Der lange Zeibekiko des ehemaligen Ministers Tsochatzopoulos in Griechenland

19. April 2012 / Aufrufe: 1.803

Wie sich das Hätschelkind des Andreas Papandreou, das zeitweise sogar die Position des Premierministers in Griechenland beanspruchte und der mächtigste Verteidigungsminister seit dem Regimewechsel wurde, als Angeklagter wiederfand.

Bis zum Mittwoch (11 April 2012) der orthodoxen Karwoche glaubte kaum jemand, dass Herr Akis Tsochatzopoulos sich in der Situation des Verhafteten wiederfinden würde. Nicht einmal er selbst, der sich – die Kritik, die Beschimpfungen und die Verachtung der Leute ignorierend – bisher frei in Athen bewegte, manchmal mit einem kleinen weißen Smart, manchmal mit einem … champagnerfarbenen Mercedes. Er kümmerte sich sogar auch nicht um die Warnungen seiner Kollegen – wie es sich in der vergangenen Woche ereignete, als ihm der ehemalige Abgeordnete der Nea Dimokratia (ND) Anastasios Karamarios beim Verlassen eines Bekleidungsgeschäfts im Athener Nobelvorort Kolonaki begegnete: „Akis, mit solchen Beschuldigungen auf Deinem Buckel wirst Du ins Gefängnis gehen, Du wirst nicht davonkommen„, hatte er ihn gewarnt. Und Akis grinste ihn an und meinte: „Auf keinen Fall, weil ich Unterlagen habe, mit denen ich antworten werde und sich alles klären wird, das sind alles Verleumdungen, sie spielen ein politisches Spielchen.

Herr Tsochatzopoulos war offensichtlich von der Straffreiheit der Politiker überzeugt. Außerdem war nach so vielen Skandalen, Untersuchungsgremien und Voruntersuchungsausschüssen bisher abgesehen von „Athanasopoulos, wegen der Geschichte mit dem Mais„, kein einziger Politiker verhaftet worden. Den „Bürgern von Jerusalem“ (= Insidern) war allerdings bekannt, dass das Verteidigungsministerium, in dem Akis über lange Zeit diente, potenziell ein fruchtbarer Boden für Skandale ist. Wie fand sich jedoch der Mensch, der mit der reinrassigen ersten sozialistischen Fraktion der PASOK-Partei liiert war, der Mensch, der beinahe Premierminister geworden wäre, einer der bedeutendsten Minister der Regierung, mit stärksten Beziehungen und Bekanntschaften im In- und Ausland, in der Karwoche unter der Beschuldigung wegen Schmiergelder von Millionen Euro in der Kripo-Zentrale wieder?

Sucht nach Ruhm, Bereicherung und Statussymbolen

Nicht einmal seine Gattin Frau Vasilki (Viki) Stamati, ehemalige Angestellte der DEI und für vile „Stein des Anstoßes“ glaubte, dass „ihr Akis“ verhaftet werden würde. Am Tag seiner Festnahme und noch bevor Herr Tsochatzopoulos auf die Polizeizentrale (GADA) abgeführt wurde antwortete sie persönlich am Mobiltelefon ihres Gatten und sagte: „Haben Sie denn nicht erfahren, was uns widerfuhr? Welches Unglück uns traf?“ Sind jedoch – wie humoristisch im Parlament behauptet wird – an allem die Frauen der Politiker schuld? Wie gesagt wird, sind ihre Frauen wegen ihrer gehegten Sucht nach sozialem und gesellschaftlichem Ruhm, wegen ihrer Gier nach unmittelbarer Bereicherung, bezüglich des Erwerbs einer Wohnung im Bezirk Ekali oder Dionysiou Areopagitou schuld.

Herr Akis Tsochatzopoulos befand sich im Jahrzehnt von 1990 in seinem politischen und parteilichen Zenith. Für ein Treffen mit ihm bettelten Abgeordnete seine Mitarbeiter an, die dem sogenannten „Tsochatzopoulos-Block“, sprich der damals innerhalb der PASOK-Partei stärksten agierenden Strömung angehörten. Zur selben Zeit wurden jedoch parallel zu den fortwährenden „Jahrhundertkäufen“, welche unter der Rechtfertigung der „Steigerung der Effizienz der militärischen Kräfte“ alle Nase lang bekanntgegeben wurden, auch merkwürdige Immobilienkäufe verzeichnet. Nur die wenigsten dieser Immobilien liefen auf Akis‘ Namen. Es gab jedoch andere, mit … Offshore-Gesellschaften als Eigentümer. Und man sollte sich mal in Erinnerung rufen, dass Herr Tsochatzopoulos 1981 ohne eine einzige Immobilie in seinem Eigentum und nur mit diversen Einkommen aus der Beteiligung an einer Konstruktionsfirma in die zentrale politische Szene eintrat.

Während der „Panhellenischen Befreiungsbewegung“ (PAK) war er Chauffeur, Mitarbeiter und Bote des Andreas Papandreou, nach dem Sturz der Junta Mitglied des damals allmächtigen Vollstreckungskomitees und bei den Wahlen im Jahr 1981 als Abgeordneter ohne Wahlkreis aufgestellt. In seiner anfänglichen „Einkommens-Deklaration“ („πόθεν έσχες“) erscheint er als … „obdachlos“, und der einzige deklarierte Vermögenswert war ein Opel Ascona 1,6 L, der seiner (damaligen) deutschen Ehefrau Gudrun Moldenhauer gehörte. Die Einkommen, welche der laut eigener Erklärung „Ingenieur – Ökonom“ für das Jahr 1980 in seiner Einkommensteuererklärung einbezieht, waren 565.590 Drachmen, die aus seiner 10-prozentigen Beteiligung an der Konstruktionsfirma K. Arvanitis & Co OHG herrührten. Seine Bankguthaben waren 200.000 Drachmen bei der Griechischen Nationalbank und 20.000 Mark bei der Stadtsparkasse München in Deutschland, wo er während der Periode der Militärdiktatur vor seiner Rückkehr nach Griechenland beruflich tätig war.

Von Thessaloniki nach Deutschland

Seine Eltern waren arme Leute, Flüchtlinge aus Konstantinopel, die 1929 nach Thessaloniki kamen. Sie verkauften in einem kleinen Laden in der Handelshalle Modiano Würstchen, Pökelfleisch und Salami. Akis liebte von jung auf den Handel. Er verkaufte am Bahnhof von Thessaloniki Sandwiches und ging parallel bei der Fußballmannschaft PAOK zum Training. Von klein an wollte er reich werden – was vielleicht seine Ausflüge als Verteidigungsminister mit F-16 und Mirage über der Ägäis erklärt. An der Ikarus-Schule fiel er wegen einer Herzmuskelschwäche „durch“. 1959 ging er nach Deutschland und absolvierte, als Kellner und Ladearbeiter arbeitend, sein Ingenieurstudium.

Als Akis Tsochatzopoulos in die Politik eintrat, war er arm wie eine Kirchenmaus. Seine Einkommen stiegen jedoch von Jahr zu Jahr mit geometrischer Progression. Damals hatte ihn niemand einer Überprüfung unterzogen – und außerdem interessierte sich auch niemand dafür. Und immer, wenn es Verdächtigungen wegen seiner Einkommen und Immobilien, Beschwerden bezüglich ungerechtfertigter Bereicherung gab, antwortete er mit Anzeigen, Klagen und außergerichtlichen Schriftsätzen. Für alle, die ihn kannten, beruhte sein abrupter politischer, parteilicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Aufstieg auf zwei Faktoren: erstens der Zuneigung und dem Vertrauen, die Andreas Papandreou für ihn hegte (es wird gemunkelt, „Andreas habe Akis sogar mehr als seinen eigenen Kindern vertraut„), und zweitens der Sache um … (die Insel) Imia. Seine Amtszeit im Verteidigungsministerium wurde – mit „Imia als Alibi – von einem Mammut-Rüstungsprogramm begleitet. Allein im November 1996 bewilligte die damalige Regierung ein gigantisches Rüstungsprogramm im Wert von 4 Billionen Drachmen, welches als „Kauf des Jahrhunderts“ bezeichnet wurde. Die Direktaufträge wurden in etlichen Fällen zur Gewohnheit. Der Direktauftrag über die russischen Raketen überstieg 1 Mrd. Dollar. Bezüglich dieses Kaufs wurde ein Untersuchungsausschuss gebildet, ohne dass jedoch jemand belangt wurde.

Und plötzlich trat Frau Viki Stamati in sein Leben. 1999 war vielen eine dunkelhäutige Dame aufgefallen, die ihn auf seinen Reisen mit den gecharterten Privat-Jets in verschiedene Länder zu Verhandlungen über Waffensysteme begleitete. Anfangs wurde gemeint, es handele sich um eine der engen Mitarbeiterinnen des Akis, da der Minister auf seinen Reisen auch ein oder zwei seiner Sekretärinnen mitzunehmen pflegte. Es war jedoch die Frau Stamati. Dann ließ er sich von seiner deutschen Ehefrau scheiden. Die Scheidung war turbulent und kam Akis teuer zu stehen. Informationen sprachen von Bargeld, das er zahlte, aber auch von der Abtretung einer Immobilie an seine ehemalige Gattin. Weiter wird gesagt, Frau Gudrun Moldenhauer habe mit einer Vereinbarung auch erreicht, den Nachnamen „Frau Tsochatzopoulos“ beizubehalten.

Drei Jahre später richtete er anlässlich seiner Verlobung mit Frau Stamati einen Empfang in dem luxuriösen Hotel „Beau Brummel“ in Kifisia aus. Eingeladen waren Abgeordnete, Unternehmer und Personen des öffentlichen Lebens. Es wurde auch eine französische Sängerin aus Paris speziell eingeladen, um dem Brautpaar zu gratulieren. Herr Tsochatzopoulos zeigte sich allmächtig. Er war überall eingeladen, und mit ihm seine neue Ehefrau. 2003 erfolgte in der Stiftung Goulandis die Präsentation ihres Kinderbuchs „Der mythische Raum der Natur“, was ein überragendes politisch-kulturelles Event in Athen darstellte, da die gesellschaftliche und intellektuelle „Creme de la Creme“ Athens beiwohnte.

Die Hochzeit und der Empfang im „Four Seasons“

Und danach kam die Hochzeit in Paris, in der orthodoxen Kathedrale des St. Stefanos. Das Paar fuhr in einem blauen Jaguar bei der Kirche vor. Trauzeuge war der französische Ingenieur Misel Kantas. Es folgte ein glänzender Empfang im luxuriösen Hotel „Four Seasons“. Es entstand ein Getöse – es war der Beginn des Untergangs des Akis.

Der endgültige Schlag erfolgte mit dem Kauf des Hauses an der teuersten Straße Griechenlands, der Dionysiou Areopagitou. Diesen Kauf hatte er nicht in der „Vermögensdeklaration“ angegeben. Er konnte die SDOE nicht davon überzeugen, dass dieses Geld aus seinen Ersparnissen und einem aufgenommenen Kredit stammte. Er überzeugte nicht mit der Behauptung, dass es nur 1,1 Mio. Euro gekostet habe. Es begannen die aufeinanderfolgenden Überprüfungen der SDOE, und er wurde vor den Siemens-Ausschuss geladen, weil in dem Kalender des Herrn M. Christoforakou sein Name häufig erschien. Der Kauf des neoklassizistischen Gebäudes wurde direkt mit der Sache der U-Boote der Ferrostaal in Verbindung gebracht, da er durch eine mit Akis in Zusammenhang stehende Offshore-Gesellschaft getätigt wurde.

Trotz allem verstand Akis offensichtlich nicht, dass sich die Zeiten geändert hatten. Er konnte nicht glauben, dass die Möglichkeit seiner Verhaftung bestand. Obwohl ihn seine Freunde verließen und er fast allein blieb, setzte er – offensichtlich gealtert – sein Leben fort, als ob nicht das Geringste geschehen wäre … .

(Quelle: To Vima)

  1. schnucki
    20. April 2012, 08:17 | #1

    Und jetzt sollen wir glauben, das Herr Tsochatzopoulos definitiv zur Rechenschaft gezogen wird?
    Das sein „Privatvermögen“ angetastet wird? Es wird ausgehen wie immer….. es wird im Sand verlaufen, da wurde schon vorgesorgt.

  2. Juls
    20. April 2012, 14:46 | #2

    @ Schnucki

    ja genauso wird es sein…….lass man erstmal die Wahl vorbei sein…….denn wenn der „gute Mann“ auspacken wuerde, wer denn da so alles mit drinnen steckt, ist die politische Buehne fast leer…….und niemand in der Vouli moechte doch seinen Stuhl verlieren, seIne Off-Shorefirmen, sein Geld u.s.w. einer deckt hier den naechsten…..und am Ende ist mal wieder nichts gewesen…….

  3. iaourti iaourtaki
    20. April 2012, 22:55 | #3

    Der Geheimdienst sollte mal den Mossad fragen, ob die nicht Bock haben, die drei Siemensmanager, die die deutsche Justiz vor der Auslieferung nach Griechenland schützt, zu „entführen“.
    Und dann mal checken, wo der Rest von 256 Millionen Schmiergeld von Ferrostal geblieben ist, Ferrostal gehört beschlagnahmt bis das Geld wieder da ist und die komplette Ferrostalchefetage gehört auch ausgeliefert.

  4. kapios
    9. Oktober 2013, 08:42 | #4

    Wie wir sehen hat der „gute“ Mann nun 20 (ZWANZIG) JAHRE Gefängnis bekommen. Gut so.
    Ich hatte ihn (nichtsahnend) als Verteidigungsminister sehr geschätzt.

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