1000 Tote wegen fehlender Krankenhausbetten in Griechenland

18. November 2012 / Aktualisiert: 22. Juli 2013 / Aufrufe: 2.226

In Griechenland müssen Menschen sterben, weil die Krankenhäuser hauptsächlich aus Personalmangel immer weniger Betten in Intensivstationen bereitstellen können.

Wegen des Mangels an Betten in Intensivstationen (ITS) müssen im Griechenland der Krise Menschen sterben. Bezeichnend ist, dass – während auf Jahresbasis veranschlagt wird, dass 1.000 Menschen auch dann ihr Leben verlieren, wenn sie ein Bett in einer Intensivstation finden – diese Zahl auf 2.000 ansteigt, weil keine Behandlungsplätze verfügbar sind.

Diese äußerst beunruhigenden Daten gaben die Mitglieder der Griechischen Gesellschaft für Intensivbehandlung an die Öffentlichkeit und betonten, dass im Durchschnitt täglich allein in Attika bis zu 30 Patienten nach einem Bett in Intensivstationen suchen, jedoch nur die Hälfte von ihnen eins findet. Den übrigen – also ungefähr 45% – droht, ihr Leben zu verlieren, welcher Prozentsatz 23% betragen würde, wenn sie letztendlich Behandlungsplätze finden würden.

154 Betten in Intensivstationen bleiben mangels Personals ungenutzt

Wie aus den Daten der Gesellschaft hervorgeht, verbleiben derzeit 154 Betten in Intensivstationen wegen Personalmangels „geschlossen“, während Ende 2012 – wo auch die Arbeitsverträge vieler Krankenpfleger auslaufen – nicht auszuschließen ist, dass weitere 40 bis 50 Betten aufgegeben werden. Entsprechenden Problemen begegnen auch die Intensivstationen des privaten Sektors, von denen viele wegen der ungeheuren Schulden des EOPYY schließen werden.

Diese Fakten zu kommentieren aufgefordert merkte Gesundheitsminister Andreas Lykourentzos an, dass in dem Nationalen Gesundheitssystem (ESY) alltäglich Probleme auftreten und Anstrengungen unternommen werden, diesen zu begegnen.

Über Intensivstationen in Griechenland …

Die Griechische Gesellschaft für Intensivbehandlung veröffentlichte nach ihrer Pressekonferenz über die Verhältnisse, welche auf dem Gebiet der Intensivstationen in Griechenland herrschen, nachstehende zusammenfassende Bekanntmachung:

Die Situation auf den Intensivstationen (ITS) des Landes entwickelt sich dramatisch.

Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass die betriebenen Betten nicht für die Bedürfnisse unserer Mitbürger ausreichen, und fast alltäglich gibt es beim Notfallzentrum (EKAB) eine Warteliste mit Patienten, die darauf warten, dass sich ein verfügbares leeres Bett in einer ITS findet, um behandelt werden zu können. (Die Anzahl der Patienten, die nach einem Bett in einer Intensivstation suchen, ist allein im Großraum Attika alltäglich zweistellig. In Stoßzeiten kann diese Liste sogar 30 Patienten erreichen. Einem Bedarf, dem nur minimal entsprochen wird, mit den wie gearteten traurigen Resultaten.)

Parallel bleiben in vielen ITS voll ausgerüstete betriebsbereite Betten hautsächlich wegen fehlenden Personals ungenutzt, zur selben Stunde wo Verwandte verzweifelt darum kämpfen, ein Bett für ihren Menschen zu finden, häufig tagelang ergebnislos.

Die Grippe-Pandemie gab den Anlass, dass der Staat in Bewegung kam und die Hälfte der 150 geschlossenen Betten in Betrieb genommen wurden, über welche das Land 2009 verfügte, und zwar hauptsächlich mit Ärzten und Pflegern mit Zeitverträgen. Es wurde Ausrüstung für 70 geschlossene Betten angeschafft, die ergänzender Ausrüstung bedurften, um in Betrieb genommen zu werden. Es kam jedoch die Wirtschaftskrise, die Einstellungen und sogar die Einsetzung der Eingestellten kamen zum Stoppen, viele Verträge wurden nicht verlängert, ausgeschiedenes Personal wurde nicht ersetzt, und heute befinden uns wir dort, wo wir begannen.

Das Land verfügt über 540 in Betrieb befindliche Betten in ITS und hat wieder 154 geschlossene und ungenutzte Betten (wozu anzumerken ist, dass sie den griechischen Steuerzahler viel Geld gekostet haben). Bis Anfang 2013 laufen die Verträge weiterer wenigstens 120 Pflegekräfte und 50 Ärzte aus, was – wenn sie nicht verlängert werden – in den nächsten Monaten zur Schließung weiterer 40 – 50 Betten führen wird.

Wir schweben bezüglich der Möglichkeiten des Gesundheitsministeriums (YYKA) nicht in den Wolken und verlangen in dieser Phase nicht die Verdoppelung der ITS-Betten (was erforderlich ist, um als Land einfach nur den europäischen Durchschnitt an ITS-Betten je 100.000 Einwohner erreichen). Wir verlangen anfänglich, die Steilfahrt zu stoppen, damit keine weiteren ITS-Betten schließen, und uns zusammen zu setzen und zu sehen, wie in einer Periode der Krise die höchstmögliche Nutzung der 154 betriebsfertigen und geschlossenen ITS-Betten und die Erbringung qualitativer Pflege in den ITS sichergestellt werden kann.

Ein besonderer Schwerpunkt muss der Notwendigkeit von Anreizen zu geben, damit unsere besten Ärzte und Pflegekräfte nicht ins Ausland abwandern. Es geht um spezialisierte und international begehrte wissenschaftliche Arbeitskräfte, die in unserem Land inzwischen erniedrigend bezahlt werden (3,80 € pro Bereitschaftsstunde für einen Lektor der Intensivbehandlung mit 13 Jahren Studium und Spezialisierung, Dissertation und postgradualer Ausbildung im Ausland !!!). Zu Ihrer Abwerbung hat bereits eine Kampagne aus Deutschland und anderen europäischen Ländern begonnen, welche zwei- bis dreimal höher Bezüge als jene bieten, die sie derzeit in Griechenland haben.

Die Welle der Abwanderung von Ärzten und Pflegekräften in andere Länder schwillt bereits seit geraumer Zeit an und lässt die wie immer gearteten unvorhersehbaren Folgen sichtbar werden. Erwähnenswert ist, dass auch die Intensivstationen, die auf dem privaten Sektor betrieben werden, mit Schließung bedroht sind, da der EOPYY nicht zahlt.

Die Lösungen müssen hier und jetzt gegeben werden, weil die Patienten, die der Behandlung in einer ITS bedürfen, nicht den Luxus haben, unter Gefahr für ihr Leben darauf zu warten, wann es das nächste freie Bett geben wird. Mit anderen Worten, es sind jeden Tag Leben gefährdet.

Der Präsident der EEETH
Apostolos Armaganidis
Professor für Intensivbehandlung der medizinischen Fakultät Athen
Direktor der ITS der Universitätsklinik ATTIKON

(Quellen: Vradyni, To Pontiki)

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