dementierte – „Durchsickerungen“ kursieren, gemäß denen nach einer Möglichkeit gesucht wird, spezielle Straflager (z. B. in Militärkasernen) für Steuerschuldner zu schaffen, weil die globale Überbelegung der Gefängnisse inzwischen auf 100% zusteuert und die Gerichte weiterhin Tag für Tag stur dutzende neue „Verbrecher“ in (Untersuchungs-) Haft einweisen.

  5. 241
    26. Mai 2013, 09:10 | #5

    bald macht man einen grossen zaun rund um griechenland, wenn wir nicht mehr zahlen koennen wird auch ein straf- oder militaerlager nicht mehr reichen.

  6. V99 %
    26. Mai 2013, 11:27 | #6

    Dieser Satz deutet doch die vorhandene „Steuergerechtigkeit“ an:
    „Zur selben Stunde schreiten die Steuerprüfungen bei den Großunternehmen … gemächlich voran..“ Der Normalbuerger wird mit Stromabschaltung bedroht, wenn er die verfassungswiedrige „Sonderabgabe“ nicht bezahlt, waehrend die Reichen ihre Millionen in Steueroasen gerettet haben und jeglicher Kontrollen entgangen sind, oder viel zu spaet etwas „unternommen“ wurde. Die Lagarde Liste wird nach gutduenken frisiert und als „verschollen“ gehalten. Wenn ich dann noch, an diesem Morgen, das Bild in den Zeitungen von Merkel sehe, wie sie dem Hoeness (-Steuerhinterzieher) die Hand vor dem Chmpionsleage-Finale laechelnd schuettelt, konnte ich nur noch K….! Der Durchschnittsgrieche kann gar nicht mehr bezahlen, dieser „Zahlungsstopp“ ist nicht unbedingt ein Zeichen der Verweigerung..

  7. Heinz
    27. Mai 2013, 12:49 | #7

    @Petroulla

    Ich möchte auf den letzten Satz Ihres gelungenen Kommentars eingehen. Sie schrieben: „Immer nur zwischen den beiden großen Parteien hin- und herzuwechseln, scheint jedenfalls nicht die Lösung zu sein.

    Richtig, denn dann gibt es für diese beiden Parteien keinen Grund, etwas zu ändern. Und deshalb muss das griechische Volk, wie auch immer, dafür kämpfen, dass das unselige Wahlrecht, das der Gruppierung mit den meisten Stimmen weitere Sitze und damit einen immensen Vorteil zuschanzt, geändert werden. Damit würden auch Parteien, die eine andere Meinung vertreten, eine Chance haben, diese auch, zumindest zum Teil in einer Koalitionsregierung, durchzusetzen. Und gleichzeitig würde sich zeigen, wer es tatsächlich ernst meint mit Griechenland. Eine 5%-Klausel sollte allerdings gelten.

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