Papageorgopoulos spricht von ungeheurem Justizirrtum in Griechenland

9. März 2013 / Aktualisiert: 21. Mai 2014 / Aufrufe: 968

Der zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilte ehemalige Bürgermeister von Thessaloniki beteuert seine Unschuld und spricht von einem Justizirrtum.

Der am 27 Februar 2013 wegen Mittäterschaft in einem spektakulären Unterschlagungsfall bei der Gemeindeverwaltung Thessaloniki zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilte und seitdem in der Strafvollzugsanstalt Diavata / Thessaloniki einsitzende ehemalige Bürgermeister Vasilis Papageorgopoulos beteuert weiterhin seine Unschuld.

Herr Papageorgopoulos behauptet, er selbst habe den Unterschlagungsskandal aufgedeckt und spricht von einem absoluten Irrtum der Justiz, wie er in einem aus dem Gefängnis geschriebenen Brief darlegt, der nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Ich erwartete einen Freispruch und hörte „lebenslänglich“

Der Schlag war schwer. Unglaublich! Und zwar besonders, wenn er Resultat eines ABSOLUTEN JUSTIZIRRTUMS ist. Dich in Deinen guten Anzug zu werfen und mit einem Lächeln zum Gericht zu gehen, um „Deinen feierlichen Freispruch“ zu hören und dann mit dem Häftlingsfahrzeug der Polizei nach Diavata gebracht zu werden, ist sehr schwer. UNERTRÄGLICH.

Wenn über fünfeinhalb Monate keinerlei KONKRETES BEWEISELEMENT gegen Dich zu Gehör kam, Du niemals Bekanntschaft mit dem eidbrüchigen Bediensteten der Gemeinde Thessaloniki (einem unter 5.000 Angestellten) gemacht hast, der laut der Anklageschrift, laut der Prüfung der TH DOY (Anmerkung: es ist das zuständiges Finanzamt gemeint) und dem Bericht der Wirtschaftskontrolleurin jahrelang Unterschlagung und Fälschung betrieb, noch bevor ich zum Bürgermeister von Thessaloniki vereidigt wurde, wenn der Direktor der Kassenstelle, das Sekretariat des Direktors und die Vorgesetzte des Angestellten, der die Unterschlagung betrieb, Dich nirgendwo in ihren Aussagen erwähnen und Du mit Deinen 66 Jahren – nach einer Karriere, auf die viele neidisch sein würden – LEBENSLÄNGLICH hörst, ist das schwer zu ertragen!

Ich glaube, es ist in der Historie der Justiz beispiellos: Keine Zuständigkeiten wirtschaftlicher Natur zu haben, nirgendwo in der alltäglichen Verwaltung etwas zu unterschreiben, während der eidbrüchige Angestellte von 3 für die Ausgaben zuständigen Vorgesetzten kontrolliert wird, die freigesprochen werden, er in diesen 10 Jahren von 2 Direktoren der Finanzstelle kontrolliert wird, die bis zum Berufungsverfahren (zu Recht) auf Bewährung bestraft werden, die Direktoren der Finanzstelle keine Rechenschaft an den stellvertretenden Bürgermeister für Finanzen oder den Bürgermeister, aber auf Basis des B.D. von ’59 an den Rechnungshof ablegen, alle KONTROLLINSTITUTIONEN (Rechnungshof, Finanzministerium, Bezirksverwaltung Zentralmakedoniens, beeidigte Prüfer usw.) schriftlich bestätigen, dass die Finanzstelle der Gemeinde Thessaloniki tadellos funktioniert, der selbige Vorsitzende des Gerichts sagt, „die Bankkonten des Papageorgopoulos wurden erforscht und nichts gefunden„, und sie Dich schließlich zu LEBENSLÄNGLICH verurteilen, ist das schwer zu ertragen!

Das einzige, was Dich rettet, ist dass Du die WAHRHEIT kennst, Du weißt, EIN REINES GEWISSEN zu haben und es fertig bringst, Dich AUFRECHT zu halten.

Von diesen Gefühlen beherrscht sah ich an einem Samstag (02-03-2009) die Morgensendung eines großen Athener TV-Kanals, in der auch der Direktor einer Zeitung unserer Stadt geladen war. Ich dachte, es werden irgendwelche signifikanten Dinge zu Gehör kommen und verfolgte die Sendung aufmerksam. Als der Direktor der Zeitung das Wort ergriff, sagte er: „Papageorgopoulos hat zwei große Fehler begangen.“ Ich dachte, endlich 2 konkrete Beweiselemente zu hören zu bekommen, die meine Beteiligung an den Unterschlagungen beweisen, und vernehme überrascht: „Der erste Fehler war, dass er (24 Stunden nach der Enthüllung) eine Pressekonferenz gab und von 1,5 – 2 Mio. € sprach! Und der zweite, dass er den selben Verteidiger mit dem Sekretär der Gemeinde hatte! …

Es verschlug mir die Sprache! Ist das möglich? IST DAS MÖGLICH? Also ehrlich, was hat das damit zu tun? Was hat all das mit LEBENSLÄNGLICH zu tun? Wurde ich verurteilt, weil ich 34 Stunden nach meiner Informierung durch den Leiter der Finanzstelle eine Pressekonferenz gab und übermittelte, was mir der Leiter der Finanzstelle berichtet hatte, der die Untersuchung durchgeführt hatte? Und warum wird die Tatsache verheimlicht, dass wir am nächsten Tag (20-02-2008) per Gerichtsbeschluss das Vermögen des eidbrüchigen Angestellten bis zum Betrag von 10 Mio. € blockierten um auf der sicheren Seite zu sein, wie mir die Rechtsstelle vorgeschlagen hatte? Und warum wird die Tatsache verschwiegen, dass wir auf Vorschlag wiederum der Rechtsstelle ein neues Verfahren zur Blockierung von Vermögensteilen bis zur Höhe von 30 Mio. € initiierten?

Bin ich wirklich zu LEBENSLÄNGLICH verurteilt worden, weil ich den selben Verteidiger mit dem Generalsekretär der Gemeinde hatte? Sind wir ernsthaft? Was ist daran zu beanstanden? Wo steht es geschrieben? Waren die Schuldigen vor dem Prozess vorbestimmt worden? War der Generalsekretär vor dem Prozess für schuldig erklärt worden und somit zu beanstanden, dass ich den selben Verteidiger habe?

Verurteilen wir mit solchen Kriterien wirklich einen Menschen zu LEBENSLÄNGLICH, der sein Leben seiner Stadt und seinem Vaterland widmete, und zwar sogar ohne dass gegen ihn das geringste „konkrete Beweiselement“ vorgebracht wurde, das ihn mit dem eidbrüchigen Angestellten in Verbindung bringt, obwohl die Rechtsprinzipien immer seine Existenz fordern?

ICH DENKE, DASS MANCHE SICH GEDANKEN MACHEN MÜSSEN. Und die Bürger von Thessaloniki sollen sich sicher sein, dass ich sie während meiner 12-jährigen Amtszeit als Bürgermeister NIEMALS verraten habe!

(Quelle: Seleo.gr)

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  1. healer
    9. März 2013, 01:59 | #1

    ungeheuerlich.
    was passiert nun?
    kann er in berufung gehen?

  2. LiFe
    9. März 2013, 03:54 | #2

    Ist Papageorgopoulos ein Bauernopfer? Ich werde diesen Fall mit großem Interesse verfolgen.

  3. Moppel
    9. März 2013, 04:03 | #3

    @healer
    Ja, natürlich, allerdings wurde das erstinstanzliche Urteil bezeichnenderweise ausdrücklich als unmittelbar vollstreckbar erklärt. Klartext: die Berufung hat keine aufschiebende Wirkung, der Vollzug wird nicht (vorläufig) ausgesetzt! Selbst falls der langwierige Gang durch die Instanzen schließlich in einem Freispruch resultieren sollte, was es auch in Griechenland tatsächlich schon gab, sind gegebenenfalls erst einmal etliche Jahre Knast abzusitzen (und zu überleben …).

  4. Mark
    9. März 2013, 08:47 | #4

    Man sollte nicht alles glauben was „gefallene Engel“ von sich behaupten. Da in der Vergangenheit kein korrupter Politiker auch nur schief angeguckt wurde, ist es sicherlich ein Schock für Ihn gewesen den schönen Anzug gegen die Heäftlingskleidung zu tauschen.

    Er ist ein Opfer seiner Hybris, nicht mehr.

  5. LiFe
    9. März 2013, 11:43 | #5

    @ Moppel sie scheinen Details zu kennen….dann wäre es ein Fall für Menschenrechte, unter der Bedingung, dass Papageorgopoulos unschuldig ist.

  6. Janz
    9. März 2013, 14:11 | #6

    Ich bin mal gespannt,was bei uns zb.Ein Herr Mappus für Strafe bekommt, der mit Sicherheit weitaus mehr Dreck am Stecken hat. Bei unseren vom Staat gelenkten Gerichten,höchstens eine Bewährungstrafe.Was für ein Hohn!

  7. Luggi
    10. März 2013, 09:36 | #7

    Vergesst nicht, wir sind hier in Griechenland!

  8. GR-Block
    10. März 2013, 20:39 | #8

    @Mark
    Richtig! Deshalb würde ich als Laie (=λαϊκός) mich mit „Urteilen“ zurückhalten und die Profis arbeiten lassen. Warten wir ab, wie der Herr Bürgermeister sich in zweiter Instanz schlägt, wenn er das Verfahren nunmehr ernst nimmt.

  9. GR-Block
    10. März 2013, 20:42 | #9

    @Moppel
    “ die Berufung hat keine aufschiebende Wirkung, der Vollzug wird nicht (vorläufig) ausgesetzt! “

    Uuuuh, da war wohl einer mächtig sauer.

  10. Willi F. Gerbode
    12. März 2013, 11:30 | #10

    @Janz „Bei unseren vom Staat gelenkten Gerichten“ – Wenn die Bundesrepublik, wie Sie durch diese Formulierung behaupten, ein Unrechtsstaat ist, in dem es keine Gewaltenteilung gibt; wenn Sie hier die Unabhängigkeit der Gerichte anzweifeln, dann sollten Sie mal die Brille wechseln. Ein Putztuch allein dürfte da nicht mehr reichen.

  11. LiFe
    12. März 2013, 19:51 | #11

    Lieber Herr F. Gerbode, haben sie das Buch des Herrn Jürgen Roth „der Deutschland Clan“ gelesen? Ich war verblüfft, wie mutig der Autor recherchiert und Informationen zusammengetragen hatte.

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