Tragikomische Zustände im öffentlichen Dienst in Griechenland

27. Februar 2013 / Aufrufe: 1.936

Ein Bericht der Inspektoren der öffentlichen Verwaltung in Griechenland enthüllt erneut geradezu tragikomische Zustände auf dem öffentlichen Sektor.

Beamte mit gefälschten Zeugnissen, andere, die niemals an ihrem Arbeitsplatz erscheinen, wegen schwerer Verbrechen Verurteilte, die regulär weiter beschäftigt sind.

Dies und Vieles andere ist Informationen zufolge in dem viele Seiten umfassenden – anfänglichen – Bericht der Einheit der Inspektoren und Kontrolleure der öffentlichen Verwaltung enthalten, in dem ungefähr 7.000 Fälle eidbrüchiger Beamten verzeichnet sind, die weiterhin von dem Fiskus besoldet werden.

Eidbrüchige Beamte stehen weiterhin im Sold des griechischen Fiskus

Der sich in den Händen des Ministers für Verwaltungsreform Antonis Manitakis befindende Bericht beschreibt absurde Fälle von Beamten, die sich seit geraumer Zeit außerhalb des öffentlichen Sektors zu befinden hätten. Wie die Zeitung „Ethnos tis Kyriakis“ anführt, hat die  – von vielen auch „Einheit der Unbestechlichen“ genannte – Einheit der Inspektoren und Kontrolleure der öffentlichen Verwaltung bei den in den letzten Tagen erfolgten Kontrollen unter anderem ausfindig gemacht:

  • Eine Direktorin einer Schule in Zentralgriechenland, die eine gefälschtes Diplom der Wirtschaftswissenschaften der Wirtschaftsuniversität Athen, aber auch einen postgradualen Studientitel eingereicht hatte, um die Stelle zu bekommen.
  • Ein Bediensteter der Mannschaft der Außenwache in den Strafvollzugsanstalten hatte ein gefälschtes Abiturzeugnis eingereicht, und zwar sogar mit der Durchschnittsnote 18 (auf einer Skala 10 – 20).
  • Bedienstete mit gefälschten Fremdsprachendiplomen, die kein einziges Wort Englisch sprechen und sogar Dienst in „fremdsprachigen“ Positionen versehen.
  • Fälle von Bediensteten mit gefälschten Titeln über Ausbildungen in der Bedienung elektronischer Rechner.

Parallel zu den überraschenden Kontrollen vor Ort bei öffentlichen Behörden stellten die Kontrolleure der Inspektoreneinheitleer stehende Schreibtische fest, an denen Beamte hätten arbeiten müssen, aber auch Missbrauch bei der Bewilligung von Urlauben, hauptsächlich in Bezug auf Lehrer.

(Quelle: Zougla.gr)

Relevanter Beitrag:

  1. LiFe
    27. Februar 2013, 12:57 | #1

    Tröstliche Informationen für ehemalige qualifizierte Wissenschaftler und Doktoranden, die einer Ausbremsung unterworfen waren, für die es nie eine Erklärung gab. Solche Fälle gab es durchaus, darüber bin ich überzeugt nicht nur in Griechenland zu beklagen.

  2. Grenzgaenger
    27. Februar 2013, 16:09 | #2

    …tröstlich zu lesen, dass es nicht nur in der BRD so ist 😉

    aber die letztendliche Frage ist ja, wie (nicht nur) europ. Länder mit solchen Strukturen umgehen. Ob solche Menschen dann doch noch ihren Beamtenstatus behalten und in die ehrenvolle Rente geschickt werden.

    Vllt wäre ein Länderübergreifendes Gesetz vonnöten, welches dem europ. Gerichtshof Werkzeuge in die Hand gibt, solchen Beamten einen unehrenhaften Tritt gebe zu können.

    Unter meinen ersten zehn Favoriten wären verurteilte Verbrecher (wie Berlusconi)
    (IANAL)

  3. Maria P.
    27. Februar 2013, 20:52 | #3

    Der einzige „Trost“ ist, dass diese Leute niemals Minister waren…

  4. V99 %
    28. Februar 2013, 00:56 | #4

    Wohl eher tragisch als komisch sind diese Zustaende. Sollten nicht sowieso insgesamt 150.000 von diesen Schmarotzern gefeuert werden. Mir ist da was von 15.000 pro Quartal in Erinnerung. Bei der Kandidaten Auswahl sollte das dann doch zum Vergnuegen werden 😀

  5. Luggi
    28. Februar 2013, 09:51 | #5

    Das ist für mich alles nichts Neues. Aus eigener Beobachtung und Erfahrung habe ich Behörden kennen gelernt, in denen Mitarbeiter beschäftigt waren, die absolut keine Tätigkeit hatten. Im Büro einer Krankenkasse standen für 7 Angestellte Computer auf den Schreibtischen, nur eine Mitarbeiterin war in der Lage, einen PC zu bedienen. Sie mußte ständig „springen“, um ihren Kolleginnen und Kollegen zu assistieren.
    In einer Zollbehörde gab es 8 Mitarbeiter, die kaum beschäftigt waren. Nur eine Mitarbeitein schien Fachkenntnisse zu haben, sie wurde bei telefonischen und persönlichen Anfragen durchwegs von ihren Kollegen um Auskunft gebeten. Wahrscheinlich war sie die Mitarbeiterin mit dem geringsten Gehalt. Obwohl die Behörde maßlos überbesetzt war, wurde zur Ausfertigung meiner Papiere ein externes Schreibbüro herangezogen.
    Ich könnte fast einen Roman schreiben über die Erfahrungen aus griechischen Behörden. Es war nicht ein einziges Mal möglich, beim ersten Besuch seine Angelegenheit erledigt zu wissen. Regelmäßig mußte man bis zu fünfmal antanzen, bis man sein Anliegen erfüllt bekam. Ich bin viel auf der Welt herumgekommen, habe auch Erfahrungen aus sog. „Bananenrepubliken“. Doch was ich in Griechenland erlebt habe, übersteigt alles, leider im negativen Sinn.

  6. CYR
    28. Februar 2013, 14:05 | #6

    @V99 %
    Ich glaube nicht das 150.000 von denen in dieser Kategorie fallen, aber wenn die alle entlassen werden sollen, wird die Arbeitslosenquote um 3,2% steigen. Was die Bonität Griechenlands auch nicht hilft.

  7. Gast
    28. Februar 2013, 15:36 | #7

    @CYR
    Wenn man die alle entlaesst, kann man QUALIFIZIERTE und GEEIGNETE Leute einstellen. Dann hat man ploetzlich Mitarbeiter, die motiviert sind und nicht in den alten Seilschaften haengen. Es gibt viele gut qualifizierte Arbeitslose, die die Luecken gut fuellen wuerden, ohne den Staat zu beklauen.

  8. Kostantinos
    28. Februar 2013, 16:53 | #8

    @ Gast

    Genau, wenn alle entlassen werden die nichts können oder überhaupt nicht am Arbeitsplatz erscheinen, wird das Griechenland weiterhelfen. Es ist ja nicht nur so, dass unnötige Ausgaben damit verhindert werden, es dürften dann auch fähige Leute eingestellt werden, die etwas bewirken.

    Leider ist es gänige Praxis in Griechenland, Bekannte und Freunde, sowie Verwandte mit Berufen zu versorgen. Da traut sich manch Vorgesetzter nicht einmal, dem so eingestellten, etwas zu sagen, weil er dann seinen job riskiert. Die Krankenhäuser müssten auch mal ausgemistet werden, ich möchte nicht wissen, wieviel da auf der Lohnliste stehen, die noch nie zur Arbeit erschienen sind.
    Kannte mal einen bei der Olympic in Deutschland, dem wurde eine Griechin von Athen aus in Deutschland eingestellt, die war wirklich unfähig. Als ich ihn frage warum er sie nicht entlässt, bekam ich die Antwort, dass eher er entlassen werden würde, weil sie gute Verbindungen in Athen hat. Uns so zieht sich, diese Praxis in ganz Griechenland durch, das ist auch noch ein Punkt, der dazu beigetragen hat, das Griechenland sich rückentwickelt hat.

  9. V99 %
    28. Februar 2013, 23:54 | #9

    @ CYR
    Wenn ich alleine an meine „Amtsgaenge“ denke, bin ich der Meinung dass es sicher mehr als 150.000 sind! Ich kann mich nicht erinnern, dass ich , trotz vorheriger mehrmaliger (!) Anfragen, irgend etwas beim ersten mal erledigen konnte. Es waren oft bis zu 5 oder gar 7 (!) Besuche wegen ein und derselben Angelegenheit noetig. Diese Seilschaften der unfaehigen Sozialschmarotzer lassen sich nur durch radikale Schnitte beseitigen!

  10. Evangelia Chalkida
    1. März 2013, 18:56 | #10

    Als meine Eltern starben haben wir, zwei Brüder und ich , das drei Fam. Haus bekommen.Die Stromkosten liefen auf mein Vater verst.2008,die Wasserkosten auf meine Mutter verst.2004.Wir haben alle Behörden abgeklappert um das zu ändern.Es hat uns viele Amtsgänge ,Zeit und Nerven gelostet , ergebnislos,keiner von den Beamten war fähig dies ändern zu können.Also die Wasser wie Strom Rechnungen laufen immer noch auf meine Eltern.Wir fragen uns wenn wir die nicht mehr bezahlen würden wie würden diese Behörden reagieren.

  11. CYR
    6. März 2013, 18:21 | #11

    @Gast
    Entlassung heisst hier nicht Ersetzung. Diejenigen, die gehen, werden nicht ersetzt, und wer sagt, dass sie ausgerechnet die Unfähigen rausschmeissen?

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