Griechenland weitet obligatorischen bargeldlosen Zahlungsverkehr aus

1. Januar 2013 / Aktualisiert: 09. Juli 2013 / Aufrufe: 2.262

Griechenland will den obligatorischen bargeldlosen Zahlungsverkehr per Kreditkarten und Debitkarten sogar auch auf Kleinbeträge ausweiten.

Wie der griechische Finanzminister Giannis Stournaras ankündigte, beabsichtigt die Regierung die gesetzliche Einführung der obligatorischen Verwendung von Kredit- und Debit-Karten bei Einkäufen und Geschäftsvorgängen sogar auch für Kleinbeträge, damit die Möglichkeiten zur Steuerhinterziehung eingeschränkt werden. Während derzeit Geschäftsvorgänge mit privaten Endkunden ab einem Gesamtwert von 1.500 Euro (zwischen Geschäftsleuten ab 3.000 Euro) obligatorisch bargeldlos abzuwickeln sind, soll diese Grenze nun auf 500 Euro und im Laufe des Jahres 2013 möglicherweise sogar noch erheblich niedriger angesetzt werden.

In seinen Äußerungen gegenüber dem TV-Sender MEGA erklärte der Minister, „die Verwendung des elektronischen Geldes – Kredit- und Debit-Karten – wird für signifikant unter einem Wert von 1.500 Euro liegende Geschäftsvorgänge obligatorisch werden und somit als zusätzliche Sicherheitsbarriere im Kampf gegen die Steuerhinterziehung fungieren„. Informationen zufolge wird im Finanzministerium (YPOIK) geplant, die Verwendung von „Plastikgeld“ sogar auch für Beträge von erheblich unter 500 Euro obligatorisch zu machen.

Unternehmen sollen zur Anschaffung von POS gezwungen werden

Im Rahmen der Pläne zur weitgehenden Abschaffung der Barzahlung im Geschäftsalltag sollen laut Funktionären des Finanzministeriums alle Unternehmen und einige Kategorien von Freiberuflern und Selbständigen verpflichtet werden, innerhalb der ersten drei Monate des Jahres 2013 die entsprechenden Kartenlesegeräte (POS) anzuschaffen.

Es ist allerdings anzumerken, dass bisher keine entsprechende Bestimmung verabschiedet bzw. in Kraft gesetzt wurde und außerdem sowohl rechtliche Bedenken als nicht zuletzt auch technische Schwierigkeiten bestehen, grundsätzlich alle Betriebe – zumal in einem dermaßen kurzen Zeitraum – zur Nutzung von POS zu zwingen.

25.500 Steuerpflichtige werden wegen Auslandsüberweisungen zur Rechenschaft gezogen

Finanzminister Giannis Stournaras teilte ebenfalls mit, die Datenverarbeitungszentrale des Finanzministeriums (KEPYO) und die Kontrollbehörden anschicken sich an, für all jene, die während der vergangenen 3 Jahre Überweisungen in Milliardenhöhe ins Ausland geschickt haben, ohne die jeweiligen Gelder durch ihre deklarierten Einkommen rechtfertigen zu können, die ersten „Glocken läuten“ zu lassen.

Die anfängliche Liste umfasste 54.000 Personen mit Überweisungen in einer Höhe von insgesamt 22 Mrd. Euro im Zeitraum 2009 – 2011. Von diesen werden derzeit 25.500 Betroffene überprüft, die einen problematischen „Einkommensnachweis“ („πόθεν έσχες“) haben, 24.000 Personen haben bereits Benachrichtigungen von der KEPYO erhalten.

Schließlich müssen auf Basis der Bestimmungen des Memorandums 330 Kontrollen bei großen Steuerpflichtigen bis Juni und 750 Kontrollen bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen sowie 65% der entsprechenden Steuern und Geldstrafen bis Juni und 75% bis Dezember eingetrieben worden sein, während innerhalb des ersten Halbjahrs 2013 wenigstens acht und bis Ende des Jahres 18 Fälle an die Staatsanwaltschaft überstellt worden sein müssen.

(Quellen: Imerisia)

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  1. 1. Januar 2013, 11:27 | #1

    GR ist die Spielwiese des Geldfaschismus geworden. Hier wird alles ausprobiert, um das monetäre Sklaventum zu perfektionieren. Und wie es scheint wird es gelienge. Denn Demonstrationen und Wahlen nützen nichts. Es wird weitergemacht wie vorgesehen.
    Ade du schöne Illusion der Demokratie, ade Humanismus. Es wäre so schön gewesen.
    Aber die Menschen scheinen aus der Geshcichte nichts zu lernen.

  2. Maria P.
    1. Januar 2013, 15:18 | #2

    Nochmal ein gutes Geschäft, für die Banken denn, Kreditkarten gibt’s nicht umsonst….

  3. V99 %
    1. Januar 2013, 20:56 | #3

    Die 1500€ Grenze ist fuer Privatpersonen ausreichend. Bei Geschaeften/Geschaeftsvorgaengen kann ich den Minister verstehen, da wurde lange Zeit zu viel gemauschelt. Ich habe kein anderes Land in €uropa kennengelernt, wo so viele Buendel von Bargeld durch die Gegend getragen werden. Kreditkarten kosten uebrigends in den meisten Faellen im ersten Jahr nach Kontoeroeffnung nichts, und danach ~20€ im Jahr. Ob stundenlanges Durch-die-Gegend-Fahren und anstehen um irgeneine bucklige Rechnung zu bezahlen billiger ist, wage ich zu bezweifeln (wem´s gefaellt, kann ja gerne Teile seines Lebens auf Banken, Postaemtern etc. oder der DEI verbringen :-D). Erst gestern stand ich kurz vor (Jahres~) Ladenschluss an der Supermarktkasse einer grossen griechischen Kette, die keine Kreditkarten akzeptiert, und musste warten, bis die Verkaeuferin ihre Bargeldbuendel laechelnd gezaehlt hat. Das warten hat mir nichts ausgemacht, aber wenn man da so viel Bares direkt vor die Nase gehalten bekommt, versteht man besser, warum sich Raubueberfaelle in GR so rentieren. Auch das Geld in Buendeln unter der Matratze liegen zu haben ist fuer manchen nicht gerade eine „Sicherheit“ 😀

  4. Lucy Sky
    2. Januar 2013, 10:14 | #4

    @V99 %
    Sollte demnaechst der absolute Bargeldverbot kommen, muss es gerade fuer Kleinbetriebe radikale Veraenderungen, was die Steuerpolitik angeht, geben. Steuerfreibetraege, Befreiung von ΤΕΒΕ, Aenderungen auch bei den Versicherungen von Saisonangestellten. Es muss den Kleinunternehmern moeglich gemacht werden, zu existieren, ohne staendig ueberlegen zu muessen, wieviel Steuern man hinterziehen muss, um zu ueberleben, und wieviel man zahlen muss, damit es dem Finanzamt nicht auffaellt. Das ist heute Realitaet, ich weiss es aus erster Hand.

  5. Karlie
    2. Januar 2013, 11:21 | #5

    @V99 %

    Jawoll, ab in die totale Kontrolle. Das gilt besonders für den Normalbürger. Ist ja so gewollt in ganz Europa.

    Sie glauben ja doch nicht im Ernst dass dies die grossen Geldverschieber daran hindert ihre krummen Geschäfte zu machen? Ob soviel Naivität kann ich nur den Kopf schütteln ….

    Und ein wenig später gibts dann auch den implantierten RFID Chip. Den würden Sie wahrscheinlich auch haben wollen. Nur für Ihre Sicherheit versteht sich.

  6. Heinz
    2. Januar 2013, 13:32 | #6

    @V99 %

    Vielleicht sollte man bei der Diskussion ja auch unterscheiden zwischen Kreditkarten und der in Europa weit verbreiteten EC-Card. Einfaches Zahlen und saubere Abrechnung.
    Natürlich werden diejenigen Händler und Gewerbetreibenden, die bisher heute vor allem schwarz kassieren, kein Interesse an der Verbreitung haben. Deshalb muss der Staat eingreifen. Und das geht nun wirklich nicht gegen die Bürger, sondern gegen die Steuerhinterzieher. Daran sollten doch alle patriotischen Griechen interessiert sein.

  7. Karlie
    2. Januar 2013, 18:35 | #7

    @Heinz

    Nein, sollte man nicht.
    Mit jedem Gebrauch einer Kreditkarte wird Geld aus dem nichts erschaffen welches den Wert des schon vorhandenen Geldes vermindert. Diese ganze Geschichte mit dem bargeldlosen Zahlungsverkehr ist ein Versuch dieses bankrotte Finanz-System noch ein paar Jahre weiter am Leben zu erhalten. Die Zeche zahlt der Normalbürger, wie so oft.
    Zudem ist es die Gelegenheit jegliches Kauf- und Konsumverhalten des Bürgers zu verfolgen und ihn so gläsern zu machen dass er dem System völlig ausgeliefert ist. Wer nicht spuhrt wird per Tastendruck von jeglichem Zahlungsverkehr ausgeschlossen. Wollen Sie das?

    Der Staat sollte sich lieber Gedanken darüber machen wie er es für Gewerbetreibende interessant macht, dass diese die Steuern freiwillig zahlen. Hier sind Anreize gefragt und kein Kontroll- und Überwachungswahn in orwellscher Manier.

    Ich finde es, heute im Zeitalter der freien Information, erschütternd wie manche Leute dumpf die Parolen der Politikmarionetten und Medien nachplappern und sich so den Käfig zimmern in denen sie die Zukunft verbringen wollen …

  8. moppel
    2. Januar 2013, 19:32 | #8

    In dem Artikel lautet es ausdrücklich „Kredit- und Debit-Karten“, worunter im letzteren Fall Bankkarten, Scheckkarten, EC-Karten oder wie immer im Volksmund genannte „Zahlungskarten“ fallen.

  9. Konstantin
    3. Januar 2013, 14:40 | #9

    Es wird immer deutlicher erkennbar, dass Griechenland das Versuchsobjekt der ganzen EU geworden ist. Hier soll angetestetet werden, wie weit der Staat die Bürger entmündigen kann.
    Die EU strebt die volle Kontrolle in allen Bereichen an, selbstverständlich für jeden einzelnen Bürger. Und Griechenland „darf“ alles vortesten.
    Leider werden zuviele „Systeme“ der USA übernommen. Der bargeldlose Verkehr ist schon lange angestrebt, bald bekommen wir alle den Chip mit dem Code 666 eingesetzt, so wie es in der USA schon bei einigen gemacht wurde.

  10. Juls
    4. Januar 2013, 10:44 | #10

    Hier wird eine totale Kontrolle angestrebt…….und ich sehe es auch wie Konstantin, dass Griechenland das Versuchskaninchen ist…….frage mich nur, wann die „Bombe“ platzt…..

  11. HJM
    5. Januar 2013, 00:28 | #11

    bitte weniger aufregung. würde man alles ernst nehmen, was griechische politiker von sich geben, dann in der tat gute nacht. wer wird denn all diese tollen dinge in hellas organisieren, überwachen, verstöße sanktionieren? der eine weiß nichts von fetten konten seiner ehefrau, ja wie denn auch, der andere tut so, als wolle er alles wissen. jemals von der „als ob“-theorie von herrn markaris gehört? dass sich all dies auf dem rücken von zuweilen oder sogar überwiegend wirklich gepeinigten menschen abspielt, who cares? gegenwärtig ist es für die griechische politik äußerst schwierig, die balance zwischen dem „als ob“ und dem bestreben, die eigene beute zu sichern, zu halten. aber siehe. man probiert es!

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