Vermieter in Griechenland treten Mietforderungen an Fiskus ab

13. Dezember 2012 / Aktualisiert: 28. September 2017 / Aufrufe: 2.147

In Griechenland sehen sich immer mehr Vermieter gezwungen, Mietforderungen an den Fiskus abzutreten, um der Besteuerung inexistenter Einkommen zu entgehen.

Ein „Präsent“ von hunderttausenden Euro machen dem Staat die Eigentümer von Immobilien, die sie vermieten, jedoch die Mieten weder einnehmen noch mehr erwarten, sie einnehmen zu können. Es wird geschätzt, dass 20% der Mietforderungen an die Finanzämter abgetreten worden sind, und wie der Vorsitzende der Föderation der Immobilienbesitzer POMIDA, Stratos Paradias, betont, können die Leiter der Finanzämter – wenn sie wollen – die „faulen“ Mieter zu fassen bekommen, jedoch ist die Recherche der Daten schwierig.

Praktisch wird jedoch parallel auch ein „steuerliches Schuldnerverzeichnis“ geschaffen, da die Finanzbeamten mit dem Vorliegen der Listen mit den abgetretenen Mietforderungen auch über die Namen der „faulen“ Zahler verfügen und bei jedem beliebigen Vorgang diese Gelder einfordern oder eine steuerliche Fertigkeitsbescheinigung verweigern können. Ebenfalls können die Finanzämter die an den Fiskus abgetretenen Mietforderungen auf die jährliche Steuerbelastung der Schuldner transferieren oder sie als fällige Verbindlichkeiten an den Fiskus behandeln.

Auf der anderen Seite können ungefähr 150.000 Eigentümer von Ladenlokalen, Büros und Wohnungen fortan nicht mehr damit rechnen, diese Mieten einzunehmen, und füllen deswegen notgedrungen die Abtretungsformulare aus, um nicht obendrein auch noch für nie erhaltene Mieteinnahmen besteuert zu werden.

Rund 450.000 Immobilienbesitzer in Griechenland verloren Mieteinnahmen

Es sei angemerkt, dass von ungefähr 1 Million Eigentümern, die Einnahmen aus Mieten deklarierten, heute fast 300.000 herausgefallen sind, da ihre Immobilien leer stehen. Von den übrigen 700.000 ist ein Anteil von etwa 20% – also 140.000 bis 150.000 – gezwungen, die Mieten an den Fiskus abzutreten, weil anderenfalls die Belastung doppelt ausfällt: einerseits werden sie die ausstehenden Mietzahlungen nicht einnehmen und andererseits gezwungen sein, Steuern für nicht existente Einkommen zu zahlen. Schätzungen zufolge erklären sich fast die Hälfte der Immobilieneigentümer außer Stande, allgemein die vielen Steuern zu zahlen, welche das Immobilienvermögen belasten.

Die Einschätzungen über dieses Phänomen, das sich in den letzten drei Jahren multipliziert hat, sind noch pessimistischer. Wenn die mit dem neuen Steuergesetz vorgesehene eigenständige Besteuerung der Mieten in Kraft treten wird, werden laut den Eigentümern all jene „voll erwischt“, die keine Mieten von ihren Mietern einnehmen, sondern sich gedulden und darauf hoffen, irgendwann bezahlt zu werden. Laut jüngsten Daten verzögern ungefähr 200.000 Mieter die Zahlung der Miete ab einem Monat bis zu einem Jahr.

Die meisten Vermieter wenden sich bisher nicht sofort mit einer Räumungsklage an die Gerichte und treten auch nicht ab den ersten Monaten der Verzögerung die nicht eingenommenen Mieten ab. Wenn jedoch die Besteuerung 2013 dramatisch erhöht wird, werden dann auch die Eigentümer nicht mehr mit ihren Mietern tolerant sein können, aber auch wirtschaftlich nicht tragen, in der Steuererklärung Einkommen zu deklarieren, die sie niemals haben. Folglich werden sie gezwungen sein, zur Abtretung der Mietforderungen an den Fiskus zu schreiten.

Niemand vermag den Betrag der Mieten einzuschätzen, die dem Staat „geschenkt“ worden sind, da die Verzögerung der Mietschuld in vielen Fällen ein Jahr überschreiten kann. Ebenfalls ist im Vergleich zu den Wohnungen der Betrag meistens wesentlich höher, wenn die Immobilie eine gewerbliche Vermietung betrifft. In allgemeinen Linien bezieht sich die große Mehrheit der nicht eingenommenen Mieten auf gewerbliche Mietungen, mit dem Ergebnis, dass die Mietabtretungen sich auf tausende Euro belaufen.

Senkungen der Mieten um bis zu 50%

Jedenfalls ist die auf dem Bereich der Vermietungen herrschende Lage dramatisch, trotz der Mietsenkungen, die eingetreten sind und sich von 20% bis 50% bewegen, aber auch der Zahlungsvereinbarungen, die zwischen Eigentümern, die ihr Eigentum nicht leer stehen sehen wollen, und Unternehmern erfolgen, wenn es sich um Geschäfte und Büros handelt.

Laut Angaben der Eigentümer aus Thessaloniki ist nur einer von fünf Mietern absolut konsequent in seinen Verpflichtungen, bezahlt also pünktlich die Miete und verzögert ebenfalls nicht die Begleichung der Rechnungen der Wohnung (Strom, Nebenkosten, Wasser). Was die Zeit der Verzögerung bei der Entrichtung der Mieten hinsichtlich der Wohnungen betrifft, übersteigt diese 3 Monate und kann 8 – 10 Monate erreichen, während die Verzögerung bei den gewerblichen Mietungen das halbe Jahr übersteigt.

Die Eigentümer sehen sich aber auch mit einem neuen beunruhigenden Phänomen konfrontiert. Viele Mieter bezahlen nämlich nicht nur nicht ihre Mieten und ziehen schließlich aus dem Mietobjekt aus, sondern hinterlassen Schulden von tausenden Euro aus unbezahlten Rechnungen und Nebenkosten, für die der Eigentümer nicht sorgte, sie auf den Namen des Mieters zu übertragen. Wie Herr Paradias anführt, scheinen innerhalb der ersten Monate des Jahres 2012 wegen der heftigen wirtschaftlichen Krise die Mietschulden um 15% – 20% zugenommen zu haben.

Ein Merkmal der dramatischen Lage ist, dass vor der Krise die auf den Markt gelangenden Immobilien in Rekordzeit vermietet wurden. Heute können für die Vermietung einer Immobilie ab 6 Monate bis zu 1,5 Jahren vergehen, speziell für jene, die eine Fläche ab 120 qm und mehr haben. Was die gewerblichen Immobilien jeder Art betrifft, beträgt die Zeit analog zu dem Gebiet ab 8 Monaten bis zu 2 Jahren.

Reaktionen von Seite der Immobilieneigentümer

Die Immobilieneigentümer sprechen von einer Konfiszierung des Immobilienvermögens mittels der steuerlichen Belastung. „Die Wiedereinführung der ETAK mit der breitmöglichsten Steuerbasis und dem geringsten möglichen Steuersatz ist die einzige Art, das Ziel der Erhöhung der Einnahmen aus der Kapitalbesteuerung zu erreichen„, betonte neulich Herr Paradias. Er schlug einen Steuersatz vor, der 1‰ (ein Promille) nicht übersteigt, mit einziger Ausnahme, dass ein ETAK-Betrag von unter 50 Euro je Steuerpflichtigen nicht festgestellt wird, womit de facto ein familiärer „Steuerfreibetrag“ in Höhe von 100.000 Euro geschaffen wird.

Der Vorsitzende der POMIDA merkte an, dass die großen Opfer der Umgestaltung der der steuerlichen Behandlung des Immobilienvermögens all jene Eigentümer zu sein scheinen, die unvermietete Immobilien und allgemeiner unrentables Vermögen haben, welches häufig von dem Staat blockiert sein kann. Die konkreten Eigentümer werden aufgefordert sein, jährlich schwerste Steuern für ein Vermögen zu zahlen, das ihnen absolut nichts einbringt. Weiter betonte er, dass die Einkommensindizien auf gerechte Weise zu planen sind, damit die Bürger nicht ungerecht belastet, aber auch keine „Fenster“ zur Steuerhinterziehung gelassen werden. Herr Paradias merkte ebenfalls an, die geplante eigenständige Besteuerung der Einkommen aus Mieten müsse auf freiwilliger Basis betrieben werden, weil sie anderenfalls die alten Leute ohne Rente und die Arbeitslosen mit einer Miete als alleiniges Einkommen ausplündern und ihnen jede Hoffnung auf ein Überleben rauben wird!

Die dramatische Lage bei den Vermietungen in Zahlen

  • 1 Million Griechen erklärten bis vor kurzem Einnahmen aus Mieten.
  • 300.000 Immobilien sind heute nach Schätzungen nicht vermietet.
  • 150.000 Eigentümer sind zur Abtretung von Mietforderungen an den Fiskus geschritten, die sich auf hunderttausende Euro belaufen.
  • 200.000 Mieter verzögern die Zahlung der Miete ab einem Monat bis zu einem Jahr.
  • Nur 1 von 5 Mietern ist absolut korrekt und zahlt regulär sowohl die Miete als auch andere Rechnungen.
  • Die Mietschulden sind innerhalb des Jahres 2012 um 15% – 20% gestiegen.
  • Wegen der Krise sind in den letzten Jahren bei den Mieten Senkungen von 20% – 50% erfolgt.

(Quelle: Imerisia)

Relevanter Beitrag:

  1. Rodi
    14. Dezember 2012, 09:57 | #1

    Es heißt: „Auf der anderen Seite können ungefähr 150.000 Eigentümer von Ladenlokalen, Büros und Wohnungen fortan nicht mehr damit rechnen, diese Mieten einzunehmen, und füllen deswegen notgedrungen die Abtretungsformulare aus, um nicht obendrein auch noch für nie erhaltene Mieteinnahmen besteuert zu werden.“

    Ist eine solche Abtretung unbefristet?

  2. admin
    14. Dezember 2012, 10:41 | #2

    @Rodi
    Die Frage wird in dem verlinkten relevanten Beitrag hinreichend beantwortet, die Ausführungen gelten selbstverständlich sinngemäß auch für 2012 / 2013.

  3. V99 %
  4. Rodi
    14. Dezember 2012, 16:19 | #4

    @admin
    Verstehe ich das richtig, dass die Abtretung immer nur für das Steuerjahr gilt?

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