600000 sozial ausgegrenzte Kinder in Griechenland

24. Mai 2013 / Aufrufe: 1.283

Im Griechenland der Krise stieg die Anzahl der gesellschaftlich ausgeschlossenen Kinder und Minderjährigen im Jahr 2011 auf fast 600000 Personen an.

Laut dem Bericht „Die Situation der Kinder in Griechenland 2013„, der in Zusammenarbeit mit der Universität Athen für Rechnung der UNICEF erstellt wurde, beläuft sich die Anzahl der armen oder gesellschaftlich ausgeschlossenen Kinder in Griechenland auf 597.000, wobei sich 322.000 in ernsthafter materieller Entbehrung befinden.

Die Situation ist sehr beunruhigend. Die Probleme der Armut und des gesellschaftlichen Ausschlusses nehmen zu. Dies hat negative Auswirkungen sowohl auf die Lebensweise der Kinder als auch auf die Themen, die mit ihrer Gesundheit, ihrer Bildung, ihrer Entwicklung in Verbindung stehen„, betonte gegenüber der Athener Nachrichtenagentur der Präsident der UNICEF, Lampros Kanellopoulos, und rief die Regierung auf, die Vorschläge der UNICEF zur Bewältigung dieser Auswirkungen zu berücksichtigen.

Initiative zur Impfung der Kinder sensibler sozialer Gruppen

Bei einer Pressekonferenz im Gebäude des Verbands der Redakteure der Athener Tageszeitungen (ESIEA) wurden die Initiativen der UNICEF für die Impfung der Kinder sensibler gesellschaftlicher Gruppen präsentiert, die in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband der Kommunen Griechenlands und mit der Unterstützung des Gesundheitsministeriums erfolgt.

Für diesen Zweck wird am Dienstag, dem 28 Mai 2013, ein Radio-Marathon der UNICEF mit dem staatlichen Radio und der Unterstützung aller großen privaten Radiostationen organisiert.

Unter dem Motto „Lasst uns zusammen einen Hauch für das Leben, für die Kinder, Gesundheit, Lächeln, Glück geben“ riefen Freiwillige der UNICEF junge Schüler öffentlicher Grundschulen zur Mitwirkung auf.

Details der Untersuchung über die Kinderarmut in Griechenland

Laut der Untersuchung der Universität Athen, die auf Daten des Jahres 2011 basiert und von Professor Dimosthenis Daskalakis präsentiert wurde, ergibt sich folgendes Bild:

Die Kinderarmut in Griechenland

  • Der Index „Armut oder gesellschaftlicher Ausschluss“ für 2011 betraf 597.000 Kinder, also einen Anteil von 30,4%, was einen Anstieg um 9,1 % seit 2010 bedeutet.
  • Die Kinder, die unter „Bedingungen der Kumulation mehrfacher Benachteiligungen“ lebten, also in Haushalten, die von Armut und ernsthafter materieller Entbehrung und niedriger Arbeitsintensität charakterisiert sind, erreichten 2011 die Anzahl von 69.000 Kindern, gegenüber 12.000 im Jahr 2010.
  • Der Anteil der Kinder, die in Haushalten leben, in denen niemand arbeitet, stieg 2011 auf 9,2% und hat zwischen 2010 und 2011 um 2,9 Prozentpunkte zugenommen, und laut Herrn Daskalakis wird mit einem Anstieg dieser Zahlen gerechnet.

Lebensbedingungen – Konsum

  • 16,4% der Gesamtheit der Minderjährigen, also 322.000 Kinder scheinen in Haushalten mit „ernsthafter materieller Entbehrung“ zu leben, eine Anzahl, die zwischen 2010 und 2011 um 89.000 Personen bzw. 38,2% anstieg. Der entsprechende prozentuale Anstieg zwischen 2010 und 2011 für die Altersgruppe 6 – 11 Jahre erreicht 46,7%.
  • 50,8% der Haushalte mit Kindern erklären sich außer Stande, sei es auch nur einen einwöchigen Urlaub zu bezahlen.
  • 37,2% haben Schwierigkeiten, der Zahlung wiederkehrender Rechnungen und Raten aus Kreditkarten und Krediten nachzukommen.
  • 34,5% erklären sich wirtschaftlich außer Stande, Ausnahmebedürfnissen zu begegnen.
  • Die ärmsten Haushalte bringen einen verhältnismäßig höheren Anteil ihrer Gesamtaufwendungen für Kinderkleidung auf, jedoch zwingt diese Verteilung der Aufwendungen die ärmeren Haushalte, andere Bedürfnisse der Kinder einzuschränken, die in Zusammenhang mit dem Bildungsprozess stehen.

Immigrantenkinder

  • 2011 wurden insgesamt 549.604 Aufenthaltsgenehmigungen an Immigranten in Griechenland ausgegeben, wobei sich 21% auf Minderjährige unter 14 Jahren beziehen und wiederum 84,5% der Kinder aus Albanien stammen.
  • Seit 2008 sind aus Griechenland 357.820 Personen aus Griechenland ausgewandert, von denen 52.299 bzw. 14,6% unter 19 Jahre und 36.466 bzw. 10,2% bis 14 Jahre alt sind.
  • Für 2011 werden die Personen bis 19 Jahre auf 29.000 und die Kinder bis 14 Jahre auf 21.000 veranschlagt, die nach Griechenland einwanderten und aus Griechenland auswanderten, wobei die sehr jungen Kinder bis 4 Jahre ein Drittel der Gesamtheit ausmachen.
  • Die Anzahl der seit 2006 bis 2012 wegen illegaler Einreise und illegalen Aufenthalts in Griechenland verhafteten Minderjährigen beläuft sich auf 83.487, welche Anzahl 10,6% der Gesamtheit der verhafteten illegalen Immigranten entspricht.
  • Die Asylanträge der Minderjährigen zeigen einen signifikanten Rückgang seit 2008 und belaufen sich für 2012 auf 510.

Sicherheit – Schutz und Straffälligkeit Minderjähriger

  • Die Kinder in Griechenland erscheinen für Gefahren aus Unfällen anfälliger als im Durchschnitt der Eurozone. Der Index der mit Beförderungen – Bewegungen in Zusammenhang stehenden Unfall-Sterblichkeit belief sich für 2010 in der Altersgruppe 15 – 19 Jahre auf 17,8, während der Durchschnitt der EU-Länder 9,2 beträgt.
  • Die Straffälligkeit der Minderjährigen ist hauptsächlich zwischen den Jahren 2010 und 2011 imposant um 53,4% angestiegen, während bei den Tätern im Alter von 9 bis 13 Jahren der Anstieg sogar 58% erreicht.
  • Die meisten minderjährigen Straftäter sind Jungen (87,1%), während 2/3 Inländer sind. Ihre Aktivitäten beziehen sich zu einem Anteil von 72,2% auf Diebstähle oder Mittäterschaft bei solchen.
  • In der Peripherie werden mehr verzeichnete Fälle der Straffälligkeit Minderjähriger als in den großen urbanen Zentren ausgemacht.

Das Recht der Kinder auf Entfaltung

  • Bemerkenswert sind die hohen Arbeitslosigkeitsraten bei den jungen Leute im Alter von 15 bis 24 Jahren (55,3% im Jahr 2012 und 64,2% im Februar 2013) und die noch höheren Anteile bei den Kindern im Alter von 15 bis 18 Jahren (61,3% im Jahr 2012).
  • Die Arbeitslosen der Altersklasse 15 – 18 Jahre nahmen um 73,2% zu (Anstieg um 35,1 Prozentpunkte). Signifikanter ist jedoch die Tatsache, dass die Beschäftigten der in Rede stehenden Altersgruppe seit 2011 und nachfolgend im Verhältnis zu den Arbeitslosen arithmetisch in der Minderheit sind, wobei ihre Anzahl von 21.641 Personen im Jahr 2007 auf 8.430 im Jahr 2012 sank, also einen Rückgang um 61% verzeichnete.
  • Die Daten in Zusammenhang mit der Anzahl der beschäftigten Personen und der beiden Altersgruppen (15 – 18 und 15 – 24 Jahre), in Kombination mit dem gesunkenen und unter dem Durchschnitt der EU-Länder liegenden Anteil der vorzeitigen Abbrüche der Schule und Ausbildung junger Leute im Alter von 15 bis 24 Jahren (11,4% im Jahr 2012, gegenüber 15,5% im Jahr 2006 – gegenüber entsprechend 15,5% und 12,8% in der EU), zeigen, dass die beschränkten Aussichten auf eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt den Verbleib im Bildungsprozess attraktiver machen.

Die Gesundheit der Kinder

  • Der Anteil der unter der Armutsgrenze liegenden Haushalte mit Kindern, die ihr Unvermögen zu einer Ernährung erklärten, die jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch, Geflügel oder Gemüse entsprechenden Nährwertes umfasst, beläuft sich für 2011 auf 44,3%, gegenüber 21,6% im Jahr 2010.
  • Die ihr wirtschaftliches Unvermögen bezüglich einer zufriedenstellenden Beheizung erklärenden Haushalte mit abhängigen Kindern haben von 14,8% im Jahr 2010 auf 19,3% im Jahr 2011 und die armen Haushalte mit abhängigen Kindern in den entsprechenden Jahren von 37,1% auf 39,7% zugenommen.
  • 25,4% der Haushalte mit Kindern in Griechenland sind im Gebiet ihres Aufenthalts Umweltproblemen, -verschmutzung, -vergiftung usw. ausgesetzt, was Griechenland auf den zweiten Platz in der EU, also erheblich über den Durchschnitt der Europäischen Union (15%) bringt.
  • Die Aufwendungen für die Gesundheit sanken für 2011 auf 6% des BIP, gegenüber 7,4% im Jahr 2009, und für Krankenhausleistungen entsprechend von 3,6% auf 3%. Diese Einschränkungen können spezieller die niedrigeren wirtschaftlichen Schichten in Mitleidenschaft ziehen, da für 2011 ein Anteil von 10,1% finanzielles Unvermögen zur Deckung ärztlicher Untersuchungen erklärt.

Der vollständige Bericht, Daten über die Impfung der Kinder und Angaben zu dem Radio-Marathon stehen auf der Webseite der UNICEF zur Verfügung.

(Quelle: in.gr)

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