Die Matadore der Steuerhinterziehung in Griechenland

27. Februar 2013 / Aktualisiert: 12. August 2017 / Aufrufe: 1.255

Die Meister der Steuerhinterziehung in Griechenland waren 2009 laut einer Untersuchung der Universität von Chicago Buchhalter, Finanzmakler und Juristen.

Mehr als 50% der jährlichen Einnahmen des Staates scheinen griechische Steuerpflichtige 2009 verborgen zu haben, da der Gesamtbetrag der Einkommen, die laut den Ergebnissen einer Untersuchung der Universität von Chicago nicht deklariert wurden, sich auf ungefähr 28 Milliarden Euro beläuft. Dies führt zu jährliche Einnahmeverlusten für den Staat von über 11 Mrd. Euro – also etwa so viel wie das Volumen des Ende 2012 verabschiedeten Maßnahmenpakets des letzten Memorandums betrug.

Als Champions hinsichtlich der absoluten Beträge, die nicht dem Finanzamt deklariert worden sind, erscheinen die Ärzte, die laut der Untersuchung dem Finanzamt im Durchschnitt ein Einkommen von 29.944 Euro verheimlichten, gefolgt von den Ingenieuren / Architekten mit 28.625 Euro, den Lehrern mit 24.742 und den Buchhaltern / Steuerberater mit 24.573 Euro.

Monatliche Kreditraten übersteigen deklarierte Einkommen

Wie aus der Gegenüberstellung der durchschnittlich deklarierten Monatseinkommen und der jeweiligen monatlichen Aufwendungen zur Bedienung von Krediten hervorgeht, übersteigen letztere in einigen Berufsgruppen sogar das „offizielle“ Einkommen.

Deklariertes Monatseinkommen (Euro) Monatliche Raten an Banken (Euro)
Handwerker 1.731 1.607
Handel 1.640 1.758
Ärzte, Kliniken 1.628 1.660
Rechtsanwälte 1.558 1.647
Ingenieure 1.511 1.264
Buchhalter, Finanzmakler 1.479 1.701
Spediteure / Transportwesen 1.412 1.424
Medizinische Leistungen, Apotheker 1.394 1.301
Journalisten, Künstler 1.351 1.064
Sonstige Freiberufler / Selbständige 1.333 1.066
Hoteliers, Restaurantinhaber 1.234 1.305
Lehrer 1.214 1.099
Unternehmensberater 1.200 825
Konstruktionssektor 1.128 719
Landwirte 984 538
Durchschnitt 1.289 1.057

Diese mit der – bereits im Herbst 2012 präsentierten – in Rede stehenden Studie publizierten Daten sind tatsächlich enthüllend, weil in den Fällen der Buchhalter, Ärzte, Rechtsanwälte, Hoteliers, Restaurantinhaber, Kaufleute und Spediteure hervorgeht, dass die monatlichen Raten der Kredite höher als ihre „realen“ (sprich dem Finanzamt gemeldeten) monatlichen Einkommen liegen. Es verbleibt ihnen also nicht nur kein Geld um leben zu können, aber sie werden sich sogar Geld „leihen“ müssen um ihre Kredite zu bedienen (!).

Fast 80% der Buchhalter, Finanzmakler und Juristen hinterziehen Steuern

Zur Bestimmung des nicht deklarierten Einkommens der Freiberufler / Selbständigen sammelten die Forscher Daten von einer großen Bank, die sich auf Kredite jeder Natur beziehen, welche die Bank allen Freiberuflern / Selbständigen erteilte. Danach und mit der Tatsache als gegeben, dass die Banken die Politik der Kreditvergabe gegenüber den Freiberuflern nicht auf Basis ihres deklarierten Einkommens, aber in Einschätzung ihres realen Einkommens gestaltet, schätzen sie ab, wie hoch das reale Einkommen der Selbständigen sein muss, um das Niveau der erteilten Kredite stützen zu können.

Nach Branche differenziert werden die höchsten Anteile der Steuerhinterziehung bei den Buchhaltungs- und Finanzdienstleistungen mit 78,92% verzeichnet, dicht gefolgt von den juristischen Dienstleistungen mit 78,79%. Weitere Einzelheiten zu den Ergebnissen der Studie bietet der Beitrag Champions der Steuerhinterziehung in Griechenland.

(Quelle: To Vima)

  1. Evangelia Chalkida
    1. März 2013, 18:42 | #1

    Diese Erfahrung habe ich mit einem Rechtsanwalt gemacht. Ich bekam von meinem Eltern ein Grundstück was nicht im Grundbuch eingetragen war. Der Rechtsanwalt versprach mir dieses zu tun. Es hat drei Jahre gedauert und nur weil ich mich an die Rechtsanwaltkammer gewendet habe hat er endlich es zu ende gebracht. Er hat von mir insgesammt 2.300,- € bekommen,ohne eine Rechnung aus zu stellen. Ich habe inzwischen Anzeige erstattet an das örtliche Finanzamt und an die Stattsanwaltschaft. Bin gespannt was daraus wird. Sie werden warscheinlich fragen wieso ich so lange gewartet habe? Ich habe gehofft und gewusst, dass die anderen auch nicht besser arbeiten bzw. auch koruppt sind.

  2. Team
    1. März 2013, 19:25 | #2

    @Evangelia Chalkida
    Reicht das jetzt oder sollen wir ein Template einrichten, damit der selbe Kommentar per Klick auch zu allen übrigen Artikeln gepostet werden kann?

  3. Kostantinos
    16. Mai 2013, 19:37 | #3

    Kann mir mal einer erklären wie die Forscher zu den Daten gelangt sind? Einfach mal kurz bei der Bank nachfragen wie hoch Einkommen und Kreditraten sind und dann noch beim Finanzamt die Auskunft erhalten wie hoch das Einkommen dort deklariert wurde.

    @ Evangelia Chaldika

    Ich habe gute und schlechte Erfahrungen mit Anwälten in Griechenland gemacht. Nicht alle sind gleich und nicht alle sind korrupt.

  4. Wildkatze
    5. August 2013, 18:17 | #4

    Wird hier evtl. Einkommen mit Umsatz verwechselt? Ein Einkommen bleibt nach Abzug der Verbindlichkeiten. So ist es durchaus möglich, dass ein Selbständiger (Arzt, Apotheker etc.) für sich selbst aus seiner unternehmerischen Tätigkeit ein Einkommen errechnet, dass niedriger ist als die (aus dem Umsatz) bezahlten Kreditraten und / oder Hypo-Zinsen.

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