Lebenslänglich für Bürgermeister in Griechenland wegen Unterschlagung

28. Februar 2013 / Aktualisiert: 01. März 2013 / Aufrufe: 3.271

Die Arena, die Politik und die Verurteilung

Geflügelter Arzt„, „Knitterfreier„, „Ludowikas“ und viele andere sind die Spitznamen, welche Vasilis Papageorgopoulos anhängen – dem Menschen, der seinen Namen mit dem Sport und der lokalen Selbstverwaltung verband.

Vor geraumer Zeit schrieb er auf seinem Facebook-Profil: „Nemesis kommt … ENDLICH KAM DIE STUNDE, DIE WAHRHEIT STRAHLEN ZU LASSEN„. Das Urteil des Gerichts trieb ihm die Tränen in die Augen … . Er konnte nicht glauben, dass er im Gefängnis enden würde …

Wer ist Vasilis Papageorgopoulos?

Vasilis Papageorgopoulos wurde 1947 in Thessaloniki geboren, während seine Abstammung nach Ägio führt. Er absolvierte das 5. Gymnasium und danach das 1. Oberstufengymnasium in Thessaloniki. Anschließend studierte er an der Schule für Zahnmedizin der Aristoteles-Universität in Thessaloniki, wo ihm das Diplom des Facharztes für Zahnchirurgie verliehen wurde.

Er übte den Beruf des Zahnarztes bis 1981 aus, als er im Wahlbezirk Thessaloniki als Kandidat der Nea Dimokratia (ND) zum Abgeordneten gewählt wurde.

Sportliche Aktivitäten

Vasilis Papageorgopoulos war ein bedeutender Sprinter in Griechenland. Er wurde etliche Male Sieger bei griechischen und den balkanischen 100-Meter-Läufen und erwarb drei europäische Medaillen: die erste 1971 in Helsinki (Finnland), die zweite 1972 in Grenoble (Frankreich) und die dritte 1976 in München (Deutschland).

Er nahm an den Olympischen Spielen in München (1972) und Montreal (1976) teil, bei denen er Flaggenträger der griechischen Delegation war. 1980 wurde er zum Vorsitzenden des Verbands Griechischer Sportvereine Thessalonikis gewählt. Er war Athlet des Bildungs- und Sportvereins „AETOS“. Er war über eine Reihe von Jahren Spitzensportler bei internationalen Wettkämpfen, glich den europäischen 100-Meter-Rekord aus und hatte über 21 fortlaufende Jahre den panhellenischen 100-Meter-Rekord inne.

Abgesehen von den übrigen Auszeichnungen erwarb er drei Medaillen paneuropäischer Wettkämpfe. 1971 und 1972 wurde er von dem Panhellenischen Sportpresseverband zum Athleten des Jahres gekürt.

Einstieg in die Politik

1978 kandidierte Vasilis Papageorgopoulos bei den Kommunalwahlen und wurde als stimmenstärkstes Mitglied in den Gemeinderat von Thessaloniki gewählt. Ab 1981 bis einschließlich 1998 wurde er fortlaufend zum Abgeordneten gewählt.

In der Periode 1991 – 1992 bekleidete er das Amt des Kulturministers, zuständig für Themen der Athletik und mit einer beachtlichen Aktivität auf dem Bereich der Erstellung athletischer Projekte. 1998 legte er sein Mandat als Abgeordneter nieder, um nach seiner Wahl mit einem Stimmanteil von 54,21% das Amt des Bürgermeisters von Thessaloniki anzutreten.

Seine politische Karriere begann Vasilis Papageorgopoulos 1981, als er mit der Partei Nea Dimokratia im 1. Wahlkreis von Thessaloniki zum ersten Mal zum Abgeordneten gewählt und danach in allen folgenden Wahlgängen bis einschließlich 1996 wiedergewählt wurde.

Bei den Kommunalwahlen 1998 kandidierte er zum ersten Mal für das Amt des Bürgermeisters von Thessaloniki, gegen Thrasyvoulos Lazaridis (damals Bürgermeister von Kalamaria), und wurde gewählt. Bei den beiden nächsten Wahlgängen (2002 mit Spyros Vougias und 2006 mit Chrysa Arapoglou als Hauptgegner) wurde er erneut zum Bürgermeister von Thessaloniki gewählt. Seine Amtszeit als Bürgermeister endete 2010.

In seinem – auf seiner Facebook-Seite eingestellten – Lebenslauf führt er an, dass „er die Seriosität, die Entschlossenheit und die Effizienz in beherrschenden Elementen der Kommunalbehörde von Thessaloniki aufgezeigt hat„.

Das Gericht bildete sich allerdings eine gegenteilige Meinung …

(Quelle: Zougla.gr)

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  1. Ausgenz
    28. Februar 2013, 04:43 | #1

    Bleibt zu hoffen, dass von diesen Anklagen und harten Urteilen eine Signalwirkung ausgeht, die das Vertrauen der griechischen Bürger zu Politik und Staat wieder herstellt. Wenn es jetzt auch noch korrupten Beamten an den Kragen geht und diese aus dem Staatsdienst entlassen werden, dann ist Griechenland auf einem guten Weg.

  2. Janz
    28. Februar 2013, 09:58 | #2

    Bei uns im scheiß kapitalisten land bekommen viel größere verbrecher der witschaft und der politik für die veruntreung weitaus höherer summen höchstens eine bewährungsstrafe, wobei hingegen der kleine mann bei den kleinsten vergehen eingebuchtet wird. und das wird als rechtsprechung des koruppten staates verkauft. den geldadel läßt man laufen, und den kleinen bürger hängt man. was für ein widerliches system. ich schäme mich für mein land!

  3. LiFe
    28. Februar 2013, 11:01 | #3

    Der Vorsitzende des Gerichts, Giorgos Apostolakis, antwortete an den ehemaligen Bürgermeister gerichtet: “Jedenfalls werden diejenigen nicht wir sein.“

    Klasse geantwortet!

  4. GR-Block
    28. Februar 2013, 13:27 | #4

    Ah… die Juristen holen zum großen Schlag aus. Der Damm scheint gebrochen. Die Immunität von Politikern zerfällt. Die Justiz ergreift populistische Maßnahmen gegen die korrupte Legislative. Die Urteile scheinen erbarmungslos. LEBENSLÄNGLICH für läppische 17,9 M€. Und das für den Bürgermeister der Co-Hauptstadt. Und das Volk senkt mit Freuden den Daumen. Was erwartet dann Tsochatzopoulos? Muss er auch in seinem nächsten Leben hinter Gitter? Woher kommt bloß der richterliche Hass?

    http://www.griechenland-blog.gr/2012/11/kuerzung-der-bezuege-der-richter-in-griechenland-verfassungswidrig/10200/#comment-14735

    Nicht doch… sollten sie etwa nachtragend sein? Noch letztes Jahr hatte das Parlament eine populistische Massnahme gegen die Judikative ergriffen. Die Gehälter der Richter wurden empfindlich gekürzt. Zum Teil auch gegen die Verfassung. Natürlich wollte Samaras vom damaligen Klima: „alle griechischen Richter sind korrupt“, politisch profitieren. Das haben ihm die Richter wohl übel genommen.

    Und hatte nicht Samaras Vorgänger ähnlich argumentiert? Als er das ganze Volk als korrupt bezeichnete. Und hatte dieses Volk nicht ebenfalls hart reagiert?

    Typisch griechisch, alle weisen Koruptionsvorwürfe von sich. Aus irgendwelchen Gründen will sich keiner von den Korrupten kritisieren lassen. Wie soll da ausgerechnet eine Troika Kritik anmelden dürfen?

    Verzeihen Sie liebes admin dream team, aber manche Beiträge reizen mich zu literarischen Monologen. Da kann ich kaum widerstehen.

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