Der deutsche Traum, europäischer Albtraum

19. März 2013 / Aufrufe: 2.157

Protektionismus und harter Euro tragen zur Schaffung des deutschen Traums, aber auch des europäischen Albtraums der Verschärfung der Krise und Arbeitslosigkeit bei.

Angela Merkel schickt Otto Rehhagel nach Griechenland, um die „antideutsche“ Stimmung der Griechen zu beschwichtigen. Dies zeigt, dass die deutsche Kanzlerin sich dem Zorn der Griechen mit ideologischen und kommunikativen und nicht mit realen Termini nähert. Anders gesagt, sie sieht nicht die Wahrheit oder sie wird ihr nicht übermittelt.

Nicht, dass die Griechen nicht über die beschimpfende Haltung der deutschen Medien ihnen gegenüber wütend sind, aber dies ist nichts im Vergleich zu der Überzeugung, dass alles, was sie hauptsächlich auf wirtschaftlichem Niveau erleiden, auf die Politik Berlins zurückzuführen ist. Und dies ist nicht nur die Meinung der Griechen, aber aller Völker des europäischen Südens.

Die besten Köpfe des Südens sind die neuen Gastarbeiter Deutschlands

Es sei an einen Artikel des Spiegel, der von dem „deutschen Traum“ sprach, und an die Antwort von Seite der Le Monde (27/2) mit einem entsprechenden Artikel erinnert, der den Titel „Deutscher Traum, europäischer Albtraum“ trug. Im zweiten Artikel wurde angemerkt, dass die besten Köpfe, die Graduierten der besten Universitäten Italiens, Spaniens, Griechenlands und Osteuropas die neuen „Gastarbeiter“ sind, jene, welche „die neue europäische Elite für die deutsche Wirtschaft“ bilden.

Woran liegen jedoch die neue Emigration und die Massenarbeitslosigkeit in den Ländern des europäischen Südens? Laut der französischen Zeitung le Monde sind es der Grund „der Neo-Protektionismus Deutschlands„, der auf den Schutz der deutschen Industrie abzielt, und gleichzeitig die Tatsache, dass es den Kurs des Euro sehr hoch hält. Diese beiden Elemente tragen zur Schaffung des „deutschen Traums“ bei, schaffen jedoch parallel auch den europäischen Albtraum der Verschärfung der wirtschaftlichen Krise und der Massenarbeitslosigkeit, da das übrige Europa außer Stande ist, den Schulden-Tacho auf Null zu bringen, während die Wettbewerbsfähigkeit sinkt, so wie Europa in dem harten Euro gefangen ist (über den praktisch die Deutschen entscheiden, die mittels ihrer Exporte profitieren).

In diesem Rahmen ist es paradox, dass die Deutschen über den Zorn der Menschen besorgt sind. Anstatt die Politik zu ändern, wie es ein logischer Mensch erwarten würde, schicken sie uns sogar Rehhagel, um den erhöhten Adrenalinspiegel der griechischen Gesellschaft zu beruhigen! Der Ärger wird jedoch nicht mit solchen kommunikativen Zügen zerstreut, weil seine Gründe wie gesagt viel tiefer sind, da sie mit der unmoralischen und politischen Legitimierung der Haltung Berlins zusammenhängen, die Reiche und Arme in den Hunger, die Verelendung und den Verlust der Würde führt.

Diese Art der Handhabung der Zorns verschärft ihn und verwandelt ihn in einen Sprengsatz, in eine starke Bombe, die das europäische Universum in die Luft zu sprengen vermag. Die Unterdrückung kann nicht auf immer und ewig funktionieren. Trotz all dessen hat der Zorn außer dem zerstörerischen auch einen kreativen Charakter. Damit letzterer aktiviert wird, sind jedoch Vision und Beispiel erforderlich. Es werden Führer benötigt, die inspirieren müssen.

Quelle: Der deutsche Traum, europäischer Albtraum
Autor: Jorgos Papasotiriou
Deutsche Übersetzung: Griechenland-Blog

  1. Roland
    19. März 2013, 08:50 | #1

    Griechenland hat mit Syriza einen weiteren Agenten der herrschenden Klasse bekommen. Sie streut dem Volk Sand in die Augen, dass es im EURO bleiben kann und hält es von der Revolution ab.
    Also geht die Verarmung weiter.

  2. logos
    19. März 2013, 17:04 | #2

    Wir sind EUROPÄER und das wollen wir auch bleiben! Jedes einzelne Land, mit seiner unverwechselbar eigenen, wunderbaren Kultur ! Wer das zerstören will, will auch den Tod Europas und der autochtonen Europäer.

    Die Mehrheit in Deutschland weiss sehr wohl, was in Griechenland passiert. Wir wissen sehr wohl, dass von dem „Rettungsschirm“ NICHTS beim griechischen Volk angekommen ist. Wir wissen genau, wer die Drahtzieher sind. Und die Mehrheit der Deutschen wieder lieber heute als morgen die Regierung Merkel zum Teufel jagen.
    Aber wie? Deutschland MUSS das tun, was die Alliierten befehlen. Griechenland muss das aber nicht. Gott sei Dank.

    Nutzt Eure Nochunabhängigkeit. Und bleibt Griechen!

  3. halbgrieche
    19. März 2013, 19:12 | #3

    ja ja ja … immer die Deutschen … wer sonst! Bei allem Respekt, das griechische Volk hat sich doch seit Jahren von ihren eigenen Politikern an der Nase führen lassen. Selbst jede noch so schwachsinnige Versprechung hat man ihnen geglaubt. Und immer jene oder jene Partei od. Politiker gewählt, solange wie ein jeder für sich den eigenen Vorteil sah. Das Allgemeinwohl war doch jedem Griechen scheißegal … jeder hat nur bis zu seiner eigenen Tür und für seine eigene Tasche gedacht, aber wie die Straße aussah war denen doch wurscht. Jahrelang haben sie die Korruption hingenommen, wenn nicht gar selbst mitgemacht. Ich habe es doch jahrelang auch am eigenen Leib da unten erlebt, die Politiker, die Beamten, die Selbständigen, die Arbeiter, die Rentner … ALLE haben mitgemacht … es ging immer nur darum, den anderen zu bescheißen

    So lieb und toll die Griechen auch sein können, umso größer ist der Neid und die Missgunst dem anderen in der Gesellschaft gegenüber. Die Hälfte des Tages überlegte man doch, wie er den anderen übervorteilen kann. Und wenn man ihnen dann den Spiegel vorhält, suchen sie die Schuld bei den imperialistischen Amerikanern oder bei den raffgierigen Deutschen, die jetzt die Gelegenheit sehen, ihr Land nun endlich, zwar in anderer Form, in Ihre Gewalt zu bringen.

    Nein meine lieben Landsleute … ihr macht es euch da zu einfach. Auch meine Familie ist von der Lage direkt betroffen und leidet fürchterlich … Auch sie überlegen schon, dass Land zu verlassen, weil sie für ihre Kinder keine Perspektiven mehr sehen. Wann geht endlich mal ein Ruck durchs Land ?! Besinnt euch auf eure Stärken und habt Mut zum Neuanfang! Und zeigt nicht immer nur wütend auf die Deutschen! Die griechische Führung und das Volk selbst hat sich in diese Lage gebracht und sonst keiner!

  4. Ottfried Storz
    19. März 2013, 20:58 | #4

    Man nehme Antideutschen-Stimmung, vermische es mit volkswirtschaftlicher Inkompetenz, vergesse alle grundsätzlichen EU-Konvergenzkriterien – und heraus kommt solch ein Artikel, wonach angeblich (Zitat) „Protektionismus und harter Euro ….zur Schaffung des deutschen Traums (beitragen), aber auch des europäischen Albtraums, der Verschärfung der Krise und Arbeitslosigkeit bei.“

    Was ist die angebliche „Protektion“ der deutschen Wirtschaft ?!? Gelten die EU-Konvergenzkriterien mit u.a. maximal 3% BIP-Neuverschuldung p.a. nicht mehr? Was soll die Lösung sein: Die EZB verschenkt Griechenland jedes Jahr 50 Mrd zur Korruption und zum Warenimport ? Dumm nur, das „die bösen Deutschen“ von den 50 Mrd. ca. 22 Prozent zahlen müssen.

    Dann noch der hannebüchene Unsinn: „Die besten Köpfe des Südens sind die neuen Gastarbeiter Deutschlands“. Nach entsprechenden Untersuchungen kommen weder überdurchschnittlich qualifizierte Einwanderer nach Deutschland, noch nennenswert viele aus Südeuropa: Aus Polen, Rumänien, Bulgarien und Ungarn kamen 2011 rund 600 Prozent mehr Menschen (362.000!) nach Deutschland, als aus Griechenland (25.204), Portugal (9038) und Spanien (28140).

  5. Michael
    19. März 2013, 21:15 | #5

    Falsch. Die Mehrheit der Deutschen wollte den €uro nie haben. Alles andere ist Gewäsch.

  6. Onasis
    19. März 2013, 22:04 | #6

    @halbgrieche Du hast so unglaublich recht.

  7. thrakiotis
    20. März 2013, 02:45 | #7

    @onasis er hat so unglaublich UNrecht!

  8. GR-Block
    20. März 2013, 11:18 | #8

    @Michael
    es geht nicht darum was die Mehrheit eines Volkes will, sondern darum auf wen die Mehrheit hört. Die Deutschen haben das Handycap, dass sie zu gute Untertanen sind. Wenn ihre Feudalherren etwas als gut erachten, dann stehen sie alle geschlossen dahinter, auch wenn sie nicht überzeugt davon sind. Wenn im Ergebnis Nachbarvölker ausgebeutet werden, dann zeigt sich der Feudalherr dankbar. Diese Prinzip ist mit dem Binnenmarkt und mit dem EURO zum ersten mal europaweit praktiziert worden.
    Nostalgie für ihre alte Währung hatten alle Völker, insbesondere für die zweieinhalb Tausend Jahre ehrwürdige Drachme. Jeder glaubte, da alle Völker es wollen, dann kann es nicht so schlecht sein. Dass der EURO von praktischem Nutzen wäre, glaubten freilich nur die, die ein-zweimal im Jahr ihren wohlverdienten Auslandsurlaub antraten, also allenfalls ein paar Prozent in Europa.

  9. Kretaner
    20. März 2013, 11:31 | #9

    Da gibt es doch einen ganz einfachen Weg,
    Deutschland raus aus der EU und dem Euro
    und die übrigen Länder der Union sollen sich dann konsolidieren.
    Weiter so mit der antideutschen Hetze und viel Spass mit der Syriza.

  10. GR-Block
    20. März 2013, 11:42 | #10

    Ottfried Storz :
    Man nehme Antideutschen-Stimmung, vermische es mit volkswirtschaftlicher Inkompetenz, vergesse alle grundsätzlichen EU-Konvergenzkriterien – und heraus kommt …

    Über viele Monate musste die Welt sich ungefragt deutsche Stimmung vermischt mit volkswirtschaftlicher Inkompetenz, über sich ergehen lassen – und heraus kam nur braune Soße.
    Gesetze zur Divergenz der Volkswirtschaften zu verabschieden und diese durch Konvergenzkriterien zu bewerten, ist Schizophrenie. Das gibt den Großen Staaten alle Möglichkeiten zur Expansion und den kleinen die Schuld daran. Das Ganze mit der Förderung von Wettbewerbsfähigkeit zu legitimieren, konnte nur ein Argument der Starken sein. Die kleinen sind über den Tisch gezogen worden. Der EURO hat es gezeigt.

  11. Heinz
    20. März 2013, 12:18 | #11
  12. Götterbote2012
    20. März 2013, 12:45 | #12

    @Ottfried Storz

    Sie betreiben Augenwischerei. Natürlich kommen aus Rumänien und Bulgarien mehr Einwanderer. Schließlich herrscht dort eine viel größere Armut und zudem auch nicht eine solche Heimatverbundenheit, wie in südeuropäischen Ländern. Ein Großteil der Menschen aus Bulgarien und Rumänien sind Roma ohne Heimatbezug und würden auch unter gleichen Bedingungen in der Heimat Deutschland vorziehen, weil in deren Köpfen immer noch ein Deutschlandbild herrscht, in dem gebratene Tauben vom Himmel fallen und Honig in den Bächen fließt. Zudem ist es den Menschen aus diesen Ländern auch noch nicht so lange möglich, nach Deutschland zu kommen, wie es bei den anderen der Fall ist.

  13. Peter Böttcher
    20. März 2013, 16:54 | #13

    Ich kann die Griechen voll verstehen!
    Durch diesen beschissenen Euro geht Europa vor die Hunde.
    Ist ja vielleicht auch Absicht.
    Teile und herrsche, hauptsache die Banken machen Gewinn.

  14. halbgrieche
    20. März 2013, 17:30 | #14

    danke Heinz….!)

  15. Willi F. Gerbode
    21. März 2013, 09:53 | #15

    @GR-Block
    „heraus kam nur braune Soße“ – Es ist schon mehr als peinlich, wie leichtfertig Sie mit Begriffen umgehen, die historisch klar besetzt sind. Die deutsche Politik in die Nähe des Nationalsozialismus zu rücken, zeigt nicht nur blankes Unvermögen, sondern auch Verantwortungslosigkeit. In die gleicher Richtung zielt das Gerede von der Übergangsphase zum 4. Reich und die verbalen Bezüge zum Holocaust, wie sie von einem Kommentar hergestellt wurden, der hier gerade im Blog übersetzt wurde. Die Vernichtung von 6 Mio. Juden durch Nazi-Deutschland und die Verarmung weiter Teile des europäischen Südens in einen Topf zu werfen, ist eine intellektuelle Schande und beschämend.

  16. Peter Böttcher
    22. März 2013, 18:54 | #16

    @Willi F.
    Holocaust bedeutet Brandopfer.
    Man kann es nicht nur auf die perversen Machenschften der Nazis anwenden.
    Die Ängste der Griechen verstehe ich voll!
    Ich bin ein Freund von Israel und habe dort gelebt, doch auch ich habe in Deutschland einen Holocoust erleben dürfen!
    Ab dem Jahr 2000.

  17. ole aus D
    23. März 2013, 21:16 | #17

    @halbgrieche

    Das deckt sich genau mit meinen 4jährigen GR Erfahrungen. Ich habe es auch erlebt, dass die Masse der Griechen den Staat als ihren Gegner ansehen und versuchen ihn ständig zu betrügen. Steuerhinterziehung, angefangen beim kleinen Ladebesitzer, ist zum Volkssport geworden. Ich kann ein Buch darüber schreiben, was ich in der Wiege der Demokratie, mit Justitz und Behörden erlebt habe.
    Die jetzt betriebene Deutschland- und Merkelhetze, in Verkennung von Ursache und Wirkung, ist einfach nur noch ekelhaft.
    Was mich hoffnungsvoll stimmt, ist die Tatsache, dass es so unglaublich viele liebenswerte, fleißige und realistische Griechen giebt, die die Karre mit Sicherheit wieder aus dem Dreck bekommen.

  18. Stefan
    5. April 2013, 19:43 | #18

    Mir tun die Griechen und Zyprioten leid.Ich als Deutscher würde lieber dem griechischen Volk helfen. Aber kann es nicht sein, dass es eine Falle ist (Deutschland ist besetzt und muss den Aliierten gehorchen, das stimmt)? Nur wissen das die meisten Deutschen nicht. Das alles ist ein Plan der Zentralbanken um die neue Weltordnung zu schaffen. Deutschland wird nur als letzter fallen und dann werden sie Deutschland wieder als aggressiv darstellen (siehe Uno Feindstaatenklausel) um Deutschland endgültig zu vernichten. Kann sein, dass ich mich irre, aber ich habe Angst. Die Völker sollen aufgehetzt werden. Ich würde mich sehr freuen, wenn Merkel weg ist vom Fenster, aber das deutsche Volk ist Gehirngewaschen. Ein Gruss an alle Griechen

  19. LiFe
    5. April 2013, 23:27 | #19

    @ Ole aus D Ich habe eine Weile pausiert. Möchte aber eine folgende Berichtigung vorschlagen Sie schrieben: ….dass die Masse der Griechen den Staat als ihren Gegner ansehen und versuchen ihn ständig zu betrügen. Das bedarf viel Courage. Hätte es besser nicht so ….dass die Masse der Griechen den Staat als ihren Gegner ansehen und versuchen deshalb sich ständig zu retten heißen? Ich meine es müsste doch logisch sein, dass eine Selbstrettung erfolgen muß, wenn Gegner im Spiel sind. Die, die viel Geld besaßen gelang die Flucht, sie suchten das Weite und nahmen alles mit.

Kommentare sind geschlossen