Immobilienkrise in Griechenland kostet Eigentümer das halbe Vermögen

14. Januar 2013 / Aktualisiert: 28. September 2017 / Aufrufe: 10.689

Obwohl zahllose Eigentümer von Immobilien in Griechenland bereits die Hälfte ihres Vermögens einbüßten, setzt sich die Talfahrt der Immobilienpreise ungebremst fort.

Das Gespenst der zigtausend an der Börse „eingeschlossenen“ Investoren, die immense Vermögen verloren, kehrt zurück, diesmal jedoch auf dem Immobilienmarkt. Der Wertverlust des Immobilienvermögens innerhalb von 5 – 6 Jahren ist dermaßen groß, dass die Verluste der Griechen nicht einmal mit denen des großen Krachs der Aktien in der Periode 2000 – 2001 verglichen werden können.

In den letzten 20 Jahren investierte die überwältigende Mehrheit der Bürger 85% ihres Vermögens in Immobilien und die restlichen 15% in Aktien, Obligation, Gold usw. Der Zusammenbruch der Handelspreise der Wohnungen fiel jedoch nicht mit der Wirtschaftskrise in Griechenland zusammen. Er begann schon ungefähr 3 Jahre früher und war für viele das erste Anzeichen für das, was kommen würde.

Es folgte das unabwendbare Zerplatzen der Blase auf dem Immobilienmarkt, die sich von 1998 bis einschließlich 2006 hielt und die Preise der Immobilien um sogar mehr als 150% in die Höhe trieb. Nach den Olympischen Spielen des Jahres 2004 und der herrschenden Euphorie (da die Rhythmen des Wachstums der Wirtschaft beeindruckend waren) wurden tausende Häuser gebaut, damit die imposante Nachfrage gedeckt wird.

Die Banken wiederum vergaben großzügig Kredite sogar auch an solche Kreditnehmer, welche die Voraussetzungen nicht erfüllten, was letztendlich die große Explosion der Preise zum Ergebnis hatte, da das Gesetz des Angebots und der Nachfrage zum Tragen kam.

Immobilien zu absurden Preisen in völlig unerschlossenen Lagen

Es wurden Häuser zu absurd hohen Preisen im Verhältnis zu dem Einkommen der Bürger gekauft und Gebiete hochgepusht, die nicht einmal im Geringsten die Vorgaben zur Schaffung von Vorstädten mit teuren Immobilien erfüllten. Beispielsweise wurden in allen östlichen Vorstadtbezirken und speziell im Mesogion-Tal tausende Häuser gebaut, die minimal 2.000 Euro/qm kosteten. Sie wurden jedoch errichtet, bevor überhaupt geeignete Infrastrukturen, Straßen, Kanalisierungen, abgeschlossene Bebauungspläne und Erschließungen existierten.

Die Preise der Grundstücke in den Vorstädten Athens schossen in die Höhe und überstiegen in vielen Fällen 1.000 Euro/qm, während das gebräuchliche „Gegenleistungssystem“ (= der Grundstückseigner tritt das Grundstück an den Bauherrn ab und erhält als Gegenleistung einen bestimmten Gebäudeanteil) wegen der Konkurrenz der Bauunternehmer um die „guten Stücke“ unglaublich teuer wurde. So erreichten in Attika die Unternehmer einen Punkt, sogar bis zu 70% des Gebäudes den Grundstückseigentümern abzugeben und gerade einmal 30% der Wohnungen für sich selbst zu behalten. Mit den Preisen in schwindelerregenden Höhen würde der Verkauf dieser Wohnungen trotzdem den übrigen Bau amortisieren, aber auch den Unternehmen einen ungeheuren Gewinn einbringen.

Anzahl der Immobilienverkäufe in Griechenland 2004 - 2012
Entwicklung der Anzahl der Immobilientransaktionen in Griechenland 2004 – 2012
(Die Angaben für 2011 und 2012 basieren auf Schätzungen)

Außerdem werden bei Baukosten von nicht über 1.200 Euro / qm einschließlich des Grundstücks und doppelt so hohen Verkaufspreisen die Gewinnspannen begreiflich. Charakteristisches Beispiel der auf morsche Fundamente gestützten „goldenen Epoche“ ist der Fall des Bezirks Kolonaki. In der teuersten Wohngegend Athens, dem Bezirk Kolonaki, lagen die Preise der Wohnungen zu Beginn der 90er Jahre bei 650 Euro pro Quadratmeter und schossen innerhalb eines Jahrzehnts – bis 2001 – in die Höhe. Konkret stiegen sie sogar auf bis zu über 3.000 Euro / qm, mit einem prozentualen Anstieg von über 375%.

Ab Mitte 2006 zeigten sich die ersten Anzeichen der Sättigung auf dem Immobilienmarkt und die Verkaufspreise der neu gebauten Häuser stabilisierten sich. In den beiden nächsten Jahren lagen die Rückgänge im einstelligen Prozentbereich, aber ab 2008 und nachfolgend begann der große Absturz.

Anzahl der Immobilienverkäufe in Griechenland 2004 - 2012
Wertentwicklung des gesamten Immobilienvermögens in Griechenland 1994 – 2010
(Beträge in Mrd. Euro)

Wenn man der jüngsten Erhebung des Investment-Hauses Fitch, aber auch den Einschätzungen der Marktexperten in Griechenland Glauben schenkt, sind die Preise seit 2008 bis zum dritten Quartal 2012 um ungefähr 25% gesunken, während ein weiterer Rückgang um 15% im Jahr 2013 und die Fortsetzung des Falls auch im Jahr 2014 erwartet wird, bis der Markt in etwa 2 Jahren ab heute seinen Tiefpunkt erreichen wird. Der Rückgang um bis zu 40% (wie auch aus der Tabelle auf der folgenden Seite ersichtlich wird) bezieht sich natürlich auf die Nennpreise und das Geld, das von den Eigentümern mittels der Inserate verlangt wird. Die Realität sieht anders aus, da die wenigen erfolgenden Transaktionen bei neuen Häusern zu sogar auch um über 50% reduzierten Preisen erfolgen.

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  1. germanos
    14. Januar 2013, 19:13 | #1

    Endlich einmal ein Artikel, der die wahren Gründe der griechischen Misere schildert. Jedem Grieche sein Appartement oder Maisonettewohnung am Meer. Ob er es bezahlen konnte ? Die Bank hatte doch Geld, und es ging doch auch aufwärts. Auch in Deutschland sind viele auf die Euphorie des Ostens hereingefallen und mussten dafür finanziell bluten. Die müssen auch heute noch teure Kredite für Wohnungen bezahlen, die nicht mehr diesen Wert haben oder nicht vermietet sind. Für die hatte man im Ausland auch nur Häme, nach dem Motto „selber schuld“.

  2. V99 %
    14. Januar 2013, 22:17 | #2

    Danke Admin!
    Ausgezeichneter Artikel, der Tief blicken lässt und damit eine weitere Entstehungsursache der Krise in GR verstehen hilft. Mal sehen wie diese Hintergruende schoen geredet werden 😀
    P.S. Im letzten Absatz ist ein kleiner „Uebersetzungsfehler“ bei „2019“, cheretismata! Und weiter so!

  3. Dirk
    14. Januar 2013, 22:55 | #3

    Die Gier ist das grösste Übel an der Misere in GR, nicht nur die Politik

  4. admin
    14. Januar 2013, 22:58 | #4

    @V99 %
    THX für a) die Blümchen, die Vorleistung hat allerdings die „Imrisia“ erbracht, und b) den Hinweis auf den „Typo“, der inzwischen korrigiert wurde.

  5. Christos
    15. Januar 2013, 01:50 | #5

    In den 1980-er Jahren ist die Familie meines Ex-Schwagers von Ano Patissia (Athen) nach Gagittos (Idis) gezogen. Raus aus der Stadt, ein bisschen Grund, ein kleines Haus, bessere Luft. Wasser nur per Tankwagen, Strom und Telefon sofort. Kosten für das Grundstück inkl. komplettem Neubau: etwa 12.000 DM (!!!). Die Grundstücke wurden nur verkauft an Staatsbedienstete – ok, der Onkel war 10 oder 12 Jahre bei der Feuerwehr. Gewohnt hat er in Gagittos nie.
    Aber jetzt zu behaupten, Grund und Boden seien 100.000 EUR wert, wie es in den Büchern steht, ist selbst für eine einäugige Eule zu leicht zu durchschauen. Wert ist das Ding mal gerade die 12.000 DM plus eventuellem Wertzuwachs wegen der Lage abzüglich der Alterserscheinungen, mehr nicht.
    Aber für die Banken ist es IMMER NOCH 100.000 DM bzw 50.000 EUR wert. Das ist doch…na ja, sehr merkelwürdig, oder? Jetzt merkt der griechische Staat und seine Bewohner, dass sie sich gegenseitig betrogen haben. GEWUSST haben sie es immer. Und gezahlt wird am Schluss.
    Nur wird noch darüber gerätselt, wer denn zahlen soll/kann/muss. Ein Grieche wird es kaum sein bzw. können oder wollen. Dann würde man den Betrügern ja das sauer verheimlichte,unversteuerte Geld wegnehmen. Das geht ja nun wirklich gar nicht!

  6. Luggi
    15. Januar 2013, 09:35 | #6

    Der tiefere Sinn der horrenden Immobilienbestuerung liegt darin, daß man Immoblienbesitz
    vor der Steuer nicht verschleiern oder ins Ausland verschieben kann. Vor allem werden
    jetzt diejenigen Steuerhinterzieher belangt, die zu Beginn und während der Krise ihr
    Schwarzgeld durch neue Häuser und Wohnungen waschen wollten, indem sie ihr Geld
    in Sand und Zement verbuddelten.

  7. GR-Block
    15. Januar 2013, 15:28 | #7

    Tja, der Artikel zeigt es deutlich: es ist schon hart das Spekulantenleben. Seit der EURO-Einführung ist die Nachfrage nach Immobilien (und damit deren Preise) explodiert, aber mit der Krise wieder auf Normalwerte gefallen.

    Zum Glück interessiert das meine Tante Δήμητρα nicht. Die eigene Wohnung ist und bleibt genausoviel Wert, wie die Miete, die sie hätte mit ihrer mageren Rente zahlen müssen. Das gleiche gilt für Τante Σοφούλα, die Cousins Γιώργο, Τάκη, Αντιγόνη und die meisten meiner 11 Mio Verwandten mit ihrer 77% Wohneigentumsquote. Die machen es Spekulanten deutlich schwerer als z.B. in Ländern der hochindustrialisierten Besitzlosen.
    Auch mir ist das Athener Immobilienbläschen schnurz. Obwohl mein Mieter in Θεσσαλονίκη heute 15% weniger zahlt als vor 2 Jahren. Κώστας arbeitet als amtlich beglaubigter Blutsauger in der dortigen Univerwaltung. Aber er und seine junge, possierliche Familie sind es mir Wert.

    Wieviel die Wohnung für Spekulanten Wert wäre, ist jedoch nur für diese Primatenart relevant und mir σκ…-egal.

  8. Götterbote2012
    16. Januar 2013, 15:37 | #8

    Das ist kein griechisches Phänomen oder Problem, sondern gibt es überall und ständig auf der Welt. Ein marrokanischer Freund von mir hat Anfang der 2000er in seiner Heimat ein Grundstück gekauft und dort ein Haus errichtet. Kosten damals für Grundstück und Bau: ca. 70.000,- DM. Heutiger Marktwert ca. 300.000,- Euro. Auch dort sind die Preise ohne Euro explodiert.

  9. 17. Januar 2013, 14:40 | #9

    Vielen Dank für diesen tollen Artikel! Hier wird meines Erachtens eine sehr bedeutende Ursache für die Entstehung der Krise in Griechenland geschildert! Trotzdem bin ich auch der Meinung, dass das nicht nur ein griechisches Problem ist. Kann mich nur dem letzten Kommentar anschließen.

  10. 29. Januar 2013, 21:32 | #10

    Na, das nenne ich mal einen umfangreich und detailliert recherchierten Artikel über die wirkliche Immobilienlage in Griechenland. Hut ab und ein dickes Lob.

    Im Grunde genommen erinnert mich alles irgendwie an die economic hitmen, welche rund um die Welt Staaten mit Hilfe korrumpierter Politiker und ihrer Werkzeuge IWF & Co. zu massiver Verschuldung drängen und dann aussaugen … zum Wohle der obersten globalen Finanz- und Unternehmenskaste. Die Zeche zahlt dann natürlich immer das wehrloseste Glied in der Kette, nämlich der Eigentümer der Immobilie …

    Allerdings frage ich mich schon, wohin der spezielle Fall Griechenland noch führen soll. Selbst wenn es Interessenten für Ferienwohnungen, Ferienhäuser oder städtische Wohnobjekte auf ermäßigtem Preisniveau geben sollte – bei den typisch griechischen Besitzunsicherheiten (Grundbuchthematik) und diesen Steuern dürfte kaum etwas gehen…

    Ach ja. Wenn eine Immobilie im Wert um 375% gestiegen ist und anschließend 70% Wertverlust hinnehmen muss, dann ist sie immer noch nicht beim Ausgangsbetrag angekommen! Von daher bewegen sich griechische Immobilien nur wieder auf die Normalität zu. Einziger Unterschied: Es gibt jetzt erheblich mehr Schulden als zuvor und jene Guthaben, die diesen gegenüberstehen, sind letztendlich in die Taschen der globalen Finanzkaste geflossen.

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