Mindestlohn-Kaufkraft in Griechenland auf Niveau der 70er Jahre

7. August 2012 / Aktualisiert: 25. September 2017 / Aufrufe: 1.704

Die Kaufkraft des gesetzlichen Mindestlohns in Griechenland ist infolge der Kürzungen und Steuerbelastungen auf das Niveau gegen Ende der 70er Jahre zurückgefallen.

Die direkte Kürzung des Mindestlohns um 22% (auf 586 Euro per Gesetz, seit dem 14 Februar 2012, in Umsetzung des Programms zur volkswirtschaftlichen Angleichung), die Stagnation der Preise trotz der Rezession und des Rückgangs der Nachfrage auf hohen Niveaus und die wiederholten Steuererhöhungen warfen die Kaufkraft des gesetzlichen Mindestlohns auf das Niveau gegen Ende der 70er Jahre zurück.

Diese Beurteilung geht aus den Erhebungen hervor, welche das Institut für Arbeit (INE) des gewerkschaftlichen Dachverbands GSEE im Rahmen der jährlichen Beobachtung des Verlaufs der griechischen Wirtschaft, der Bezüge und der Beschäftigung anstellte.

Entwicklung der Mindestlöhne in Griechenland 2001 – 2012

Jahr Mindestlohn (€) Jahr Mindestlohn (€)
2002 498,86 2008 701,00
2003 519,87 2009 739,56
2004 559,98 2010 739,56
2005 591,18 2011 751,39
2006 625,97 2012 586,08
2007 657,89

Laut den Daten des INE, welche neulich der Präsident des Dachverbands, Giannis Panagopoulos, und der wissenschaftliche Leiter des Instituts, Professor Sawwas Rompolis, den Leitern der Troika angesichts der Änderung des Modus der Festsetzung des gesetzlichen Mindestlohns (mit Thema seitens der EU, der EZB und des IWF die aktivere Mitwirkung des Staates in dem gesamten Prozess, wie auch das Memorandum bestimmt) präsentierte, ist die Minderung der Kaufkraft der Mindestbezüge höher als die entsprechende Minderung des Durchschnittslohns, der um 9 – 10 Jahre, also auf das Niveau von 2003 zurückfiel.

Die Kaufkraft des gesetzlichen Mindestlohns ist dagegen auf das Niveau gegen Ende der 70er Jahre gesunken, weil die Niedrigverdiener unverhältnismäßig durch die indirekte Besteuerung, die Verbrauchssteuern und die Reduzierung der öffentlichen Ausgaben belastet werden, welche mit der Gewährung sozialer Leistungen oder Hilfen in Zusammenhang stehen und erneut radikal gekürzt werden sollen.

Flexible Beschäftigungsformen

Der Kaufkraftverlust wird noch schwerwiegender, wenn die Tatsache einbezogen wird, dass sich wegen der ungünstigen wirtschaftlichen Umstände, denen die Unternehmen begegnen, die flexiblen Formen der Arbeit ausweiten (Teilzeitarbeit und wechselweise Beschäftigung) und immer mehr Arbeitnehmer zwingen, sogar auch für den … halben Mindestlohn zu arbeiten.

Die Kürzung der Löhne trug weder zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit noch zur Erhöhung der Arbeitsplätze bei, da die anhaltende Rezession (von der erwartet wird, dass sie 2012 nach den neuen Kürzungen von 11,5 Mrd. Euro noch „tiefer“ werden wird) noch mehr Arbeitslose „produziert“ (das INE prognostiziert eine Arbeitslosigkeit bei 28% – 29%, also bis zu 1.450.000 Arbeitslose im nächsten Jahr), die Produktivität, den Konsum, die Gesamtnachfrage, die Nutzung der Produktionsausrüstung und die Investitionen mindert und – wie Sawwas Rompolis betont – zu einem „Einbruch“ nicht nur in der Gesellschaft, aber auch der Produktionsbasis führt und damit den Neustart der Wirtschaft teurer macht.

Die Fakten

Diese Fakten wird die GSEE zur Verteidigung der Erhöhung der Mindestgrenzen auf den Tisch der Diskussion mit dem Minister für Arbeit, Sozialversicherung und Fürsorge, Giannis Vroutsis bringen. Der die Änderung der Bestimmungsmodus der Untergrenzen der Gehälter und Tageslöhne des nationalen Manteltarifvertrags ankündigte und Erhöhungen zumindest „bis es die wirtschaftlichen Bedingungen gestatten“ ausschloss. Auf Basis der letzten Verpflichtung, welche die Regierung gegenüber der Troika einging, muss der Dialog bis Ende Oktober abgeschlossen sein.

Laut zuverlässigen Informationen der „Imerisia“ wird die Regierung vorschlagen, das „französische“ Modell zur Anwendung zu bringen, welches zwar die Verhandlung zwischen den Sozialpartnern frei lässt, das letzte Wort bezüglich der Gestaltung der endgültigen Höhe der Mindestgrenzen hat jedoch der Staat …

Den Mindestlohn auf nationaler Ebene gibt es in 20 der 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Seine Höhe wird entweder von der Regierung auf Basis der Vorschläge der Sozialpartner bestimmt (Frankreich, Spanien, Luxemburg, Vereinigtes Königreich und Irland) oder geht aus der kollektiven Verhandlung zwischen den Sozialpartnern hervor (Belgien und Griechenland) und kommt üblicherweise auf die Gesamtheit der Beschäftigten der Wirtschaft und alle Berufe zur Anwendung.

Der Mindestlohn auf nationalem Niveau gilt ebenfalls auch in 11 der 12 neuen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (Tschechei, Estland, Ungarn, Litauen, Lettland, Malta, Polen, Slowenien, Slowakei, Bulgarien, Rumänien) und wird in fast allen von der Regierung bestimmt, entweder einseitig oder auf Basis von Vorschlägen, Beratungen oder Verhandlungen zwischen Regierung und Sozialpartnern. In den übrigen 7 Ländern der Europäischen Union (Österreich, Deutschland, Dänemark, Schweden, Finnland, Italien und Zypern) gelten die Mindestlöhne nur auf Branchenniveau.

(Quelle: Imerisia)

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