Ärzte in Griechenland wegen Bestechung und Steuerhinterziehung verhaftet

22. Februar 2013 / Aktualisiert: 31. März 2018 / Aufrufe: 1.358

In Griechenland wurden erneut Ärzte wegen der Entgegennahme eines sogenannten Fakelaki – sprich passiver Bestechung – und Steuerhinterziehung verhaftet.

Von der Wirtschaftspolizei und dem Dezernat für interne Angelegenheiten Nordgriechenland wurden zwei Ärzte in Athen und einer nordgriechischen Stadt wegen Steuerhinterziehung und Verletzung der Steuergesetzgebung sowie auch wegen Entgegennahme sogenannter „Fakelaki“ (Plural: Fakelakia, Synonym für Umschlag mit Geld, Schmiergeld) festgenommen.

Wie die griechische Polizei (ELAS) bekannt gab, wurde im ersten Fall am Dienstagmorgen (19 Februar 2013) ein 60-jähriger Chirurg und Arzt einer privaten Therapieeinrichtung, der auch eine Praxis in Athen betreibt, nach einer über die spezielle Rufnummer 11012 erfolgte Anzeige verhaftet, wonach er einen Patienten operiert und dafür Geld erhalten hatte, ohne jedoch eine entsprechende Quittung über den gesamten Betrag seines Honorars auszustellen.

Quittung über 150 Euro für Honorar von 1.800 Euro

Im Rahmen der Untersuchung der einschlägigen Anzeige ergab sich bei einer Kontrolle in der privaten Therapieeinrichtung, aber auch in der von dem konkreten Arzt betriebenen Praxis, dass der 60-Jährige in der Vergangenheit Operationen bei zwei Patienten durchgeführt und für jeden Fall 1.800 Euro erhalten hatte, die von ihm ausgestellten Quittungen lauteten jedoch jeweils auf nur 150 Euro.

Der verhaftete Arzt wurde der Staatsanwaltschaft des Strafgerichts Athen vorgeführt. Parallel wird die zuständige DOY zur Verhängung auch der entsprechenden Sanktionen informiert.

Im zweiten Fall wurde am Dienstagnachmittag(19 Februar 2013) eine 50-jähriger Chirurg – Orthopäde und Leiter einer Orthopädie-Klinik verhaftet, zu dessen Lasten eine Schnellgerichtsverfahren wegen passiver Bestechung eingeleitet wurde. Vorhergegangen war die Anzeige eines Mannes, wonach für einen bei seiner Mutter jüngst vorgenommenen chirurgischen Eingriff der 50-jährige Chirurg – Orthopäde 400 Euro verlangte.

Am Dienstagnachmittag (19 Februar 2013) wurde bei einem vereinbarten Treffen im Büro des Krankenhauses der Arzt von Beamten des Dezernats für interne Angelegenheiten verhaftet, nachdem er vorher den Geldbetrag in vorgemerkten Geldscheinen entgegennahm, die in seinem Besitz gefunden wurden. Der verhaftete Arzt wurde dem zuständigen Staatsanwalt vorgeführt.

Arzt an Patienten: Anstatt Wein bring mir 400 Euro!

Weiter wurde Informationen zufolge ein Arzt der orthopädischen Klinik im Krankenhaus von Kilkis wegen der Entgegennahme eines „Fakelaki“ festgenommen. Die Verhaftung erfolgte von Beamten der Abteilung für interne Angelegenheiten der Kriminalpolizei Thessaloniki nach Anzeige eines Bürgers, von dessen Mutter ein „Fakelaki“ für eine Operation verlangt wurde, der sie unterzogen worden war.

Laut seiner Anzeige an die Polizei besuchte der Mann in einem Versuch, sich bei dem Arzt zu bedanken, diesen in dessen Büro und überreichte im zwei Flaschen Wein. Der Arzt beschied ihm daraufhin, er wolle nicht den Wein, sondern 400 Euro. Der Mann widersprach nicht und vereinbarte dagegen einen Termin mit dem Arzt, um ihm das Geld zu bringen. Der Mann begab sich jedoch in Abstimmung mit der Polizei mit dem Geld in das Büro des Arztes. Kaum hatte der Arzt die Geldscheine angenommen, legten die Polizeibeamten ihm Handschellen an.

8 Monate Haft auf Bewährung für Kinderchirurgen wegen „Fakelaki“!

Eine auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe verhängte in zweiter Instanz das Oberlandgericht Thessaloniki gegen einen Kinderchirurgen, der ein „Fakelaki“ mit 400 von einer Mutter Euro angesichts eines chirurgischen Eingriffs nahm, dem er deren minderjähriges Kind unterziehen sollte. Der heute pensionierte Arzt, der sich vor Gericht durch einen bevollmächtigten rechtsanwalt vertreten ließ, wurde der passiven Bestechung für schuldig befunden.

Der Vorfall ereignete sich im Februar 2007 im Krankenhaus Papageorgiou in Thessaloniki. Der minderjährige Junge hatte sich mit seiner Mutter von Larissa nach Thessaloniki begeben um einer Phimose-Operation unterzogen zu werden. Einen Tag vor dem Eingriff fragte die Mutter den Arzt – damals Direktor der Klinik für Kinderchirurgie des Papageorgiou -, was sie ihm anbieten könnte, und der Beklagte antwortete „äußerst gnädig“ 400 Euro. Der Fall wurde nach einer internen Untersuchung des Krankenhauses aufgedeckt.

Das erstinstanzliche Gericht hatte den Arzt zu einer auf Bewährung ausgesetzten Haftstrafe von zehn Monaten verurteilt. Der Beklagte hatte damals von einer „gezinkten Sache“ gesprochen und behauptet, ihm sei „aus Gründen der Revanche von der Verwaltung des Krankenhauses eine Falle gestellt worden„.

Anzeigen per Hotline und E-Mail

Von Seite der Polizei wird daran erinnert, dass über die spezielle landesweite Rufnummer 11012 oder die E-Mailadressen 11012@hellenicpolice.gr und financialpolice@hellenicpolice.gr der Wirtschaftspolizei die Bürger anonym oder auch nicht Kontakt aufnehmen können, um Informationen bereitzustellen oder rechtswidrige und strafbare Handlungen anzuzeigen.

Ebenfalls wird in Erinnerung gerufen, dass die Dienststelle für interne Angelegenheiten für Untersuchung, Aufklärung und Verfolgung von Korruptionsfällen sowohl im Bereich der griechischen Polizei als auch auf dem weiteren öffentlichen Sektor zuständig ist. Zur Anzeige entsprechender Fälle können die Bürger sich rund um die Uhr an die Rufnummer 210 – 8779700 wenden.

(Quelle: in.gr, ProtoThema.gr, E-Typos.com)

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  1. Juza46
    23. Juni 2013, 14:05 | #1

    Alle diese Beiträge zu lesen, tut weh. Vergesst nicht, das ihr das alles eurer politischen Klasse zu verdanken habt. Und, behaltet den Kopf oben!

  2. kaldyk
    28. Januar 2015, 11:17 | #2

    Ich kann nur gutes aus griechenland berichten. Man hat mir in larissa das leben gerettet. Im jahre 2008 riss mir die aorta und wurde notoperiet. Ohne fakelaki. War 2 wochen im künstichen koma. Anschliessend bin ich von saloniki mit einem ambulanz flugzeug nach berlin gebracht worden. Ich danke den ärzten und chirugen in der uniklink von larissa. Danke

  3. GR-Block
    28. Januar 2015, 13:03 | #3

    Immer wenn ich mit meiner Familie in GR einen Arzt brauchte, wurden wir kostenfrei versorgt. Es wurde immer nur nach der Gesundheitskarte gefragt. Oft musste diese aber nicht einmal vorgezeigt werden. Die Erstversorgung im Krankenhaus oder bei den zahlreichen Gesundheitszentren ist kostenlos. Bei uns gehörte dazu: 2 Tage am Tropf, Nähen einer Platzwunde, Entfernen eines abgelösten Fußnagels … Nie hatten wir IGEL-Leistungen in Anspruch nehmen müssen. Das galt übrigens auch für meine deutschen Freundinnen (vor der Ehe).
    Auch betagte Freunde und Verwandte in GR, die wegen Arterienerweiterung, Hüftprothese, Krebsoperationen … im Krankenhaus waren, berichten, dass sie nichts zusätzlich bezahlen mussten. Leider neigt der Grieche dazu seine politische Kritik mit viel „σάλτσα“ zu würzen, um seiner Meinung Gehör zu verschaffen. Wie viele IGEL-Leistungen bezahlt werden und wie viele davon illegal sind weiß die Statistik, nicht der Volksmund.

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