Die Justiz in Griechenland und Attila 3

4. April 2013 / Aktualisiert: 28. Juni 2018 / Aufrufe: 1.141

Laut Analysen der Laiki Bank in Zypern beläuft sich deren problematisches Portefeuille aus Krediten in Griechenland auf 3,5 Mrd Euro, also 20% des zyprischen BIP.

Am Freitagmorgen hielt bei dem Flug von Larnaka nach Athen eine Dame ein Blatt Papier mit einigen Dutzend Namen in ihrer Hand, die sie einen nach dem anderen ihrer Sitznachbarin vorlas. Wie sie dieser erklärte, waren es die Namen Derjenigen, die während der kritischen Tage vor der Eurogruppe Gelder aus Zypern ins Ausland geschafft haben sollen. Einige Stunden vorher wurde in den Büros der zypriotischen Abgeordneten eine andere Liste mit den Namen der Politiker verbreitet, deren Kredite gelöscht wurden.

Zypern sucht – wie vorher auch Griechenland – nach jenen parasitären Phänomenen, von denen es annimmt, dass diese das Land bis zu der Krise brachten. Aus einer Summe von Gerüchten oder aus Tatsachen, welche folgen werden, werden die Zyprioten nach dem Bediensteten suchen, der Schuld hatte, nach dem staatlichen Funktionär, der ein Faulpelz war, nach dem Politiker, der korrupt war. Und die zyprische Presse, wie ebenfalls auch die griechische, der jahrelang Stumme, wird diverse Phänomene der Korruption entdecken, die sie jedoch allgemein Einigen, vielleicht dem Elend anlasten, aber vermeiden wird, die Realität zu verzeichnen.

Skandalöse Deckung durch den Leiter der Griechischen Bank

„Attila 3“ (Anmerkung: Anspielung auf die türkischen Invasion) auf Zypern wurde von den Banken geschaffen. Also von den Bankiers, durch ihre Praktiken und von den beiden Zentralbanken. Der Zentralbank Zyperns und der Zentralbank Griechenlands. Der Geschäftsführer der Zentralbank Zyperns, Athanasios Orfanidis, wie auch sein griechischer Amtskollege, George Provopoulos, übten keinerlei Kontrolle im Betrieb der Bankensysteme aus. Sie ließen die Bankiers „mähen“, die Zukunft Zyperns verpfänden, Kredite ohne Sicherheiten vergeben. Was Herrn Provopoulos betrifft, trägt er ebenfalls die Verantwortung für die Deckung des Andreas Vgenopoulos vor der griechischen Justiz, wo Herr Provopoulos – anstatt als Mitverantwortlicher für die Sache MIG vorgeladen zu werden – als Entlastungszeuge des Herrn Vgenopoulos geladen wurde.

2006 kaufte Andreas Vgenopoulos mit zwei Fonds 22% der Laiki Bank Zyperns. Die zyprischen Großaktionäre zogen dem vorherigen Inhaber der Aktien – der HSCB – einen griechischen Investor vor. Etwas später warf er den alten Vorstand der Bank hinaus und setzte seine eigenen Leute ein. Danach bürdete er der Laiki die Bank Marfin-Egnatia auf und ließ sie einen hohen Preis für deren Kauf zahlen. Der nächste Schritt war, dass Geschäftsstellen in Athen Filialen wurden, anstatt Tochtergesellschaften, wie es international aus Gründen der Bank- / Gesellschaftssicherheit geschieht. So begannen sie, für Kreditfinanzierungen ungeheure Geldbeträge von Zypern zu den griechischen Filialen zu schaffen.

Unkontrolliertes „Kredit-Karussel“ brachte Laiki in Schieflage

Die Laiki Bank gewährte Kredite an „Investoren“, die am Kauf von Aktien des Konzern interessiert waren. Man nahm also Geld bei einer Bank des Konzerns auf, um im Konzern eine Erhöhung des Aktienkapitals durchzuführen. Als Sicherheit für diese Kredite dienten die selbigen Aktien. Dies mag in der Bankenpraxis geschehen, aber wenn die verpfändeten Aktien zu fallen beginnen, muss der Investor – Kreditnehmer den Wertunterschied erstatten. Ebenfalls ist nicht gestattet, dass Kredite vergeben werden, die in den selben Unternehmenskonzern investiert werden, weil sie die Bank einem starken Risiko aussetzen.

Etwas Derartiges war niemals geschehen. Die Griechische Bank, jene, die heute Maßnahmen im Namen der Bankenstabilität ergreift, übte keine Kontrolle bezüglich der Bankenstabilität aus, die von diesen Kreditvergaben bedroht wurde. Und der Kapitalmarkt-Ausschuss auch nicht. Das selbe geschah auch mit der Zentralbank Zyperns, bei der Vorstandsmitglieder Schreiben an den Leiter schickten und die Gefahren betonten. Unter den Kreditnehmern befand sich das Vatopedi-Kloster, das einen Kredit von 173 Millionen erhielt und mittels einer Offshore-Gesellschaft 133 Millionen in den MIG-Konzern investierte.

Als im weiteren Verlauf die Laiki wegen dieser Politik Liquiditätsprobleme zu haben begann, flossen Gelder aus dem Eurosystem (ELA) herein, die den selben Weg nahmen. Eine entsprechende Politik hatte die Cyprus Bank, die in der Zeit der griechischen und internationalen Krise Filialen in Griechenland eröffnete und Banken in Russland und Rumänien kaufte. Die Kredite flossen natürlich mit allem, was sie zu Sicherheiten tauften, mit der „Genehmigung“ der Griechischen Bank.

Faule Griechenland-Kredite entsprechen 20% des BIP Zyperns

Laut den Analysen der Laiki Bank in Zypern beläuft sich das problematische Portefeuille der Bank aus Krediten in Griechenland derzeit auf 3,5 Mrd. Also 20% des BIP des Landes. Das Weitere ist bekannt. Die Dinge sind inzwischen offensichtlich und es ist skandalös, dass in den Tagen, in denen Zypern wegen dieser Politik zusammenbricht, der stellvertretende Staatsanwalt des Berufungsgerichts, Ioannis Moraitakis, die Akte des MIG-Falls schließt und sich als Argument der Versicherungen des Provopoulos bedient, alles sei ordnungsgemäß geschehen. Des Provopoulos, den er als Angeklagten wegen mangelhafter Kontrolle und unwahrer Versicherungen hätte vorladen müssen.

Wenn der Staatsanwalt erachtet, Provopoulos habe ihm die Wahrheit gesagt, soll er seinen Fernseher bei den Nachrichtensendungen einschalten. Oder, noch schlimmer, soll er den Befehl zur Anweisung zur Schließung der Akte an die Bürger Zyperns schicken.

Herr Moraitakis hat vorab denjenigen für „unschuldig“ erklärt, der heute aufgefordert ist, sich für ein offensichtliches Verbrechen an einem ganzen Volk zu rechtfertigen. Entgegen jeder Logik und wirtschaftlichen Realität wird Vgenopoulos sogar den Staatsanwalt benutzen, um – als „Unschuldiger“ – zum Verfolger all jener zu werden, welche die Wahrheit enthüllten.

(Quelle: Kouti tis Pandoras, Autor: Kostas Vaxevanis, Übersetzung: Griechenland-Blog)

  1. Heinz
    4. April 2013, 10:27 | #1

    Na, da haben wir doch die Informationen, die wir brauchen. Was fangen wir, bzw. die Zyprer jetzt allerdings damit an? Das Volk wird beschissen, von vorne bis hinten. Die übliche Reaktion wird wohl sein: Suchen wir die Schuldigen irgendwo in Europa, dann brauchen wir uns nicht um diese Elemente zu kümmern.
    Es ist schon sehr lustig, wenn ein Staatsanwalt ein Verfahren beerdigt, nur weil der Betroffene sagt, alles sei in Ordnung. Stellen wir uns vor, das würde ein Bankräuber zum hinzukommenden Polizisten sagen und der dann unverrichteter Dinge abziehen. Köstlich.

  2. V99 %
    4. April 2013, 16:31 | #2

    Danke an Kostas Vaxevanis! Er zeigt, dass investigativer Journalismus in griechischen Medien, ohne „Voelkerkeule“ noch moeglich ist. Dass das Vatopedi Kloster eine Offshore-Gesellschaft in Zypern hatte verwundert nicht. Wie die Gerichte arbeiten leider auch nicht. Die EZB wusste schon vor dem EU Beitritt Zyperns, dass dort Geld gewaschen wurde und hat nichts gemacht, da ja, wie man am Beispiel des MIG-Falls sehen kann, alles „ordnungsgemäß geschehen“ ist.. Dass diverse Regierungsvertreter noch in der Woche vor der Sperrung der Bankkonten mal schnell ein paar Millioenchen „gerettet“ haben ging auch gerade durch glaubwuerdige Medien. Mal sehen was wir alles ueber die „erfolgreichen Geschaefte“ (wie es hier Jemand nannte) noch aus Offshore-Leaks erfahren werden. Aber, es ist ja bestimmt wieder, wie „Im “Fall” Griechenlands… , dass die Reichen keine Griechen waren.“ (Zitat von Jemand hier) 😀 Ich wuerde einfach Abt Ephraim zum Finanzminister ernennen und das Problem ist geloest!

  3. L’Emmerdeur
    4. April 2013, 16:49 | #3

    @ Heinz lustig finde ich es nun wirklich, obwohl dein Vergleich mit dem Bankräuber treffend ist. Ich finde es sehr schlimm, wenn diese korrupten Hunde so weitermachen können wie vorher und die Bevölkerung Europas zahlen soll. Ebenso finde ich es unerträglich, dass von Seiten der EU nicht nachgehakt und zur Rechenschaft gezogen wird. Aber der Schäuble wird es uns schon als unabdingbar darstellen. Ebenso schlimm ein großer teil der Bevölkerung glaubt ihm auch noch. Das ganze System Zypern ist von Anfang an auf Betrug aufgebaut. Nun schreien die Reeder schon laut “ Es gibt Schieflagen, wir benötigen Geld von der EU! Hurra machen wir die Augen zu und weiter so!

  4. Heinz
    4. April 2013, 17:39 | #4

    @L’Emmerdeur

    Nun, zuallererst handelt es sich hier um ein Zyperninternes Problem, nämlich darum, wie die Justiz mit den Gesetzen und den Verstößen dagegen umgeht. Und damit natürlich auch mit denjenigen, die gegen Gesetze verstoßen haben. Das ist ihre ursprüngliche Aufgabe.
    Außerdem: Wir haben in Gesamteuropa das Problem, dass es zwar Gesetze gibt, sich jedoch viele Menschen nicht daran halten. Und da von den Politikern die Justiz immer sehr knapp gehalten (z.T. erhebliche Arbeitsüberlastung) und außerdem auch zu wenig auf die Finger geschaut wird, kommen dann solche Sachen heraus. Ist das gewollt?
    Wollen doch mal sehen, was im gigantischen neuen offshoreleaks-Fall alles zu Tage tritt.

  5. Christos
    4. April 2013, 22:03 | #5

    Bleibt nur die Frage, wer DENEN denn jetzt mal ein Hitlerbärtchen ins Gesicht auf den Wahlplakaten malt.

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