Zwangsversteigerung von 100000 Immobilien in Griechenland

12. August 2012 / Aktualisiert: 11. Februar 2014 / Aufrufe: 5.007

In Griechenland sollen auf Druck der Troika 100.000 Immobilien zur Zwangsversteigerung kommen, was unweigerlich zu einem Preissturz auf dem Immobilienmarkt führen würde.

Um einen weiteren Verfall der Immobilienpreise in Griechenland zu erzwingen, fordert die Troika, 100.000 Immobilien unter den Hammer zu bringen, deren Eigentümer ihre Baukredite nicht bedienen, und drängt deshalb auf die Aufhebung des für die Banken geltenden Zwangsversteigerungsverbots. Die Banken planen von ihrer Seite, zur Bewältigung der Situation neue Kreditmodelle auf den Markt zu bringen, die allerdings alle eins gemeinsam haben: der Kreditnehmer wird sein Leben lang zahlen.

Derzeit sind bis Ende 2012 die Zwangsversteigerungen von Immobilien durch die Banken für geschuldete Beträge bis zu 200.000 Euro untersagt. Dies bedeutet, dass praktisch keine Häuser wegen Schulden aus Baukrediten unter den Hammer kommen. (Anmerkung: diese Regelung bezieht sich auf Immobilien, die als Erst- / Hauptwohnung genutzt werden.) Die Troika will jedoch nicht, dass es eine weitere Verlängerung dieses Versteigerungsverbots geben wird, was gegebenenfalls bedeuten würde, dass ab Anfang 2013 jede Art von Immobilien zu besonders niedrigen Startpreisen zur Versteigerung kommen werden.

Die derzeit im „roten Bereich“ befindlichen Immobilien werden von den Banken auf mehr als 100.000 geschätzt, während der Wert der unsicheren Baukredite 15 Mrd. Euro übersteigt. Wenn nun ungefähr 100.000 Immobilien auf den Markt kommen, wird ihr Preis auf jeden Fall zusammenbrechen und den gesamten Immobilienmarkt mitreißen.

(Quelle: Marketbeast.gr)

  1. Heinz
    12. August 2012, 14:16 | #1

    Man muss es nicht so sehen, dass damit fallende Immoblienpreise erzwungen werden sollen, sondern man kann es auch so sehen, dass den Banken die Möglichkeit genommen wird, den Immobilienbesitzer ein Leben lang auszunehmen. Oder?

    Eine Zwangsversteigerung hat für den Eigentümer möglicherweise auch Vorteile, weil er so aus den Klauen der Banken, je nachdem, welchem Beruf er nachgeht, leichter heraus kommt. So kann es schon mal sein, dass die Bank auf einem Berg Schulden sitzen bleibt. Für manchen Hausbesitzer war das schon manches Mal die totale Befreiung. Von sich aus würden die Banken das nie machen. Es ist also besser, der Staat gibt hier gewisse Regeln vor.

    Die derzeitige Regelung wie oben beschrieben sollte ja nur den Menschen, für eine gewisse Zeit, eine Sicherheit vorgaukeln, die nicht wirklich vorhanden ist. Denn die Bank wird auch für diese Zeit ihre Zinsen auf den letzten Euro und Cent verlangen. Man macht also den Menschen mit dieser Regelung mal wieder etwas vor.

  2. White Tower
    12. August 2012, 18:58 | #2

    Mann soll den Banken die Möglichkeit geben die Kredite auf eine Laufzeit von 40 Jahren zu verlängern … Eine Zwangsversteiverung im genannten Ausmaß ist für niemanden von Vorteil.
    Offenbar ist der Troika nicht bewußt , dass ohnehin zig-tausende Immobilien zu kaufen sind … teils 35% günstiger als 2008/2009 … und die meistem davon sind nicht genutzt, zum unterschied von ca 60% jener Immobilien die versteigert werden sollen

  3. Heinz
    13. August 2012, 14:14 | #3

    @White Tower

    Und was soll die lange Laufzeit für die Besitzer für Vorteile haben? Wissen Sie, was in vierzig Jahren an Zinsen anfällt? Das kann doch niemand löhnen. Welcher Mensch kann denn tatsächlich 40 Jahre arbeiten und dabei immer soviel Geld verdienen, dass er die jeweiligen Raten abzahlen kann? Wer soll ihm das garantieren?

    Nein, der Vorteil liegt damit ausschließlich bei den Banken. Manchmal ist es im Leben besser, tatsächlich ein Ende mit Schrecken, als einen Schrecken ohne Ende zu erleben. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich schreibe.

  4. White Tower
    13. August 2012, 19:45 | #4

    @Heinz

    Wirtschaftlich gesehen hast Du wahrscheinlich sogar recht …. dennoch sind bei einer Laufzeit von 40 Jahren die Raten auf den Level einer durchschnittlichen Miete ….
    …und ich meine , man kann den betroffenen Menschen nicht sagen : ein Ende mit Schrecken usw…… , denn es sind einzelne Schicksale die durch eine beispiellose Rechstbeugung der Troika und der griechischen Regierung ins Elend getrieben werden.
    Griechenland braucht eine Rechssicherheit …allem voran für die Menschen die in diesem Land bleiben müssen da sie sich ein Auswandern nicht leisten können.
    Es sind jene Menschen , auf deren Schultern die Last gelegt wird , ohne auf deren Schicksale zu achten…..so sollen die Menschen selbst entscheiden dürfen ob sie und wie sie ihr Leben weiter lenken.
    All das was derzeit in Griechenland geschieht ist eine 1.1 Kopie der Pleite(n) in Argentinen ….und ich bin nicht mutig wenn ich behaupte , die Situation in Griechenland ist bewusst geschaffen worden , denn das Programm (-wie führe ich einen Staat in die Pleite-) wird an diversen Universitäten (wie zb.Howard) gelehrt.

  5. V99 %
    13. August 2012, 23:04 | #5

    …wer hat denn an den Universitaeten (wie zb.Howard 😀 soll wohl Harvard heissen) studiert? War es nicht die griechische Regierungs Elite, die jahrzehntelang vom Volk gewaehlt wurde? Wenn die Situation bewusst geschaffen wurde, dann aber zum groessten Teil von innen heraus. Was die „Sonderregelung“ zum Schutz von Erst- / Hauptwohnung angeht, koennen viele froh sein, daß es so etwas ueberhaupt gibt/gab. In anderen Laendern klebt ganz schnell der Kuckuck an der Tuer, wenn die Raten nicht mehr bezahlt werden. Wer nicht in der Lage ist das Risiko eines Hauskredites abzuschaetzen, sollte die Finger davon lassen!

  6. White Tower
    14. August 2012, 01:45 | #6

    @V99 %
    Ich meinte die Howard University in Washington DC …

    Im Vergleich zu anderen Ländern muss man sagen, dass es ein höheres Maß an Rechtsicherheit gibt als in Griechenland.

  7. Holger Lippert
    4. Januar 2013, 14:53 | #7

    Wenn die Troika wie ein Vergleichs- und Konkursverwalter auf rasche “Verwertung“ dringt, darf sie sich über ein mageres Ergebnis nicht wundern. Umso weniger, wenn eine willfährige Regierung den Erloes durch Steuer-Kleptomanie noch mindert…Hoffentlich bringen Fruehling und Sommer die Griechen auf die Strasse, damit dem Spuk ein Ende bereitet wird….

  8. Götterbote2012
    4. Januar 2013, 16:56 | #8

    @V99 %
    Auch wenn der Beitrag schon etwas älter ist:

    ich kann dieses „vom Volk gewählt und daher selbst schuld“ echt nicht mehr hören. Das ist totaler Unsinn. Jede Regierung, egal ob griechisch oder nicht, egal ob demokratisch gewählt oder nicht, hat die Wahl so zu regieren, wie sie es für richtig hält oder möchte. Das Volk hat da nach der Wahl keinen großen Einfluss drauf, es sei denn durch Zerstörung des öffentlichen Lebens durch Demonstrationen oder Bürgerkrieg.

    Die „Schuld“ liegt nicht beim griechischen Wähler. Wenn ich das behaupte, kann ich mich auch ganz gemütlich zurücklehnen, meine Hände hinterm Kopf verschränken und den schwarzen Peter einfach an alle anderen Regierungen der anderen Länder weitergeben und damit den Wählern dieser Regierungen: schließlich wäre es jedem Deutschen möglich gewesen, eine Regierung zu wählen, die schon vorher entsprechend eingeschritten wären, die vielleicht direkt dafür gesorgt hätte, dass Länder, die gar nicht die Kriterien für einen Euro-Beitritt erfüllen nicht beitreten dürfen oder aber ganz einfach jegliche Hilfszahlungen an Griechenland einstellen oder gar nicht erst geleistet hätten oder oder oder…egal ob mit Krieg oder sonstigen Mitteln dagegen vorgehen. Zu radikal? Richtig! Aber die Griechen hätten natürlich irgendwelche radikalen Parteien wählen sollen, die ihnen nicht das blaue vom Himmel versprechen. Hier wird von den Menschen da unten etwas verlangt, was die Menschen hier oben selbst nicht tun.

    Genauso wenig, wie der deutsche Wähler wissen konnte, was sich da in Griechenland zusammenbraut, konnte es der griechische Wähler wissen. Oder studieren die Wähler vorher die Haushaltsbücher und kontrollieren auch, dass das alles so seine Richtigkeit hat? Nein! Sie verlassen sich auf das, was ihnen versprochen wird. Ob das Geld für diese Versprechen tatsächlich vorhanden ist oder nicht, konnten sie damals und können sie auch heute noch nicht wissen.

    Die Schuld trifft nur diejenigen, die bewusst vertuscht und betrogen haben.

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