Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland über 60 Prozent

15. Februar 2013 / Aktualisiert: 22. Juli 2013 / Aufrufe: 1.757

In Griechenland erreichte die offizielle statistische Arbeitslosenquote für November 2012 27 Prozent und die Jugendarbeitslosigkeit überstieg sogar 60 Prozent.

Laut den Daten, welche die nationale Statistikbehörde (ELSTAT) an die Öffentlichkeit gab, erreichte in Griechenland die offizielle statistische Arbeitslosenquote 27%, gegenüber 20,8% im November 2011 und 26,6% im Oktober 2012. Die reale Arbeitslosigkeit wird dagegen bereits jetzt auf über 30% veranschlagt.

Nicht zuletzt angesichts der nachhaltigen Rezession, die laut den vorläufigen Daten der ELSTAT das griechische BIP im letzten Quartal 2012 im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum 2011 um weitere 6% schrumpfen ließ, kann dieser neue Höchststand der Arbeitslosigkeit jedoch keinesfalls als das „Ende der Fahnenstange“ betrachtet werden.

Aus einem Bericht des staatlichen Zentrums für Planung und Wirtschaftsforschung (KEPE), der in den kommenden Tagen veröffentlicht werden soll, geht hervor, dass die griechische Wirtschaft sich auf einem Tiefpunkt befindet: auch für 2013 wird mit einer Rezessionsrate von über 4,1% gerechnet, während ein weiterer Anstieg der „offiziellen“ statistischen Arbeitslosigkeit auf das schockierende Niveau von 30% erwartet wird.

Die nachstehenden Tabellen vermitteln die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Griechenland während der Jahre 2007 – 2012 mit jeweiligem Bezugsmonat den November.

Beschäftigte, Arbeitslose, wirtschaftlich Inaktive

Die Anzahl der offiziell erfassten Arbeitslosen stieg im November 2012 um 323.808 Personen im Vergleich zu November 2011 (Anstieg um 31,5%) bzw. um 20.555 Personen im Vergleich zu Oktober 2012 (Anstieg um 1,5%) und erreichte insgesamt 1.350.181 Personen.

Auf der anderen Seite sank die Anzahl der Beschäftigten um 265.584 Personen im Vergleich zu November 2011 (Rückgang um 6,8%) und um 30.144 Personen im Vergleich zu Oktober 2012 (Rückgang um 0,8%) und wird auf insgesamt 3.642.102 Personen veranschlagt.

Die Anzahl der wirtschaftlich nicht aktiven Personen, die also weder arbeiten noch nach Arbeit suchen, sank um 19.577 Personen im Verhältnis zu November 2011 und wird auf insgesamt 3.339.982 Personen veranschlagt.

November
2007 2008 2009 2010 2011 2012
Beschäftigte 4.519.838 4.541.100 4.471.420 4.298.356 3.907.686 3.642.102
Arbeitslose 388.673 383.861 513.965 702.732 1.026.373 1.350.181
Wirtschaftlich Inaktive 3.419.723 3.390.326 3.312.895 3.304.684 3.359.559 3.339.982
Arbeitslosenquote 7.9 7.8 10.3 14.1 20.8 27,0

Arbeitslosenquote nach Altersgruppen

Wie aus dem Bericht der griechischen Statistikbehörde hervorgeht, hält Griechenland in ganz Europa einen traurigen Rekord bei der Jugendarbeitslosigkeit mit einer Arbeitslosenquote in der Altersgruppe 15 – 24 Jahre von 61,7% im November 2012, gegenüber 50,1 Prozent im November 2011.

Altersgruppen November
2007 2008 2009 2010 2011 2012
15 – 24 22,2 22,6 27,6 36,4 50,1 61,7
25 – 34 11,1 10,6 13,6 18,7 28,9 36,2
35 – 44 6,1 6,3 8,8 11,5 16,9 23,3
45 – 54 4,4 4,7 7,1 9,6 14,6 19,8
55 – 64 3,2 3,3 5,1 6,8 10,3 15,3
65 – 74 1,2 0,7 1,2 1,8 4,0 10,0
Summe 7,9 7,8 10,3 14,1 20,8 27,0

Arbeitslosenquote nach Geschlecht

Eine sehr hohe Arbeitslosenquote wird auch bei den Frauen verzeichnet, wo sie im November 2012 auf 31,1% stieg, gegenüber 24,6% im November 2011. Bei den Männern stieg die Arbeitslosenquote auf 24% im November 2012, gegenüber 18% im November 2011.

Geschlecht November
2007 2008 2009 2010 2011 2012
Männer 5,0 5,1 7,7 11,4 18,0 24,0
Frauen 12,1 11,7 13,9 17,8 24,6 31,1
Summe 7,9 7,8 10,3 14,1 20,8 27,0

(Quelle: To Pontiki)

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  1. Adrianos
    15. Februar 2013, 03:54 | #1

    Das ist furchtbar. Ich weiß gar nicht was man dazu sagen soll. Da wächst eine verlorene Generation heran. Ich wüsste auch gar nicht was man dagegen tun könnte.
    Mir tut es so unendlich weh diese Menschen zu sehen.

  2. Stavros
    15. Februar 2013, 09:49 | #2

    JUGEND-ARBEITSLOSIGKEIT = die Zukunft jeder Nation!

    Es ist unglaublich was die griechische Regierung als Handlanger der EU fertig bringt!
    Ein Skandal der sich sicher rächen wird! So geht doch die ganze(kleine) Wirtschaft den Bach runter, wenn die jungen Leute KEINE ZUKUNFT mehr sehen im Vaterland.
    Wer schaut dann finanziell in Zukunft für die ältere Generation, wenn die Jungen keine Arbeit haben und somit auch keine Steuern für die Staatskasse reinkommen? Das muss ja zu einem Bürgeraufstand führen!
    Wie soll das weiter gehen ….

  3. GR-Block
    15. Februar 2013, 18:55 | #3

    Nun ist es soweit. Wir sind angekommen. Und zwar genau da, wo die europäische Konkurrenz mit ihren „Beratern“ uns haben wollte.

    So sieht also eine geordnete Insolvenz aus. Sie mögen mich einen unverbesserlichen, ideologisch verblendeten, fanatisierten Griechen nennen, aber eins ist inzwischen allen aufgegangen. DAS hätten die Griechen auch ohne „Hilfsschulden“ hingekriegt. Denn das lateinische „credere“ glauben, vertrauen anvertrauen hat nichts mit diesen von der EU aufgezwungenen Zwangsanleihen zu tun. Die Menschen und die Politik durchleben zurzeit den 2. Weltkrieg noch einmal.

    Wann werden wir begreifen, dass angebotene Hilfe von Fremden immer vor allem in dessen Interesse sein wird. Hilfe nimmt man entweder von Unbeteiligten an, die nicht auf dem gleichen Markt konkurrieren. Oder von der eigenen Familie. Es war falsch unsere Eliten vor aller Welt vorzuführen. So etwas zeigt Schwäche und wird immer missbraucht. Wir hätten sie überreden müssen, uns zu helfen, anstatt unkontrolliert auf sie einzuschlagen. Europa wird im Eigeninteresse nicht helfen, die Gelder der gr. Eliten aus ihren Ländern zurückzuholen.

    Europa plant jetzt den Alterspeak der Arbeitlosenwelle (15-24) abzuschöpfen. Die großen Industrienationen legen zurzeit Arbeitsprogramme auf, um einen Strom von akademischen Wanderarbeitern in Gang zu setzen. Unbemerkt haben sich schon Vermittler für Ärzte, die von Krankenhaus zu Krankenhaus tingeln, um eingesparte Speziallisten kurzfristig zu ersetzen, in der EU etabliert. Ihre griechischen Kollegen sollen jetzt die Preise drücken.

    Die Statistik verrät, dass in GR zurzeit nur jeder 3. arbeitet. Das ist unseren Partnern immer noch zu viel. Schließlich rüstet ja die EU zum Kampf gegen Asien. Da reicht es, wenn die Besten arbeiten und die sollen ins Zentrum unseres Kampfsterns, nämlich nördlich der Alpen. Um wendiger zu sein, wird dann die Peripherie abgeworfen.

  4. HJM
    15. Februar 2013, 19:36 | #4

    All dies ist traurig, dramatisch und beschämend. Es muss aber wie bei GR-Block nicht gleich wieder zu der griechischen Spezialität, die „Verschwörungstheorie“ heißt, führen. Zudem ist es höchst erstaunlich, daß in diesem Beitrag von „Eliten“ mehrfach die Rede ist. Wer bitte soll das sein oder gewesen sein?

  5. Ingrid
    15. Februar 2013, 21:50 | #5

    @HJM. Da muss ich Ihnen beipflichten.
    Vor 22 Jahren bei einem Besuch bei der Deutsch-Griechischen Industrie- und Handelskammer sagte mir ein Professor der Betriebswirtschaft: „Wenn man in das griechische Wirtschaftssystem nur einen Funken Logik wirft, faellt alles zusammen, wie ein Kartenhaus.“
    Und genau das passiert gerade.
    Als Griechenland der EU beitrat sind immer wieder EU-Gelder geflossen. Man haette viel, sehr viel damit machen koennen. Aber der griechische Staat war nur damit beschaeftigt, soviel Gelder, wie moeglich verschwinden zu lassen. Jeder, der irgendwie konnte, hat sich bedient. Es war ja auch so einfach.
    Ein Kredit folgte dem anderen und alle kauften auf Kredit.
    Und jetzt wird der Schuldige gesucht. Und schuldig sind immer die anderen. Wieso eigendlich??

  6. Kostantinos
    16. Februar 2013, 00:30 | #6

    Sehr traurig ist das. Da hat die EU uns hingeführt, so wird es früher oder später in jedem EU-Land aussehen. Dann ist es soweit und die Leute dürfen für einen Krümel Brot arbeiten gehen.

    @ GR-Block

    Meiner Meinung nach ist der Dritte Weltkrieg schon voll im Gange. Nur werden die Länder nicht mehr mit Militär erobert, sie werden einfach nur aufgekauft. Still und hinter verschlossenen Türen, wird gekämpft und mit Kapital wird erobert.

  7. LiFe
    16. Februar 2013, 01:32 | #7

    @ Konstantinos

    Es haben viele Länder Fehler gemacht. Wir haben Probleme in Amerika, Europa sowieso, im Nahen Osten und in Asien. Ein kleiner Junge in Syrien, 7 Jahre? weinte: „Wir haben unsere Schule verloren.“ Wie wir alle heil rauskommen ist die Frage.

  8. GR-Block
    16. Februar 2013, 02:22 | #8

    @Ingrid
    Fördergelder haben immer das Problem, dass fast alle Leute sie als verlorenes Geld betrachten – bis auf diejenigen, die sie erhalten. Meine Erfahrung in GR ist leider, das man sehr neidisch auf Fördergelder reagiert. Fast jeder meiner Wissenschaftlerkollegen wußte zu erzählen, dass seine Kollegen (Konkurrenten) die Gelder nur „aufgefresen“ hätten ohne ein Ergebnis zu liefern. So etwas würden wir in D niemals erzählen, weil es juristisch nicht haltbar ist und weil wir nicht unseren Berufsstand schädigen wollen. Nicht so in GR. Nestbeschmutzen und verbrannte Erde ist nicht nur seit der Krise ein Volkssport.

    Trotz vielfacher Wiederholung läßt sich statistisch keine Verschwendung der Bevölkerung nachweisen. Weder Privathaushalte noch Unternehmen / Selbständige hatten übermäßige Kredite aufgenommen. Nicht einmal die Banken haben hier Mist gebaut. Das ist anders als in Spanien und Portugal. In GR hat nur der Staat unkontrolliert ausländische Aufträge erteilt. Deshalb sind mit den ersten Anzeichen des Zusammenbruchs sofort „Rettungstruppen“ just von den Auftragsnehmerländern zusammengestellt worden. Dazu braucht es keine Verschwörung und keine solche Theorie. An der Art der Sparmaßnahmen, die sie auferlegten, erkennt man sofort ihren Interessenskonflikt. Selbst wenn sie gewollt hätten, konnten die 4 Vertreter von Task Force und Troika Athen nicht raten, die Löhne zu stützen und die Staatseinkäufe im Ausland zu reduzieren.

  9. Mark
    16. Februar 2013, 09:31 | #9

    @Kostantinos
    Die EU hat Griechenland nicht geführt sondern LEIDER gewähren lassen. Korruption und Vetternwirtschaft sind seit Staatsgründung Griechenlands ein treuer Begleiter. Leider wurden diese Mittel von PASOK und ND massiv genutzt um Ihre Macht aufzubauen und zu festigen. Die Griechen in Ihrer Ablehnung aller demokratischen Grundregeln haben das in Ihrer Mehrheit gutgeheißen den jeder dachte das der andere die Rechnung bezahlt und man selbst nur den Vorteil daraus zieht.
    Freiheit ohne Verantwortung gibt es nicht. Fast jeder Grieche ist für diese Lage mitverantwortlich. Fast 30 Jahre lang wurden Pasok/ND mit 80% Stimmenanteil gewählt.

  10. Mark
    16. Februar 2013, 09:57 | #10

    @ GR-Block
    Sie schreiben „Weder Privathaushalte noch Unternehmen / Selbständige hatten übermäßige Kredite aufgenommen“ . Das ist im Falle Griechenlands durchaus korrekt. Die Privatverschuldung gemeßen am BIP war die niedrigste im €-Raum.
    Doch damit „In GR hat nur der Staat unkontrolliert ausländische Aufträge erteilt“ haben Sie leider unrecht. Der Staat in Griechenland hat einfach mit Krediten den öffentlichen Dienst ausgebaut OHNE den Staat in seiner Funktion zu verbessern. Er hat die Gehälter der Staatsangestellten massiv erhöht ohne Rücksicht auf die Kassenlage und desweiteren hat er massiv die Renten erhöht.
    Kein wunder das es alle prächtig ging. Es gab Nachfrage ohne ende, nur leider keine Produktion. Systematisch wurde jedes Unternehmen aus dem Land gejagt und ausländische Investitionen wurden möglichst abgewürgt.
    Wenn ich mir die Zahlen und Strukturen von GR – IRL – P – SP anschaue dann wird Sofort klar das GR als einziges dieser Länder nicht wieder auf die Beine kommen wird. Jedes der anderen Länder hat zumindest eine Basis von der aus es sich aus dem Mist herausarbeiten kann. Diese fehlt in GR jedoch komplett.
    – Kein funktionierender Staat ( Rechtstaatlichkeit sieht anders aus)
    – Stark alternde Bevölkerung mit immer noch viel zu hohen Renten
    – Sehr schlechtes und sehr teures Bildungssystem
    – Gewalt ist mittel der Wahl um politische/monetäre Forderungen durchzusetzen
    – Exportfirmen sind äußerst schwach, da nicht Konkurrenzfähig
    – Äußerst teures und ebenfalls schlechtes Gesundheitssystem
    – Das totale fehlen einer Nationalen Elite – Es gibt in GR nur partikularinteressen die mit äußerste Brutalität durchgestzt werden. Kompromisse schließt man nicht. Der schwächere wird aus dem weg geräumt.

    Mein Fazit ist ganz einfach, als einziges dieser Länder werden die Griechen es aus eigener Kraft nicht schaffen, den Sie haben kein Interesse es zu schaffen. Die Einstellung fehlt, man müsste ja über sich selbst nachdenken und selbstkritisch sein und das geht dem modernen Griechen leider gegen den strich.
    Meine einzige Hoffnung besteht in der Tatsache das die Troika in den Banken Aufseher installiert hat die die Kreditvergabe überwachen. Hoffentlich werden diese Aufseher keine Kredite an die Korrupten Seilschaften der Politik und Gewerkschaften vergeben. Aus der Geldnot heraus werden sich dann vielleicht einige dieser Mächtigen bewegen.

  11. Ottfried Storz
    16. Februar 2013, 11:50 | #11

    @GR-Block:
    Zu „Fast jeder meiner Wissenschaftlerkollegen“ & „Trotz vielfacher Wiederholung läßt sich statistisch keine Verschwendung der Bevölkerung nachweisen“ & „In GR hat nur der Staat unkontrolliert ausländische Aufträge erteilt.“:
    In welchem Verschwörungstheorie-Elfenbeinturm ohne Aussenwelt-Kontakt leben Sie ?!?

    Angeblich Wissenschaftler, aber keine Kenntnis davon, dass Griechenland nach OECD-Erhebungen die mit Abstand ineffektivste und aufbeblähteste Verwaltung und halbstaatliche Unternehmen hat ?
    Das Griechenland innerhalb aller 25 EU-Staaten am korruptesten ist und fast jeder öffentliche Job nach Parteibuch und Klientel vergeben wurde und jeder Bauauftrag an griechische Unternehmen durch Bestechungsgelder ?
    Keine Verschwendung & angeblich „alles böse durch Auslandsverträge“ auch beim nach weltweitem PISA-Test extrem ineffizienten Schulsystem, wo Schüler ohne langjährige kosten- und zeitraubende ZUSATZ-Abendschulen nicht studieren können ?

  12. GR-Block
    16. Februar 2013, 12:18 | #12

    @Kostantinos
    Die EWG wurde seinerseits auf betreiben der Siegermächte von der europäischen Privatindustrie eingerichtet. Politisch ging es, um den organisierten Wiederaufbau der ehemaligen Kriegsgegner. Da Politiker und Völker offensichtlich versagt hatten, schien die Industrie als „unverdächtiger“ Dritter geeignet zu sein. Weil dies fast unbehelligt von den Wählern passierte, besteht auch heute noch das Brüsseler Parlament im Wesentlichen aus Industrielobbys.
    Die Regisseure des Films „The Brussels Business“ Moser und Lietaert schätzen, dass dort die Industrielobbys heute noch 50mal mehr vertreten sind als andere soziale Gruppen. Selbst wenn diese Zahl übertrieben erscheint, ist vermutlich deren Anteil signifikant höher als in den nationalen Parlamenten. Hier zeigt sich, dass deren Zusammensetzungen strenger durch das Volk kontrolliert wird. EU-Wahlen haben erst seit dem EURO eine gewisses Interesse bei den Völkern geweckt.
    Der Krieg, der hier ausgetragen wird, ist nicht mehr national. Es gibt nur das eine oder andere Volk, das das nicht zu verstehen scheint. Es ist eine EU-Variante des Kampfes zwischen Konzernen und Völkern. Dazu braucht es keine Marx’sche Klassentheorie. Es ist betriebswirtschaftliche Notwendigkeit, was hier passiert. Auch ist es nicht neu, dass bei Massenentlassungen manche, ängstliche wegen des Erhaltes ihres Arbeitsplatzes, sich als Streikbrecher betätigen. Die Nationalität in diesem Krieg spielt nur hier noch eine untergeordnete Rolle. Entlassene und Streikbrecher gehören zurzeit noch verschiedenen Ländern der EU an. Das wird sich aber ändern.

  13. Ingrid
    16. Februar 2013, 14:54 | #13

    @Gr_Block
    Foerdergelder betrachte ich keineswegs als „verlorenes Geld“!
    Im Gegenteil. Aber wenn Gelder fuer einen bestimmten Zweck angewiesen werden, das Geld irgendwo verschwinded, das Projekt nicht fertiggestellt wird – dann ist es verloren.
    Wenn Gelder zur Firmengruendung gezahlt werden, ein Rohbau hingestellt wird und der angebliche Betreiber verschwindet – dann ist es verloren.
    Dass Griechenland sparen muss – ist klar. Aber eigendlich doch nur im aufgeblasenen Staatsapparat, der zudem die Privatwirtschaft blockiert, weil das vor der Krise bezahlte Gehalt nicht reichte. Nein, es wurde durch Schiergelder aufgebessert.
    Die Troika sieht nur die Statistik, das reale Leben in Griechenland ist den Herren genauso fremd, wie allen Aussenstehenden.

  14. Ingrid
    16. Februar 2013, 16:22 | #14

    @Mark
    Vielen Dank! Endlich jamand, der es auf den Punkt bringt. UND mir aus der Seele spricht.
    Wenn dann noch ein Staat wie Griechenland jeden Jugendlichen, der das 18. Lebensjahr erreicht hat, mit 3.000 Euro fiktiven Einkommen zur Einkommenssteuer verpflichtet, obwohl 60 % der Jugend arbeitslos ist, dann hat das mit Demokratie und Freiheit wirklich nichts mehr zu tun.
    Und die Griechen sagten bisher immer, was sollen wir tun, so ist es! Sie haben den Staat, das System, die Syndikate in Griechenland gewaehren lassen. Bequem wars und so sollte es bis in alle Ewigkeit weitergehen. Deshalb frage ich ja immer wieder – wieso sucht man die Schuld immer bei Anderen!

  15. HJM
    16. Februar 2013, 18:39 | #15

    Ich staune über manche Beiträge, insbesondere über GR-Block. Was soll eigentlich das Wort „Verschwendung“? Über „Verschwendung“ durch den griechischen Staat ließe sich wahrhaftig einiges sagen. Aber Privatpersonen? Oder Kleinunternehmer? Die haben nichts „verschwendet“, aber sie haben sich in übergroßer Zahl v e r s c h u l d e t. Und können mittlerweile die Schulden nicht mehr bedienen. Geschweige denn Steuern zahlen, Steuern, die mittlerweile -neues anderes Extrem- in einer Art und Weise erfunden und durch das Parlament gewinkt werden, daß es jeden vernünftigen Menschen schaudert. Das berühmte „fiktive“ Einkommen. Klar, jahrzehntelang wurde nur ein Bruchteil der tatsächlichen Einkünfte versteuert, jetzt kommt die (völlig überzogene) Gegenreaktion. Aber das wird nicht funktionieren. Es wird auf eine Transferunion hinauslaufen (müssen). Und die wird niemandem schmecken ….

  16. GR-Block
    16. Februar 2013, 19:11 | #16

    @Mark
    Ich widerspreche in dem Punkt der überhöhten Gehälter der Staatsangestellten.

    Seit Ende der ’90ern hat GR tatsächlich die Löhne stark angehoben. Dies war aber nur möglich, weil diese im EU-Durchschnitt weit unten waren. Hätte man dies nicht getan, dann wäre mit dem EURO ein wesentlicher Bevölkerungsteil unter die Armutsgrenze gerutscht. Weder die absolute Zahl der Staatsangestellten noch deren Gehälter sind übertrieben oder erklären die Krise. Das Argument der übermäßigen prozentualen Steigerung ist aus den Tarifverhandlungen jener Zeit schon lange bekannt, war aber schon damals schwach.

    Sehr wohl aber bstätige ich Ihre anderen Argumente. Die Privatwirtschaft hat nach und nach seit dem Binnenmarkt den Boden unter den Füßen verloren. Einzig hier liegt die Schuld Griechenlands, das heißt der Athener Politik. Lobbyisten nicht-griechischer Unternehmen haben sich ein wenig zu sehr nach vorne gedrängt. Bis die Steuereinahmen absackten und das ganze Finanzierungssystem kippte.
    Natürlich kann man Brüsseler Lobbyisten keinen Vorwurf machen. Ihre Athener Kollegen hätten ein wenig auch an ihr eigenes Volk denken müssen. Sie hätten verlangen müssen, das Industrien, die in GR verkaufen gefälligst einen größeren Teil der Produktion vorort durchführen. Der griechische Kapitalist degenerierte zum Lieferanten und Verkäufer für europäische Konzerne. Er wurde dabei immer noch reich, brauchte aber dafür keine qualifizierten Mitarbeiter mehr, nur noch Verkäufer. Der hohe griechische Akademiker-Stand verdingte sich folglich als Nachhilfelehrer in Privatschulen und jobbte in der Sommersaison im Tourismus (noch bevor die Zuwanderer kamen).

    Wenn GR die neuen Zwangsanleihen nicht zur Generierung hochbezahlter Jobs verwendet, um Konsum und Steuereinnahmen zu generieren, dann werden diese Gelder verpuffen. Nationales Interesse ist, Arbeitsplätze nördlich der Alpen abzubauen, um solche in GR zu etablieren. Das kann man nicht MIT den Freunden machen, sondern GEGEN sie. Jeder Versuch „neue“ Märkte zu erschließen, wird schief gehen. Das sollen die reichen Länder machen. Klassische Märkte zunächst auf dem nationalen dann auf den europäischen Märkten sind das Ziel. Die muss man zurückerobern.

  17. Kostantinos
    17. Februar 2013, 15:01 | #17

    @ Mark

    Das die Regierung in Griechenland und auch ein Teil der Bevölkerung, es selbst zu verantworten hat, was dort geschehen ist und dass es so Bergab ging, damit stimme ich voll überein.
    Dennoch ist eine Mitschuld der EU nicht von der Hand zu weisen. Nicht nur das sie haben gewähren lassen, schon bei der Aufnahme in die EU wurden alle Augen zugedrückt, als ob keiner gewußt hätte, das Griecheland bei weitem nicht soweit war, in die EU aufgenommen zu werden. Die Schuld der ganzen Misere liegt an Griechenland selbt.
    Jedoch ist es auch nicht zu ignorieren, das wider besseren Wissens, das ganze Land systematisch wirtschaftlich zerstört wird. Und das haben EU und deren Troika mit zu verantworten. Wobei auch hier wieder die Politiker in GR, hätten anders handeln können.

  18. Apotheker
    17. Februar 2013, 16:45 | #18

    Siemens- bzw. Christoforakos-Skandal allein macht die Haelfte der Summe der gr-Schulden aus. Vom restlichen Olympia 2004 Schwachsinn gar nicht rumzureden. Ach, die U-Boote und die Siemens-ΟΣΕ (gr Bahn) hätte ich beinah vergessen. Ob das keine dtgr Verschwoerung ist?

  19. Ingrid
    18. Februar 2013, 18:21 | #19

    Bevor ein einziges Gehalt der Staatsbediensteten gekuerzt wurde, durften laut Gesetz im privaten Sektor Arbeiter fristlos gekuendigt werden. Sofort wurden auch die Loehne im Privatsektor gekuerzt. Die Firmenchefs nutzten die Gelegenheit noch mehr zu verdienen, denn die Preise wurden nicht gesenkt.
    Jetzt jammern die Staatsdiener und davon gibt es jede Menge.
    Wenn man heute zur OGA (Sozialversicherung fuer Bauern) kommt, sitzen drei Mann im Buero unterhalten sich privat, der zustaendige Beamte hoert nicht mal richtig zu.
    Man moechte eine gesetzliche Krankenversicherung, er sagt das dauert Monate, bis die Papiere ausgehaendigt werden koennen, es gibt SEHR VIEL ARBEIT.
    Welche Arbeit? Privatunterhaltung und Kaffee trinken.
    Moechte man sich beschweren, wird einfach nicht mehr zugehoert. Und jedes zweite Wort ist Krise. Aber sorry, das war vor der Krise nicht anders.

  20. Mark
    18. Februar 2013, 18:25 | #20

    @Apotheker
    Sie schreiben: „Siemens- bzw. Christoforakos-Skandal allein macht die Haelfte der Summe der gr-Schulden aus“

    Da hätte aber Griechenland der Hauptumsatzträger von Siemens sein müssen. War es aber nie.
    Schauen Sie sich bitte die Zahlen des Griechischen Staatbudgets an. Sie werden sehen das die Hauptbestandteile, Gehälter, Renten und Zinszahlungen sind.
    Es gibt keine Verschwörungen es gibt Interessen und Lobbyarbeit.

  21. Ingrid
    19. Februar 2013, 17:27 | #21

    Was macht ein Bewohner Griechenlands, der in der Krise entlassen wurde, weil er unbequem wurde. Der seit 2 Jahren keine sonzialversicherungspflichtige Arbeit mehr findet. Der keine Unterstuetzung bekommt, aber Steuern zahlen soll.
    Das Land verlassen? Waere eigendlich logisch, da er kein Grieche ist.
    Nein. Er macht sich selbstaendig und versucht seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen.
    Wenn das alle machen wuerden, anstatt zu jammern, koennte man vielleicht bald etwas Positives aus Griechenland berichten.
    Allerdings nur, wenn die Staatsreformen weiter vorangetrieben werden und das Land eine Chance bietet fuer seine Buerger.

  22. Tergum
    27. Februar 2013, 11:57 | #22

    Wie wird die griechische Jugendarbeitslosigkeit tatsächlich berechnet? 60% ist derart hoch, dass man diese Zahl näher erläutern müsste. Ich könnte mir vorstellen, dass von den 15 bis 24 jährigen die nicht zur Schule gehen, nicht studieren, tatsächlich bei 60% liegt, aber damit ist nicht die Gesamtheit dieser Altersgruppe zu 60% arbeitslos, sondern „nur“ ein kleiner Teil.

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