Griechenland: Alle Beamten mit Warze werden entlassen

2. Mai 2013 / Aufrufe: 2.792

Das primäre Problem des öffentlichen Sektors in Griechenland sind nicht die Beamten als Personen, sondern der monströse Staatsapparat selbst.

Sagen wir einmal, Dein Auto – das auch bereits ein gewisses Alter hat – bekam einen Motorschaden. Du lässt es in die Werkstatt schleppen, und ohne auch nur die Motorhaube zu öffnen sagt Dir der Mechaniker: „Ich werde zwölf Ersatzteile einbauen und alles ist in Ordnung.“ Noch bevor sich auf Deinem Gesicht der Ausdruck der Verwunderung abzuzeichnen beginnt, ruft aus der Tiefe der Halle der Hilfsmechaniker dazwischen und schlägt stattdessen vor: „Meister, ich würde sagen, Du tauschst jetzt 5 und in einem Monat 3 weitere Teile aus.“ Das Gespräch hört der Buchhalter der Werkstatt: „Hey, Leute, heute ist Donnerstag. Wir sagten doch, Donnerstags tauschen wir vier Teile aus, habt ihr das vergessen?

Würde Dir dieser Dialog „normal“ erscheinen? Würdest Du Dein Auto jemals ihren „erfahrenen“ Händen anvertrauen? Und warum erachten wir dann dieses ganze surrealistische Geschwätz über die Anzahl der zu entlassenden öffentlichen Bediensteten als normal?

Das Problem des öffentlichen Sektors in Griechenland ist qualitativ

Das Problem sind nicht die öffentlichen Bediensteten als Personen. Es sind die Strukturen und die „Dienste“ des griechischen Staates. Sogar die Steine haben es inzwischen gemerkt: diese Monstrosität des Kundengemauschels muss abgerissen und neu errichtet werden. Wir brauchen einen völlig neuen Staat: bei der Organisation, Ausstattung, Methodologie, Mentalität, Mission Effizienz. VÖLLIG NEU!

Die einzige Weise, auf die so etwas, in einer solchen Größe geht, ist Stück für Stück – und immer von unten nach oben, niemals umgekehrt. Wie viele Bedienstete werden benötigt, um ein Finanzamt mit kompletter Datenverarbeitung und Vernetzung mit einer einheitlichen Datenbank in Betrieb zu halten? Welche Qualifikationen müssen sie haben? Wie viele beschäftigen entsprechende Behörden ernsthafter Staaten?

Wir benötigen 8 IT-Ingenieure und 10 Techniker für Netzsicherheit und haben entsprechend nur 3 und 4? Dann werden wir 5 und 6 EINSTELLEN! Wir benötigen 4 Manager, jeder mit MBA, zwei Sprachen beherrschend und mit privatwirtschaftlicher Mentalität, die begreifen, dass der Bürger ihr Gehalt bezahlt und sie ihn „auf den Händen tragen“ müssen – und wir haben keinen einzigen? Dann werden wir alle 4 EINSTELLEN! Mit ihnen zusammen werden wir auf Basis des organisatorischen Plans eine neue Behörde „aufstellen“, unter Einsatz von Profis sowohl des öffentlichen als auch privaten Sektors. Wir benötigen erfahrene Fremdenführer, damit die archäologischen Stätten bis spät nachmittags offen sind? Dann werden wir sie einstellen! Wir benötigen Krankenpfleger? Dann werden wir sie ebenfalls einstellen!

Beschäftigung auf dem öffentlichen Sektor ist keine Wohlfahrtsleistung

Wir werden nicht die Gärtner, die Büttel, die Mitläufer zu Krankenpfleger machen, weil sie irgendwo eingestellt sind und versetzt werden müssen. Das Kriterium wird für alle eins sein: die Qualifikation zu haben, um die Arbeit zu erledigen, die jemand zu erledigen aufgefordert ist. Ob er aus dem öffentlichen Sektor, vom Arbeitsamt, aus Kongo oder vom Mars kommt, IST AUF KEINEN FALL EIN KRITERIUM! So wie auch das Alter, Kinderreichtum, behindert zu sein oder eine Warze auf der Wange zu haben kein Kriterium ist. Die Beschäftigung bei einer öffentlichen Behörde ist keine Wohlfahrtsfürsorge. Und wenn für den neu zu gestaltenden Staatsapparat auf jeden Fall die Dienstzeit im öffentlichen Sektor ein Kriterium sein müsste, wäre sie ein negatives Kriterium. Erstens, weil die Gewöhnung an eine konkrete Mentalität es schwer macht, sich an eine entgegen gesetzte anzupassen, und zweitens, weil Illegalität und Diebstahl nicht belohnt werden dürfen.

Wer sich an diesen Worten stört, soll uns erklären, was genau der „durch die Hintertür“ eingestellte Müßiggänger, aber auch sein Abgeordneter – Patron gemacht haben? Haben sie nicht zu Gunsten beider, aber zu Lasten aller übrigen das Gesetz umgangen? Haben sie nicht von dem Steuerzahler, aber auch dem Obligationär, der „geschnitten“ wurde, dem Aktionär, der sein Vermögen verfliegen sah, dem Gewerbetreibenden, der – die Besteuerung nicht aushaltend – seinen Laden „dicht“ machte, Geld gestohlen?

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  1. ars m.
    2. Mai 2013, 00:27 | #1

    Endlich!!! Keine Beschuldigungen Anderer! Keine Hasstiraden mehr! Keine rückwertigen Blicke! Sondern endlich konstriktive Aussagen zu Wegen in das zukünftige Wirken! Danke an Herrn Tzimeros.

  2. windjob
    2. Mai 2013, 08:03 | #2

    Das grundlegenste wäre hier erst mal die Parteien neu aufzubauen. Alle Parlamentarier zu entlassen und eine technokratische Expertenregierung einzusetzen. Ohne dies wird ein Neuaufbau des Staates nie gelingen. Dies sieht man schon daran, dass die kleinen Leute zur Kasse gebeten werden die Parlamentsabgeordneten aber immer noch die höchsten Diäten in der EU bekommen. Wie heisst es so schön. Der Fisch stinkt vom Kopf und der muss zuerst ab.

  3. Heinz
    2. Mai 2013, 10:47 | #3

    @ars m.

    Dem kann ich mich nur anschließen. Es ist der ehrlichste und wertvollste Artikel seit langem. Jetzt kann Hoffnung keimen.

  4. Böse
    2. Mai 2013, 13:32 | #4

    Alleine von Innen kann diese totale Reform nicht geschaft werden, das sich ein System immer am Leben halten möchte (Naturgesetz). Nur durch den massiven Druck von Außen ist solches möglich.
    Ich glaube, dass GR eines Tages auf Grund dieser durchgeführten sehr harten Reformen wieder sehr gut da stehen wird. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass GR einer der wenigen Länder der EU sein wird, die eines Tages besser als Frankreich oder Italien sein werden und ihre landspezifischen Möglichkeiten erfolgreich nutzen werden.

  5. Stavros Konstantinos
    2. Mai 2013, 16:27 | #5

    BRAVO UND DANKE HERR THANOS TZIMEROS !

    Endlich schreibt jemand ehrlich und den Tatsachen endsprechend was wirklich war!
    Jetzt reisst Euch liebe Griechen am Riemen und startet durch! Es wird ein staubiger und langer Weg werden,aber macht Euch bitte frei und werdet wieder ein glückliches Volk! Nehmt das Zepter in die Hand und lasst Euch von aussen nichts diktieren!
    Viel,viel Glück.

  6. JorgoGR
    2. Mai 2013, 17:14 | #6

    Hmm….liest sich doch gut…

    Ich 51 Verheiratet 2006 aus Germany nach Griechenland gekommen mit meiner Famillie .. in Deutschland geb. Mutter Deutsch Frau Deutsch .. ich 50/50. Danke ich glaube das alles. Ich glaube alles was mir gesagt wird. Den ich Lebe in Griechenland … ich weis wie die Behörden hier mit einem umgehen..welche Gesetze gemacht wurden damit der Staat seine Pflichten erfüllt den Bürger nicht hängen lässt … ja er hilft mir wen ich seine neue Gesetze erfülle … nur wie verdammt … den ganzen Stapel Paiere und Formulare … wo bekomme ich die nur her … der Beamte wen er mal vor Ort ist hat keinen Plan davon..und wen ich einen antreffe … bekomme ich Auskunft mich an die Stelle XY zu wenden .. dort wiederum .. *schulterzucken* Ich bin Arbeitslos und verschulde mich immer mehr … ich vermute bald gehen bei mir die Lichter aus noch einige Tagen … wie ich meine Kinder über die Runden bringen soll *schulterzucken* … Danke … den nichts wird geschehen es bleibt eine Vetterwirtschaft und es wird auch nichts ändern an neue Gesetze und vorhaben in Griechenland … Griechenland ist nun mal so .. ein verzogenes Kind … das man immer alles erlaubt hat … und nun soll man es umerziehen? nie und nimmer … da helfen auch keine Austausch von Beamten … und Entlassungen … den die wollen ja auch Rente kassieren .. die wo auf ihre Stühle gesessen haben und keinen Plan hatten von nichts und gar nichts … ja klar wir stellen paar neue ein Jung Motiviert bis in die Haarspitzen .. die richten das schon …

    Nette Grüsse aus Griechenland …

  7. letti 28
    2. Mai 2013, 18:53 | #7

    @JorgoGR
    Sie sprechen mir aus der Seele, das gleich in grün und noch einiges heftiger erleben mein Mann und ich ständig, bei den Verwaltungsangestellten ist die Arbeitsmoral sehr niedig bis gleichgültig.
    Grüsse aus Griechenland

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