Die Schaffung des Europas ... made in Germany

2. April 2013 / Aktualisiert: 28. September 2013 / Aufrufe: 1.635

Die nicht unbedingt freiwillige Vormachtstellung Deutschlands führt zu einer prekären Situation für Europa und letztendlich auch für Deutschland selbst.

Die Zyprioten haben das Gift letztendlich geschluckt. Mit der nationalen Erniedrigung und den düsteren Aussichten konfrontiert monieren viele, ihre kleine Nation sei gezwungen worden, sich dem Willen einer größeren, gnadenlosen Macht zu unterwerfen – Deutschland.

Die zyprischen Zeitungen haben Angela Merkel als Hunnen dargestellt und den Finanzminister Wolfgang Schäuble beschuldigt, wie ein „Faschist“ zu reden. Sie reproduzieren einfach das anti-deutsche Gefühl, das in Griechenland und auch in Italien inzwischen zur Gewohnheit geworden ist.

Diese Deutschen-Angst ist ungerecht. Hinter all diesen Stimmen und der Auseinandersetzung werden die deutschen Steuerzahler wieder einmal den größten einheitlichen Anteil einer weiteren Rettung in der Eurozone finanzieren. Für Deutschland mag es hart erscheinen, Milliardenkredite an seine Nachbarn zu verteilen und von diesen im Gegenzug des Neonazismus beschuldigt zu werden.

Europäisches Deutschland oder deutsches Europa?

Die zunehmende deutsche Macht – und die zunehmende Unzufriedenheit in Zusammenhang mit dieser – sind fortan die Hauptthemen der europäischen Politik. Es handelt sich um eine historische Ironie, angesichts der Tatsache, dass das Hauptziel des europäischen Plans ab 1950 und nachfolgend war, für immer der Idee einen Schluss zu setzen, Deutschland sei einfach nur übermäßig mächtig, um leicht mit seinen Nachbarn zusammen existieren zu können.

Die – sowohl in Berlin als auch in Paris und Brüssel – schlechthin verwendete Phrase hatte mit der Notwendigkeit „eines europäischen Deutschlands anstatt eines deutschen Europas“ zu tun. Nach der Zypern-Krise ähnelt Europa jedoch immer mehr einem deutschen Europa – weil der Kurs des Kontinents vor allem von den Ideen und Präferenzen der Politiker und Amtsträger Berlins gestaltet wird.

Es ist wahr, dass die Europäische Kommission, der IWF und die Europäische Zentralbank in den Verhandlungen mit Zypern die Zügel ergriffen. Es war jedoch immer klar, dass es ohne die Intervention und Zustimmung der deutschen Regierung keinerlei Einigung gegeben hätte. Die Tatsache, dass während der Krise für die EZB anstatt des italienischen Vorsitzenden der EZB, Mario Draghi, der Deutsche Jörg Asmussen, Mietglied des Exekutivrats der Bank, die Hauptperson war, trug ebenfalls dazu bei, dass der Krise der deutsche Stempel aufgedrückt wurde.

Wenn sie von dem Trubel einen Schritt zurücktreten, ist es logisch, dass die deutschen Führer sich fragen, wie die Dinge so weit kommen konnten. Wie konnte ein europäischer Plan, dessen Zweck war, jeden Verdacht auf eine Kollision zwischen Deutschland und seinen Nachbarn zu unterbinden, zu einer erneuten Entfachung des anti-deutschen Sentiments führen? Und ist dieser Schaden wohl reversibel?

Ein großer Teil der Erklärung ist, dass all das, was auf dem Spiel steht, dermaßen viel ist, dass Deutschland in der Verfolgung seiner nationalen Interessen fortan nicht mehr schüchtern sein kann. Das Überleben der einheitlichen europäischen Währung steht in Zweifel und die deutschen Steuerzahler mussten signifikant zu den verschiedenen Rettungsfonds beitragen. Ebenfalls haben die Deutschen eine klare und konsequente Analyse des Problems. Sie glauben, im Zentrum der Krise stehen die volkswirtschaftliche Zügellosigkeit und die fehlerhaften Geschäftsmodelle – und dass die Lösung die Austerität in Kombination mit strukturellen Reformen sei.

Viele vertreten, dieses Rezept sei gefährlich. Die Kritiker der Austerität sind jedoch dahingehend gescheitert, eine alternative Reihe von Politiken vorzuschlagen, die konsequent genug sind um die geistige Flut zu konvertieren.

Europa und die „Merkozys“

Dennoch hat diese Geschichte nicht nur mit der deutschen Macht zu tun. Es geht um eine weitere Geschichte der übermäßigen Schwäche seitens der übrigen europäischen Mächte, die bis neulich Deutschlands Macht ausglichen. Die Regierungen Spaniens und Italiens befinden sich in finanziellen Schwierigkeiten – und sind geschwächt worden. Großbritannien ist nicht Mitglied im Euro – und befindet sich somit am Rand. Das bemerkenswerteste Charakteristikum der Krise ist jedoch die fast völlige Abwesenheit einer starken französischen Stimme am Tisch. Von Jean Monnet bis Jacques Delors waren selbige Franzosen immer stolz darauf, mit geistiger Führung zu dem europäischen Plan beigetragen zu haben.

Die Idee, Europa müsse sich auf Basis einer deutsch-französischen Kooperation voran bewegen, war für das französischen Denken von vitaler Bedeutung – und dies zeigt sich auch aus der Entschlossenheit des ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy, eine enge Zusammenarbeit mit Frau Merkel zu gestalten. Die Idee, Europa werde von den „Merkozys“ regiert, war immer eine Illusion – signalisierte jedoch zumindest die französische Entschlossenheit, dass sich das Land im Zentrum der Aktivität befindet. Unter Präsident Francois Hollande ist allerdings jeder „Verdacht“ verschwunden, Frankreich spiele eine gleichberechtigte Rolle mit Deutschland. In Zusammenhang mit Zypern schienen sogar auch die Finnländer eine bedeutendere Rolle als Frankreich zu spielen.

Ein Teil des Problems ist, dass Herr Hollande zwar verstehen lassen hatte, Deutschlands Beharren auf der Austerität zu missbilligen, ohne jedoch eine überlebensfähige alternative Lösung vorgeschlagen zu haben. Er hat sich nicht selbst als Leiter einer Allianz der Südstaaten eingesetzt, welche die Deutschen zurückdrängen zu könnte. Parallel hat er jedoch auch keine gute Zusammenarbeit mit Frau Merkel etabliert. Ebenfalls spielen die französischen Amtsträger nicht mehr die maßgebliche Rolle, die sie einmal im Herzen Europas spielten. Nach dem Ausscheiden des Jean-Claude Trichet ist der Leiter der EZB kein Franzose mehr. EU-Außenhandelskommissar Michel Barnie ist nicht gleich bedeutsam.

Gefahr für Europa … und Deutschland

Sogar auch die deutschen politischen Entscheidungsträger hoffen, dass all dies vorläufig ist. Sie glauben, Deutschland brauche nicht weiter dermaßen offenkundig die Führung auszuüben, wenn die Dinge zu ihrem natürlichen Zustand zurückkehren und die neuen Strukturen der EU in Kraft sind. Es handelt sich jedoch wahrscheinlich um einen frommen Wunsch. Die Krise der Eurozone ist weit von ihrem Ende entfernt und es ist nicht klar, welche genau die neuen Strukturen der EU sein werden, die sich zum Schluss ergeben werden – oder ob sie die Macht Deutschlands schwächen oder stärken werden.

Dieser Zustand lässt Deutschland die Zügel in der Hand halten: die Anweisungen zu geben, die Regeln aufzuerlegen und sie immer mehr zu gestalten. Es handelt sich um eine gefährliche Situation für Europa – und letztendlich auch für Deutschland selbst.

(Quelle: Sofokleous10.gr)

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  1. aufwachendes schlafschaf
    2. April 2013, 01:48 | #1

    Wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Regierung aus Strohpuppen besteht, die eine Agenda umsetzen von Leuten, die überhaupt nie öffentlich in Erscheinung treten? Teile und herrsche… Um Europa nachhaltig plattzumachen, wäre das jedenfalls der richtige Weg – den imperialistischen Nazialptraum Europas aus der Mottenkiste holen, einmal abstauben und systematisch auf dem ganzen Kontinent damit Chaos und böses Blut stiften. False Flag en gros… Wie hoch ist wohl die Wahrscheinlichkeit, dass ein gewisses Prozent der Menschheit enorme Vorteile davon hätte?

  2. Skyjumper
    2. April 2013, 12:16 | #2

    Die „nicht unbedingt freiwillige Vormachtstellung Deutschlands“ lasse ich nur begrenzt als Ausrede gelten. Letztlich gehören wenigstens 2 Parteien dazu. Eine die Deutschland diese Führerrolle gerne aufdrücken wollte, aber auch die, die sich letztlich in diese Rolle drücken liess. Man hätte Deutschland kaum zwingen können diese Rolle wahrzunehmen, von daher erfolgte dieser Schritt letztendlich freiwillig.

    Die Absichten mögen vielleicht gut gewesen sein. Doch wenn es so weiter geht wie die letzten 2 Jahre, dann wird am Ende ein faktisch-pragmatisches Ergebnis stehen welches einem 4. Großdeutschen Reich euronischer Nationen entspricht. Geistig gesunde Bürger in allen Nationen Europas (Politiker bleiben demnach leider aussen vor) sind sehr wohl in der Lage das zu erkennen und ihre Ablehnung zu erklären. In diesem Sinne bin ich ein Bruder im Geiste jedes Griechen, jedes Zyprioten etc. etc. die ein Merkelbild mit Hitlerbärtchen hochrecken.

    Hitlers damaliger Irrsinn war das Judentum in Europa. Der Irrsinn der heutigen Eliten ist der Euro. Die Parole „totaler Krieg bis zum Endsieg“ brachte damals nur Verderben, und das heutige „der Euro wird erhalten, koste es was es wolle“ ist das aktuelle Pendant dazu. Diese vollkommen unverantwortliche Vorgehensweise der Politiker in allen EU-Ländern bringt bereits heute Leid und grosse Sorgen über viele Bürger in einigen Ländern. Am Ende werden Tot und Verderben stehen wenn „wir“ alle uns nicht endlich besinnen und diesem Wahnsinn ein Ende bereiten indem wir den Euro abschaffen und in der EU 1-2 Schritte ZURÜCK gehen.

    Ohne Abschaffung des Euros wird Deutschland als grösster Garantiegeber (und letztlich wohl auch Geldgeber) weiterhin eine noch zunehmende dominante Rolle in der EU einnehmen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Völker Europas das akzeptieren werden. Aber egal was die wollen……… ICH will das auf gar keinen Fall.

  3. 2. April 2013, 16:13 | #3

    Die Deutschen, die Menschen selbst waren hier nie souverän. Erst Kaiser, dann die Allierte Besatzung seit dem verlorenen Krieg 1918. Selbst unter Hitler waren die Hintermänner / Finanziers dieselbe Finanzmafia wie heute auch. Eine unsichtbare NWO Kontinuität seit Jahrhunderten. Doch leider lebt die Mehrheit in einer Illusion von Freiheit und Demokratie. Es muss erst wieder eine totale Zerstörung geben, bis VIELLEICHT eine wirkliche Freiheit für die Menschen kommt. Ich rechne mit dem Ende jeden Tag.

  4. Stipsi Fan
    2. April 2013, 22:17 | #4

    Es ist wirklich angebracht, Angst zu bekommen. Und dies besonders, wenn man die (geglückte?) Gehirnwäsche, die schon vom Team angesprochen wurde, betrachtet. Dazu muss man aber den Unterschied zwischen Fakten, Eindrücken und Urteilen kennen und verstehen. Simplifiziert gesagt:
    Fakt ist, dass bisher kein deutscher Steuerzahler die unvorstellbaren Millionenbeträge finanziert hat. Im Gegenteil: im Moment fließt von diesen Beträgen ein riesiger Anteil auch nach D zurück.
    Fakt ist, dass die „geretteten“ Griechen verelenden.
    Allein hieran kann man festellen, wieviel die von Politikern und Medien verwendete Terminologie in einem Kopf anrichten kann. Reformen die töten, Rettungsschirme, die ins Elend führen, neue Strukturen, die ein menschenwürdiges Leben unmöglich machen.
    Ausserdem müßte man die Verlautbarungen z.B. über GR mal kritisch und haargenau lesen. An keiner Stelle wurde jemals behauptet, dass GR pleite ist, weil ein paar Offizierstöchter Pensionen bekommen oder für ein paar tote Rentner Rente gezahlt wurde (und ich hoffe, dass jeder weiß, dass daran kein Staat pleite geht). Aber es wurde ein Eindruck vermittelt mit der Berichterstattung über einzelne Auswüchse, die es unzweifelhaft in Deutschland auch gibt. Zum Schluss wurden faule, korrupte Griechen daraus. Das Geld jedoch bekommen anonyme Gläubiger von Banken in D und FR. Auf der anderen Seite wird den Griechen der Eindruck vermittelt, die Deutschen seien für ihr Elend verantwortlich. Wenn beide Seiten ganz klar wüßten, wer dieses ganze Desaster und warum verantwortlich ist, würden Deutsche und Griechen wahrscheinlich Schulter an Schulter dagegen kämpfen. Dann wäre den Deutschen auch klar, dass die Schuldigen zum Schluss vor Deutschland nicht halt machen werden. Das wird aber nicht geglaubt, weil Deutsche ja angeblich fleißig und Griechen angeblich faul sind: uns kann das ja also gar nicht passieren. Nur so erklären sich Äußerungen wie: die sind ja selber schuld (über die menschenverachtende Bedeutung solcher Aussagen angesichts des menschlichen Elends will ich mal schweigen).
    Es geht außer der ultimativen Umverteilung des Vermögens nach oben auch um die ultimative Gleichmacherei über alle Kulturen hinweg. Das macht mir am meisten Angst. Alle sollen sich gleich kleiden, gleich essen usw. Das wäre eine wahnsinnige logistische Erleichterung für die Discounter und Ketten.
    Letztlich kann man nichts gleich machen, wenn der Ausgangspunkt schon hochgradig unterschiedlich war. Schon vor der Krise war ein normaler Arbeitslohn in GR etwa 600€, eine normale Rente etwa 300€. Davon noch Abschläge zu machen oder weil ein großer Teil der Griechen unter der Grenze für zu versteuerndes Einkommen liegt eine pro Kopf Steuer zu erfinden ist unaussprechlich.
    Diese Thematik könnte man seitenweise ausführen und belegen. Ich kann nur hoffen, dass eine größere Aufmerksamkeit gegenüber Menschen, anderen Kulturen und Verlautbarungen wieder eintritt. Mit einem deutschen Blick kann man einen Griechen nicht verstehen. Wenn man durch ein Bergdorf geht, sieht man kaum Veränderungen. Griechen jammern auch nicht unentwegt. Wenn man etwas erfahren will, muss man die Menschen gut kennen und ihre Sprache sprechen.
    Mit Nikos Dimou: Gott ist mein Zeuge. Nichts habe ich mehr geliebt als dieses Land (GR)

  5. Stipsi Fan
    2. April 2013, 22:31 | #5

    PS: bei Zypern bin ich tatsächlich selbst auf die Gehirnwäsche reingefallen. Schwarzgeld, Oligarchen Milliarden: ok. Aber dass davon die Liquidität ganz normaler Unternehmen betroffen ist, kam mir nicht in den Sinn. Unser Unternehmen wäre in einem Monat zahlungsunfähig. Danke lieber Blog. Auch dieser Hinweis kam von hier. Wie viele Links, die einen befähigen, sich selbst ein Bild zu machen.

  6. Bavaria
    3. April 2013, 10:26 | #6

    „Die Tatsache, dass während der Krise für die EZB anstatt des italienischen Vorsitzenden der EZB, Mario Draghi, der Deutsche Jörg Asmussen, Mietglied des Exekutivrats der Bank, die Hauptperson war, trug ebenfalls dazu bei, dass der Krise der deutsche Stempel aufgedrückt wurde.“ Wieder mal so ein „gut recherchierter Beitrag“. Die Verhandlungen haben Frau Lagarde vom IWF, Mario Draghi, Chef der EZB und EU-Ratschef Van Rompuy geführt. Herr Asmussen war definitiv nicht dabei, damit ist eine deutsche Handschrift in diesem Fall wohl ziemlich ausgeschlossen.

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