Memorandums-Politik kostet Griechenland 25 Prozent des BIP

6. Februar 2013 / Aktualisiert: 28. September 2017 / Aufrufe: 1.625

Laut einer Analyse der EFG Eurobank sank in Griechenland 2008 – 2012 das Pro-Kopf-BIP um 20 Prozent und wird bis Ende 2013 um weitere 5 Prozent zurückgehen.

Laut der griechischen Statistikbehörde (ELSTAT) sank 2010 im Vergleich zu 2009 das Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt um 835 Euro bzw. 4,1%. Damit führte das erste Jahr der Umsetzung des Memorandums zu einem Rückgang des Pro-Kopf-BIP von 20.481 Euro auf 19.646 Euro.

Parallel schätzt EFG die Eurobank ein, dass das reale Pro-Kopf-BIP in Griechenland in dem Zeitraum 2008 – 2012 um rund 20% sank und im laufenden Jahr 2013 ein weiterer Rückgang um 5% erwartet wird. Weiter wird angemerkt, dass auf Basis der Prognosen der Europäischen Kommission bis Ende 2014 das Lebenshaltungsniveau in Griechenland auf das Niveau des Jahres 1980 zurückgekehrt sein wird. Als Katalysator für den Aufschwung charakterisiert die Eurobank die Reformen auf dem weiteren öffentlichen Sektor und den Märkten für Produkte und Dienstleistungen.

Rückgang des Pro-Kopf-BIP in Griechenlands seit 2009

Spezieller wird laut den jüngst publizierten Daten der ELSTAT festgestellt:

  1. Das durchschnittliche Pro-Kopf-BIP in Griechenland sank 2010 im Vergleich zu 2009 um 4,1% von 20.481 Euro auf 19.646 Euro, also um 835 Euro.
  2. 2010 wurde das höchste Pro-Kopf-BIP in Attika mit 25.934 Euro, das jedoch jedenfalls im Vergleich zu 2009 um 3,8% gemindert war, in der Süd-Ägäis mit 24.137 Euro gegenüber 25.664 im Vorjahr und in Zentralgriechenland mit 18.141 Euro gegenüber 18.374 im Jahr 2009 verzeichnet. Auf der Gegenseite wurde das niedrigste Pro-Kopf-BIP in Epirus (13.730 Euro gegenüber 14.101 Euro 2009) verzeichnet, gefolgt von Westgriechenland (13.850 Euro gegenüber 14.299 Euro) und Thessalien (14.600 Euro gegenüber 15.619 Euro).
  3. In dem Zeitraum 2009 – 2010 wurden die größten prozentualen Rückgänge bei dem Pro-Kopf-BIP in der Nordägäis (6,9%) mit einem sich von 16.961 Euro auf 15.791 Euro gestaltenden Pro-Kopf-BIP, auf den Ionischen Inseln (6,8%) mit dem Pro-Kopf BIP bei 17.189 Euro gegenüber 18.440 Euro und in Thessalien (6,5%) mit einem Pro-Kopf-BIP bei 14.600 Euro gegenüber 15.619 verzeichnet. Das durchschnittliche Pro-Kopf-BIP in Attika sank um 3,8% und in Zentralmakedonien um 5%.

Eurobank prognostiziert Wachstum ab 2015

Was die Analyse der EFG Eurobank betrifft, werden folgende Schlussfolgerungen gezogen:

  1. Sie veranschlagt den kumulativen Rückgang des Pro-Kopf-BIP in Griechenland in der Periode 2008 – 2012 auf 20% und erwartet einen weiteren Rückgang um 5%. Gemäß der Auswertung der Daten der Kommission wiederum wird eingeschätzt, dass das Lebenshaltungsniveau der Griechen gegen Ende 2014 auf das Niveau des Jahrzehnts der 80er Jahre zurückkehren wird.
  2. Sie prognostizieren Wachstumsrhythmen der Größenordnung von 2% – 2,5% ab 2015 und nachfolgend und einen schrittweisen Anstieg des Pro-Kopf-BIP in Griechenland im nächsten Jahrzehnt auf 25.000 Dollar, also das Niveau der beiden Jahre 2005 – 2006.

(Quelle: Imerisia)

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  1. 6. Februar 2013, 10:16 | #1

    Jedes Ding hat 2 Seiten. Man könnte natürlich auch als Überschrift sagen: „Wilde Haushaltspolitik hatte Griechenlands GDP um 25% künstlich aufgebläht“.

  2. GR-Block
    6. Februar 2013, 22:35 | #2

    @Klaus Kastner
    Beide Seiten des „Dings“ gehen leider auf Kosten der Bevölkerung. Sowohl die Verschwendung von Staatsgeldern für öffentliche Großaufträge (meist mit EU-Geldern kofinanziert) als auch die Dauerfütterung sog. angreifender Finanzmärkte. In beiden Fällen sind die Nutznieser mehrheitlich unter den EU-Partnern zu finden. Leider ist es ideologisch verboten die Vergabe von Großaufträgen außerhalb des Landes einzuschränken.

    Aufgeblähte Haushalte ist ein systembedingtes EU-Problem, kein spezifisch griechisches.

  3. Karlie
    6. Februar 2013, 23:14 | #3

    Dieses Verallgemeinern stösst mir insofern immer wieder auf als dass das Elend damit so schön übertüncht werden kann. Von wegen durchschnittliches Pro-Kopf-BIP: Soll das mal jemand verstehen, der seinen Job verloren hat und von 1200 Euro auf 200 runter muss und dem jegliche berufliche Perspektive fehlt.

    Das BIP ist sowieso eine Fantasiezahl, da Dinge eingerechnet werden (Gesundheitswesen, Staatsausgaben für Rüstung etc.), die eher negativ zu bewerten sind. Als ob dies die allgemein gültige Glückszahl sein soll. Es spiegelt keineswegs die wirkliche Situation im Land wieder. Es wird von durchschittlichem Lebenshaltungsniveau geredet, obwohl jeder weiss, dass die damaligen Strukturen (inkl. Mentalität) gar nicht mehr existieren und ebenso (wie in diesem Blog zu finden) die Abgaben, Steuern inkl. Bussen bei weitem nicht denen der 80er entsprechen. Schönrederei einiger Schreibtischtäter nenne ich das.

    Nebenbei: Mir ist aufgefallen dass der Weckruf „Wake up“ – auf viele EU-(Wundertaten)-Tafeln und Wände um Athen herum gesprayt – sich in den letzten Wochen vermehrt hat. Die Amerikaner würden sagen, dies sind „the writings on the wall“ oder anders, es scheint sich etwas zu tun in der Beziehung der Griechen zu Europa …

  4. 12. April 2013, 17:32 | #4

    @GR-Block
    Es ist denkunmöglich, dass es nicht ‚auf Kosten der Bevölkerung‘ gehen könnte, wenn sich ein Land in eine derartige Misère maneuvriert, wie das bei Griechenland der Fall war. Die legitime Frage ist, ob die Lastenteilung in Griechenland fair war/ist. In der Theorie sollten jene anteilige Lasten Tragen, die während der go-go Zeit profitiert haben. In der Praxis wird das wohl nie ganz gerecht sein können, aber man muss es nicht gleich so ungerecht machen, wie das in Griechenland geschehen ist.
    Alleine die Unterstellung, dass das Griechenland-Problem kein griechisches Problem sein könnte, ist schon verwegen. Was in Griechenland bis ca. 2009 geschehen ist, geht AUSSCHLIESSLICH auf das Konto von Griechenland. Dass daraus mittlerweile ein Euro- und sogar weltweites Finanzproblem geworden ist, geht ausschliesslich auf das Konto der EU-Eliten.

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