Noch ist es für Griechenland und Zypern nicht zu spät

21. März 2013 / Aufrufe: 1.553

Autor: „dutch“

Thema: Die vierte Phase des Dritten Weltkriegs

Ein Kommentar aus Holland …

Unter dem Gesichtspunkt, dass der Autor des in Rede stehenden / obigen Artikels in seinem Umfeld täglich die zunehmende Verarmung der Menschen (am sichtbarsten bei den Schwächsten) in Griechenland wahrnimmt, verstehe ich seinen Artikel. Der direkte Vergleich mit dem Holocaust passt aber nicht in die ansonsten äußerst berechtigte Diskussion – ein (Beinahe-) Bankrott irgendeines Landes hat wenig mit bewaffneten Fallschirmjägern und sogenannten Endlösungen zu tun.

Die Quelle der heutigen Probleme ist der lange existierende Traum von Politikern (des Nordens), dass Europa (mit dem 2. Weltkrieg noch in starker Erinnerung) sich – nach dem Modell der USA – möglichst weit vereinigen soll, damit ein Dritter Weltkrieg zumindest Europa nie wieder heimsuchen kann.

Europa kann nicht mit den USA verglichen werden

Der dabei immer noch herrschende Denkfehler war und ist, dass Europa letztendlich nicht mit den USA vergleichbar ist. Europa ist eben wirtschaftlich viel differenzierter als die USA. Die USA haben sich – über Konflikte bzw. Bürgerkrieg – wirtschaftlich und kulturell langsam zu einer Union entwickelt. Auch in den USA gibt es Unterschiede und schwächere Staaten, die zusätzliche föderale Unterstützung erhalten, aber es wird mehr oder weniger einheitlich gedacht und – sehr wichtig – zudem auch die selbe Sprache gesprochen. Diese Basisentwicklung hat vor / bis zu der industriellen Revolution und auf jeden Fall zu Zeiten stattgefunden, in denen Papiergeld noch durch Gold gedeckt war.

In Europa spricht man dagegen allem voran erst einmal nicht die selbe Sprachen, und wirtschaftlich ist es sehr unterschiedlich. Deutschland, Frankreich, England, Benelux, Spanien haben aus dem kolonialen Gewinn (und erst hier darf das Wort Holocaust fallen) schon viel früher eine Infrastruktur aufgebaut und schritten wirtschaftlich / industriell / finanziell weit voraus. Die Länder Zentral- und Südeuropas konnten dagegen diesen Schritten nicht folgen und hatten dazu noch andere Handicaps, wie beispielsweise geologische Formationen, die eine Verkehrsinfrastruktur schwieriger oder ineffizienter gestalten. Und das Klima, welches die Gestaltung der Arbeitszeiten schwieriger macht (oft verwechselt mit Faulheit), spielte auch seine Rolle. Eine dünnere Bevölkerung, schwierigere Energieversorgung und viel weniger fruchtbare Agrarflächen sind weitere strukturelle Nachteile.

Eine Gemeinschaftswährung zwischen ungleichen Ländern ist unmöglich

Eine einheitliche Währung zwischen Ländern, die sich aus wirtschaftlich und wie auch immer gestalteten sonstigen Gründen nicht auf dem selben Niveau befinden, ist einfach nicht möglich. Ein Staat kann auch ohne Einheitswährung kollabieren, wie die Geschichte 100 Mal bewiesen hat. Frankreich war in 200 Jahren schon 7 Mal bankrott, Deutschland letztens 1945, Argentinien vor 10 Jahren usw.

Ich rufe in Erinnerung, dass sogar die Benelux-Staaten (Belgien, Niederlande, Luxemburg) damals – zurecht – nicht zu einer einheitlichen Währung kommen wollten, obwohl diese Länder noch vergleichbar sind. Der Euro wäre nur überlebensfähig gewesen, wenn nur Deutschland, Holland, Dänemark, Belgien, Luxemburg, Österreich, bei entsprechendem Willen England und – fragwürdig – noch Frankreich einbezogen worden wären – und das nicht, ohne sich fallweise gegenseitig zu helfen, aber ohne Schock-Effekte. Eine Währungsunion beinhaltet unbedingt Bankenhilfe (und Kontrolle), Arbeitsmigration, Sprache, Auslandpolitik, (ökonomische) Immigrationspolitik, Steuerpolitik, Energie-Austausch (Gas-, Wasserenergie usw.) bis hin zu letztendlich sogar Internetgeschwindigkeits-Politik. Für all das bedarf es zumindest auch eines vergleichbaren Steuerpotentials (pro Kopf), um irgendwie alle zu einigen.

In vorstehend angeführten und auch anderen Fällen des Bankrotts gab es immer einen Schock, eine Entwertung des Geldes (ob bar oder auf der Bank). Was jetzt in Griechenland (möglicherweise in absehbarer Zeit auch Zypern) passiert, ist aber ein langsamer und viel gefährlicherer „schleichender Schock“, wobei nicht schlagartig das Geld seinen Wert verliert, sondern die Menschen in die Position gedrängt werden, langsam – „siga-siga“ – auch ihren Sachwertbesitz (z. B. ihre Häuser oder ihr Land) zu verkaufen / zu verlieren, weil der Steuerexplosion nicht mehr entsprochen werden kann. Wer das nicht versteht: die neu verhängten Steuern werden jetzt in Euro bezahlt, nicht in einer devaluierten Neodrachme oder so. Nach einer Geldentwertung (Euro-Exit) würden Steuern leichter aufzubringen sein, meistens ohne Verlust von Immobilien bzw. Land, also ohne Mega-Verlust privater Sachwerte. Bei einem solchen „schleichenden“ Schock werden also die Schwächeren einfach ALLES verlieren, wogegen sich bei dem „Währungsschock“ nur das noch nicht in Sachwerte umgewandelte Geld „verflüchtigt“, was eher die Reicheren betrifft.

Deswegen ist also ein Euro-Exit Zyperns besser. Das Land wird nach dem Jahr des Schocks wieder konkurrenzfähig werden, damit die Basiswirtschaft wieder endgültig in Gang kommt. Die Menschen behalten ihre Häuser und ihr Land, Geld wird aber anfangs „verdampfen“. Nahrung wird wieder bezahlbar. Die Reicheren werden ihre Pickup-Trucks bis zur Verschrottung fahren und nach 10 Jahre einen Renault kaufen – oder früher, weil 10 Jahre schon viel sind. Griechen oder Zyprioten werden erst einmal auf großartige Importe verzichten müssen, können aber schon ihr Osterfest mit einheimischen Produkten genießen.

Griechenland hat – glücklicherweise – die Industrierevolution verpasst …

Abschließend merke ich an: Griechenland hat die industrielle Revolution „verpasst“, und nur deswegen liebe ich das Land so sehr. Ich sehe, dass man sich um seine Familien, seine Omas und Opas kümmert (in Holland schon „de-individualisiert“), ich muss nicht auf jeder Straße an 10- oder 16-stöckigen Hochhäusern vorbeifahren, und die griechische Gelassenheit wärmt meine Seele. Und sogar in den Vorstädten oder Industriezonen Griechenlands fühle ich mich besser als in Vorstädten von Amsterdam.

Griechenland soll lieber seine Schönheit (Leute und Land) beschützen und den Tourismus fördern, anstatt Geiz-Investoren anzuziehen, die Landschaft mit Windparks und Golfplätzen kaputt zu machen und den Tourismus nach spanischem Vorbild ausbrennen zu lassen. Die Entscheidung liegt bei Griechenland – noch ist es nicht zu spät dafür.

Relevante Beiträge:

  1. Götterbote2012
    21. März 2013, 11:22 | #1

    @dutch
    Vielen Dank für den gelungenen Kommentar, wie ich finde. Ich hoffe, Sie klären Ihre Landsleute auch bei jeder Gelegenheit entsprechend auf. Bei den vielen Fehlinformationen und falschen Darstellungen in den Medien ist das nämlich bitter nötig.

  2. Adrianós
    21. März 2013, 12:53 | #2

    „Unter dem Gesichtspunkt, dass der Autor des in Rede stehenden / obigen Artikels in seinem Umfeld täglich die zunehmende Verarmung der Menschen (am sichtbarsten bei den Schwächsten) in Griechenland wahrnimmt, verstehe ich seinen Artikel. Der direkte Vergleich mit dem Holocaust passt aber nicht in die ansonsten äußerst berechtigte Diskussion – ein (Beinahe-) Bankrott irgendeines Landes hat wenig mit bewaffneten Fallschirmjägern und sogenannten Endlösungen zu tun.“

    Nette Verharmlosung! Der Vergleich passt nicht nur nicht, ich finde ihn im Hinblick darauf was in Auschwitz (wo auch meine ganze Familie großmütterlicherseits 1943 ermordet wurde weil sie Juden aus Thessaloniki waren), Treblinka, Babi Jar, Buchenwald u.s.w. passiert ist skandalös! Der Autor scheint die Dimension und Inhalt des Holocaust nicht begriffen zu haben, sonst hätte er diesen Vergleich nicht gebracht.

    Und auch Sie als Holländer, dem Lande von Anne Frank, sollten da deutlichere Worte finden als lediglich nur „Der direkte Vergleich mit dem Holocaust passt aber nicht in die ansonsten äußerst berechtigte Diskussion“!

  3. GR-Block
    21. März 2013, 13:03 | #3

    Vielen Dank, dutch, für Ihre einfühlsamen Worte. In diesem bilateralen Streit kann offensichtlich nur ein Außenstehender den Überblick wahren und mit einiger Distanz die Wogen glätten helfen. Ihre nüchterne Einschätzung der instabilen Lage in und Ihr sympathisches Plädoyer für GR zeigen, dass Sie – ein Holländer – nicht einfach nur Philhellene sind. Nein, die Tatsache, dass Sie in der Lage sind, in mehr als nur einer Nationalität zu denken, zeichnet Sie im besten Sinne als Europäer aus.

    Ein Europäer, wie ihn die Welt im Nachkriegseuropa erträumt hatte. Bevor der Vereinigungswahn und die wirtschaftliche Machtkonzentration in den 90ern den Kontinent zu einer Gefahr für den Planeten mutieren ließ. Die Blumenkinder der ’70er sind heute in Rente. Damals entwickelten Sie den Traum von einer „Gemeinschaft der Regionen“ Europas. Doch 20 Jahre später, als sie längst selbst in Verantwortung waren, hatte sich ihr Traum unbemerkt verändert und sie bauten für ihre antiautoritär erzogenen Kinder Europa zu einer Raubritterburg aus. Wie konnte das nur passieren?

    Nun, ihre Türme scheinen heute glücklicherweise zu bröckeln. Vielleicht bricht sie zusammen noch bevor ein neuer europäischer Krieg vorbereitet wurde. Es mag ja sein, dass an der Konstruktion des Binnenmarktes kräftig manipuliert wurde. Der EURO allerdings hat es uns rechtzeitig gezeigt. Jetzt wo wir wissen, wer den Reichtum abzieht, können wir gegensteuern.
    Alle Regionen sind erhaltenswert, alle Sprachen, alle Mentalitäten, alle Landschaften. Das kann immer noch verwirklicht werden, wenn die ehemaligen Kolonialherren, die Früchte ihrer grausamen Unterdrückungen endlich wieder zurückgeben, anstatt sie gegen ihre Nachbarn zu richten.

  4. serigor
    21. März 2013, 13:36 | #4

    Schon wieder ein Träumer, der darüberhinaus seine Augen nicht auf sondern im Kopf hat. Sind Sie den nie in Athen, zB. Kalithea, gewesen, wohl nicht 15Stöckig aber 6 stöckick bei einer Strassenbreite von 6 Metern. Schönes Griechenland ist das! Lieber dann 15stockwerke in einer Parkanlage. Oder einen Strand betretten, nach einer Bariere von Plastiktütten?

  5. Willi F. Gerbode
    21. März 2013, 18:33 | #5

    Eine romantisierende Perspektive, die aus der Perspektive des Mythen verklärten Touri-Ausländers die Realität in Griechenland verkennt. Der Autor idealisiert – vor gut 200 Jahren haben das die Autoren der Deutschen Klassik getan. „Stille Einfalt – edle Größe“ – da würde sich der Hellenen-Normalo heute kaputt lachen. Materialistisches Denken dominiert auch die Köpfe der modernen Griechen wie die der meisten Europäer. Weshalb wollten Umfragen im Umfeld der letzten beiden Wahl aus dem jahre 2012 zufolge die meisten Griechen den Euro? Weil sie sich durch ihn Prosperität versprachen. Mittlerweile ist Ernüchterung eingekehrt. Wenn die Drachme kommt – und das wird sie -, werden die griechischen Bürger erfahren, ob sich der Weg zurück als Schritt in die Zukunft erweist. – Nebenbei: Viele deutsche Eurokritiker wünschen den Griechen ebenfalls eine Rückkehr zur eigenen Währung und argumentieren nicht unähnlich wie der holländische Kommentator. Was sie nicht sagen, ist, dass sie dabei ihren eigenen und den nationalen Vorteil im Auge haben. Sie sehen diesen Aus- und Rückschritt als Chance, nicht mehr Geld in ein Fass ohne Boden fließen lassen zu müssen. Das eigene Hemd ist ihnen näher als die griechische Hose. Mit Verständnis oder gar Philhellenismus hat das nicht das geringste zu tun. Auch ein aus scheinbar humanistische Haltung geäußerter Rat kann ein Danaer-Geschenk sein.

  6. GR-Block
    21. März 2013, 20:22 | #6

    @Willi F. Gerbode
    „Weshalb wollten Umfragen im Umfeld der letzten beiden Wahl aus dem jahre 2012 zufolge die meisten Griechen den Euro? Weil sie sich durch ihn Prosperität versprachen.“

    Nein, weil sie Angst hatten. Die Drohung ihrer Politiker die Apokalypse stünde bevor und die offenen Unterstützung dieser These durch die EU tat seine Wirkung. Die Griechen hatten mehr Ressentiments gegen den EURO als die Deutschen in all den Jahren.

  7. Juls
    22. März 2013, 09:26 | #7

    @ GR-Block
    Wenn ich noch an das letzte Jahr denke, furchtbar …
    dass drohende Unheil wurde uns von morgens bis abends von den griechischen Politikern im TV serviert und die deutschen Politiker taten ihres dazu, besonders der Herr Schaeuble, es kamen uns aus den Ohren raus … aber genug blieb bei Vielen haengen … dafuer fehlt doch dem Mann auf der Strasse die Hintergrundbildung!

    Aber das Endergebnis von dieser Kampagne sieht man ja! Die Rechnung der schwarzmalenden Politiker ging auf!!

  8. Ausgenz
    22. März 2013, 10:38 | #8

    Ich muß anerkennen, dass „dutch“ sich um eine Versachlichung der Diskussion bemüht – siehe „Der direkte Vergleich mit dem Holocaust passt aber nicht in die ansonsten äußerst berechtigte Diskussion“. Deshalb aus meiner Sicht ein wichtiger Beitrag, wenngleich ich mich beim Lesen dieses Beitrages an die Diskussionsworte in der Anne Wills Fernsehsendung mit dem Vorsitzenden der neu gegründeten Anti-Europa Partei erinnert fühlte. Nein, meine Meinung ist dies nicht. Raus aus dem Euro und alles wird gut – so einfach ist die Lösung nicht.
    Die jetzige Situation erfordert eine große Solidarität der reichen Staaten, Diskussionen und Verhandlungen aller EU-Staaten auf Augenhöhe, Reformen und stärkere Reglementierungen des internationalen Bankenwesens.
    Das Ziel eines friedlichen Europas darf nicht aus den Augen verloren werden, dass lehrt uns die neuere Geschichte. Durch übertriebene Forderungen der Troika gerade im Bezug der Zypernkrise hat der Weg dorthin einen herben Rückschlag erlitten.

  9. giaoýrti giaoyrtáki
    22. März 2013, 19:47 | #9

    Nicht zu vergessen, daß wegen Hetze und Fehlinfos auch noch die Touristen ausblieben, die genug Kohle gehabt hätten, (die üblichen Stammgäste, z.b. aus Italien kamen im Juni nicht mehr, weil sie ihr Geld zusammenhalten mußten) um sich Drachma-Sorgen zu machen, anstatt mit Bargeld zu hoffen damit ihre Kohle zu verdoppeln, und pünktlich eine Woche vor der zweiten Wahl dazu eine offizielle Statistik veröffentlicht wurde, die ND mehr half als jede halblegale Umfrage.

  10. Stipsi Fan
    22. März 2013, 22:41 | #10

    Ich bin so froh, dass dutch in diesem Blog aufgetaucht ist! Anscheinend hat er die gleichen Erfahrungen mit Griechen gemacht wie ich. Jeder kümmert sich um den Nächsten. Kein Neid, keine Missgunst. Gelassene Lebensfreude. Aus deutscher Sicht Zufriedenheit mit dem nackten Leben. Heimatliebe, wahnsinnige. Toleranz gegenüber anders Lebenden. Total niedrige Verbrechensrate…. Ist die Liebe meines Lebens. Ich weiß nicht mit welchen Augen Herr Gerbode auf Griechen schaut. Auf jeden Fall mit uneinfühlsamen. Zugegeben ich kenne seit 35 Jahren ausschließlich ländliche Gegenden. Auch in D besteht ein Unterschied zwischen Land- und Stadtbevölkerung. Letzter Spiegel: auf dem Land gibt es mehr Hilfsbereitschaft. Auch Dimou meinte, die letzten wahren Griechen seien die Bauern. Immer noch leben an die 40 Prozent der Griechen auf dem Land. DUTCH schreib mehr, ich freue mich drauf!!!

  11. Lucy Sky
    23. März 2013, 10:17 | #11

    @Stipsi Fan
    Wenn man tiefer in die zwischenmenschlichen Beziehungen (gerade im Laendlichen Griechenland) blickt, erkennt man sehrwohl viel Neid und Missgunst. Hier bei uns wuenscht man sich den Tod der Ziege des Nachbarn, damit man selbst mehr hat als dieser. Hier tut man Gutes, weil man sich von dem anderen etwas verspricht. Veraenderung auf lokaler Ebene zu erreichen ist nahezu unmoeglich, die Menschen scheinen sich selbst im Weg zu sein.
    So habe ich die Griechen kennengelernt – es hat allerdings ein paar Jaehrchen gedauert dies zu erkennen und es ging mit schmerzhaften Erfahrungen einher – was mich aber nicht davon abhaelt, mich hier sehr wohl zu fuehlen, da laengst nicht alle Menschen so sind. Ich glaube, dass das zu ploetzlich gekommene moderne Leben viel zerstoert hat, und die jetzt noch abrupter einsetzende so nie gekannte Armut einen noch groesseren Keil zwischen die Menschen treibt, die ploetzlich den Boden unter den Fuessen verlieren.

  12. LiFe
    23. März 2013, 12:11 | #12

    Und ich finde wie @ wie Stipsi Fan die soziologischen Verhältnisse der Kulturen beschreibt absolut treffend. Da gibt es nichts dagegen zu kommentieren.

  13. Willi F. Gerbode
    23. März 2013, 18:12 | #13

    @Stipsi Fan „Ich weiß nicht mit welchen Augen Herr Gerbode auf Griechen schaut. Auf jeden Fall mit uneinfühlsamen.“ –

    Die Leser und Kritiker meiner vier Griechenland-Bücher attestieren mir das Gegenteil. Was ich allerdings versuche, ist den Blick durch die rosarote Brille zu vermeiden. Der nützt niemandem. Auch nicht weiter kommt man Diffamierung und Idealisierung.

    Danke an LUCY SKY, die oben Erfahrungen referiert, die ich ebenso bei meinen Gesprächen gemacht habe – in Griechisch. Ganz unbescheiden: Nur wenige Ausländer, die ich kenne, haben sich die Mühe gemacht, Elliniká zu lernen. Das macht man nicht, wenn man nicht mit den Menschen fühlt und mitleidet. Nebenbei: Reich wird man nicht mit Büchern über Griechenland – schon gar nicht im heutigen Deutschland.

  14. LiFe
    23. März 2013, 19:33 | #14

    Sehr geehrter Herr Gerbode, ich möchte ihnen nicht Ihre Empathie zu Griechen absprechen. Sie haben Griechisch gelernt und leben auch zum Teil in Griechenland. Nichtsdestotrotz gab es in den 60er Jahre erhebliche Schwierigkeiten als Ausländer in Deutschland Fuß zu fassen. Wir hatten außer „Gastarbeitern“ auch sehr gute Wissenschaftler, die gerne in der Forschung tätig sein wollten, aber man verwehrte ihnen, diesem nachzugehen. Stattdessen wurden sie als qualifizierte Mitarbeiter in die Verwaltung zugewiesen. Ihre Aufgaben bestanden darin, mit ausländischen Firmen Kontakte zu knüpfen, denn außer fachlichen Kenntnissen beherrschten sie mehrere Sprachen. Ich schreibe auch Bücher und auf Buchmessen habe ich ehemalige Chemiker im Rentenalter getroffen, die mir ihre Erfahrungen berichtet haben. Sorry, aber man hat in der Vergangenheit einigen Doktoranden mit ausländischen Wurzeln viel Unrecht getan und ihre berufliche Zukunft erheblich verbaut. Deshalb – meine ich – liegt es nicht an geringer Bildung, wenn Menschen ausgebremst werden. Oft neidete man ihnen ihre guten Leistungen.

  15. tom
    23. März 2013, 21:09 | #15

    Nanu???…..ist jetzt das vierte Mal, dass ein Kommentar von mir nicht veröffentlicht wird. Wahrscheinlich sind meine Kommentare oder Anmerkungen den Blog Administration nicht genehm, weil sie vielleicht nicht in deren politschen Gesinnung passen?????

    Freie Meinungsäußerung geht anders!!

  16. Team
    23. März 2013, 21:21 | #16

    tom :

    Freie Meinungsäußerung geht anders!!

    Ja, darin stimmen wir zu, solcher Crap ist wirklich unterste Schublade – auch wenn er unter wechselnden Nicks gepostet wird.

  17. Willi F. Gerbode
    24. März 2013, 09:17 | #17

    @LiFe
    Um Gottes Willen! – Ich würde niemals auf die Idee kommen, Griechen die gleichen intellektuellen, beruflichen (und menschlichen!!) Qualitäten abzusprechen. Natürlich bin ich auch nicht so blauäugig zu meinen, dass die dt. Behörden Ausländern den gleichen Zugang zu Berufen und Positionen gewähren wie den dt. Bürgern. Und erst jetzt saugt D den Brain-drain der Welt auf, weil es ihm an eigenen Fachkräften, ja an jungem Nachwuchs mangelt. Aber mal ganz ehrlich: Ist das in GR denn so anders? Die Schilderungen von Deutschen hier im Blog, die ganz offensichtlich Hellas, sein Flair, die Alltagskultur und die Menschen schätzen, zeigen das immer wieder eindringlich. Ich habe allerdings auf Rhodos in einer Reihe von Orten der Insel mit einer Reihe von ehemaligen „Gastarbeitern“ (ein fürchterlicher Begriff, denn lässt man einen Gast arbeiten?) gesprochen, die gern in D gearbeitet haben. Eine Straße auf der Insel hat man nach dem Ort benannt, wo ein großer Teil der Männer eine zweite Heimat gefunden hat, als die Not sie aus Hellas in die Fremde getrieben hat: Gummersbach. Der gr.-dt. Geschichte eines Mannes, der in Süddeutschland in der Industrie gearbeitet hat, habe ich sogar eine Episode meines Romans „Die Wellen der drei Meere“ (2006) gewidmet.

    Mir ist bewusst, dass individuelle Schicksale und persönliche Erfahrungen nicht repräsentativ sind, und genau deswegen wende ich mich immer wieder gegen Pauschalisierungen. Das darf einen analytisch denkenden Menschen allerdings nicht daran hindern, auf der Basis von empirischen (auch durchaus subjektiven) Erkenntnissen eine Theorie der Verhältnisse und ihrer Ursachen zu entwickeln. Theoreín ist das altgriechische Wort für „sehen“. Eine Theorie ist eine Sichtweise mit mehr oder minder starker Plausibilität – nicht mehr, nicht weniger.

    Ich bedaure sehr, dass Ihre beruflichen und persönlichen (?) Qualitäten damals in D nicht den fruchtbaren Boden gefunden haben, den sie verdient hätten. Und ich danke Ihnen für den Hinweis auf die eigene Geschichte. Das ist der Grund, warum ich des immer schärfer werdenen Tons zwischen Deutschen und Griechen gern hier im Blog meine Gedanken äußere.

  18. Stipsi Fan
    24. März 2013, 23:09 | #18

    @ Willi F. Gerbode
    Ich komme seit mehr als 30 Jahren mehrmals jährlich nach GR, habe dort in einem Bergdorf ein kleines Häuschen und spreche Griechisch. Meine Nachbarn finden nicht, dass ich ein Tourist bin. Die wissen, dass die GR Mentalität meine Liebe ist. Sie haben zu mir gesagt: Du bist keine Deutsche und ich bin stolz darauf.

  19. dutch
    25. März 2013, 03:05 | #19

    @Stipsi Fan
    So geht es auch, Deutsche, die zum ersten mal nach Griechenland kommen und sagen: „Ich heiße nicht Angela und ich hab sie auch nicht gewählt“. Wer was anderes antwortet, darf sich stark machen für eine Diskussion. Man wird aber nicht sofort erschossen :-)) Es gibt Interessegebiete, z.B. Politik, wo einige Direktheit eurerseits von Griechen schon gewertet wird, auch ohne einig zu sein.

    @Alle
    Hatte mir nicht vorgestellt, so viele Reaktionen zu bekommen.
    Ich wollte mich noch dazu äussern, dass – wie von Euch geahnt – die Griechen mir (jedoch nicht ohne Ausnahmen) sehr sympatisch sind, ich aber keine rosarote Brille trage. Von Korruption / Fakelaki bis Tierquälerei, von Erosion bis Müllverwaltung, von der ziemlich weitverbreiteten Meinung, dass man vom Staat stehlen soll bis jahrzehntelangen Fehde über einige Quadratmeter Land, von den kaum findbaren objektiven Medien bis den vielen Kinder die (seit es den geliebten Euro gibt) so fett wie in den USA geworden sind. [Bitte, kommentiere jetzt nicht zynisch, dass letzteres sich schnell erledigen wird, ich sprach nur vom Land / Tourismus Kombi wo sich die Krise keinsfalls so schlimm fühlen lässt wie in Athen oder so.]

    Je oöfter man in ein ‚romantisiertes‘ Fremdland kommt, desto nuanzierter wird der Blick doch sowieso: fragt Euch mal selbst, wie viele Sätze Ihr brauchen würdet um ein Land wie z.B. Serbien oder Albanien zu beschreiben. Für die meisten hier wohl sehr sehr wenige.
    Hinzu kommt, dass die Deutschen sich generell der Missstände (z.B. Umweltprobleme) in ihrem geliebten Urlaubsland bewusster sind als z.B. Holländer und in GR definitiv auch schon viel Einfluss ausgeübt haben. Man kann die Tierheime und Katzen/Hunden-Rettungen als blödes ‚Knuddelgetue‘ einstufen, je nach Einsicht, aber nebenbei ist der Schutz u.a. gefährdeter Schildkröten auf wirklich bessere Levels gekommen mit v.a. deutscher Hilfe.

    @Willi F. Gerbode
    Griechisch wird von vielen Griechenland-Liebhabern nicht gelernt, auch nicht von Ausländern, die dort leben, weil es eine Herausforderung ist. Fangt einfach an mit dem Alphabet und stell fest, dass wer auf dem Gymnasium war (altgriechisch), wirklich schneller voran kommt. Klar, ich finde auch, dass wer im Ausland wohnt, sich bemühen soll, die Sprache zu erlernen. Im Fall der griechischen Sprache ist vor allem der Anfang schon mühsam, die Grammatik lässt sich jedoch mit dem entsprechenden Willen erlernen, was alles weitere ungemein erleichtert. Danach fehlt dann natürlich noch der riesige Wortschatz, gerade dafür muss man vor allem sprechen und auch schriftlich mit Griechen kommunizieren. Es besteht Hoffnung …

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