Zypern und die geheime Angst der EUDSSR

22. März 2013 / Aufrufe: 4.476

Die Kollision des Imperiums mit Zypern wird besonders heftig sein, da viele einen Präzedenzfall  für die übrigen Staaten des europäischen Südens befürchten.

Wir sind in den Frühling eingetreten, die Welt ist wieder jungfräulich und das „Bis wann, oh Herr …“ kondensiert sich im „Nein“ der Zyprioten. Es folgte die paranoide Wut der Dämonen über die unvorhergesehene Wendung der Dinge, über den David, der sich widersetzte, über die Menschheit, die sich erhebt. Sie ächzen, krächzen, erpressen, aber jenes hübsche Mädchen aus Nikosia nimmt sie auseinander, da es ihnen mitteilt, sich nicht vor dem „Unheil verkündenden Morgen“ zu fürchten, weil: „Wir haben Würde. Wir sind keine Sklaven.

Danach sehe ich den Geistlichen das Vermögen der Kirche in die Dienste des Staates stellen und stelle automatisch Gedankengänge an. Wie jene Bezüge, welche der Historiker David Engels in seinem Buch „Der Verfall, die Krise der EU und der Fall der Römischen Republik: historische Analogien“ herstellt. Die zypriotische Sache ist gleichermaßen ein Fauxpas wie auch ein simpler Machtmissbrauch. Griechenland – fährt er fort – endete als „Semi-Provinz“ mit eingeschränkter Unabhängigkeit, die regiert wird von Vertretern des Europäischen Imperiums, das auf die schwache Union der antiken griechischen Städte verweist.

Erpressung durch die EUDSSR: Unterwerfung oder Tod

Was die Deutschen betrifft, gilt hier Vergil, der sagte: „Du, Römer, vergiss nie, durch deine Herrschaft die Völker zu lenken.“ Heute erpressen Wolfgang Schäuble und die Europäische Zentralbank die zyprischen Banken grob mit der Schließung. Unterwerfung oder Tod also. Dies ist das Dilemma, welches den Zyprioten und den Völkern des europäischen Südens von den imperialistischen Euro-Technokraten gestellt wird, die sowohl im Inneren der jeweiligen Staaten als auch im Zentrum heimisch sind (andere nennen sie Politiker der Europäischen Sowjetunion).

Diejenigen, die also im Inneren der Staaten agieren und die „Brücke“ zur Zentrale darstellen, sind in einer Bemühung, den Herren der Metropolis des Imperiums ihre Treue zu zeigen, am härtesten. So hörten wir, wie sie Zypern als Steuerparadies der russischen Mafiosi bezeichneten. Die Antwort kam jedoch von der Zeitung Le Monde, die betont, dass Zypern weder auf der schwarzen noch auf der grauen Liste der als „Steuerparadiese“ bezeichneten Staaten erscheint. Dagegen steht es auf der weißen Liste, da es die internationalen Standards aktiviert und zwölf einschlägige Abkommen unterzeichnet hat. Das einzige was in Zypern geschieht, ist dass es eine Anzahl steuerlicher Vorteile sowie eine niedrige Besteuerung bietet.

Wozu also der Angriff auf das zypriotische Bankensystem? Vielleicht zur Eliminierung des grundsätzlichen verhältnismäßigen Vorteils, oder besser des starken Kerns der zypriotischen Wirtschaft? Auf diese Weise wird jedoch die Republik Zyperns ihrerseits zu einer Provinz (Protektorat) des Europäischen Imperiums, mit seinem gesamten natürlichen Reichtum in den Händen der Oberhoheit. Deswegen wird die Kollision des Zentrums mit Zypern besonders heftig sein, da viele befürchten, der Widerstand der Zyprioten werde einen Präzedenzfall schaffen, gemäß dem die Völker des europäischen Südens ihre Freiheit, ihre Unabhängigkeit und ihre Würde beanspruchen können.

Quelle: Ihre geheime Furcht
Autor: Jorgos Papasotiriou
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

Relevante Beiträge:

  1. radom
    22. März 2013, 11:32 | #1

    Schöne blumige Worte. In vielem gebe ich Ihnen Recht. Ja es ist die EUDSSR. Es ist unerträglich was die Handlager der Finanzindustrie (ALLE pseudodemokratischen Regierungen) an Kontrolle und Zugriffsmöglichkeiten auf Vermögen erschaffen (wollen).
    Aber wie passt denn die hochgepriesene Freiheit der Zyprer, ihr Wunsch nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung ins Bild, wenn sie an einem Tag die EU verteufeln und am nächsten Tag ins superdemokratische Moskau kriechen und um Geld betteln? Hier ist „Stolz“ wohl anders definiert.
    Ich halte es für wichtig, dass Steuerwettbewerb herrscht. Deshalb freue ich mich über Niedrigsteuerländer wie Zypern. Wenn man diese Politik jedoch erfolgt, muss man aufpassen, dass der Staatshaushalt in Ordnung bleibt und die Banken kontrolliert werden. Denn wenn man in die Pleite rutscht und andere um Geld bittet, ist es schnell vorbei mit Freiheit und Unabhängigkeit, wie man sieht. Lichtenstein macht das schon lange besser.
    Niemand hat Zypern in die Eurozone gezwungen. Auch heute können sie noch raus. Warum wird erwartet, dass die geschundenen, total kontrollierten und bereits unfreien Steuerzahler anderer Länder fremde Schulden zahlen.
    Toll, dass die orthodoxe Kirche helfen will. Könnte ja pure Nächstenliebe sein. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass einiges der Kirche im Feuer steht, wenn die zypriotischen Banken pleite gehen.
    Goliath hat David übrigens kein Geld geliehen.

  2. HJM
    22. März 2013, 13:30 | #2

    Es ist zum Verzweifeln. Sind jetzt die zyprischen Banken (so gut wie) illiquide oder nicht? Wenn ja, wer hat sie denn in diese Situation manövriert? Herr Schäuble mit einem fies angelegten „Angriff“ von hinten links durch die Mitte? Oder waren sie dies selbst? Oder gar das „hübsche Mädchen aus Nikosia“ in Gestalt der „zyprischen Autoritäten“. Vermutlich bin ich ein Kannitverstan: jemand möchte Geld von mir. Sagt, er hat keins mehr und braucht es dringend, um zu überleben. Ich sage, Du hast sehr wohl noch einiges. Mache es flüssig und dann reden wir weiter …………. tja, dann bin ich wohl ein böser Angreifer …….. Jesus Christus!

  3. Rudi
    22. März 2013, 14:28 | #3

    Oben heißt es:
    „Wozu also der Angriff auf das zypriotische Bankensystem?“
    Das war kein Angriff, sondern ein Eigentor!

    Russland sagte soeben: „Njiet!“ zu neuen Krediten.
    Zuerst verzockten sich die Banken und jetzt sieht es ganz so aus, als hätten die zypriotischen Parlamentarier zu hoch gepokert.
    Schade nur, dass das einfache Volk die Suppe auslöffeln muss.
    Auch die anderen Staaten werden bald bluten müssen. Die Schulden sind einfach zu hoch. Kein Wirtschaftswachstum kann dies auffangen.

  4. 22. März 2013, 19:01 | #4

    Zypern hat einen ganz entscheidenden strategischen Vorteil: riesige Erdgasfelder. Man munkelt, dass diese ab 2018 (?) fördern könnten. Der Reingewinn soll im dreistelligen Mrd. $ Bereich liegen.

    Von daher hat Zypern nur ein kurzfristiges Liquiditätsproblem. Wenn die Erdgasförderung startet, sieht die Zukunft hervorragend aus!

  5. Catalina
    23. März 2013, 01:34 | #5

    Tatsache ist doch wohl, dass Deutschland vor allem deshalb so wild darauf ist, den „aufgeblähten“ Bankensektor auf Zypern zu demolieren, weil es selbst daran interessiert ist, die Gelder, egal ob schwarz oder weiß, in die Hände zu bekommen. Lettland heißt das Zauberwort, alles Geld soll dorthin zum „sicheren“ Parken transferiert werden. Und wer kontrolliert bzw. mischt kräftig mit im lettischen Bankensystem? Ach Gott, welche Überraschung, allen voran die Deutsche Bank!
    Ist eigentlich jedem klar, wieviel Geld derzeit nach Deutschland fließt? Unvorstellbare Summen werden in D verwaltet. Wenn man von „Gewinnern“ der Krise spricht, dann gibt es nur einen haushohen Gewinner, und der ist Deutschland – obwohl dies wiederum der Otto-Normalbürger gar nicht gerne hört, weil ihm ja beständig eingetrichtert wird, er müsse für alle „bezahlen“ …
    Und was die „hervorragende“ Erdgasförderung betrifft, sollte man sich mal fragen, warum „der Bankrott“ von Ländern wie Zypern und Griechenland plötzlich so vehement betrieben wird. Es hängt wohl nicht zufällig damit zusammen, dass jahrelange Forschungen und Studien ergeben haben, dass auf dem Meeresboden vor diesen Küsten wahre „Energiegoldschätze“ lagern? Vermutlich kann man davon ausgeben, dass weder Griechenland noch Zypern jemals selbst Herr über die eigenen Schätze sein werden …

  6. LiFe
    23. März 2013, 15:09 | #6

    Liebe Catalina, der Otto-Normalbürger ist doch wirklich der Hintergangene und es gibt ihm das Recht über seine Rolle als Zahlmeister zu klagen. Was bleibt ihm anders übrig? Ist es nicht bedauerlich, wie ein Ex-Präsident de la France sich Zuwendungen erschlichen hat? Hausdurchsungen bei Madame Lagarde? Ein Fall des Steuerbetrugs eines Ex-Mannes bei der Deutschen Bank erhielt 42 Monate Haft? Im Übrigen erkennen sie die Situation richtig. Da, wo Energieschätze lagern, werden andere Nutznießer sein. Die Verträge sind gemacht worden. Allen voran haben kanadische und skandinavische Konzerne sich erhebliche Anteile im Verhältnis von 80 zu 20 abgesichert. Die Situation Kosovo beweist es auch. Dort gibt es Gold-, Silber-, Zink- und Zinnvorkommen.

  7. Ottfried Storz
    23. März 2013, 22:17 | #7

    Die Bedeutung Zyperns wird von Griechenland & Zypern komplett überschätzt: Zypern hat gerade mal eine Mio. Einwohner, Russland 142 Mio, der Euro-Raum sogar 330 Mio. Für die 472 Mio. Einwohner in EUDSSR (= Euro-Staaten plus Russland) ist Zypern von Größenordnung und Perspektive nur ein lästiger Fliegenschiß.
    Die Rohstoffperspektive ist reichlichst vage hinsichtlich des Umfangs, nennenswerte Erträge sind zudem frühestens in 8 Jahren möglich. Für Russland interessant, für Euro-Staaten weniger: Explorationsindustrie gibt es hauptsächlich in den USA, China, Russland, Norwegen etc.

    Warum sollte die anderen 16 Euro-Staaten zyprische Banken mit Milliardensummen „retten“, obwohl die Banken überwiegend Geld von Nicht-Euro-Menschen / Firmen anlegen? Wenn Zypern nicht im Euro-Raum oder in der EU bleiben will, sollte es aussteigen. Die anderen Mitglieder des Euro-Raums wären darüber sehr, sehr dankbar.

  8. Skeptiker
    24. März 2013, 06:22 | #8

    Wenn ein kleines Land sein Geschäftsmodell zum allergrößten Teil nur auf Geldwäsche aufbaut, dann gebührt diesem Land nichts anderes! Wenn ein kleines Land den einfachen Zusammenhang „Schuldner sind Sklaven der Gläubiger“ nicht erkennt, dann verdient es kein Mitleid!

  9. 24. März 2013, 09:32 | #9

    Endlich mal ein recht objektiver Beitrag über Zypern. Bei geschätzten 600 Milliarden Gas-Vorkommen, wird nicht Zypern „schwierige Zeiten“ haben, sondern EU-Mitgliedsstaaten die jetzt schon am wackeln sind.

  10. Mr Mindcontrol
    24. März 2013, 13:53 | #10

    Wer erpresst hier wen? Hallo, die Politik von Schäuble und Merkel mag nicht so gelungen sein aber? Warum wird hier nur davon gesprochen, dass Zypern erpresst wird, warum nicht umgekeht, es sind doch die Steuerzehler aller anderen EU-Länder die nach dem Wunsch Zyperns 100% davon zahlen sollen. Warum wird das nicht skandalisiert? Ein Eigenanteil von Zypern ist nur gerecht, ist das mit dem Bankensystem Zyperns gar deren Geschäschäschtsmodell, das um ein vielfaches größer ist als das zypriotische Bruttosozialprodukt. Warum macht es Zypern nicht wie Island? Die haben ihre Banken NICHT gerettet, sondern die kriminellen Bankster in den Knast gesteck.
    Außerdem scheinen einige Leute unser Finanzsystem nichgt zu verstehen. Die Banken dort zu deomlieren sind das Letzte wenn man das Geld haben will. mit eine solchen Demolierung wären fast alle Einlagen (die ja zum grössten Teil nur als Zahlen ohne Deckung existieren weg). Also Deutsche Bank und co. haben eher ein Interrese zur 100% Rettung und 100% Zahlung durch den (kriminellen). Zypern ist wohl eher ein Testballon um zu gucken was sich die Leute gefallen lassen. Haircuts werden woh bals überall in der EU kommen spätenstens bei eine Währungsreform. So ist das bei einen Schuldgeldsystem was auf legalem Betrug (Geldschöpfung aus dem Nichts) besteht.

  11. ziesel
    24. März 2013, 14:23 | #11

    Niemand muss sich erpressen lassen. Was soll dieser Artikel? Die EU bzw. DE stellt die Zahlungen ein, und Zypern kann machen, was es will – und gut is. Wo ist Problem? Wer hat Zypern gezwungen, sich zu verschulden? Wo ist die ‚Rechtfertigung, dass die EU für Zypern ewig zahlt. Ich sehe da überhaupt keine Erpressung.

  12. Mr Mindcontrol
    24. März 2013, 14:46 | #12

    @ Ziesel
    Unser ganzes Finanzsystem basiert auf Schulden, das Geld zurückzuzahlen würde bedeuten, dass es dann gar kein Geld mehr gibt, da Geld auf der einen Seite immer Schulden der anderen Seite sind. Wahrscheinlich wurde Zypern zuerst von seinen Banken erpresst wie frau Merkel 2008 von den deutschen Banken erpresst worden ist, so dass Sie die Bank-Schulden den Steuerzahlern aufgedrückt hat und mit eine Jahrhundert-Lüge ans Volk trat: Nämlich dass die Bundesregierung sämtliche Einlagen der deutschen Sparer garantiert. Aber natürlich weder ein Gestz dazu gamacht hat noch das schriflich gegeben hat, wie auch wo die BRD schon mit 1,3-Billonen Euro verschuldet war. Es sind diese Lügen die unser System bis jetzt stabilisiert haben.
    Banken treten heutzutage als Schutzgelderpresser auf: Endweder ihr übernehmt unsere Schulden und lasst den Steuerzahler haften oder wir lassen das System zusammanbrechen. Warum sieht man in Griechenland und auch Spanien ständig antideutsche Plakate, aber warum sieht man keine Plakate gegen Goldman.Sachs und co. die die eigentlichen Verursacher der Krise sind? Mir kommt es vor als wäre es diesen Verursachern gelungen, die Völker aufeinnder zu hetzen um von sich als Schuldigen abzulenken.

  13. KingBalance
    24. März 2013, 21:24 | #13

    Globalisierung nimmt keine Rücksicht auf Gesellschaften, auf Gemeinschaften oder Familien. Globalisierung kennt nur Wachstum und Konsumenten. Selbst wer unschuldig oder gar regelwidrig aus diesem Spiel geworfen wurde hat eben Pech und in Zukunft keine Milde zu erwarten. Tragisch nur, das viele noch in der infantilen Denkweise verharren, ihnen könnte das gleiche Schicksal wie vielen millionen Anderen vorher nicht widerfahren.

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