Produkte in Griechenland bis zu 297 Prozent teurer

20. August 2012 / Aktualisiert: 25. September 2017 / Aufrufe: 6.566

Infolge einschlägiger Tricks der Multis, aber auch hoher Steuern und Transportkosten sind in Griechenland Produkte des sogenannten Warenkorbs um bis zu 297% teurer.

Die Fakten über die hohen Preise in Griechenland ergeben sich aus jüngst erfolgten Preiserhebungen des Forschungsinstituts für Einzelhandel und Konsumgüter (IELKA), während auch die Erhebung der Europäischen Kommission die Wucherei auf dem griechischen Markt aufzeigt. Griechenland hat den dritthöchsten Preis für bleifreies Benzin in der EU der 27 Länder. Derzeit liegt er bei (durchschnittlich!) 1,75 Euro pro Liter, wobei Italien mit 1,79 Euro pro Liter auf dem ersten und Schweden mir 1,77 Euro pro Liter auf dem zweiten Platz liegt.

Was den sogenannten „Warenkorb“ der Hausfrau betrifft, erfolgte der Vergleich zwischen Griechenland, Großbritannien, Spanien und Frankreich. Aus den niedrigsten und höchsten Preisen in Produktkategorien wie Milchprodukte, Brot, Erfrischungsgetränke, Teigwaren, Kaffee, Waschmittel, Papierwaren, Snacks, Süßigkeiten und Obst und Gemüse ergibt sich, dass die griechischen Verbraucher die Artikel um bis zu 297% teurer kaufen.

Orangensaft ist in Griechenland bis zu dreimal teurer als in Spanien

Letzteres betrifft Orangensaft, der auf dem griechischen Markt zu Preisen von 0,79 – 2,46 Euro und in Spanien zu 0,54 – 0,62 Euro verkauft wird. Teurer findet man in Griechenland auch die Erfrischungsgetränke vom Typ Cola vor, im Verhältnis zu Großbritannien wird die Flasche mit 1,5 Litern um 211% teurer verkauft. Um 106% höher liegen im Vergleich zu Frankreich und Spanien die Preise bei Frischmilch, und bei Toastbrot zahlen die Griechen vergleichsweise bis zu 99% mehr Geld.

Auf Durchschnittsniveau und auf Basis der Gesamtkosten des jeweiligen Warenkorbs in den vier Ländern ist laut dem IELKA jedoch Griechenland um 17,91% im Verhältnis zu Großbritannien, um 2,14% im Vergleich zu Spanien und um 16,46% billiger als Frankreich. Zusätzlich wird von dem Institut die Bemühung der organisierten Einzelhandelsketten (Supermärkte) um Preissenkungen und Sonderangebote betont.

In die Preiserhebung sind auch die Hausmarkenprodukte einbezogen worden, und auch die MwSt. wurde mit eingerechnet. Nach Abzug der MwSt. wird Griechenland billiger, jedoch bleiben die Preise auf hohem Niveau.

Die Hauptgründe für die „Aufblähung“ der Preise auf dem griechischen Markt sind:

  1. Die hohen MwSt.-Sätze. In Griechenland betragen die Sätze analog zu dem Artikel 13% und 23%, in Frankreich betragen sie entsprechend 5,5%, 7% und 19,6%, in Spanien 8% und 18% und in Großbritannien 5% und 20%.
  2. Die Tricks der multinationalen Unternehmen, mit denen sie die Preise und ihre Kosten „aufblasen“, um negative Geschäftsergebnisse zu präsentieren und die Besteuerung zu vermeiden.

Die Tricks der multinationalen Konzerne

Die Dienststellen des Entwicklungsministeriums haben aus den Kontrollen, welche sie bei den konzerninternen Geschäften der Gesellschaften durchgeführt haben, folgende Tricks verzeichnet:

  • Tochtergesellschaften kaufen von ihren Muttergesellschaften Hausmarkenprodukte zu hohen Preisen. Die Preise sind „aufgebläht“, um hohe Kosten zu präsentieren und der Besteuerung der Gewinne in unserem Land zu entgehen.
  • Eine Einzelhandels-Tochtergesellschaft schließt eine Sondervereinbarung über den Kauf von Produkten von der Tochtergesellschaft eines Lieferanten. Gleichzeitig schließen auf internationalem Niveau auch die Muttergesellschaften Vereinbarungen ab. Der Profit für die Einzelhandels-Tochtergesellschaft fließt jedoch nicht an sie, sondern an ihre Muttergesellschaft.
  • Die Muttergesellschaften stellen den Tochtergesellschaften hohe Markennutzungsgebühren (royalties) in Rechnung. Die Belastungen sind hoch, damit sie (die griechischen Tochtergesellschaften) hohe Kosten präsentieren und die Besteuerung in Griechenland vermeiden.
  • Die Muttergesellschaften erteilen ihren Tochtergesellschaften Kredite zu hohen Kosten. Somit rechtfertigen sie einerseits negative Geschäftsergebnisse und andererseits die erhöhten Preise ihrer Produkte.
  • Gesellschaften präsentieren jahrelang Verluste und Liquiditätsprobleme. Auf diese Weise werden ihre Gewinne in andere Länder transferiert, in denen sie bei niedrigeren Besteuerungssätzen aktiv sind.
  • Die seitens des Entwicklungsministeriums begonnen Kontrollen bei den konzerninternen Geschäften blieben stecken, da die entsprechenden Dienststellen zu gemeinsam zuständigen Finanzministeriums ihrerseits die Kontrollen deswegen nicht durchführen können, weil die einschlägige Gesetzgebung nicht aktiviert worden ist.

Hohe Transportkosten schlagen sich auf die Preise nieder

Die Endpreise der Produkte gestalten sich zu 10% – 15% aus den Transportkosten. Die geschlossene Berufsgruppe der Spediteure, die Hindernisse bei der Gründung von Warenzentren, die Nichtbenutzung der Eisenbahn zur Verbringung der Produkte und andere „Ankylosen“ in Kombination auch mit der geographischen Gestaltung Griechenlands (Inseln, Gebirge) belasten die Unternehmen erheblich.

Charakteristisch ist, dass der Transport eines Warencontainers von Piräus nach Heraklio mehr kostet als von Holland nach Griechenland. Ein weiteres Paradox ist, dass die Beförderung von Trockenladungen mit lizenzierten Speditionslastwagen – Kühlwagen gestattet ist, mit nicht lizenzierten Fahrzeugen jedoch nicht. Letzteres hat zur Folge, dass Warentransporte an Spediteure ausgelagert werden müssen, auch wenn sie mit (firmen-) eigenen Fahrzeugen durchgeführt werden könnten.

(Quelle: Imerisia)

  1. Heinz
    20. August 2012, 12:50 | #1

    Da kommen so viele Faktoren zusammen, die mit einem Wettbewerbsmarkt nichts mehr zu tun haben.
    Was hier allerdings zum Teil als Begründung aufgeführt wird, gilt auch für andere Länder, in denen das ähnlich gehandhabt wird, dort aber trotzdem die Preise nicht so hoch sind.
    Da, so meine ich, sind die griechischen Konsumenten erheblich beteiligt. Zum Einen, weil sie wenig auf den Preis schauen. Wie sonst könnte es sein, dass in Griechenland, ich erlebe es immer wieder, das Hartgeld keinen Wert besitzt? Preise, wie im reichen Deutschland, mit genauen Centbeträgen, findet man ganz selten, oder sollte sich das jetzt geändert haben. Zum Zweiten halte ich meine Theorie aufrecht, dass noch sehr viel Geld gebunkert ist, die entsprechenden Konsumenten also noch gar nicht so auf den Preis schauen müssen. Will sagen: Es ist noch mehr Geld in Privathaushalten unterwegs, als die ständigen Verlautbarungen über Armut usw. vermuten lassen. Bei uns sagt man dazu: Jammern auf hohem Niveau.
    Und nicht zuletzt: Wie kann es kommen, dass so dermaßen in den Markt eingegriffen wird, wie bei den Sonderregeln für Transporte, wenn das stimmt, was da oben steht? Das ist nur noch zum Heulen.

  2. tabascofan
    20. August 2012, 14:58 | #2

    Erwähnen sollte man auch die Kosten, die zusätzlich anfallen. Zum Beispiel die exorbitanten Gebühren für die Entladung der Importe in griechischen Häfen. Ein befreundeter Unternehmer, der drei Jahre nach Griechenland exportierte, musste sechs Wochen (!!) auf die Löschung seiner Fracht warten, weil die Hafenarbeiter Dienst nach Vorschrift machten, als er keine Sondergebühren „für Schnelligkeit“ zahlen wollte. Die Folge: vieles war verdorben, der Unternehmer hat aufgegeben, Export nach Griechenland ist ihm zu teuer.

  3. Roditisa
    21. August 2012, 09:29 | #3

    @Heinz
    Ich kann ja nicht beurteilen, wie es auf dem Festland ist, aber hier auf den Inseln können sie auf den Preis sehen, soviel sie wollen. Auch beim Lidl kostet die Nutella nicht weniger als im „teuren“ Supermarkt. Die Innhaber der Läden wissen sehr gut, dass die Konsumenten keine Ausweichmöglichkeiten haben.

    Da ich mit einigen Innhabern von kleineren Läden gesprochen habe, gehe ich davon aus, dass das Problem bei den Großhändlern und den Transportunternehmen liegt. So erfuhr ich z.B., dass die einzige Windelmarke, die meine Tochter gut vertrug (günstig waren die auch noch), nicht mehr zu kaufen war, weil der Großhändler die Marke Pampers nur noch dann lieferte, wenn keine anderen Windelmarken bestellt wurden. So gab es vor 5 Jahren auf Rhodos plötzlich in den kleinen Läden nur noch Pampers, in den Supermärkten noch eine oder zwei andere bekannte und teure Marken. Nur der Lidl hatte eine günstige Eigenmarke, die mein Kind aber nicht vertrug.

    Ein anderer Ladeninnhaber zeigte mir seine Rechnungen. Er verkauft auch deutsche Kosmetikartikel. Er muss dafür das Doppelte von dem bezahlen, was in Deutschland der Endkonsument für das gleiche Produkt bezahlt. Das heisst, den Gewinn machen Zwischenhändler und eben die Transportunternehmen.

    Noch ein Beispiel. Man kann in Athen bei IKEA günstig Möbel kaufen. IKEA bringt einem die Sachen auch nach Hause. Für 11 Euro werden die Sachen nach Piräus gebracht, aufs Schiff gebracht und bis nach z.B. Rhodos gefahren. Für die 2 km vom Hafen in Rhodos zu mir nach Hause habe ich dann 40 Euro gezahlt und das war dann das günstigste Unternehmen.

    Solange das Transportmonopol nicht real aufgehoben wird, werden die Konsumenten weiter horrende Preise zahlen.

  4. Heinz
    21. August 2012, 13:08 | #4

    @Roditisa

    Gut, dass Sie diese Beispiele gebracht haben, denn sie belegen, dass die größten Probleme der Griechen die Griechen sind. So lange die sich gegenseitig so schamlos ausnehmen, weil ihnen „besondere Rechte“ und Möglichkeiten eingeräumt werden, so lange wird es alles so bleiben. Und ich weiß nicht, ob gerade Samaras und seine Partei da etwas ändern wollen. Die haben das doch vor allem so haben wollen, um ihren „Anhängern“ Vorteile zu gewähren. Bei der deutschen CDU und FDP übrigens nicht anders. Sind ja auch wesensverwandt.

    Haben Sie übrigens schon mal daran gedacht, sich gewisse Dinge des täglichen Gebrauchs im Internet zu bestellen? Muss ja nicht aus Griechenland sein. Vielleicht kommt das alles günstiger und die Konkurrenz würde belebt. Denn Griechenland hat keinen Wettbewerbsmarkt, weit gefehlt. Und das in der EU. Wo gibt es sonst noch so etwas. Vielleicht in Weißrussland?

  5. Stips Fan
    21. August 2012, 18:45 | #5

    @ Heinz
    Ich fahre seit über 30 Jahren mehrere Wochen nach Griechenland, allerdings in ländliche Gegenden und kann mich dort auch verständigen. Dass Hartgeld unmittelbar nach der Euro Umstellung keinen Wert besaß, war auf die Wertlosigkeit der Drachme zurückzuführen. Damals war der kleinste verwendete Schein 1000 Drachmen. Griechen sind halt nicht solche Pfennigfuchser und „Geiz ist geil“ Menschen wie wir. Ich habe mal danach gefragt und ein Freund sagte mir, da mal auf- mal abgerundet werde, stimme das alles schon unter dem Strich. Ich kann Ihnen aber versichern, dass diese Haltung inzwischen passe ist. Ich habe im Urlaub eine Gurke für 6 Cent gekauft. Früher hätte jeder Minimarktbesitzer die verschenkt.
    Und selbst dieses Frühjahr habe ich dort niemand jammern gehört. Man konnt jedoch die Sorgen körperlich spüren. Die alten Menschen (mit 300€ Rente und den gleichen Preisen wie hier) machen sich Gedanken, ob sie im Winter ihre Wohnung noch heizen können. Es gibt dort Spaghetti Abpackungen in einer Größe, die ich hier noch nie gesehen habe. Das ist das billigste Nahrungsmittel und es hat mir leid getan, dass viele meiner Freunde sich nur noch das leisten können. Die ländlich lebenden Griechen waren übrigens schon immer arm (zumindest aus deutschen Augen). Allerdings handelt es sich dort nicht um eine „Immer mehr haben wollen“ Gesellschaft, sondern eher um eine „Leben wollen“ Gesellschaft. Gerade die relative Bedürfnislosigkeit hat mich schon als junge Frau begeistert und ist einer der Gründe, warum ich diese Menschen so liebe. Hass, Habgier, Neid etc. war bis zum Eingriff der westlichen Bankinteressen dort so gut wie kein Thema, Gewalt auch nicht. Ganz arme Menschen schenken anderen noch Öl, Gurken, Tomaten, Oliven….Es gibt auch vollkommen Mittellose in unserem Dorf, die werden von der Dorfgemeinschaft durchgefüttert. Grundsicherung im Alter gibt es da nämlich nicht. Diese Unterstützung wird von außen an die Haustür gehängt, damit die Empfänger sich nicht beschämt bedanken müssen. Griechen kriegen auch noch jede Menge Kinder, obwohl es für 3 Kinder nur 250€ alle 2 Monate Kindergeld gibt. Ich könnte hier seitenweise weiter von der Seele schreiben. Wir könnten uns von der Lebenseinstellung der normalen Menschen eine dicke Scheibe abschneiden. Ich selbst erinnere mich an Zeiten, wo es solch paradiesisches Miteinander zwischen den Menschen auch hier noch gab.
    Der geld- und bankorientierte Westen wird es ihnen sicher abgewöhnen. Hoffentlich muss ich die totale Zerstörung dieser wunderbaren Kultur nicht mehr erleben.
    Es ist ekelhaft, wenn in abstrakter Weise von Zielen, die eingehalten werden müssen geschrieben wird und niemand mehr auf die Schicksale der Menschen schaut. Dort herrschen z.T. afrikanische Zustände. Wer alt und krank ist stirbt. Ich schäme mich bis unter die Haarwurzeln.

  6. Roditisa
    22. August 2012, 10:10 | #6

    @Heinz
    Es gibt ja einen Grund, warum viele Griechen Syriza gewählt haben, weil man sich erhofft hatte, dass die alte Elite dann nicht mehr weiter ihre Pfründe verteidigen kann. Dass Syriza andere Probleme mit sich gebracht hätte ist klar, aber war halt eine der wenigen Alternativen.

    Ich habe schon Produkte übers Internet bestellt, selbstverständlich. Aber die Verandkosten sind so hoch, daß es sich oft nicht wirklich lohnt, ausser man tut sich mit mehreren Leuten zusammen und bestellt eine große Menge, dann gibt es Rabatt. Außerdem finde ich es den Läden vor Ort gegenüber unfair, die verdienen so wenig, daß sie auf jeden Kunden angewiesen sind. Ich möchte diese Familien unterstützen und dazu beitragen, dass diese Läden erhalten bleiben. Ausserdem kaufe ich so viel als möglich lokale Produkte. Man kann den Markt auf kleinen Inseln nicht dem in einer deutschen Kleinstadt gleichsetzen. Der funktioniert anders. Wenn wir übers Internet bestellen, gehen die Läden vor Ort pleite. Die Transportunternehmen verdienen aber sogar noch mehr, weil sie viele kleine Lieferungen haben statt weniger große.

    Das ist auch ein Problem, das ich sehe. Der griechische Markt, die Infrastruktur brauchen andere Lösungen als die meisten Länder, weil der Wettbewerb durch die geographischen Gegebenheiten verzerrt ist. Wenn man rein kapitalistische Marktgesetze hier gelten lässt, dann haben sie bald keinen mehr auf den Inseln wohnen.

  7. Götterbote
    22. August 2012, 12:14 | #7

    @Stips Fan
    Danke für den sehr guten Kommentar, den ich so auch unterschreiben möchte. Meine Erlebnisse sind ähnlich und so mancher Wandel bemerkbar. Ich kenne die Entwicklung in Griechenland seit nun fast 40 Jahren und muss leider sagen, dass sich die letzten 20 Jahre permanent ins Negative entwickelt haben. Und seit diesem Jahr spürt man die Krise wirklich. Habe ich in den letzten Jahren auch noch so gedacht wie Heinz – nämlich, dass die Leute noch einiges im Sparstrumpf aufbewahrt haben – so ist jetzt ganz klar zu erkennen, dass kein Geld mehr da ist: die Cafés und Tavernen fast alle und fast immer leer und sogar der (mehr oder weniger) kostenlose Besuch am Strand wird sich nicht mehr geleistet.

  8. Götterbote
    22. August 2012, 12:22 | #8

    Etwas zu den „hohen Transportkosten“ sei hier noch angemerkt:

    1. Sind die Transportkosten wirklich so hoch oder sind sie in Wirklichkeit nicht einfach nur angemessen? Ich weiß, dass Waren aus Deutschland hauptsächlich mit griechischen Transporteuren nach Griechenland gebracht werden, weil die um ein vielfaches günstiger sind, als die deutschen Speditionen. Und wenn man nun bedenkt, dass das Transportgewerbe in Deutschland einer Ausbeutermafia gleicht, in dem sowohl bei 40-Tonnern, als auch im Paketzustellgewerbe die Mitarbeiter meist zu Hungerlöhnen arbeiten müssen, weiß ich nicht, ob es so erstrebenswert ist, in Griechenland ähnliche Verhältnisse zu schaffen.

    2. Selbst bei doppelt und dreifach hohen Transportkosten in Griechenland, rechtfertigt das nicht die Preise im Supermarkt eines Lidl. Rechnet man die Transportkosten auf die einzelnen Produkte um, so ergeben sich meist höhere Kosten von vielleicht einem Cent pro Artikel. Dennoch finden sich die gleichen Artikel in deutschen Lidl-Märkten teilweise für die Hälfte des Geldes wieder. Also scheint auch hier eher die Abzock-Mentalität der Manager am Werk zu sein, als das Transportwesen. Man weiß halt, dass Griechen bereit sind, viel Geld für Lebensmittel zu zahlen, weil sie dann eine entsprechende Qualität erwarten. Ich erinnere mich an die Einführung des Lidl. Alle Bekannten und Verwandten waren skeptisch und überzeugt davon, dass die Qualität der Produkte nicht gut sein kann, da die Preise wesentlich günstiger waren, als in anderen Supermärkten. Inzwischen hat sich das alles ein wenig angepasst.

  9. Heinz
    22. August 2012, 14:06 | #9

    @Roditisa

    Nun, die „rein kapitalistischen Marktgesetze“, wie Sie schreiben, meinte ich nicht. Denn Wettbewerb hat zuerst einmal nichts damit zu tun. Wettbewerb gibt und gab es sogar in Planwirtschaften. Markt funktioniert nur über eine breite Angebotskultur, die es auf den Inseln möglicherweise nicht gibt. Was dann von denen, die mit Zusammenstehen etc. nichts am Hut haben, gnadenlos ausgenutzt wird. Das sind dann z.B. die Transporteure, dennen quasi ein Monopol verschafft wurde, von welcher Regierung auch immer.
    Und das wiederum hat mit dem Kapitalismus in London, New York usw. überhaupt nichts zu tun. Der ist im eigenen Land entstanden. Durch Menschen, die sich eben auch patriotische Griechen nennen, damit allerdings meinen, so schnell wie möglich reich zu werden.

    Frage: Gibt es auf den Inseln Einkaufsgenossenschaften? Das wäre z.B. eine Möglichkeit, eine Nachfragemacht zu etablieren. Gibt es Widerstände gegen das Transportmonopol?
    Die Liste der Fragen ließe sich fort setzen.

    Was Götterbote zum Thema Transportkosten schreibt, ist nicht alles richtig. Es stimmt z.B. nicht, dass Waren aus Deutschland hauptsächlich durch griechische Transporteure nach Griechenland gebracht werden. Es wird sich kaum ein griechischer Spediteur nach Deutschland verirren, weil er keine Transporte nach Deutschland hat, was am, hier schon oft beschriebenen, fehlenden Export liegt. Nur, diese Ladungen braucht er. Und Frischware wie Tomaten usw. werden fast ausschließlich ausgeflogen. Nein, die Transporte nach Griechenland werden vor allem durch Bulgaren und Rumänen ausgeführt. Die sind unschlagbar billig.

    Und dass die Lidl-Waren in Deutschland billiger sind, als in Griechenland. Darüber sollte man sich nicht wundern. Hier herrscht echter harter Wettbewerb in D. Sieht in GR völlig anders aus. Weshalb das so ist, wurde ebenfalls hier schon beschrieben. Bürokratismus, Korruption und Geschachere drücken die Preise nach oben. Wettbewerb wurde also tunlichst vermieden.

    Es ist immer so einfach, diese Dinge dem Kapitalismus, was ist das eigentlich?, zuzuschieben. Was in Griechenland fehlt, ist die reale Konkurrenzsituation. Denn, weshalb werden Tomaten aus Kreta fast täglich nach D geflogen, wenn die Leute in GR, wie es Götterbote schreibt, tatsächlich bereit sind, für Lebensmittel viel Geld aus zu geben? Ist es nicht eher so, dass der Zwischenhandel in GR hier grausam zuschlägt? Dass die Tomaten in D, unter erheblichem Preisdruck durch die große Konkurrenz, dann beim Endverbraucher billiger sind, als in GR im Handel.

    Mein Rat: Nicht immer die Schuldigen in ganz Resteuropa suchen, nur in Griechenland nicht. Das führt zu nichts, ändert nichts, rein gar nichts, das ist nur Gejammer. Aufgeräumt werden muss in Griechenland. Und zwar gewaltig. Und dazu muss jeder einzelne Bürger beitragen. Bequemlichkeit führt hier nicht weiter. Nachdenken hat da schon das eine oder andere Mal geholfen, z.B. auch über die Funktion der Presse in GR. Zeitungen, die offensichtlich gegen meine Interessen schreiben und argumentieren, die kaufe ich nicht mehr. Und so gäbe es noch viele Beispiele.

  10. Roditisa
    23. August 2012, 08:53 | #10

    @Heinz
    Ich teile Ihre Meinung komplett. Meiner Meinung nach ist das Problem nicht der Kapitalismus an sich, sondern die Rahmenbedingungen, die der griechische Staat vorgibt. Das Transportmonopol schafft eben keinen freien Wettbewerb, aber selbst wenn es einfach aufgehoben wird, haben die Inseln beim Transport immer noch keinen freien Wettbewerb, weil es einfach nur wenige Firmen gibt, die dort hin liefern. So war das gemeint. Da müßten verantwortliche Politiker Lösungen suchen, wie man der Bevölkerung helfen kann, ohne dem Markt zu schaden. Eine Weile war ja die Mehrwertsteuer geringer, um das auszugleichen, das wurde aber im Zuge der Krisenmaßnahmen geändert.

    Ich gehe auch nicht von einer „bösen kapitalistischen Welt da draußen“ oder Ähnlichem aus. Die Probleme vor Ort sind weitgehend hausgemacht und nur lösbar, wenn die griechische Führungselite es schafft, Rechtssicherheit, sinnvolle Besteuerung und die reale Begleichung der Steuern, realen Wettbewerb in der Wirtschaft und Straffung der Bürokratie durchzusetzen. Das wird aber dauern, sofern es überhaupt passieren wird. Denn die meisten Griechen haben ihr Leben lang den Staat als irgendwelche Politker empfunden, die ungerecht walten und betrügen, weshalb man sich selbst nur ebenfalls durch Betrug dagegen zur Wehr setzen kann. Dass man selbst der Staat ist, die Idee ist den meinsten Griechen, die ich kenne, fremd. Daher sind viele Griechen zwar Patrioten ihrem Land im geographischen Sinne gegenüber, aber nicht ihrer Nation, weil sie sich nicht als Teil des Staatsgebildes wahrnehmen.

    Die Zwischenhändler hatte ich übrigens als Teil des Problems schon erwähnt, wie z.B. bei der Pampersgeschichte.

  11. Roditisa
    23. August 2012, 09:04 | #11

    @Götterbote
    Ich weiß nicht, woher Sie ihre Informationen haben, aber mir ist anderes bekannt. Meist werden Ladungen aus Deutschland von deutschen Firmen bis an griechische Häfen gebracht, wo sie dann von griechischen Unternehmen aufgrund des immer noch bestehenden Monopols übernommen werden. Ob griechische Angestellte von Transportfirmen so gut verdienen, mag ich bezweifeln, mein Nachbar arbeitete voll bei einer Transportfirma und verdiente erst 900 Euro im Monat, die jetzt im Zuge der Krise erst auf 800 und dann auf 700 gesenkt wurden. Er ist nun ausgewandert, weil die Familie von diesem Gehalt nicht leben konnte und seine Frau keine Arbeit fand.

    Die Transportkosten sind aber nur einer der Gründe für hohe Preise, da haben sie Recht.

  12. Götterbote
    23. August 2012, 14:29 | #12

    @ Heinz
    Lieber Heinz,
    ich kenne vermutlich ca. 100 griechische LKW-Fahrer/Unternehmer und deutsche und griechische Speditionsvermittlungen, was u.a. mit meiner eigenen beruflichen Laufbahn und dem Ort meiner Vorfahren zusammenhängt, dass die größte LKW-Fahrer-Dichte Griechenlands aufweist. Die Fahrer dort fahren in erster Linie die Route Griechenland-Deutschland und zurück, ebenso Griechenland-Italien und zurück. Sie dürfen sich sicher sein, dass dieses repräsentativ für eine Vielzahl der griechischen LKW-Unternehmer gilt.
    Es ist zwar richtig, dass es kaum noch Ladungen von Griechenland nach Deutschland gibt (dass alles ausgeflogen wird stimmt nicht, sondern es wird einfach nur zu wenig nach D verkauft, da zu teuer im Vergleich zu italienischen und spanischen Produkten), nichts desto trotz, gibt es einen Markt, z.B. bei der Aluminiumproduktion und -verarbeitung.
    Unabhängig davon, ist es so, dass hauptsächlich griechische Unternehmen die Fracht von Deutschland nach Griechenland bringen, was zeigt, dass der griechische Unternehmer trotz der Leerfahrt von Griechenland nach Deutschland oftmals noch günstiger ist, als der deutsche Spediteur.

    Zu den Lidl-Preisen: ich rede nicht von Obst und Gemüse, dass in GR je nach Saison usw. ähnliche Preise hat wie in Deutschland, sondern von Fertigprodukten, bzw. verpackten Lebensmitteln, die man sowohl im Lidl in D, als auch in GR findet, wie z.B. bestimmte Joghurts, Getränke, Konserven, Hygienemittel usw. Diese sind in GR oft um ein vielfaches teurer, was weder durch Transportkosten, noch durch Korruption (wollen Sie etwa tatsächlich behaupten, Lidl musste oder muss Schmiergelder bezahlen, wenn ja, wofür???) zu rechtfertigen ist. Von fehlender Konkurrenz kann auch keine Rede sein, schließlich ist die Anzahl der Ketten ähnlich hoch (in D: Aldi, Lidl, Netto/Edeka, Rewe/Penny, Norma – im Vergleich GR: Masoutis, Lidl, Arvanitidis, Marinopoulo), allerdings lässt die allgmeine Struktur nicht die gleiche Dichte zu, wie es in Deutschland der Fall ist.
    Die Korruption immer wieder als Argument zu bringen, ist das einfachste, was den Leuten immer dazu einfällt, wenn etwas nicht so läuft, wie sie meinen, es laufen zu hätte. Ich selbst war in GR geschäftlich aktiv und musste an keiner Stelle Schmiergelder zahlen oder sonst was. Schon möglich, dass das ein oder andere schneller gegangen wäre, wenn ich dem netten Herren hinterm Schreibtisch etwas zugesteckt hätte und sicher werden das viele tun, weil sie einfach keine Lust haben, acht Wochen auf die Genehmigung zu warten, aber das ist jedem selbst überlassen und planbar.

  13. Götterbote
    23. August 2012, 14:43 | #13

    @Roditisa
    Woher ich meine Informationen habe, können Sie meinen vorherigen Kommentar entnehmen. Sie sprechen von angestellten Fahrern, die für eine Spedition arbeiten und meist nicht mehr verdienen, als normale Fabrikarbeiter, ich von den selbständigen Fahrern, die für sich selbst arbeiten und den größten Teil der Spediteure in GR ausmachen. Diese arbeiten in der Regel dann noch mit Vermittlungsbüros zusammen, die sich um die Organisation usw. kümmern. Diese Fahrer wirtschaften in die eigene Tasche und verdienen – so es denn die Auftragslage zulässt – einigermaßen gut, wenn auch nicht königlich. Das „Monopol“ von dem so oft gesprochen wird, hängt mit der Lizenzenvergabe zu tun, die in GR beschränkt ist. Wer also die Lizenz eines anderen kaufen wollte, musste sehr hohe Summen (meist wurde der entsprechende LKW gleich mitverkauft) dafür auf den Tisch legen. Diese Art von Monopol gibt es aber auch in Deutschland, z.B. bei Taxi-Lizenzen.

    Und Sie haben mich glaube ich falsch verstanden: ich behaupte eben, dass die Transportkosten NICHT für die hohen Preise verantwortlich sind, sondern es in erster Linie an gewinnorientierten Konzernen liegt. Ein Lidl kauft nicht beim Zwischenhändler, ein Lidl kauft direkt beim Erzeuger (Lebensmittel), vor allem, was die identischen Produkte in verschiedenen Ländern angeht.

  14. Roditisa
    23. August 2012, 22:06 | #14

    @Götterbote
    Vielen Dank für Ihre Informationen. Das mit den Lizenzen war mir bekannt, nicht aber die Auftragslage.

    Ihre Aussagen lesen sich sehr plausibel. Dann müssten die großen Ketten in Griechenland ja viel größere Gewinne einfahren, als in Deutschland. Haben Sie dazu Informationen?

  15. Götterbote
    24. August 2012, 14:46 | #15

    @Roditisa
    Ich habe leider keinen Einblick in die Geschäftsbücher der Supermarktketten, mir sind aber aufgrund einiger Kontakte sehr wohl einige Gewinnmargen bestimmter Produkte der Supermärkte bekannt und auch deren Vertragsbedingungen mit einigen Lieferanten.

    Man darf grundsätzliches nicht vergessen: die Preise in Deutschland sind im Vergleich zu den meisten anderen Ländern sehr niedrig. Natürlich ist die Konkurrenz auch ein Grund, aber natürlich sind die deutschen Verbraucher mit schuldig, die eine geiz-ist-geil-Mentalität an den Tag legen, die seinesgleichen sucht. So oder so, sind die Margen im Ausland für die Supermarktketten größer.

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