Der große Betrug auf Zypern

12. April 2013 / Aktualisiert: 19. April 2014 / Aufrufe: 3.733

Die europäischen Banken – speziell Frankreichs und Deutschlands – spekulierten mit Hilfe der EZB skrupellos zu Lasten Zyperns und trieben sein Bankwesen bewusst in den Ruin.

Die europäischen Banken spekulierten ohne jeden Skrupel zu Lasten der zyprischen Banken, und zwar mit Geldern, die sie sich praktisch zinslos von der Europäischen Zentralbank (EZB) liehen. Als ihr schmutzige Spiel zu Ende zu gehen schien, verschafften sie sich mit Hilfe der EZB die erforderliche Zeit, um keinen Schaden zu erleiden.

Die eiskalte Erpressung und der vorsätzliche Mord an Zypern hätten nicht geschehen können, wenn es nicht innerhalb seiner Mauern ‚Albträume‘ gegeben hätte. Das Beharren seiner Bürger jedoch, mit ihren Erpressern und Mördern in dem selben Haus wohnen zu bleiben, ist sicher masochistisch – da es sehr wahrscheinlich ist, dass sie über viele der kommenden Jahre weiterhin erpresst sowie ebenfalls gemeuchelt werden.

Rechtzeitige Reaktion hätte französische und deutsche Banken geschädigt

Viele Leute fragen sich in Zusammenhang mit der Zukunft der Eurozone und fühlen offensichtlich, dass etwas falsch läuft – zusätzlich zu den leider von Zeit zu Zeit festgestellten Fehlern und Unterlassungen. Dennoch ist es etwas völlig Anderes, dass sich ein Problem aus einem Fehler ergibt, im Vergleich dazu, dass er beabsichtigt ist – und noch viel mehr, wenn es sich um einen großen Betrug handelt, wie dies (laut den ausländischen Medien) im Fall Zyperns festgestellt wird:

Sowohl vor als auch nach dem „Schnitt“ der Verschuldung Griechenlands (PSI) betonte die zyprische Regierung kontinuierlich, das konkrete Procedere würde die Banken ihres Landes bedrohen – während die Probleme des Finanzsektors Zyperns vielen bekannt waren. In jedem Fall hätten spätestens Anfang 2012 die beiden großen zyprischen Banken (Laiki Bank und Cyprus-Bank)

  1. entweder pleite gehen (gemäß dem Beispiel Islands) oder
  2. mittels eines Hilfsprogramms „gerettet“ – umgeschuldet, rekapitalisiert – werden oder jegliche anderen entsprechenden Maßnahmen ergreifen müssen,

da die Verluste in ihren Bilanzen auf 11 Mrd. € veranschlagt wurden (welcher Betrag ungefähr 60% des BIP des Landes entspricht).

Wenn jedoch etwas Derartiges geschehen wäre, also die Eurozone richtig und rechtzeitig reagiert hätte, wären dann große Probleme für andere ihrer Kreditinstitute geschaffen worden, weil Anfang 2012 die Banken der Eurozone – hauptsächlich die deutschen und französischen – noch Einlagen in Höhe von 20 Mrd. € bei den zyprischen Banken hatten (obwohl sie bereits 2011 große Beträge abgezogen hatten – siehe nachstehendes Diagramm I).

Verlauf der Einlagen bei zyprischen Banken 2006 - 2013
Einlagen bei zyprischen Banken 2006 – 2013 auf einer (vertikalen) Skala von 0 – 60 Mrd. €

In dem vorstehenden Diagramm mit einer vertikalen Skala von 0 – 60 Mrd. Euro bezieht sich die schwarze Linie auf die Anlagen der deutschen und französischen Banken in Zypern, die ihre Gelder 2011 massenhaft abgezogen hatten. Die rote Linie bezieht sich auf Einlagen der zyprischen Unternehmen und Privatleute. Die gelbe Linie schließlich bezieht sich auf Einlagen der Russen, die grüne dagegen auf die Einlagen von Banken außerhalb der Eurozone. Wie klar erscheint, zeigte nur die schwarze Linie einen abrupten Rückgang der Anlagen – während die anderen entweder konstant blieben oder leicht anstiegen.

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  1. windjob
    12. April 2013, 12:29 | #1

    Ich will den Bericht absolut nicht anzweifeln zeigt er einmal mehr die Verflechtung zwischen Grossfinanz und Politik. Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass es Zypern selbst in der Hand hatte durch eine vernünftige Bankenkontrolle ein solches Desaster zu verhindern. Dies betrifft aber auch alle anderen Länder. Was es aber auch zeigt ist, es wird Zeit dass die Banken an die Leine genommen werden. Trennung von Investmentbanken und, ich sag mal, normalen Banken. Wenn eine Investmentbank sich verzockt lasst sie hopps gehen. Leider stossen diese Ansätze immer wieder auf den Widerstand der Briten und Amerikaner weil diese Angst um Ihre Finanzplätze haben. Und es scheitert an dem gnadenlosen Lobbyismus.

  2. GR-Block
    12. April 2013, 15:07 | #2

    @windjob
    „Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass es Zypern selbst in der Hand hatte durch eine vernünftige Bankenkontrolle ein solches Desaster zu verhindern. Dies betrifft aber auch alle anderen Länder.“
    Welch eine Aussage. Sie akzeptieren, dass es eine Weltfinanzkrise gibt und sagen ausgerechnet den kleinsten Volkswirtschaften „selber Schuld“. Damit waschen Sie den Hauptverursachern und Nutzniesern die Hände. Das akzeptiere ich nicht. Wer in allem nach vorne drängt, muss damit rechnen, die Schuld zu tragen, nicht nur den Gewinn.

    „Was es aber auch zeigt ist, es wird Zeit, dass die Banken an die Leine genommen werden.“
    Ich stimme zu. Aber ich befürchte auch hier, wie bei der OECD-Korruptionsbekämpfung, werden die großen Nutznieser wie D dagegenhalten.

    „Wenn eine Investmentbank sich verzockt, lasst sie hopps gehen. Leider stossen diese Ansätze immer wieder auf den Widerstand der Briten und Amerikaner weil diese Angst um Ihre Finanzplätze haben.“ Die jahrzehntelange Bankenpraxis in D widerspricht ihrer Aussage vehement. Trotz politischer Lippenbekenntnisse haben Risikoanleger gerade in D ihre Lobbys fest im Griff, um ihr Risiko illegal zu minimieren.

  3. Ottfried Storz
    12. April 2013, 15:34 | #3

    Spekulation ohne Belege.
    Wo ist der Beleg, dass „deposits, other EZ“ (= Euro-Zone) angeblih „Frankreichs und Deutschlands“ Banken sind? Deutschlands Industrie mag international relativ sehr gut aufgestellt sein. International sind Deutschlands Banken jedoch relativ klein, selbst italienische, spanische oder niederländische Großbanken sind grösser als die Großbanken Deutschlands, siehe Wikipedia Großbanken.
    Auch kann es völlig andere Gründe haben, das die „deposits, other EZ“ seit 2010 so stark schrumpfen, z.B. das sich große spanische und italienische Banken sich zurück gezogen haben. Aus der Rumpftabelle jedoch kann man keinerlei konkrete Schlußfolgerungen ziehen!

  4. V99 %
    12. April 2013, 20:02 | #4

    Ich habe mir gerade mal den „Jahres Rueckblick der auslaendischen Statistik 2011“ der Bank of Cyprus angesehen, dort erscheint kein derartiges Diagramm. Es erscheint nicht einmal „Frankreich“, „Deutschland“ wird auch nur beilauefig erwaehnt. Seltsamer weise wird die „Quelle“ dieses Diagrammes nicht angegeben und noch weniger die genaue Bedeutung (nicht die vom Autor erfundene) von „MFI Deposits, Other EZ“, auch nicht in den griechischen original Artikeln. Der Autor scheint, trotz seines Wirtschaftsstudiums nicht verstanden zu haben, dass es (fast) keine „guten“ Banken bzw. Bankster gibt. Alle wollen Geld machen, ohne viel dafuer arbeiten zu muessen, auch die auf Zypern. Wenn die da ihre Hausaufgaben gemacht haetten, warum sind sie dann nicht misstrauisch geworden, als die angeblichen „Boesen“ Banken ihr Geld dort angelegt haben? Warum bieten sie so hohe Zinssaetze ueberhaupt an, weil sie keine Einlagen haben wollen? Zitat:
    „Natürlich hätten die deutschen und französischen Banken etwas Derartiges nicht riskieren können, wenn sie nicht die Hilfe der Bank der Eurozone (EZB) gehabt hätten – also deren Leiters, sprich der Regierung Deutschlands sowie auch ebenfalls Frankreichs.“
    Hier stellt sich die Frage ob der Herr tatsaechlich ein Wirtschaftsstudium absolviert hat. Zu den „Leitern“ gehoert unter anderem ein Hr.Panicos Demetriades (Zypern) und ein Hr. Georgios Provopoulos (Griechenland). Es tut mir Leid um die wirklich Unschuldigen Zyprioten, zu denen ich aber in erster Linie Kinder und Rentner zaehle, und um derartige Autoren, wie den Hr. Vasilis Viliardos, der es eigentlich besser wissen muesste, gerade wegen seiner zwei Studien in GR und D!

  5. windjob
    12. April 2013, 20:07 | #5

    GR-Block :
    Es ist doch immer wieder interessant. Wenn jemand dem kleinen Staat Zypern Vorschriften machen will verweist man auf die Unabhängigkeit des Staates. Wenn es dann schief geht dann sind es plötzlich wieder die anderen. Wer bitte hat Zypern daran gehindert den Bankensektor zu regulieren. Wer hat Zypern daran gehindert diese überbordenden Anlagen zu verhindern. Entweder ist ein Staat selbstständig egal ob klein oder gross oder er ist es nicht. Ausserdem gilt bis zur Vorlage von Beweisen immer noch die Unschuldsvermutung. Also Beweise auf den Tisch, dass es hauptsächlich deutsche und französische Banken waren. Dass die Entscheidung durch Korrupion und Kungelei mit der deutschen Politik hinausgezögert wurde. Beweise bitte und keine Unterstellungen die ohne Substanz sind. Auch wenn ich den Bericht zur Zeit nicht unbedingt anzweifle ist er für mich nur dann relevant wenn diese Beweise vorliegen.

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