Sackgasse für Immigranten und Produzenten in Griechenland

29. April 2013 / Aufrufe: 1.289

In in Griechenland verfault die Erdbeerernte auf den Feldern, weil die ausländischen Feldarbeiter keine Arbeitserlaubnis haben und die Bauern sie nicht beschäftigen dürfen.

Die kriminellen Ereignisse in Manolada sind allen bekannt. Und natürlich zu verurteilen. Das verbrecherische Verhalten bewaffneter Produzenten und Vorarbeiter in Kombination mit der institutionellen Lücke bei den Themen der Beschäftigung von Immigranten führt jedoch in die absolute Absurdität und die wirtschaftliche Vernichtung der Erdbeerproduktion in der Region von Ilias.

Nach den Ereignissen des 17 April 2013 wimmelt es nun plötzlich in der Region von Kontrolleuren des Arbeitsministeriums, welche die Felder und die Verpackungsanlagen überwachen und nach nicht versicherten Immigranten – Arbeitern suchen. Und hier beginnt die absolute Absurdität. Die ihre Arbeitskraft anbietenden Ausländer in Manolada sind hauptsächlich Immigranten mit sogenannter „rosa Karte“ – also mit einer vorläufigen Aufenthaltsgenehmigung, jedoch ohne Arbeitserlaubnis.

Immigranten werden in die Illegalität gezwungen

Die konkreten Immigranten warten monatelang auf die Beurteilung ihres Falls und der Staat hat ihnen das Recht zum Verbleib im Land zugestanden, kümmert sich jedoch nicht darum, wovon sie leben werden, wenn sie keine Möglichkeit haben, einer Arbeit nachzugehen. Alle, die diesem Status unterliegen, können nicht legal arbeiten, und ihre Arbeitgeber können für sie keine Versicherungsbeiträge entrichten und nicht einmal Lohncoupons kaufen – womit die einzige Überlebensoption die illegale Arbeit ist. Gezwungenermaßen wenden die Immigranten sich der illegalen Beschäftigung zu. Diese Menschen haben leider keine andere Wahl. Die rechtliche Lücke in ihrem Fall ist offensichtlich.

Im Fall von Manolada erleben wir nun also nach den letzten Ereignissen die vollendete Absurdität. Die Ernte verfault auf den Feldern, die Immigranten können nicht arbeiten, weil die Aufseher es nicht zulassen, und die Produzenten erleben eine völlige wirtschaftliche Katastrophe. Sie haben wenigstens 30.000 Euro pro Hektar für den Anbau der Erdbeeren ausgegeben, insgesamt sind ungefähr 60 Mio. Euro in die Erdbeerkulturen investiert worden, die jetzt verloren zu gehen drohen. Zusätzlich droht der Verlust des russischen Marktes, der bereits begann, Erdbeeren aus der benachbarten Türkei zu beziehen.

Unter diesen Umständen ist das Schicksal der Produzenten in Ilia besiegelt, und deswegen sind sie in Verzweiflung. Sie verlangen, sei es auch ausnahmsweise, für die Immigranten auf Basis der Nummer der „rosa Karte“ eines jeden von ihnen Lohncoupons zu bezahlen, damit wenigstens die Ernte eingebracht werden kann und der angerichtete Schaden im Rahmen des Möglichen begrenzt wird.

Der Staat schuldet, eine solche Lösung zu geben. Die Gefangenschaft zwischen institutioneller Lücke und krimineller Aktivität ist nicht akzeptabel. Wird sie aufrecht erhalten, wird sie zu noch schwereren als den letzten Geschehnissen führen.

(Quelle: To Vima)

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  1. Kostantinos
    29. April 2013, 00:53 | #1

    Möglicherweise verfaulen die Erdbeeren auch wegen der Pistoleros und Arbeitsbedinungen der Immigranten. Könnte ja auch sein, dass viele Abnehmer deswegen abgesprungen sind.

    Die rosa Karte und das Verbot zu arbeiten ist ein Problem, was die Politiker klären müssen. Die Besitzer der Erdbeerfarmen, sollten eigentlilch gerade im Kreis Ilias genügend Arbeitnehmer finden können, dort ist die Jugendarbeitslosigkeit recht hoch und die Arbeitsangebote sind sehr niedrig. Vermutlich ist die Höhe des Lohnes, der gezahlt wird, ausschlaggebend dafür, das keine Arbeiter zu finden sind.

  2. Rudi
    29. April 2013, 06:17 | #2

    Wie geht das zusammen mit einer griechischen Jugendarbeitslosenquote von 30% ?

  3. Willi F. Gerbode
    29. April 2013, 13:48 | #3

    @Rudi
    Die Jugendarbeitslosigkeit in GR liegt bei 60 Prozent!! – Die allgemeine Arbeitslosigkeit bei 26 Prozent. Erwartet werden in diesem Jahr hier 30 Prozent.

  4. juls
    29. April 2013, 15:49 | #4

    @Rudi
    ein „normaler“ Arbeitsnehmer moechte einen anstaendigen Lohn und versichert sein … auch ein jugendlicher Arbeitsloser denkt so … und sicher denkst auch Du so!

    aber diese Arbeitsbedingungen gibt es wohl dort nicht … „verwoehnt“ von den billigen Arbeitskraeften aus aller herren Laendern … wenn die Arbeitgeber dort wieder umdenken wuerden, dann wuerden auch so manche Arbeitslose sich an der Ernte beteiligen … aber dann wird auch der Preis wohl fuer Erdbeeren ansteigen … aber das nimmt der Verbraucher dann wohl gerne in Kauf 🙂

  5. Petroulla
    29. April 2013, 16:23 | #5

    Das Dilemma der ausländischen Arbeitnehmer, die gezwungen sind, illegal zu arbeiten, oder dass der Besitzer der Erdbeerfarmen, die für ihre Hungerlöhne keine griechischen Arbeiter finden, sind die eine Seite. Das sollte auch endlich in Ordnung gebracht werden. Aber etwas ganz anderes ist es, wenn Arbeitgeber die Waffen in die Hand nehmen und ihre Sklaven zusammenschießen, weil die nach 6 Monaten endlich mal ihren Lohn fordern. Da sind weder die Deutschen noch die Amerikaner noch Elvis Presley dran schuld. Das ist einzig und allein deren eigene Kriminalität, ihr persönlicher Egoismus und ihre sagenhafte Selbstgerechtigkeit. Die politische Lage schafft vielleicht gewisse Voraussetzungen, aber keiner muß deswegen zum Verbrecher werden. Aber soweit sind wir hier schon gekommen. Ich hoffe nur, daß die Schuldigen auch wirklich bestraft werden, und nicht wieder alles im Sande verläuft, nachdem die entsprechenden Stellen ein wenig „geschmiert“ worden sind. War der Besitzer der Erdbeerfarm nicht gleich krank geworden? Läuft wohl wieder auf Haftunfähigkeit raus. Habe ich auch schon oft genug erlebt. Leider!

  6. GR-Block
    29. April 2013, 16:27 | #6

    @Kostantinos
    Konstantine,
    die Erdbeeren verfaulen, weil die Arbeiter von den Plantagenbesitzern nicht bezahlt werden. Die Plantagenbesitzer beklagen, dass die Händler sie nicht bezahlen. Den Händlern wiederum fehlen die notwendigen Kredite von den Banken, denn deren Rekapitalisierung bedient vor allem ausländische €-Verzocker.
    Das Problem ist, dass die Schulden der Plantagenbesitzer an die illegalen Arbeiter (und an den Staat) keine Priorität in den Memoranden genießen. Es würde also nichts helfen, anstatt der billigen Illegalen die teuereren Arbeitslosen (inzwischen 27,2%, Tendenz steigend) zu beschäftigen. Die sollen ja, soweit ausgebildet, Lücken im Bestand an Fachpersonal der Industrienationen füllen. Dazu passt die jahrzehntealte EU-Förderung der Brachwirtschaft in GR. Die Produktion wird seit 1993 zum Schutz westeuropäischer Agrarinteressen konsequent zurückgefahren.

    Wenn schließlich die „Sklaven“ und die „Köpfe“ das Land verlassen haben, dann wird die verbleibende Bevölkerung endlich ihre Bestimmung im gemeinsamen Markt akzeptieren. Nämlich Handtücher und Bettwäsche der „hart“ arbeitenden Nordeuropäer waschen und gleichzeitig deren Produkte verschiffen. Für griechische Unternehmer ist das die Umkehrung des ach so inovativen amerikanischen Traums „vom Tellerwäscher zum Millionär“.

  7. Heinz
    29. April 2013, 16:56 | #7

    Nun, den deutschen Spargelbauern wurden vor Jahren auch Erntehelfer vom Arbeitsamt zugemutet. Weshalb zugemutet? Sie waren ganz einfach nicht in der Lage, einen ganzen Tag so hart zu arbeiten. Geht’s den griechischen Arbeitslosen ebenso?

  8. Ottfried Storz
    29. April 2013, 17:43 | #8

    @GR-Block:
    Gäbe es Genossenschaftsbanken oder eine KfW-ähnliche Mittelstandsbank in Griechenland, wären die Kredite kein Problem. Wenn Kredite hier das Problem wäre.
    Es gab 2011 eine Initiative zur Gründung einer „KfW“ähnlichen Bank in Griechenland. Umsetzung nach zwei Jahren jedoch Null. Nötig wären eine Vielzahl von Genehmigungsverfahren und unklare Verantwortlichkeiten.

  9. Kostantinos
    29. April 2013, 18:25 | #9

    @ GR-Block

    Fakt ist, dass gerade im Kreis Ilias die Mehrzahl der Arbeitgeber Geizhälse sind. Die Landwirte beschäftigen dort schon seit Ewigkeiten, Ausländer zum Hungerlohn. Auch zu guten Zeiten Griechenlands, war das so. Da hilft auch deren Gejammer nichts, von wegen Händler würden nicht zahlen etc… Die müssten sich mal die Arbeit machen von den Griechen-Händlern weg zu kommen und direkt mit dem Ausland Geschäfte ab zu schliessen. Der Bequemlichkeit halber, funktioniert in Griechenland immer noch das System, der eine Händler kauft beim Bauern ein, verkauft an andere Händler und bis die Ware in den Regalen sind, haben ca. 5 Leute daran verdient und der Landwirt am wenigsten.
    Übrigens funktioniert fast der ganze Handel in Griechenland nach diesem System aus der Steinzeit.
    Vermutlich wird die Arbeitslosigkeit in dieser Region Griechenlands, geschätz weit über 70 % liegen, da kann mir keiner erklären er würde keine Arbeitnehmer finden.

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