Multis drängen auf weitere Lohnsenkungen in Griechenland

8. März 2013 / Aufrufe: 1.954

Nicht nur die Troika, aber auch multinationale Unternehmen drängen in Griechenland auf die Senkung der Mindestlöhne speziell für junge Arbeitslose auf 250 – 300 Euro.

Bezüglich der Senkung des gesetzlichen Mindestlohns in Griechenland üben nicht nur Brüssel und die Troika, aber auch große europäische Gesellschaften Druck aus. Für die griechischen Gewerkschaften stellt das Thema jedoch einen Casus Belli dar.

Als erforderliche Voraussetzung für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit scheint fortan der gesetzliche Mindesttagelohn ihn Griechenland nicht nur ins Visier von Brüssel, aber auch der in Griechenland agierenden multinationalen Konzerne zu geraten. Die griechische Regierung sah sich deswegen in der vergangenen Woche zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage zu erklären gezwungen, dass kein Thema der weiteren Senkung der gesetzlichen Mindestlöhne bestehe.

Dies ist jedoch nur die eine Seite der Realität, da die Kommissarin Griechenlands in der EU, Frau Maria Damanaki, am vergangenen Donnerstag (28 Februar 2013) gegenüber der Radiostation Vima FM erklärte: „Die in der Kommission seit eineinhalb – zwei Jahren existierende konstante Linie ist, dass der Mindestlohn in allen europäischen Ländern gesenkt werden muss, damit die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen verbessert wird.

11 Multis verlangen: Senkt die Löhne, damit wir investieren!

Das Thema der Senkung der Tageslöhne zumindest für die Arbeitslosen jungen Alters, die mit reduzierter Arbeitszeit beschäftigt werden, stellten der griechischen Regierung in der vergangenen Woche Vertreter 11 multinationaler Gesellschaften, die an einer Sonderkonferenz im Entwicklungsministerium teilnahmen. Es ist also klar, dass bezüglich der Senkung des Mindestlohns in Griechenland nicht nur Brüssel und die Troika, aber auch die großen europäischen Konzerne Druck ausüben, die nach Wegen suchen, ihre Betriebskosten zu komprimieren und gegenüber den Firmen wettbewerbsfähig werden zu können, welche über Produktionsstätten in Osteuropa und in Asien verfügen.

Die europäischen Kolosse scheinen sogar alle Beziehungen und die „Lobbys“ aktiviert zu haben, über die sie in den Entscheidungszentren der EU verfügen, und bestrebt zu sein, zuerst in Ländern mit schwachen Wirtschaften neue Beschäftigungsmodelle zu etablieren, um diese danach auf das gesamte europäische Hoheitsgebiet auszuweiten. Im Rahmen dieser Druckausübungen stellten in der vergangenen Woche Vertreter 11 multinationaler Gesellschaften der griechischen Regierung das Thema des Mindesttagelohns in Griechenland während einer Begegnung, die sie im Entwicklungsministerium hatten.

Die Begegnung erfolgte auf Initiative des Entwicklungsministers Herrn Kostis Chatzidakis, und daran teil nahmen alle großen multinationalen Gesellschaften, die in Griechenland Land aktiv sind und jüngst die Ausweitung ihrer Aktivitäten ankündigten. „Wir würden uns noch mehr erweitern, wenn Griechenland investitionsfreundlicher wäre„, erklärten einstimmig alle 11 Manager und verlangten hauptsächlich Einschränkung der Bürokratie, Senkung der Energiekosten und Vereinfachung der Genehmigungsverfahren für produktive Aktivitäten.

250 – 300 Euro und flexible Beschäftigungsmodelle für junge Arbeitslose

Der Punkt, in dem die Manager jedoch die Regierung überraschten, war, als sie das Thema der Senkung der Tageslöhne in Griechenland und spezieller der jungen Arbeitslosen stellten. „In einem Land, in dem die Jugendarbeitslosigkeit unglaubliche Niveaus erreicht hat, begreifen wir nicht, warum die Bindung des Mindesttagelohns existieren muss. Gebt uns die Gelegenheit, junge Leute für weniger Geld einzustellen, damit sie weniger Stunden und an weniger Tagen in der Woche arbeiten„, schlug Giorgos Spiliopoulos, geschäftsführender Vorstand der Barilla Hellas, vor.

Das liegt nicht in meiner Zuständigkeit. I will pass it through» antwortete der Entwicklungsminister, womit er meinte, es an den Arbeitsminister weiterleiten zu werden, damit er dem Druck entgeht. „Sie sprechen also von den Lohnniveaus?“ fragte einer der behördlichen Faktoren, die an der Begegnung teilnahmen. „Wir könnten 250 bis 300 Euro für eine Beschäftigung von wenigen Stunden an drei oder vier Tagen in der Woche zahlen“ stimmten 8 der 11 Vertreter der Multis bei, wobei die Wortführer bei der erfolgten langen Diskussion die Manager der Gesellschaften Barilla, Bic Violex und Nestlé waren.

Nestlé fordert Kürzung der Ankündigungsfrist für Entlassungen

Der Vertreter der Nestlé, Herr Raymind Franke, stellte sogar auch ein anderes Thema von denen, welche sich die Regierung anzutasten weigert und kategorisch erklärt, es nicht zu diskutieren. „Die Ankündigungsfrist (= Vorankündigung der Entlassung eines Beschäftigten, damit ihm eine geringere Abfindung gezahlt wird) muss reduziert werden. Sie ist untragbar.“ merkte er an, jedoch bezog sich sonst niemand auf dieses Thema.

(Es sei angemerkt, dass die Nestlé Hellas dieses Thema inzwischen energisch dementiert hat, die einschlägige Bekanntmachung der Gesellschaft folgt auf der zweiten Seite dieses Beitrags.)

Die Regierung glaubt, dass die Lohnniveaus nicht weiter sinken können„, beeilte sich irgendwann Herr Chatzidakis zu erklären, die Vertreter der Firmen beharrten jedoch und zeigten sich entschlossen, noch mehr Druck auszuüben. „Der griechische Markt liegt im Sterben. Die Gelder, von denen Sie versprachen, dass sie in die reale Wirtschaft fließen werden, sind nicht geflossen. Und wir müssen mit den Kosten des Ostens konkurrieren. Es ist eine Idee, über die Sie nachdenken müssen, damit umgehend die Arbeitslosenquote – und zwar bei den jungen Leuten – gesenkt wird. Speziell jetzt, wo wir immer häufiger ‚ich möchte eine Arbeit, gleich was es ist und für wie viel‘ zu hören bekommen.

Personen und Gesellschaften

An der in Rede stehenden Begegnung im Entwicklungsministerium nahmen von Seite der in Griechenland präsenten Konzerne teil:

  • Minas Zooulis, geschäftsführender Vorstand der Athenian Brewery S.A.
    Die Gesellschaft hat neue Einstellungen für das Jahr 2013, aber auch die „Zügelung“ der Preise ihrer Produkte versprochen.
  • Giorgos Spiliopoulos, geschäftsführender Vorstand der Barilla Hellas.
    Der Teigwarenhersteller hat keine Entlassungen und Lohnsenkungen vorgenommen und plant Investitionen in der Größenordnung von 6 Mio. Euro in seiner Fabrik in Theben.
  • Grigoris Antoniadis, Vizepräsident der Unilever Hellas.
    Das Unternehmen hat seine Absicht bekannt gegeben, die Produktion von 110 Posten aus dem Ausland nach Griechenland zu verlegen und die Ausweitung seiner Präsenz hauptsächlich mittels der Gesellschaft Elais fortzusetzen.
  • Andreas Kalatzopoulos, Generaldirektor der Philip Morris.
    Der Tabakkonzern beabsichtigt, 50% der griechischen Tabakproduktion abzunehmen.
  • Konstantinos Faltzetas, Leiter der Henkel Hellas.
    Die Gesellschaft gab neulich bekannt, die Produktion der Wasch- und Reinigungsmittel Dixan, Neomat und Bref nach Griechenland zu verlegen, deren Produktion durch die Rolco sie vereinbart hat. Der deutsche Multi verfügte bis 2000 über seine eigene Fabrik in Griechenland.
  • Konstantinos Maggioris, geschäftsführender Vorstand der Friesland Campina – NOUNOU.
    Die Gesellschaft vollendete 2011 eine Investition von 10 Mio. Euro für die neue Produktionsanlage für NOUNOU-Milch in Patras und forciert drei neue Produktreihen.
  • El. Chaloulakos, geschäftsführender Vorstand der Kraft Hellas.
    Die multinationale Gesellschaft besitzt die Fabrik Pavlidis in Griechenland und beabsichtigt, ihre Produktionsaktivität zu steigern. Sie plant Investitionen von 5 Mio. Euro.
  • Dimitrios Pisimisis, geschäftsführender Vorstand der Bic Violex.
    Während der Begegnung des französischen Präsidenten Francois Hollande und des Antonis Sanaras mit den Unternehmern hatte er von Bürokratie-Problemen gesprochen. Die Gesellschaft hat eine Investition von 25 Mio. Euro im Jahr 2013 auf den Weg gebracht.
  • Raymond Franke, Leiter (CFO) der Nestlé.
    Das Unternehmen gab bekannt, 2013 zu neuen Investitionen von 9 Mio. Euro in Griechenland schreiten zu werden.
  • Katerina Arvanitaki, Vertriebsmanagerin der SCA Hygiene Products.
    Die Gesellschaft hat ihre Absicht zum Ausdruck gebracht, ihre produktive Präsenz in Griechenland zu verstärken, die derzeit 10% ihrer Umsätze in den Kategorien Papier und persönliche Hygiene entspricht.
  • Emmanouil Papadakis, geschäftsführender Vorstand der Baumaterialfirma Ytong – Thrakon.

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  1. Kostantinos
    8. März 2013, 12:20 | #1

    Der Sinn und Zweck der EU wird immer deutlicher. Kurz formuliert, könnte man sagen, bringt die EU Bevölkerung, fast in die Versklavung, damit die Gewinne der Geschäftsleute auch ihr Maximum erreichen. Allerdings hört die Gier der Kapitalisten ja nicht auf, sie wollen immer mehr. Vermutlich werden Arbeitsverhältnisse wie in China, langfristig angestrebt werden.
    Nun dürfte bald jedem Bürger eines EU-Staates klar werden, dass die EU und der Euro, lediglich für Kapitalisten geschaffen wurden. Alle anderen werden dadurch verarmen.
    Und gerade Nestle ist einer der größten Ausbeuter, diese Firma setzt sich dafür ein, das Wasserrechte privatisiert und damit gehandelt werden können.

  2. Ingrid
    8. März 2013, 20:02 | #2

    Die Manager schlagen vor. Toll! Wie waers denn, wenn diese mal fuer ein paar Monate fuer 250 Euro arbeiten gehen und versuchen von diesem Hungerlohn zu ueberleben. Sie kassieren Millionengehaelter.
    Wie waers denn mit dem Vorschlag zu investieren UND jugendliche Arbeitslose in ein Ausbildungsverhaeltnis zu nehmen. So ganz nebenbei erhaelt man fuer die Zukunft Facharbeiter, welche die Industrie dringend braucht.

  3. Skartouli
    10. März 2013, 02:44 | #3

    Verzweiflung… nichts als Verzweiflung hier in Griechenland! Wir sind verloren

  4. Leser
    10. März 2013, 19:43 | #4

    Das kriegen wir in DE bestimmt auch noch, achnnee — geht ja nicht, wir haben ja gar keine offiziellen Mindestlöhne – bei uns gibts auch schon welche, die mit 3-5 Euro nach Hause gehen. Momentan zahlt der Staat aber wenigstens noch Zuschuss dazu, wär weiß wie lange noch. Na, gut … bei uns werden dann aber auch wie bei euch schon die Rentner verarmt – die Kürzung auf 42 % oder so des Einkommens und Rentenbeginn mit 69 Jahren wird gerade geplant.

    Die EUDSSR ist am Ende, das ist nur noch nicht jedem aufgefallen, wir landen alle auf dem Osteuropaniveau der ärmsten Bevölkerungsgruppen. Dafür finden wir uns dann alle in einer refeudalisierten Gesellschaft mit vielen Superreichen wieder. Die wohnen dann hinter den bewachten Zaunanlagen. In Städten wie Berlin kriegen wir auch schon Gated Communities, die frühere nivellierte Mittelschichtgesellschaft in der BRDDR hatte sowas noch nicht, mir ist das vollkommen neu hier. Hab ich letztens das 1. Mal gesehen.

    Ist bestimmt erst der Anfang. Ich find auch, dass es in Europa noch interessant wird. So Richtung 2. bis 3. Welt – je nach Region, in diese Richtung geht es wohl. Hier sammeln ja auch schon viele Pfandflaschen aus Mülleimern. Ich bin froh, dass ich keine Kinder habe. Was auch immer wieder erschreckend ist: dass viele Menschen in Europa von der Realität der Armut nichts mitbekommen, die Gesellschaft spaltet sich ja in arm und reich stärker auf und das Gefühl für die Lebensrealität geht dann bei vielen verloren, weil man immer nur einen Ausschnitt davon mitbekommt. Es betrifft halt nicht mehr alle. DE ist bestimmt auch bald dran. Die Schuldentürme stürzen ein, die Vermögen sind halt zu groß.

  5. cashca
    11. März 2013, 11:07 | #5

    Klar muß man die Löhne drücken, sonst könnten sich ja die Manager keine 2stelligen Millionenbeträge mehr abzweigen. Den Reingewinn kann man nur einmal verteilen. Wenn die einen .. die wenigen oben, davon ein millionenschweres Gehalt wollen, dann muß bei denen, die das erarbeiten, gekürzt werden.
    Ja, so ist das, frei nach dem Spass..Liedchen … ei so gehn wir alle, ja alle miteinander … und der eine kriegt Millionen, die der Himmel ihm bescheert und der andere all die kleinen Krümelchen, die er findet auf der Erd …

  6. cashca
    11. März 2013, 11:12 | #6

    Noch was,
    die Manager und die Banker sind derzeit das Gierigste und Dekadenteste, was auf unserer Erde herumläuft.
    Mögen sie an ihrer Gier ersticken, während viele Arbeitnehmer kaum mehr ihre Kinder ernähren können.

  7. cashca
    11. März 2013, 11:41 | #7

    @Kostantinos
    Da gibt es nur ein Quittung :
    Kaufboykott….kein Produkte mehr von Nestle..lassen wir den Konzern auflaufen.
    Mit Vernunft und diskussionen kann man diese leute nicht bekehren, die sind alle gefangen in ihrem Wahn, ihre Meinung ist das einzig Richtige.
    Und richtig ist bei denen immer, was große Gewinne bringt, wo Millarden winken, was kümmert die der Mensch, der ist nur ein nützlicher Konsument, den man abzockt nach Strich und Faden.
    Da hilft kein Reden, da hilft nur …BOYKOTT !

  8. LiFe
    11. März 2013, 23:34 | #8

    @ Leser ja, sie haben gut beobachtet. Aber es kommt noch schöner. Hier wird Jagd auf senile Alten gemacht, die vermögend sind und es bemühen sich so viele adoptiert zu werden, als erwachsene, trotzdem sie Eltern haben! Erbschleicher von der miesesten Sorte bin ich begegnet über die man Drehbücher schreiben könnte. An sich ist es wirklich interessant. Und was zu Gated Community gesagt werden kann, vergessen sie sie, denn so gated die community lebt, es heißt nicht, dass sie sich untereinander grün sind. Dort spielen sich durchaus Dramen ab, weil gated people sich auch im Vermögensverhältnis unterscheiden können. Erinnern wir uns an dem Fall, der sich in Südafrika abgespielt hat. Mord und Totschlag sind in diesem Milieu auch zu beklagen. Ob gated oder ungated, there is no question about, nirgendwo ist Sicherheit. PS. Wir haben sehr viele Neumilliardäre, speziel aus, egal, sie fallen in Urlaubsgebiete durch schlechte Manieren auf. Ist das normal? Macht sie das zu hohen Geistern? Ich gebe zu, ich habe die letzte Frage aus Figaros Hochzeit „geklaut“. Wer keine Manieren gelernt hat, der kann besser gated wohnen. Basta.

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