Investitionen in Griechenland mit vielen Hürden

12. Mai 2013 / Aktualisiert: 11. Februar 2014 / Aufrufe: 1.334

Die labyrinthische Bürokratie und schleppende Umsetzung der Reformen in Griechenland halten ausländische Investoren weiterhin von Griechenland fern.

Die wirtschaftliche Situation in Griechenland sowie die Perspektiven und Gelegenheiten für ausländische Investoren stellten das Thema einer Tagung der Industrie- und Handelskammer München dar. Zugegebenermaßen unternahmen sowohl der Staatssekretär des griechischen Entwicklungsministeriums, Notis Mitarakis, als auch der Präsident des Organismus „Investieren in Griechenland„, Aristomenis Syggros, aber auch Stelios Stavridis, Präsident des Fonds für die Verwertung staatseigenen Vermögens (TAIPED), jede Bemühung, in München ein Griechenland zu präsentieren, welches jene Reformen umsetzt, die notwendig sind um Investoren anzuziehen.

Zumindest diejenigen Investoren, die an der Veranstaltung teilnahmen, sind jedoch weiterhin unschlüssig.

Der „steinige Weg“ der ausländischen Investoren in Griechenland

Wie die Deutsche Welle berichtet, stellt ein Beispiel das deutsch-griechische Joint-Venture Giesecke & Devrient – Matsoukis dar. Die Gesellschaft mit Sitz in Athen beschäftigt 200 Personen und ist auf die Produktion von Sicherheits-Druckerzeugnissen wie Reisepässe, Briefmarken, Tickets, Steuerbanderolen spezialisiert. Gerade einmal 20% der Produktion werden auf dem griechischen Markt vertrieben, während 80% in den Export gehen.

Die Gründe, warum die Gesellschaft Giesecke & Devrient 2007 das Joint-Venture mit dem griechischen Unternehmen Matsoukis beschloss, stehen damit in Zusammenhang, dass der Druck von Reisepässen etliche Handarbeit erfordert. Mit den Löhnen, welche die Gesellschaft in Deutschland zahlte, konnte sie nicht international wettbewerbsfähig sein. Andererseits war das Niveau der Qualifikation des griechischen Personals gut, betont der Gesellschaftsfunktionär Hans Wolfgang Kunz. Ausbildungsseminare – hauptsächlich in Deutschland – steigerten seine beruflichen Fähigkeiten noch mehr.

Im Gegensatz zu den guten Erfahrungen aus der deutsch-griechischen Kooperation im Rahmen des Joint-Ventures charakterisierte Herr Kunz die Beziehungen zu dem griechischen Staat jedoch als „steinigen Weg“ und merkte an: „Die bürokratischen Hürden, denen wir selbst auch heute noch begegnen, sind sehr groß. Hier wird sich noch viel ändern müssen. Einige Dinge haben sich gebessert (…), jedoch funktionieren die Behörden weiterhin bürokratisch, es vergeht sehr viel Zeit, bis sie Entscheidungen treffen. Wir könnten noch stärker tätig werden, wenn wir nicht die bürokratischen Hürden hätten.

Die labyrinthische Bürokratie ist ein Hemmnis

Einige der von Herrn Kunz angeführten charakteristischen Beispiele sind folgende: der Beschluss der zuständigen Behörde über die Renovierung der Front eines Gebäudes erging drei Jahre nach der Antragstellung, die Änderung eines Punktes der Satzung der Gesellschaft erfolgte nach sechs Monaten, während für jeden Antrag ein Strafregisterauszug nötig ist.

Analoge Erfahrungen hat auch die Gesellschaft für Nahrungsmittel und Kosmetikprodukte Amway, die in Griechenland seit 1996 mit der Tochtergesellschaft Amway Hellas vertreten ist. Firmenleitungsmitglied Michael Meißner beschrieb, was sich jedes Mal ergibt, wenn er bei dem Staat die Registrierung von Produkten der Gesellschaft beantragt:

Wenn wir es mit anderen europäischen Märkten vergleichen, wo wir unsere Produkte auch registrieren lassen müssen, sehen wir, dass die Verfahren dort kürzer sind. In Griechenland verstreicht dagegen ab dem Zeitpunkt der Antragstellung deutlich mehr Zeit bis zu seiner Untersuchung, bis man irgendeine Benachrichtigung erhält und schließlich die Genehmigung erteilt bekommt. Diese zeitraubenden Verfahren haben Auswirkungen auf das Unternehmen, weil sie mehr Aufwand und Ausgaben kosten. Und noch etwas anderes: weil das Produkt nicht auf dem Markt vertrieben wird, verliert der griechische Staat Steuern.

Die Reformen müssen umgesetzt werden

Die Bürokratie, die Korruption, die Verzögerung in der Rechtsprechung, aber auch das Gefühl, dass die Reformen nicht umgesetzt werden, fungieren als Hemmnisse für die ausländischen Investoren, unterstrich der Präsident der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer in Athen, Michalis Maillis. Dies sind auch die Gründe für die Abwesenheit der deutschen Investitionen seit Jahren.

Trotzdem beharrt Herr Maillis, die ausländischen Investoren werden zurückkommen, und betont: „Wenn es die Umstände gibt, werden sie von allein kommen um die Gelegenheiten zu nutzen, die sie sehen werden. Und es wird Gelegenheiten geben. Griechenland bietet große Möglichkeiten. Wir müssen uns zusammenreißen und schnellstmöglich die Voraussetzungen schaffen.

(Quelle: Marketbeast.gr)

Relevante Beiträge:

  1. serigor
    12. Mai 2013, 11:55 | #1

    Wer nach Griechenland kommt zum investieren ,hat „alle Tassen nicht im Schrank“. Es gibt keine Sicherheit und Beständigkeit. Es hat sich nichts seit 1992 verändet. Jedes Jahr neue Steuergesetze, die die bestehenden, auf dennen man sich verlassen hat, ausser Kraft setzen. Das und vieles mehr machen Gr zu einen HorrorLand aus der Sicht eines Investors.
    Dazu kommen die gesetzlich zugelassenen Blutsauger, wie Notare, Rechtsanwälte, Ingenieure, Logisten, mit Ihren horrenden Honoraren, zuzüglich fürstliches FAKELAKI, ohne das nichts läuft. Das ist Erfahrung von 15 Jahren Unternehmer in GR.

  2. BravoZulu
    12. Mai 2013, 13:58 | #2

    Nur eine radikale Entbürokratisierung – in der EU gibt es dafür eigens einen Minister – kann Griechenland zu einer raschen Investitionswelle verhelfen.

  3. Petroulla
    12. Mai 2013, 15:40 | #3

    Ich kann es verstehen, wenn sich keiner mehr so recht traut, in Griechenland zu investieren. Schließlich muß er sogar damit rechnen, alles zu verlieren. Abgesehen von bürokratischen Hürden, schleppender Bearbeitung, Korruption und Abzocke. Es spricht sich doch herum, wie es bisherigen Investoren ergangen ist. Erst wird man mit angeblich guten Konditionen ins Land gelockt, dann wird alles gekippt und geändert, selbst die Gesetze (vornehmlich die Steuergesetze-wie gehabt) ändern sich alle drei Tage und wenn man dann nichts mehr hat, wird einem nahegelegt, wieder zu gehen. Im besten Falle wird man noch als Nazi beschimpft, der doch eh nur das griechische Volk ausbeuten wollte. Wer hat denn darauf noch Lust? Es wäre schon gut, wenn sich erstmal daran etwas ändern würde.

  4. Ottfried Storz
    13. Mai 2013, 09:31 | #4

    Im aktuellen Weltbank-Index „Doing Business 2013“ hat sich Griechenland von Platz 89 auf Platz 78 verbessert. Zum Vergleich: Das Krisenland Portugal belegt Platz 30. Unverändert katastrophal jedoch sind für Griechenland die Positionen „Rechtssicherheit für Investoren“ (Protecting Investors 117), „Starting a Business“ (Pos. 146) und „Registering Property“ (Pos. 150).
    Solange Griechenland sich in diesen wesentlichen Punkten nicht deutlich verbessert, sind nennenswerte Investments ausländischer Investoren – trotz mittlerweile deutlich attraktiver Lohnstückkosten – fast ausgeschlossen.

  5. serigor
    14. Mai 2013, 10:03 | #5

    @Petroulla
    Sie haben die gleichen Erfahrungen wie ich gemacht.
    Bei uns kommt noch dicker,denn der Stat hat uns eine Yacht 2001 konfiziert, uns 6 Jahre lang von Strafgerichten gezogen bis das Gericht uns frei gesprochen hat uns die Rückgabe des Yacht befohlen hat, das war 2006. Gerichts und Anwaltskosten 12.000 € Es geht hiet um 500,000 € die der Stat uns schuldet
    Wir haben bis heute nichts erhalten, lediglich die gängige Methode, von den Athener Gericten von „anavoli“ zu „anavoli“ .
    Steuern und FPA Meldung müssen aber mtl. machen sonst kommen diese horrende Strafen. Ich bin jetzt 72 Jauhre, ich überlege ob ich es aufgebe, um wieder meine Ruhe zu bekommen.

  6. Petroulla
    14. Mai 2013, 19:48 | #6

    @Ottfried Storz
    Interessante Zahlen. Und nach den Erfahrungen, die man hier so macht, könnten die tatsächlich hinkommen. Soviel ich weiß, gibt es 194 Länder auf der Erde, und wenn man da bei Fragen wie Rechtssicherheit und Gesetzesbeständigkeit auf Plätzen bis 150 rangiert, dann ist das weiß Gott eine beachtliche Leistung. So auf einer Linie mit Mittelkongo und Hinterfidschi. Merkt man denn nicht, daß soetwas die Leute abschreckt? Es reicht nicht mehr aus, immer nur die anderen für alles verantwortlich zu machen, man muß sich auch mal selbst am Riemen reißen. Und damit meine ich nicht nur, die Lohnkosten zu senken und somit wieder nur die kleinen Leute und die Bresche zu werfen. Nein, endlich mal richtig aufräumen, Korruption und Vetternwirtschaft abschaffen, stabile, gerechte und logische Gesetze schaffen. Und mit Haßtiraden gegen die deutschen Nazis lockt man diese auch nicht ins Land. Den Widerspruch hat auch noch keiner bemerkt.

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