Griechenland erwägt Streichung des Einkommensteuerfreibetrags

18. September 2012 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 439

In Griechenland werden die völlige Streichung des Einkommensteuerfreibetrags und die Abschaffung sonstiger Steuerbefreiungen und – Steuerermäßigungen untersucht.

Die griechische Regierung untersucht die völlige Streichung des Einkommensteuerfreibetrags, die Einführung von vier Einkommensteuersätzen anstatt wie bisher acht und die Abschaffung sonstiger Steuerbefreiungen. Der Vorschlag der Regierung sieht vor:

  1. Reduzierung der Anzahl der Steuersätze der Einkommensteuer auf drei oder vier:
    • von 0 € – 22.000 €: 18%
    • 22.001 € – 45.000 €: 35%
    • 45.001 € – 100.000 €: 40%
    • über 100.001 €: 45%
  2. Streichung des derzeitigen jährlichen persönlichen Einkommensteuerfreibetrags von 5.000 € und eine eventuelle Substitution durch Ermäßigungen der Steuerschuld auf Basis von konkreten Nachweisen.
  3. Abschaffung der Steuerbefreiungen, mit dem Ziel direkter Mehreinnahmen von rund 700 Mio. Euro. Konkret wird vorgeschlagen:
    • Abschaffung oder Senkung der Steuerbefreiungen in Zusammenhang mit der Gesundheit (ärztliche und Krankenhausbehandlung).
    • Abschaffung oder Senkung der Steuerfreibeträge, welche für Familien mit Kindern gelten. Von diesen Freibeträgen, welche sich im Etat mit 438 Mio. Euro niederschlagen, profitieren rund 1,4 Mio. Steuerpflichtige. Der IWF schläft die Substitution durch irgend eine Beihilfe vor.
    • Streichung der steuermindernden Verrechnung von Baukrediten für eine Hauptwohnung.
    • Bezüglich diverser Steuerbefreiungen für Behinderte mit einem Invaliditätsgrad von über 67%, Kriegsopfer, Blinde und Dialysepatienten wird die Abschaffung der Steuerbefreiungen und die Einführung einer anderen Art von Ermäßigungen geringerer volkswirtschaftlicher Kosten vorgeschlagen. Alternativ wird die Anschaffung aller dieser Steuerbefreiungen vorgeschlagen, unter Ausnahme der Behinderten mit einem Invaliditätsgrad von über 67%.
    • Abschaffung der Steuerermäßigungen für Schenkungen an kulturelle Einrichtungen.

Es sei angemerkt, dass allein die Streichung des persönlichen Grundfreibetrags in Kombination mit den übrigen derzeit in Kraft stehenden Bestimmungen sogar für Personen ohne jegliches reales Einkommen in einer „Kopfsteuer“ von minimal 300 Euro für Ledige und 500 Euro für Ehepaare resultieren würde.

(Quelle: Vradyni)

  1. Andreas
    19. September 2012, 12:11 | #1

    Hmm. Abschaffung der Freibeträge. Da werden sich aber Finanzbeamte und Buchhalter freuen. Das muss ich wahrscheinlich erklären.
    Ein Freund erzählte mir gerade die Geschichtete von einem Verwandten, der einen kleinen Lotto Laden unterhält. In diesem Jahr sollte der anstelle der sonst anfallenden 25.000 Euro plötzlich 60.000 zahlen. Nun kann man über die Gerechtigkeit dieser horrende Forderung zwar diskutieren, aber die Geschichte ist besser als das. Er schnappt sich also entrüstet seinen Buchhalter, und rennt mit ihm zum Finanzamt, mit dem Resultat das sie einen „Deal“ vorgeschlagen bekommen… 2000 Euro unter der Hand, und nun fordert „Der Staat“ plötzlich nur noch 12.000 Euro! Das sind 48.000 Euro weniger an Steuern für uns Alle, 13.000 Euro weniger für den Helden der Geschichte, und das alles für lumpige 2000 Euro!
    Mein Freund meinte zum Schluss, das man so ein Angebot natürlich annehmen muss! (Gerichtet an uns ewigen Moralapostel)
    Die Entrüstung meiner Frau gipfelte in der Bemerkung, „das die Finanzbeamten sich das noch trauen!“
    Und hier kommt der Buchhalter ins Spiel. Natürlich laufen solche Sachen heute nur noch, wenn man sich bestens kennt. Hat man also einen „angesehenen“ Buchhalter (jemand der das ‚besondere‘ Vertrauen der Steuerbehörde genießt), werden solche Probleme wie die Abschaffung irgendwelcher Freibeträge vollständig irrelevant.
    Natürlich würden auch Deutsche, Engländer und andere Europäer solch ein Angebot nicht ausschlagen, der Unterschied ist jedoch, sie kämen überhaupt nicht erst auf die Idee so etwas zu versuchen.
    Ich habe bisher leider noch keinen Ansatz irgendwo gesehen, dieses korrupte System der Buchhalter (ja, auch meiner ist korrupt) anzugehen.
    Die Abschaffung der meisten Finanzämter war ja schon mal geplant, und wäre ein guter erster Schritt.
    Solange jedoch hier in Griechenland, natürlich jeder solche „Angebote“ annimmt die einen konkreten persönlichen Vorteil bedeuten, sind doch alle anderen Maßnahmen für die Katz.
    Das Griechische System fängt bei den Buchhaltern an zu stinken.

  2. Heinz
    19. September 2012, 16:20 | #2

    Naja, das kann so nicht stehen bleiben.
    Dass Buchhalter manchmal eine andere Meinung haben als die Prüfer der Steuerbehörden, ist doch völlig normal. Da geht es um Auslegungsdiskussionen. Aber: Dass der Buchhalter dem Prüfer ungestraft Bakschisch anbieten kann, das ist das eigentliche Problem. Und da hat das Andreas richtig geschrieben: Keiner in „seriösen“ Rechtssystemen mit pflichtbewussten Beamten würde einen solchen Versuch wagen, denn das Ergebnis könnte für ihn verheerend sein, z.b. Anzeige wegen Bestechungsversuch, künftige äußerst penible Prüfung der Buchhaltung, Steuerfahndung im Haus. Wer die mal im Haus hatte, weiß, dass es keinen Vorteil der Welt gibt, der die Nachteile zukünftiger Zusammenarbeit mit dem Finanzamt kennt.

    Es liegt also einzig und allein am Finanzamt und seinen Beamten, wie gut das Steuersystem funktioniert und wie Steuerbeamte ticken. Und wie die jeweilige Regierung sich hinter sie stellt.
    Natürlich werden wir uns einig sein, dass ein korrupter Mensch nie Beamter sein kann, oder? So lange solche „Staatsdiener“ nicht aus dem Dienst entfernt werden, kann sich nichts neues Gutes entwickeln. Wenn der Staat sich nicht mehr auf seine „Diener“ verlassen kann, dann ist er tatsächlich am Ende.

  3. CYR
    19. September 2012, 18:06 | #3

    Das griechische System fängt nicht bei den Buchhaltern an zu stinken, sondern ist eine Folge mangelnde Kontrollen innerhalb der Behörden. Was die bräuchten ist eine interne Revision, die die Behörden speziell ihre Arbeit unabhängig überprüft

  4. Juls
    20. September 2012, 12:16 | #4

    CYR :Das griechische System fängt nicht bei den Buchhaltern an zu stinken, sondern ist eine Folge mangelnde Kontrollen innerhalb der Behörden. Was die bräuchten ist eine interne Revision, die die Behörden speziell ihre Arbeit unabhängig überprüft

    die Frage ist hier, wer soll denn kontrollieren ? Wem kann man denn ueberhaupt noch vertrauen? Aber eins ist sicher….es fehlt an Kontrollorganen, auf der gesamten Ebene…..

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