Champions der Steuerhinterziehung in Griechenland

22. September 2012 / Aufrufe: 1.226

Laut einer Studie gehören in Griechenland die Champions der Steuerhinterziehung Berufsgruppen an, welche die anteilsmäßig höchste Vertretung im Parlament haben.

Eine Orgie der Steuerhinterziehung durch Freiberufler enthüllt eine Studie von Forschern ausländischer Universitäten, die zeigt, dass die im Jahr 2009 nicht dem Finanzamt deklarierten Einkommen 28 Mrd. Euro betrugen. Das Resultat ist, dass dem griechischen Fiskus 11,2 Mrd. Euro aus Steuern entgingen, welcher Betrag dem neuen Sparpaket mit den erneuten radikalen Kürzungen bei Löhnen, Renten und Sozialleistungen entspricht.

Im Durchschnitt liegt das mittlere reale Einkommen der Selbständigen 1,92 Mal höher als jenes, das sie dem Finanzamt präsentieren, mit … Champions in der Verheimlichung von Einkommen die freiberuflichen Pädagogen, wo das reale Einkommen 2,55 Mal höher liegt als das deklarierte, und auf dem zweiten Platz die Ärzte mit einem entsprechenden Verhältnis ihres realen zum deklarierten Einkommens von 2,45.

In absoluten Beträgen verheimlichten die Ärzte dem Finanzamt im Durchschnitt ein Einkommen von 29.944 Euro, gefolgt von den Ingenieuren / Architekten mit 28.625 Euro und den Pädagogen und Buchhaltern mit jeweils 24.742 und 14.573 Euro. Nach Branchen betrachtet werden die höchsten Anteile der Steuerhinterziehung bei den Buchhaltungs- und Wirtschaftsdienstleistungen mit 78,92% verzeichnet, dicht gefolgt von den juristischen Dienstleistungen mit 78,79%.

Kreditraten übersteigen deklarierte Einkommen um bis zu 155%

Ein imposantes Detail ist, dass die Freiberufler, welche einen Bankkredit aufgenommen haben, im Durchschnitt jedes Jahr 82% ihres deklarierten Einkommens für die Bedienung ihrer Kredite aufwenden. Es gibt sogar Berufsgruppen wie die der Ärzte, Ingenieure / Architekten und freiberuflichen Lehrer, die bis zu 155% ihres deklarierten Einkommens für die Bedienung ihrer Kredite aufwenden.

Laut der Studie „Steuerhinterziehung je beruflicher Branche: Daten aus der Erteilung von Krediten in Griechenland„, die von einem Forscherteam unter Leitung der Assistenz-Professorin an der Universität von Chicago, Frau Largarita Tsoutsoura, und des postgradualen Studenten der Universität Virginia Tech, Herrn Nikolaos Atravanis, ausgearbeitet wurde, gehen die hohen Anteile der Steuerhinterziehung in konkreten Berufszweigen, wie z. B. bei Ärzten, Ingenieuren, und Rechtsanwälten, mit ihrer hohen anteilmäßigen Vertretung im griechischen Parlament einher.

Detaillierter geht aus der Studie hervor, dass die nicht deklarierten steuerpflichtigen Einkommen sich für 2009 auf 28 Milliarden Euro allein für die Freiberufler belaufen. Bei einem Steuersatz von 40% werden die entgangenen Steuereinnahmen auf 31% des Defizits des Staatshaushalts des Jahres 2009 (oder auf 48% des Jahres 2008) veranschlagt, wobei diese Schätzungen äußerst konservativ sind.

Es wird festgestellt, dass die Ärzte, Ingenieure, Lehrer, Ökonomen und Firmenberater, Buchhalter und Rechtsanwälte das höchste Verhältnis von realem zu deklariertem Einkommen inne haben. Um das nicht deklarierte Einkommen der Freiberufler zu bestimmen, sammelten die Forscher Daten von einer großen Bank, die sich auf Kredite jeder Natur beziehen, welche die Bank allen Freiberuflern erteilte.

Danach und mit der Tatsache als gegeben, dass die Banken die Politik der Kreditvergabe gegenüber den Freiberuflern nicht auf Basis ihres deklarierten Einkommens, aber in Einschätzung ihres realen Einkommens gestaltet, schätzen sie ab, wie hoch das reale Einkommen der Selbständigen sein muss, um das Niveau der erteilten Kredite stützen zu können.

Zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung schlagen die Forscher gezielte Kontrollen in Bereichen und Berufsgruppen mit hoher Steuerhinterziehung, Planung und Erhebung einer indizienbasierten Steuer von den Freiberuflern und die Einführung der Erteilung beruflicher Jahreslizenzen gegen einen Geldbetrag vor, der mit der Einkommensteuer verrechnet wird. Weiter betonen sie, dass in der Bekämpfung der Steuerhinterziehung die Auswertung personenbezogener Daten ineffizient ist und empfehlen die Anwendung von Durchschnittswerten zur Bestimmung des Einkommens, wie es in der ganzen Welt geschieht.

Die „Schlupflöcher“ der Vermögenden

Drei sind die Basisfaktoren, welche laut den Schlussfolgerungen der Studie die Tendenz zu der hohen Steuerhinterziehung der Selbständigen in Griechenland gestalten.

Der erste ist, dass Berufe mit einem großen Volumen an „Belegen“ über Einnahmen oder Ausgaben zu einer geringeren Steuerhinterziehung neigen. Beispielsweise ist im Einzelhandel die Steuerhinterziehung geringer im Verhältnis zu den medizinischen Berufen, da der Arzt eine minimale Anzahl von Belegen über seine Einkäufe entgegen nimmt und in der Lage ist, über die Erbringung seiner Leistungen keine Belege auszustellen.

Der zweite Faktor bezieht sich auf die Ineffizienz der Kontrollbehörden hinsichtlich der Einnahmen nach der Durchführung von Kontrollen. Während die Steuerfahnder sich auf Berufsgruppen mit hoher Steuerhinterziehung konzentriert haben, stehen die durchschnittlichen Einnahmen aus den Kontrollen nicht im Verhältnis zu dem Reichtum der Kontrollierten. Mit anderen Worten, die Vermögenden verfügen über die Mittel, sogar auch dann nicht zu zahlen, wenn sie vom Finanzamt ausfindig gemacht werden.

Der dritte Faktor bezieht sich auf das Fehlen des politischen Willens zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung hauptsächlich in Branchen, welche im griechischen Parlament vertreten sind und über starke berufliche Verbände verfügen.

Die Forscher brachten die hohen Anteile der Steuerhinterziehung in konkreten Berufszweigen (Ärzte, Ingenieure, Rechtsanwälte und andere) mit deren hoher anteilsmäßigen Vertretung im griechischen Parlament in Verbindung. Auf Basis der präsentierten Daten waren im Jahr 2009 rund 65% der griechischen Abgeordneten Ärzte, Ingenieure, Buchhalter, Ökonomen usw.

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt, dass infolge der öffentlichen Präsentation der in Rede stehenden Studie die Datenverarbeitungszentrale des griechischen Finanzministeriums inzwischen die Anweisung erhielt, umgehend zur Recherche der Bankkredite Selbständiger und Freiberufler zu schreiten und mit deren (deklarierten) Einkommen zu vergleichen.

(Quelle: Imerisia)

  1. V99 %
    22. September 2012, 01:28 | #1

    Wow, ich hatte nicht erwartet, dass diese Studie hier eine Erwaehnung finden wuerde. Das ist ein sehr gut recherchierter Artikel.
    Danke Admin!
    Genau diesen Sachverhalt habe ich vermutet. Auch wenn das diversen Kommentatoren in diesem Forum sicher nicht gefallen wird, da hier die Schuldigen nicht ausschliesslich im Ausland gefunden wurden und auch nicht nur im Parlament, sondern ein konkreter Zusammenhang zwischen den inlaendischen Gruppen besteht. Besonders schlimm finde ich es, dass es sich um die Gruppen handelt, die Aufgrund ihrer „Bildung“ eigentlich auch ein wenig Vernatwortungsbewusstsein zeigen muessten. Wie heisst es: Gelegenheit macht Diebe. Der einfache Arbeiter hat diese eben nicht (so oft). Einige als polemisch verpoente Vorurteile werden hier in traurigster Weise bestaetigt. Da vergeht selbst mir das lachen 🙁
    P.S. Mal sehen, was die Verschwoerungstheoretiker fuer Gegenargumente ausgraben werden..

  2. Konstantin
    22. September 2012, 11:56 | #2

    Klasse Artikel. Der Artikel bestärkt mal wieder den Sachverhalt, daß es Griechenland weit aus besser gehen würde wenn alle ihre Steuern zahlen würden.
    Derzeit müßen Menschen die Arztkosten selbst zahlen und auch für ihre Medikamente in Vorkasse treten, einzig und allein weil alle Regierungen in der Vergangenheit nicht dafür gesorgt haben ein vernünftiges System in Sachen Steuern und auch vielen anderen Bereichen zu erarbeiten. Traurig ist, daß immer noch bei Geringverdiener ordentlich gekürzt wird und die Reichen im Gegenzug dazu ihre Steuern nicht zahlen müßen. Bzw. Reeder immer noch keine zahlen.
    Persönlich glaube ich auch das Griechenland gezielt geschwächt wird. Allerdings liegt das meiner Meinung nach mehr an einigen Politikern dort und an ihrer Gier nach Geld und Macht.
    Die öffenen ja geradezu allen die Türen die aus Griechenland noch Kapital schlagen möchten.

  3. Willi F. Gerbode
    22. September 2012, 13:42 | #3

    Ein guter Artikel, keine Frage, oder besser: eine gute Studie, die hier von Imerísia referiert wird. Nur, welche Konsequenzen werden daraus gezogen? In einer dpa-Meldung wird berichtet, dass die griechische Steuerfahndung das Vermögen von 30 Parlamentarien durchforsten möchte, die der Bereicherung während ihrer Amtszeit unter Verdacht stehen. Vor wenigen Tagen war im Blog die Rede von Griechen, die derzeit befürchten müssen, dass der Staat ihnen wegen hoher Auslandsüberweisungen aufs Dach steigen möchte.

    Alles schön und gut: Aber solange ich nichts über nennenswerte Erfolge der Steuerfahndung – und nicht nur über Absichten – erfahre, sind für mich diese „News“ das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt werden. Nicht die Troika zerstört Griechenland, sondern die Bourgoisie, die bürgerliche Mittelschicht, die ihr eigenes Land ausplündert und auch noch „Agapoúmen Elláda“ tönt.

    Dass die Repräsentanten dieser Diebe im Parlament sitzen, wundert nicht und lässt auch nur einen Aussage zu: Griechenland ist mit den bisher gewählten Methoden nicht zu retten. Und die Griechen wissen das sehr genau. In nicht allzu langer Ferne werden sie ihr Land vom Kopf auf die Füße stellen.

  4. Moppel
    22. September 2012, 16:13 | #4

    Willi F. Gerbode :
    … nichts über nennenswerte Erfolge der Steuerfahndung … erfahre, sind für mich diese “News” das Papier nicht wert …

    Nee, klar, damit würde ja auch das schöne platte WeltBILD hinfällig, deswegen „erfährt“ man eben lieber einfach nichts, gelle? – obwohl u. a. sogar das selbe Blatt bereits vor Tagen (und definitiv nicht zum ersten Mal) einschlägig berichtete: Guthaben, Villen und Aktien wegen Steuerhinzerziehung beschlagnahmt

  5. Willi F. Gerbode
    22. September 2012, 18:50 | #5

    @Moppel Als jemand, der keine BILD-Zeitung liest, ist mir der Artikel, von dem sie sprechen, leider entgangen.

    Nur zu IHRER Information: Jeder Steuerfahnder holt etwa das Dreifache von dem rein, was er den Staat kostet. GR hat mehr als genug studierte, arbeitslose Ökonomen, die leicht eine Spezialausbildung in Steuerrecht machen könnten. Die sind jung, motiviert, weil sie eine Zukunft zu gewinnen haben. Hier ließen sich Arbeitsplätze schaffen und gleichzeitig Abermillionen hereinholen, die das Land dringend braucht – auch in Zukunft.

    Übrigens: Der Hinweis darauf, dass einige Guthaben, Villen etc. beschlagnahmt worden sind, sagt noch lange nichts über das Volumen dieser Maßnahmen aus. Mit Kosmetik allein kann das Land nur wenig anfangen.

  6. Roditisa
    22. September 2012, 20:56 | #6

    @Willi F. Gerbode
    Es besteht nur leider ein Einstellungsstopp im öffentlichen Dienst. Der griechische Staat darf ja keine neuen Steuerfahnder einstellen, sonst verstößt er gegen die Abmachungen mit der Troika. Eigentlich sollen ja Stellen abgebaut werden und nicht neue geschaffen.

    Ansonsten wusste doch auch schon vor dieser Studie jeder, dass genau diese Berufsgruppen keine Steuern zahlen. Es bestand bisher einfach nie der politische Wille, diese Menschen anzugehen. Das pfiffen hier schon vor 10 Jahren die Spatzen von den Dächern.

  7. Ottfried Storz
    22. September 2012, 21:12 | #7

    Steuerfahnder und Betriebsprüfer (fü Betriebe) sind sogar deutlich rentabler:
    Es gab zur Steuerfahndereffizienz mehrere Anfragen in Landtagen.
    Jeder neu eingestellte Betriebs- und Umsatzsteuerprüfer würde jährlich eine Million Euro und jeder Steuerfahnder 600.000 Euro mehr an Steuern einbringen, bei Gesamtkosten von ca. 60.000 Euro. Also Steuerfahnder bringen ca. das zehn-, Betriebsprüfer ca. das fünfzehnfache ihrer Kosten rein.
    Nicht einkalkulierbar ist der Abschreckungseffekt: Wenn es mehr Steuerfahnder und Betriebsprüfer gäbe, würden viel weniger Steuern hinterziehen, weil die Gefahr des Erwischtwerdens grösser ist.

  8. Heinz
    22. September 2012, 21:34 | #8

    @Roditisa

    Wenn Sie recht haben, Roditisa, wieso wählen dann die Menschen, wie wir oben lesen können, genau diese Berufsgruppen. Die können sich doch nicht alle selbst wählen. Oder werden die Berufe der Bewerber um Abgeordnetenplätze nicht angegeben?

    Vielleicht wäre es auch nicht schlecht, würden die „normalen“ Menschen mal dafür auf die Straße gehen, dass z.B. alle Bewerber für ein Abgeordnetenmandat eine eidesstattliche Erklärung abgeben, dass sie keine Steuern hinterzogen haben und ihre Steuererklärungen der Wahrheit entsprechen. Wie gesagt eidesstattlich. Danach müssten sie dann unterschreiebn, dass alle ihre Konten etc. überprüft werden dürfen. Wer das alles nicht tut oder tun kann, der kann nicht Abgeordneter werden.

    Wie schnell wären ehrliche Menschen im Parlament?

  9. Heinz
    22. September 2012, 21:45 | #9

    @Ottfried Storz

    Und genau deshalb werden in Bayern keine weiteren Steuerfahnder und Betriebsprüfer eingesetzt. Also auch hier etwas griechische Verhältnisse. Und ausgerechnet ein bayerischer Minister lästert über die Griechen und legt ihnen den Austritt aus der EU nahe.

  10. Stavros
    23. September 2012, 11:56 | #10

    @Ottfried Storz
    STEUERFAHNDER!!!!!!!!!

    Es ist praktisch NICHT möglich einen neutralen Steuerfahnder einzusetzen denn:hier ist jeder mit jedem verbandelt und irgendwie auch an diesem Fiasko beteiligt!!!
    Ich habe das jahrelang selber erlebt wie diese „Geschäfte“ ablaufen! Die Organisatoren sitzen immer zuoberst in der Regierung,Partei oder sonstigen Behörden!!!
    Alle wissen von nichts und trotzdem wissen sie alles,denn nur so kann man diese modernen “ Raubritter“ unter Kontrolle halten!!
    Da könnte sogar die italienische Maffia noch zur Schule gehen!!
    Die EU sollte die Zahlungen einstellen.

  11. Roditisa
    24. September 2012, 15:16 | #11

    Ich schätze aus dem gleichen Grund, aus dem es im deutschen Bundestag 143 Juristen und 62 Lehrer gibt. Diese Berufe eignen sich besonders für eine politische Karriere in den meisten Ländern.

    Außerdem werden die Listenplätze ja parteiintern vergeben, der Wähler kann dann die Partei wählen, aber wer von den Mitgliedern der Partei dann ins Parlament einzieht, das beeinflußt der Wähler kaum. Man müsste also aktiv Mitglied einer Partei sein und gezielt gegen bestimmte Berufsgruppen agitieren, um evtl. etwas an der prozentualen Verteilung ändern zu können.

    Wenn sie schon mal in Bayern gelebt haben, wissen sie evtl. warum so etwas kaum möglich ist.

    Im Übrigen finde ich es immer wieder interessant, wenn gefragt wird, warum die Wähler nicht früher anders gewählt haben. Die Rolle der Medien wird dabei komplett vergessen, denn die haben ihre Aufgabe als Hüter der demokratischen Grundwerte viel zu wenig ernst genommen. Die Menschen waren schlecht über die Hintergründe und Ausmaße der Probleme informiert, es gab keinen, der gewissen Dinge öffentlich hinterfragt hätte und vieles ist für den normalen Wähler einfach zu komplex oder er bekommt es nicht mal mit.

  12. γιαούρτι γιαουρτάκι
    24. September 2012, 21:21 | #12

    @Roditisa
    Die meisten wählen doch eh nur das für sie kleinste Übel und jeder, der vom Tourismus abhängt, wird natürlich ND wählen, wenn eine Woche vor der Wahl die neueste Tourismusstatistik veröffentlicht und suggeriert wird, Touristen kommen nicht, weil zu oft gewählt wird und niemand weiß wie lange die Währung hält.

  13. Roditisa
    25. September 2012, 21:26 | #13

    @γιαούρτι γιαουρτάκι
    Ja natürlich. Man wählt ja immer das kleinste Übel. Perfekte Politiker oder Parteien gibt es nirgends.

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