Shisha – Drogen aus Chlor und Batteriesäure in Griechenland

22. Dezember 2012 / Aktualisiert: 03. April 2014 / Aufrufe: 5.294

Die Wirtschaftskrise in Griechenland leistet der Verbreitung billiger synthetischer Drogen Vorschub, die wegen ihrer hohen Toxizität enorme Gesundheitsschäden verursachen.

Sie nannten es „Dieb des Verstands“ und „Eliminator der Armen„. Im Argentinien des Jahres 2001 trat „Paco“ als Droge der Krise in Erscheinung und vernichtete eine ganze Generation. Im Griechenland des Jahres 2012 ist eine andere, „Shisha“ (auch „Sisa“, jedenfalls nicht zu verwechseln mit der Wasserpfeife bzw. Wasserpfeifentabak!) oder auch „Heroin der Armen“ genannte Droge, die billig ist, aber schnell tötet, das hauptsächlich an den Drogentreffpunkten vertriebene Gift der Krise.

Katerina Matsa, Psychologin und wissenschaftliche Leiterin der Entzugsabteilung „18 Ano“ im Psychiatrischen Krankenhaus von Attika schlägt im Gespräch mit in.gr die Alarmglocke wegen der neuen Substanzen der Krise, übt harte Kritik an der vorherigen Führung des Gesundheitsministeriums und alarmiert wegen der schlimmen Lage der Präventionszentren.

Die Basissubstanz der Drogen der Krise ist nicht neu. Das neue daran ist, dass sie Beimischungen haben, die sehr gefährlich sind, provisorisch in Wohnungsküchen hergestellt werden, und das macht sie höchstgefährlich„, meint Frau Matsa.

Shisha – Die Droge, die von der Krise geboren wurde

Die Grundsubstanz von „Shisha“ ist N-Methylamphetamin bzw. Methamphetamin, vermischt mit Batteriesäure, Chlor, Kerosin und sogar auch Strychnin und kostet 1 – 5 Euro pro Dosis. „Diese Drogen sind erschwinglich für Jugendliche, Arme, Arbeitslose, verelendete Menschen, für jene, die sich die anderen nicht beschaffen können. Sie haben eine hohe Toxizität, haben Auswirkungen auf sehr fundamentale Organe wie Gehirn, Herz, Leber und rufen zusätzlich psychische Zerrüttungen hervor. Diese Drogen kommen in der Regel auf den Markt, wenn eine sehr große Krise existiert.

Wie Frau Matsa betont, darf die Gesellschaft sich nicht in falscher Zuversicht entspannen, weil die Statistiken zeigen, dass der Heroinkonsum nicht zunimmt. „Es ist der Konsum der neuen synthetischen Substanzen gestiegen, die in den letzten Jahren mit sehr großer Verbreitung in Europa in Umlauf sind. Es sind sehr viele, rund 150, und es werden ständig neue entdeckt. Allein im vergangenen Jahr wurden 29 neue synthetische Substanzen entdeckt und kamen auf den Markt, 2010 waren es weitere 21 neue Substanzen.

Eine verzweifelte Generation

Ab dem Moment, wo wir in die Krise gerieten, sind die Dinge sehr viel schlimmer geworden„, unterstrich Frau Matsa und betonte, die Gründe, welche die Jugendlichen dazu bringen, sich den Drogen zuzuwenden, bleiben bestehen und werden immer ernsthafter.

Immer mehr Jugendliche und in immer geringerem Alter wenden sich den Substanzen zu und werden schließlich von diesen abhängig. Und zusammen mit dem Anstieg der Verbreitung der Substanzen steigt die Verbreitung auch aller anderen Abhängigkeiten, von dem Internet, von der Nahrung, von der Zockerei.

Die Krise macht die Jugendlichen glauben, dass ihr Leben den Sinn verliert, dass es keinerlei Perspektiven hat, dass sie keine Zukunft und keine Gegenwart haben. Somit suchen sie Möglichkeiten zur Flucht aus dieser Realität. Und schließlich geht eine ganze Generation verloren.

Sie verwenden, was immer sie vor sich finden, was immer dies auch für ihre Gesundheit und ihr Leben bedeutet. Ihr leben sagt ihnen gar nichts.

Die Präventionszentren „bluten aus“

Frau Matsa schlägt die Alarmglocke wegen der Lage, in der sich die Präventionszentren wegen der Kürzungen befinden. „Die meisten Präventionszentren arbeiten auf Sparflamme, weil ihr Personal nicht bezahlt wird, sie haben keine Mittel, die Arbeit auf der Straße – das sogenannte Streetworking – findet nicht in dem notwendigen Maß statt. Dies sind wenige Einheiten. Beispielsweise können die öffentlichen Programme, wie es das unsrige oder das entsprechende in Thessaloniki ist, nicht die Streetworker-Teams entwickeln, die wir wünschten, weil sie nicht finanziert werden, dagegen gibt es Kürzungen. Und all das hat Auswirkungen. Jemand könnte meinen, mit diesen Kürzungen Einsparungen zu machen, in Wirklichkeit steigen die Aufwendungen jedoch kontinuierlich an.

Das allgemeine Klima der Unsicherheit existiert auch im Bereich des Entzugs, bei den Therapieprogrammen. „Niemand weiß, ob er morgen seine Arbeit haben wird, weiß nicht, ob er mit dem Geld, das er verdient, morgen seine miete bezahlen kann. Die Umstände sind solche, dass sie auch denjenigen Schwierigkeiten bereiten, die an das glauben, was sie tun.“

Kritik am ehemaligen Gesundheitsminister Andreas Loverdos

Frau Matsa übt harte Kritik an dem vorherigen Gesundheitsminister Andreas Loverdos wegen der Weise, auf die er das Thema der Drogen handhabte. „Es kommt der vorherige Gesundheitsminister und sagt, das Problem damit zu lösen, in jedem allgemeinen Krankenhaus eine Surrogat-Station einzurichten.“ Welches Problem löste er? Gingen die Drogenabhängigen zurück, die neuen Suchtfälle? Die meisten, die in den Ersatzdrogen-Programmen sind, konsumieren parallel illegale Drogen. Sehen sie das nicht? Schließen wir die Augen? Was löste er als Problem? Und das zeigt er als Lösung, als Therapie. Welche therapeutischen Bekämpfung?

Entzugstherapie bedeutet, dass dieser Mensch, der sich in dieses Verfahren begibt, große Veränderungen an sich selbst macht, indem er die Gründe versteht, die ihn dazu brachten, sich Substanzen zuzuwenden, indem er Veränderungen auch bei seinen psychologischen Funktionen und seiner Lebensweise macht, kollektive Aktivitäten unternimmt, Ziele setzt, um Dinge kämpft, gelernt hat, Verantwortungen und Verpflichtungen zu übernehmen und sich fortan in die Gesellschaft zu begeben, um eine gleichwertige Rolle mit allen zu beanspruchen.

Dies bedeutet Entzug und gesellschaftliche Wiedereingliederung. Es ist nicht die Aufrechterhaltung der Abhängigkeit. Wie sollen diese Leute entstigmatisiert werden, wenn all die Voraussetzungen geschaffen werden, welche die irrige Ansicht, das katastrophale Stereotyp aufrecht erhalten, die Drogensucht sei eine chronische unheilbare Gehirnkrankheit?

(Quelle: in.gr)

  1. GR-Gast
    22. Dezember 2012, 18:24 | #1

    Wie muß es Eltern gehen, die zusehen müssen, wie ihre Kinder sich zudröhnen und daran kaputtgehen, machtlos gegen Drogen sind.
    Meiner Meinung nach kann nur geholfen werden, wenn die Kinder positive Zukunftsaussichten bekommen, sprich Arbeit und Aufstiegschancen – Aufgaben und Verantwortung – , die ihn aus diesem Dilemma rauszieht.
    Es kann doch nicht so sein, daß Kinder die wirtschaftlichen Fehlverhalten büßen müssen und als Ausweg der Aussichtslosigkeit den Weg zu den Drogen suchen.

  2. Gast
    14. September 2013, 17:41 | #2

    @GR-Gast
    Zu der Frage, wie es Eltern geht, kann ich Ihnen versichern, daß diese zunächst heillos überfordert sind und sich dabei nach und nach selbst ruinieren. Dies schreibe ich, weil ich mit beiden Teilen beruflich zu tun habe.

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