Wirtschaftskrise führt zu Mangel an Taufpaten in Griechenland

10. Februar 2013 / Aufrufe: 652

Infolge der Wirtschaftskrise in Griechenland zeigen sich immer weniger Menschen bereit, die in der griechischen Gesellschaft tief verwurzelte Rolle des Taufpaten zu übernehmen.

Die Folgen einer wirtschaftlichen Krise sind unvorhersehbar. Wer hätte beispielsweise damit gerechnet, dass es ausgerechnet (jedoch natürlich nicht nur) auf der als besonders traditionsverbunden geltenden Insel Kreta ein Problem bei einer der heiligsten Bindungen geben würde, die sich mit der Patenschaft (= gemeinsame Elternschaft) entwickelt, wenn jemand anderes sein Kind tauft?

Selbst in den schweren Jahren des Hungers hatten die Kreter kein Problem, einen Paten zu finden um ihr Kind zu taufen. Und wenn dies erfolgte – nachdem sie sich die Hände gegeben hatten – war diese Bindung lebenslänglich und „heiliger“ als alle anderen! In ihrem Namen erfolgten selbst schwierige „Gleichschaltungen“, sie schafften sogar … Spannungen, bis hin zu „Vendetten“!

Jetzt haben die Dinge jedoch eine hässliche Wendung genommen. Viele Ehepaare finden für ihre Kinder keine Paten mehr, und das, was vormals einer Anekdote glich, ist nun eine harte Realität: sie publizieren Kleinanzeigen – die zunehmend in den lokalen Zeitungen von Eltern eingestellt werden, die einen Paten oder eine Patin suchen, um ihr Kind zu taufen! Wo? Auf Kreta …!

Dass sich inzwischen keine Taufpaten mehr finden, ist heutzutage kein Zufall. Sie haben finanzielle Verpflichtungen: der Pate kauft das „Tauf-Set“ – Kerze, Ölungstücher, Kleidung, Schuhe, Taufkette usw. – und bezahlt die Kirche für die Zeremonie. Hauptsächlich hat er jedoch eine beständige und lebenslängliche Verpflichtung gegenüber seinem Patenkind, die mit seiner permanenten Präsenz, Geschenken usw., also mit Geld zu tun hat, das heute nicht (mehr) vorhanden ist!

(Quelle: Cretalive.gr)

Relevanter Beitrag:

  1. Roditisa
    11. Februar 2013, 08:50 | #1

    Das liegt aber auch daran, dass viele Leute immer noch erwarten, dass bei der Taufe Ölungstücher und Kleidung vom Designer gebraucht wird, bzw. dass der Pate an Ostern und Namenstag extreme Summen aufwenden muss.

    Beim Täufling meines Mannes war allen Beteilgten klar, dass unsere Familie so etwas nicht finanzieren kann. Die Taufutensilien waren dann halt keine Markenware und das Kind bekommt an Ostern Schuhe und am Namenstag praktische Kleidung, die erschwinglich sind. Mehr wird von den Eltern nicht erwartet und so kann mein Mann die Rolle auch ausfüllen.

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