Grundbesitzern in Griechenland geht es an den Kragen

7. Mai 2013 / Aktualisiert: 12. August 2013 / Aufrufe: 565
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Mit einer neuen Immobiliensteuer werden in Griechenland die Eigentümer sämtlicher – auch keinerlei Einkommen abwerfender – Landstücke zur Kasse gebeten werden.

Das Finanzministerium „strickt“ ein neues Formular E9 (= Immobilien-Deklaration) zu dem Zweck zusammen, mit der ab 2014 in Kraft tretenden neuen „Einheitlichen Immobiliensteuer“ alle Eigentümer von Landstücken – unter anderem auch Landwirte und sogar Eigentümer von Ländereien, die definitiv keinerlei Einkommen abwerfen – steuerlich zu „packen“ zu bekommen.

Damit die bisher nicht oder nur lückenhaft vorliegenden entsprechenden Daten zusammengetragen werden, müssen die betroffenen Steuerpflichtigen bis zum 31 August 2013 das (neue) Formular E9 elektronisch einreichen.

Nachtrag: Inzwischen wurde die Frist für die – fortan obligatorisch „elektronische“ – Abgabe der diesjährigen Immobiliendeklaration E9 bis zum 15 September 2013 verlängert, jedoch parallel auch resolut beteuert, dass es keine weitere Nachfrsit geben könne und werde …

Immobiliensteuer muss jährlich wenigstens 3 Mrd. Euro einbringen

Es ist anzumerken wert, dass von der neue „Einheitlichen Immobiliensteuer“ (die an Stelle der 2011 eingeführten Sonderabgabe auf elektrifizierte Flächen EETIDE und der Immobilien-Vermögensteuer FAP treten wird) keinerlei Immobilien ausgenommen sein werden, also beispielsweise auch nicht einmal die Ländereien hauptberuflicher Landwirte und Flurstücke, die nicht wirtschaftlich nutzbar sind oder / und keinerlei Einkommen abwerfen. Das von der Troika geforderte Ziel ist die Beitreibung von Einnahmen in Höhe von 3 – 3,2 Mrd. Euro jährliche.

Die Erhebung der neuen Steuer entwickelt sich jedoch für den Wirtschaftsstab der Regierung zu einer besonders schwierigen Gleichung, da auf Basis der Szenarien, welche der parteiübergreifende Ausschuss für die Besteuerung der Immobilien ausgearbeitet hat, das Ziel der 3 Mrd. Euro nicht erreicht wird und sich ein „Loch“ von ungefähr 1 Mrd. ergibt.

Spezieller gelangen die von dem parteiübergreifenden Ausschuss bearbeiteten Pläne für die neue Immobiliensteuer zu einem volkswirtschaftlichen Ergebnis von insgesamt 2 bis 2,3 Mrd. Euro, und zwar im einzelnen:

  • ungefähr 1 Mrd. Euro aus der Besteuerung der urbanen Immobilien,
  • 450 – 500 Mio. Euro aus der Besteuerung der Immobilien der Unternehmen und der Kirche und
  • 500 – 600 Mio. Euro aus der Besteuerung außerhalb von Bebauungsplänen liegender Flächen.

Somit wird nach Einnahmen von ungefähr 1 Mrd. Euro gesucht, um die Lücke zu schließen. Die Vollendung des „Puzzles“ wird erwartet, sobald der Prozess der Erfassung aller außerhalb des Bebauungsplans liegender Flurstücke und Ländereien abgeschlossen sein wird.

Der parteiübergreifende Ausschuss stelle bei seiner letzten Sitzung allerdings fest,  dass für die Gestaltung der neuen Tabelle für die außerhalb des Bebauungsplans gelegenen Flächen im Formular E9 die Zeit nicht ausreicht, und beschloss, die Einreichungsfrist bis Ende August zu verlängern. Konkret wird das Ende der Frist für die Abgabe des diesjährigen E9, mit dem jeder Steuerzahler verpflichtet ist, das Abbild seines Immobilienvermögens zu aktualisieren, von dem 30 Juni 2013 auf den 31 August 2013 verlegt.

Immobiliendeklaration E9 ist obligatorisch elektronisch einzureichen

Die natürlichen Personen, die am 01 Januar 2013 Landflächen außerhalb von Bebauungsplänen, also Landstücke, Acker-, Weide- und sonstige Flurstücke besaßen, werden aufgefordert sein, die spezielle Anwendung auf dem Internetportal der Zentrale für Informationssysteme (GGPS) aufzusuchen und elektronisch Erklärungen E9 des neuen Typs einzureichen, in denen die „Tabelle 2“, in der die außerhalb von Bebauungsplänen liegenden Flächen deklariert werden, ganz neu gestaltet und völlig andersartige strukturiert sein wird.

In dieser neugestalteten Tabelle wird von den Steuerpflichtigen verlangt werden, sehr viel mehr Informationen zu den in ihrem Besitz befindlichen Landstücken und übrigen Flächen anzugeben, damit die GGPS exakt die „objektiven“ (sprich nach dem System der sogenannten objektorientierten Sachwertbestimmung bestimmten) Werte dieser Immobilien ermitteln kann, auf welche die neue „Einheitliche Immobiliensteuer“ erhoben wird.

Zu den zusätzlichen Informationen, die jeder Steuerpflichtige zu deklarieren aufgefordert sein wird, zählt die Angabe, ob die Landfläche sich in einer „Höhenlage“ oder „mittleren Höhenlage“ oder „Ebene“ befindet. Ebenfalls wird die genaue Entfernung zum Meer anzugeben und zu deklarieren sein, ob die Fläche unversehrt und bebaubar ist und ob sie eine Front zu einer Straße hat.

Der „objektive“ Wert der Vermögens der natürlichen Personen beläuft sich auf Basis der bis heute geltenden Zonenpreise des Finanzamts von März 2007 auf 520,5 Mrd. Euro, während das Immobilienvermögen der juristischen Personen auf 250 Mrd. Euro veranschlagt wird. Das Beeindruckende ist jedoch, dass das Finanzministerium den „objektiven“ Gesamtwert der Flurstücke und außerhalb des Bebauungsplans liegenden Immobilien, die bis heute nicht besteuert werden, auf ungefähr 450 – 500 Mrd. Euro ansetzt. Die Anzahl der Eigentümer von Immobilien innerhalb des Bebauungsplans beläuft sich auf insgesamt 5.569.336.

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  1. wolfswurt
    7. Mai 2013, 08:07 | #1

    Diese Art von Substanzsteuer gibt es in Deutschland als Grundsteuer.

    Jetzt wird verständlich wieso Merkel/Schäuble äußerten Griechenland habe das Tal durchschritten und befinde sich auf dem Weg der Besserung.
    Da Deutschland das perfideste Steuersystem der Welt konstruiert hat, was einer blutsaugenden Zecke gleicht, steht nach dem Lob von Mekel/Schäuble der griechischen Bevölkerung wohl die gleiche Art des Ausgesaugt werdens bevor.

    Vielleicht war das die Absicht durch eine Wirtschaftskrise die deutsche Steuergesetzgebung Griechenland überzustülpen.

  2. Götterbote
    7. Mai 2013, 11:38 | #2

    Wie sieht es hier eigentlich verfassungsmäßig aus? In Deutschland ist ja weiterhin die Frage offen, ob die Grundsteuer nicht verfassungswidrig ist. Gibt es ähnliche Zweifeln auch in Griechenland?

  3. Roditisa
    7. Mai 2013, 12:36 | #3

    Das wird lustig mit all den brachliegenden Immobilien, die 40 oder 50 Leuten gemeinsam gehören oder deren Besitzer aufgrund mangelnder Katastdaten gar nicht so recht bekannt sind.

  4. Heinz
    7. Mai 2013, 16:21 | #4

    @Roditisa

    Das mit den Katasterdaten wird tatsächlich noch ein großes Problem werden. Auch für die Griechen untereinander. Wie groß ist das Grundstück? Wo sind die Grenzen? Welche Nachweise gibt es über den Besitz bzw. das Eigentum? Das wird heiß!

  5. Griechenlandfanin
    7. Mai 2013, 17:10 | #5

    Das wird ja immer bunter. Welche Fachleute muessen denn dieses Mal mit herangezogen und bezahlt werden? Erst ist die Legalisierung der Grundstueck verfassungswidrig und sofort kommt etwas Neues. Bestimmt wird dagegen auch geklagt und es kommt heraus, dass es auch mit den Gesetzen dieses Landes nicht konfirm geht.
    Vermutlich muessen erst einmal neue Gefaengnisse gebaut werden um all die Menschen unterzubringen, die schon ausgelaugt und ausgesaugt sind und nichts mehr bezahlen koennen. Strom haben ja auch schon sehr Viele nicht mehr. Vielleicht wird die Steuer dann uebers Wasser eingezogen und wenn nicht bezahlt werden kann folgt das Abdrehen des Wasserhahns? Irgendetwas wird den Oberen schon einfallen.

  6. Waltom
    8. Mai 2013, 21:31 | #6

    Das wird richtig teuer, ich habe ein Grundstück von 750qm, 1/16 gehört wegen anhängiger Verfahren noch immer dem Vorbesitzer. Viel Spass bei der versteuerung. Da kostet die Überweisung mehr als die Steuer, so stützt man Banken

  7. giaoýrti giaoyrtáki
    9. Mai 2013, 18:09 | #7

    @Roditisa
    Titos Partisanen hatten als eine der ersten Aktionen in den im Widerstand befreiten Gebieten die Kataster vernichtet.

  8. hans
    16. Juni 2013, 09:54 | #8

    Ich kann nur jeden empfehlen, die Steuer unter „vorbehalt“ zu zahlen. Ich frag mich nur, wo ist das Geld, das die Regierung in Athen z.Zt. einkassiert (Steuern; Gelder von der EU)? Denn bei der Wirtschaft kommt nichts an.

  1. 26. September 2013, 12:06 | #1
  2. 4. Oktober 2013, 18:36 | #2
  3. 31. Oktober 2013, 00:06 | #3
  4. 17. September 2014, 16:19 | #4

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