Papageorgopoulos zu seiner lebenslangen Haftstrafe in Griechenland

2. März 2013 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 979

Der zu lebenslänglicher Haft verurteile ehemalige Bürgermeister von Thessaloniki in Griechenland, Vasilis Papageorgopoulos, fordert Antworten auf 13 Fragen.

Der am 27 Februar 2013 von einer Schwurgerichtskammer unter anderem der Mittäterschaft in einem Unterschlagungsfall bei der zentralen Gemeindeverwaltung von Thessaloniki für schuldig befunden und zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilte ehemalige Bürgermeister Vasilis Papageorgopoulos schrieb 48 Stunden nach seiner Verurteilung aus dem Gefängnis eine weitschweifige Erklärung.

Herr Papageorgiou stellt in jede Richtung 13 Fragen und verlangt Antworten. Unter anderem führt er an: „Wer den geringsten konkreten Beweis hat, dass ich an der Unterschlagung bei der Gemeinde Thessaloniki beteiligt war, soll es im Fernsehen erklären, und ich werde keine Berufung gegen das völlig unbegründete Urteil des Gerichts gegen mich einlegen.“ Weiter moniert er:

Wie ist es möglich, dass mildernde Umstände des vorherigen ehrenhaften Lebenswandels von der selbigen Justiz sogar auch dem Koskotas zugestanden werden und nicht dem Papageorgopoulos, der in seinem 66. Lebensjahr angelangte und unerschütterlich Prinzipien und Werte befolgte, mit der griechischen Fahne in den Händen in der ganzen Welt umher kam und von dem Volk Thessalonikis 11 Mal aufeinanderfolgend als dessen Vertreter in die höchsten Organe unseres Vaterlandes gewählt wurde?„.

Das nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegebene vollständige Schreiben endet mit den selben Worten, die Vasilis Papageorgopoulos im Gerichtssaal unmittelbar nach der Verkündung der lebenslänglichen Haftstrafe auch an die Richter gerichtet hatte: „Gewisse Leute werden bis zu ihrem Tod Gewissensbisse haben.

Vasilis Papageorgopoulos zu seiner Verurteilung

Weil in den letzten Tagen viel gegen mich gesagt wird und dies keinerlei Bezug zu der Realität hat, möchte ich erklären:

1. Wer den geringsten KONKRETEN BEWEIS hat, dass ich an der Unterschlagung bei der Gemeinde Thessaloniki beteiligt war, soll es im Fernsehen erklären, und ich werde KEINE Berufung gegen das völlig unschlüssige Urteil des Gerichts gegen mich einlegen!

2. 10 Jahre lang und bis zu der von mir erfolgten Enthüllung der Unterschlagung bei einer Pressekonferenz bestätigten alle institutionellen Kontrollorgane (Rechnungshof, Finanzministerium, Bezirksverwaltung Zentralmakedoniens, beeidigte Prüfer usw.), aber auch das Finanzamt und die Versicherungskassen schriftlich, dass die Finanzstelle der Gemeinde tadellos arbeitet!

3. Ich werde der unmittelbaren Mittäterschaft an einer Unterschlagung beschuldigt, die der Saxonis vornahm, obwohl er mir bis zu seiner Enthüllung unbekannt war, so wie mir 98% der 5.000 Bediensteten der Gemeinde Thessaloniki unbekannt waren.

4. Während der gesamten Dauer meiner Amtszeit hatte ich mir absolut keinerlei Zuständigkeit auf dem Sektor der Finanzen der Gemeinde vorbehalten und sie alle an die stellvertretenden Bürgermeister abgetreten!

5. Der selbige Rat der Berufungsrichter, aber auch die Finanzinspektorin Frau Tsempera betonen, dass der Saxonis wenigstens seit 1997 Unterschlagung betrieb! Die TH‘ DOY fand Unterschlagungen seit 1993! Wie kann ich also der „unmittelbaren Mittäterschaft“ beschuldigt werden, ich, der ich 1999 als Bürgermeister vereidigt wurde?

6. In dem selbigen Buch des Gemeindekassierers ist eingetragen, dass 1998 der Saxonis 58 Mio. Drachmen unterschlug, ein Jahr bevor ich das Amt des Bürgermeisters von Thessaloniki antrat. Wie kann dieser Punkt übergangen werden, der alle Anschuldigungen wegen „Anstiftung zur Tat“ und „unmittelbarer Beteiligung“ gegen meine Verwaltungsführung buchstäblich in die Luft sprengt?

7. Wenn die unmittelbaren Kontrollorgane des Saxonis in der Gemeindeverwaltung freigesprochen werden, wie kann es angehen, dass der Bürgermeister verurteilt wird?

8. Wenn bei dem Anhörungsverfahren bewiesen wird, dass keinerlei Beziehung zwischen dem Bürgermeister und dem – sogar von dem Rechnungshof kontrollierten – Direktor der Finanzstelle besteht, wie ist es dann möglich, dass der Bürgermeister beschuldigt und verurteilt wird?

9. Warum werden ohne jegliche Recherche alle unbewiesenen Behauptungen des eidbrüchigen Beamten akzeptiert und in der Urteilsbegründung angeführt, obwohl sich seine kriminelle Natur ohne jeglichen Zweifel erweisen hat?

10. Warum wird das Andenken hervorragender Amtsträger unserer Stadt (Stamatis Karamanlis, Apostolos Tsourekas) beschmutzt und warum werden sie in die Urteilsbegründung einbezogen, wenn sie von dem eidbrüchigen Beamten ohne jeglichen Beweis belastet wurden, nachdem sie verstorben waren und somit ihre Ehre und somit ihren Ruf nicht verteidigen können?

11. Warum wird der dritten Aussage des Saxonis – in den beiden ersten führt er mich nicht an – Glauben geschenkt, in der er erklärt „der Bürgermeister wusste Bescheid“ und welche Aussage ganze 1,5 Jahre nach seiner Aufdeckung durch mich bei einer Pressekonferenz und genau einen Tag nach der Zustellung seiner von mir unterschriebenen Entlassung aus der Gemeindeverwaltung an ihn erfolgte?

12. Wie ist es möglich, dass der selbige Vorsitzende des Gerichts eingesteht, dass eine Überprüfung meiner Finanzen erfolgte und nichts Beanstandenswertes gefunden wurde und ich gleichzeitig – ohne irgendeinen Kontakt oder sei es eine Bekanntschaft zu dem Täter zu haben – wegen „unmittelbarer Mittäterschaft“ in einer Unterschlagung von 17 Mio. Euro verurteilt werde?

13. Wie ist es möglich, dass mildernde Umstände des vorherigen ehrenhaften Lebenswandels von der selbigen Justiz sogar auch dem Jorgos Koskotas zugestanden werden und nicht dem Vasilis Papageorgopoulos, der in seinem 66 Lebensjahr angelangte und unerschütterlich Prinzipien und Werte befolgte, mit der griechischen Fahne in den Händen in der ganzen Welt umher kam und von dem Volk Thessalonikis 11 Mal aufeinanderfolgend als dessen Vertreter in die höchsten Organe unseres Vaterlandes gewählt wurde?

Müssen möglicherweise gewisse Personen ihre Haltung erneut untersuchen? Muss das Berufungsgericht möglicherweise umgehend einberufen werden? Müssen möglicherweise gewisse Vorgesetzte die Prozessakte, die Zeugenaussagen, die Dokumente studieren, damit rechtzeitig die geeigneten Rückschlüsse gezogen werden?

Muss das konkrete Urteil möglicherweise dem Parlament und der politischen Welt zu denken geben, die in letzter Zeit allgegenwärtig angegriffen werden – aus sehr durchsichtigen Gründen und obwohl sie zu einem Anteil von 80% ausgewechselt wurden? Muss möglicherweise die Nea Dimokratia (ND) anstatt ihrer verlegenen Haltung die konkrete Sache einer hervorragenden Gruppe von Rechtsspezialisten antragen, um signifikante Rückschlüsse für ihren weiteren Verlauf zu erhalten?

Wie auch immer, diese meine Überlegungen aus den 2,4 qm abschließend, die mir nach dem Urteil des konkreten Gericht für die kommenden Jahre entsprechen – mir, der ich mein ganzes Leben lang in offenen athletischen und politischen Arenen lief – verlange ich öffentlich EIN KONKRETES BEWEISSTÜCK gegen mich. Bis dahin wird das gelten, was ich bei Gericht erklärte, „dass gewisse Leute BIS ZU IHREM TOD GEWISSENSBISSE HABEN WERDEN„. Die Bürger Thessalonikis und alle Griechen haben sich absolut sicher zu sein, dass ich sie niemals verraten habe!

PS: Ob die Zeitungen und die Kanäle, die mich alltäglich in Verruf bringen, die Kraft haben werden, diese Erklärung vom mir zu beherbergen?

(Quelle: in.gr)

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  1. LiFe
    2. März 2013, 02:01 | #1

    O lala, das ist heftig. Seine Vita liest sich beachtlich. Sein Fall zeigt sich schwierig. Er könnte unschuldig sein, oder auch nicht. Justitia hat es mit einem prekären Fall zu tun. Er scheint sehr souverän aufzutreten. Beachtliche Fragelisten. Ein Dramaturg!

  2. Ewald Böhmer
    2. März 2013, 12:40 | #2

    Wenn man echte Beweise seiner „Schuld“ hatte wäre auch ein Lebenslänglich unangebracht.
    Ich denke nicht das er schuldig ist. Die wahren schuldigen und Veruntreuung von Geldern sitzen in ganz anderen Positionen inklusive die welche euer wunderbares Land an die EU Junta verraten und verkauft haben ,darüber sollte gerichtet werden !!

  3. nikos
    6. März 2013, 08:46 | #3

    der weg ist richtig,…aber lebenslänglich? na ja,etwas übertrieben,finde ich!

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