511 Euro brutto für junge Arbeitnehmer in Griechenland

7. März 2012 / Aktualisiert: 11. Dezember 2016 / Aufrufe: 1.336

In Griechenland wurde der gesetzliche Mindestlohn für junge Arbeitnehmer bis 25 Jahre in allen Branchen und Berufen global auf 511 Euro brutto pro Monat gesenkt.

Ein Beschluss des griechischen Kabinetts, der die Geltung einer gesetzlichen Verfügung hat und am 28. Februar verabschiedet wurde, sieht für junge Arbeitnehmer im Alter von bis zu 25 Jahren die Außerkraftsetzung aller Branchentarifverträge und kollektiven Tarifvereinbarungen vor. Dies bedeutet in der Praxis, dass die Arbeitgeber unabhängig von bestehenden Verträgen die Löhne aller jungen Arbeitnehmer sofort auf 511 Euro brutto senken können!

Dies stellte Anna Stratinaki am 05. März 2012 in einem Interview in einer Fernsehsendung klar und offenbarte, dass es in dem immer heftiger werdenden Angriff gegen die Arbeiter und das Volk keinerlei Limit gibt. Gleichzeitig öffnet sich jedoch mit den jungen Leuten als Fahrzeug auch der Weg für die beschleunigte Offensive zu Lasten aller Branchentarifverträge.

Kabinett setzt für junge Arbeitnehmer Tarifverträge außer Kraft

Konkret wird in dem besagten Kabinettbeschluss angeführt, dass für die jungen Arbeitnehmer bis 25 Jahre eine Senkung der Mindestlöhne des Nationalen Manteltarifvertrags (EGSSE) um 32%, also von bisher 751 Euro auf fortan 511 Euro brutto vorgesehen ist. Für die übrigen Arbeitnehmer beträgt dagegen die entsprechende Senkung des Grundlohns des Nationalen Manteltarifvertrag 22% (= 586 Euro brutto im Monat, siehe auch Senkung der Mindestlöhne in Griechenland ab März 2012).

Für die Jungen bis 25 Jahre bezieht sich die Senkung um 32% auf alle jungen Arbeitnehmer, gleich ob sie gemäß dem Nationalen Mateltarifvertrag oder nach einem Branchentarifvertrag entlohnt werden. „Fahrzeug“ für diesen Angriff ist ein weiteres Mal die angebliche „Bekämpfung der Arbeitslosigkeit„. Die Führung des Arbeitsministeriums erklärte, dass mit dem Gesetz „im Rahmen der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit“ das Gewicht auf das Alter der jungen Arbeitnehmer und nicht auf den Arbeitsvertrag gelegt werde.

Es werden also alle Löhne aller jungen Arbeitnehmer gekappt. Anna Stratinaki erklärte sogar, dass „der Arbeitnehmer die Möglichkeit hat, mit seinem Arbeitgeber die Senkung um 32% gegenüber dem Nationalen Manteltarifvertrag mittels Verhandlungen zu vereinbaren … da das Gewicht auf das Alter fällt„, und gab damit den Arbeitgebern das Signal, umgehend zu einer vernichtenden Offensive gegen die jungen Arbeitnehmer zu schreiten.

Junge Arbeitnehmer in der (Arbeits-) Hölle

Auf diese Weise macht die Koalitionsregierung PASOKNea Dimokratia zusammen mit den anderen Parteien der Plutokratie kostenlose junge Arbeitnehmer zum „Geschenk“. Außerdem war Anna Stratinaki absolut eindeutig und führte auch das Beispiel eines jungen Arbeitnehmers mit Branchentarifvertrag an und erklärte, dass der Arbeitnehmer die Möglichkeit hat, dessen Lohn zu „knicken“: „Es ist rechtmäßig, dass der Arbeitgeber eine Lohnkürzung um 32% gegenüber dem EGSSE vorschlägt„, meinte sie bezeichnend.

Es ist völlig klar, dass die schwarze Front den arbeitsrechtlichen Dschungel für die Gesamtheit der jungen Arbeitnehmer, also für ungefähr 175.000 Beschäftigte verallgemeinern will – in welcher Zahl zigtausende junge Leute, die ohne Sozialversicherung für „Schwarzgelder“ von „Mietunternehmen“ und „Sklaven-Büros“ arbeiten, für welche außerdem keinerlei Vertrag gilt, natürlich nicht berücksichtigt sind. Gleichzeitig öffnet sich weit und breit der Weg zum schnelleren Sturmangriff der Arbeitgeber auf die Gesamtheit der kollektiven Branchen- und branchenübergreifenden Tarifverträge für alle Arbeitnehmer.

Die spottbillige Arbeitskraft der jungen Arbeitnehmer wird in Differenzierung zu den regulär entlohnten Arbeitnehmern stehen. Es wird sich die Bemühung um die Spaltung der Arbeitnehmer in „alte“ mit Anrechten und billige „junge“ verstärken. Deswegen ist also ein einheitlicher Kampf aller Arbeitnehmer erforderlich, mit Organisation an den Arbeitsplätzen und in der Nachbarschaft gegen die Gesamtheit der arbeiterfeindlichen und volksfeindlichen Politik und deren jeweilige speziellen Manifestationen.

(Quelle: Rizospastis)

  1. Christina
    7. März 2012, 01:19 | #1

    In Bezug auf die griechische Regierung habe ich nur noch Wut im Bauch, weil sich deren Maßnahmen hauptsächlich gegen ihre Normalbürger richten. So hilflos, wie die Frage ist, aber wer kann von 511 Euro brutto leben? Und auch noch bei 5.000 Euro Steuer-Freigrenze? „Hotel Mama“ als Alternative? Das wird gleichzeitig abgewrackt! Wieviel Zynismus darf es denn noch sein?

    Ich habe kurz geschaut, welches Parteibuch diese Anna Stratinaki hat. Auf die Schnelle nichts Genaues gefunden. Kann jemand weiterhelfen?

  2. Der Patriarch
    7. März 2012, 10:12 | #2

    Ich verstehe das Problem nicht. Die jetzige Situation ist doch ein Verschulden des griechischen Systems. Die Mischung aus nicht vorhandener Sozialpolitik, Inkompetenz des
    Staatsapparates und keinerlei Rechtsverständnis oder Sinn für das Gemeinwohl des Bürgers
    führte zu diesem Chaos.
    Nicht schon wieder dieses Gejammer von schlecht bezahlten Jugendlichen die ohne Motivation und Bildung jetzt in Fokus gerückt werden.
    Ich finde es besser einem jugendlichen einen Job für 511.- Euro anzubieten, als in die Arbeitslosigkeit zu verbannen. Hierbei handelt es sich sowieso meistens nur um
    Hilfsarbeiter Jobs.
    In Griechenland gibt es keine Möglichkeit sich als Handwerker mit einer strukturierten
    und geprüften Ausbildung zu qualifizieren die in der restlichen EU Gültigkeit hätte.
    Hier wäre dringend Abhilfe nötig. Woher sollen die zukünftigen Macher des Landes kommen wenn nicht von unten oder aus dem nicht mehr vorhanden Mittelstand.
    Hier sind wir alle gefordert, und zwar mit Taten und nicht mit frommen Worten.
    Ich frage mich schon lange – wo sind aktiven Helfer im hier und jetzt??

  3. Marion
    7. März 2012, 10:53 | #3

    Stimmt es, dass in GR die Gewerkschaften durch den Staat finanziert werden?

    Und warum sollen eigentlich nur 150´ Beamte entlassen werden und nicht 300´?

  4. muss sowas sein………
    7. März 2012, 16:24 | #4

    Es ist langsam wirklich nicht mehr „witzig“ – die Reichen geben sich so ein Zubrot an Tandiemen und Diätenerhöhungen das sicher die 511 Euro übertrifft und dafür sollen die „Kleinen“ dann den Monat über arbeiten gehen.

    Also – sollen die Armen noch mehr sparen,
    damit die Reichen sich n o c h ein Boot oder den 5. Urlaub im Jahr leisten dürfen…..
    Das nenne ich Gerechtigkeit im großen Stil…
    man denke da an das letzte „gerechte Urteil“ was Wulff betrifft
    und jede kleine Angestellte wegen eines Brötchens entlassen wird, das sie während der Arbeit gegessen hat, weil sie hungrig war!
    Urteile – im Namen des Volkes……

    Bringt so etwas Ruhe und Frieden in einen Staat –
    egal ob Griechenland oder Deutschland,
    das kann ich mir nur sehr, sehr schwer vorstellen…..

  5. Roman
    7. März 2012, 23:09 | #5

    Macht es wie die Isländer.

    Zahlt nicht und jagt eure Regierung aus dem Parlament, das ihr selbst bezahlt habt.

    Dann, wenn Ruhe eingekehrt ist, stellt sie vor Gericht. Alle!

  6. Leo
    8. März 2012, 09:10 | #6

    Bei 50% Jugendarbeitslosigkeit versucht die griechische Regierung mehr junge Leute
    in Lohn und Brot zu bringen und hofft so, weitere gewaltsame Demonstationen zu ver-
    hindern. Es ist klar, daß viele Unternehmer jetzt die billigeren jungen Arbeitskräfte einstellen,
    quasi im Austausch gegen ältere Beschäftigte. Gelöst ist dadurch das generelle
    Arbeitslosenproblem nicht!

  7. Jannis
    8. März 2012, 13:02 | #7

    Als Unternehmer kann ich dies nur befürworten. Richtige Ausbildungsplätze sollten noch geschaffen werden !

  8. ohohsometimes
    8. März 2012, 14:37 | #8

    Griechenland und auch alle anderen EU Länder brauchen einen Mindestlohn und vor allem Sozialhilfe in ausreichender Höhe für alle und in der Not. Wann werden die Länder dieses Thema angehen…? Oder sind diese Hilfen nur für die Reichen Familienmitglieder bestimmt? Eine antike griechische Tradition besagt, dass alle Familienangehörige gleiche Rechte und selbstverständlich auch Pflichten haben. Nicht das dieses Wissen beispielsweise dank RTL verschüttet ist….

    Wer die Menschen die er besucht nach seinen Kochkünsten mit Minus oder Plus Punkte bewertet liefert keine Unterhaltungsshow ab sondern verbreitet abgrundtiefe Dummheit, Langeweile und merkwürdige Werte. Möchte Griechenland mit diesen Mist mithalten können (gibt es ja schließlich über all…) um ebenso zu sein wie alle?… Ist es nicht besser anders (wirklich spannend) zu sein? Keine Ideen? Aus demokratischen Gründen kann ich relativ viel im Fernsehen ertragen aber die Grentzen sind weit überschritten. Die viel gelobte griechische Gastfreundschaft bewertet die Menschen nicht. Auch nicht aus Spaß denn aus Spaß wird Ernst der ist mittlerweile sehr bitter und übersehbar. Vor langer Zeit waren die Türen immer und für jeden offen. Man hat mit den Nachbarn sein Essen geteilt. Die Kinder haben es gebracht.. Das geht nicht mehr? Warum nicht?

    Bezüglich der oben genannten und ähnlichen Sendung fordere ich die Griechische Regierung auf dafür zu sorgen, dass während der Sendung folgendes eingeblendet wird. „Diese Sendung ist ein Exportprodukt und soll die einfach strukturierten Griechen erfreuen. Der Konsum kann geistige Schäden hervorrufen“ Basta

    Mit freundlichen Grüßen

  9. iaourti iaourtaki
    8. März 2012, 17:09 | #9

    @Jannis
    Kalimera Jannis, als Unternehmer empfehle ich Dir mal folgende Überlegung:

    Es könnten massig Leute Zimmermann/frau lernen. dann hätten sie, falls wirklich alles noch viel weiter den Bach runter geht, wenigstens was für die Wanderung und wenn nicht, können sie anschliessend in den Bootsbau wechseln; Jobs für Kletterer fallen auch an.
    Diese Ausbildungsplätze und eigentlich das ganze Programm, was hinter der Idee steckt, könnte man aus den 12 Milliarden der Strukturfonds finanzieren, über die bereits Papadimos und Barroso abgeschnakkt haben.
    Damit könnte man sich an Windräder aus Fachwerk machen, sie sind billiger, zerstören keine Umwelt wie die Stahlbetonungetüme, für die nur für den Transport in Griechenland ganze Wälder verschwinden müssten. Außerdem können sie überall angepasst werden, man kann auch Solarelemente drauf pappen ohne dafür landwirtschaftlich nutzbare Flächen zu verschwenden und sie lassen sich höher und damit effektiver errichten. Dafür braucht man keine deutschen Großkonzerne, die einem eh nur den veralteten Schrott andrehen; außerdem gibt es in Griechenland Windmühlen seit Ewigkeiten!
    Zusätzlich lassen sich für die gewonnene Energie Brunnen bauen, um Wasser zu fördern, mit dem der Versteppung entgegen gewirkt werden kann, um anschliessend wieder landwirtschaftlich aktiv zu werden.
    Wenn ich jetzt Fidel Castro wäre, dann würde ich davon abraten, diese Energiewende für den Export zu forcieren, sondern erstmal nur um Griechenland zu totaler Autonomie zu verhelfen.

    Es gibt da noch mehr Ideen mit Fahrradindustrien, Messenger Industry, Unterwassertretboote aus Rußland kopieren, Fahrradtourismus mit einem Konzept, daß viele Arbeitsplätze in weniger touristisch erschlossenen Gebieten schafft, aber wir wissen ja alle wie da läuft, man baut dann lieber Golfplätze.

    Und Golfplatznutzer halten bestimmt auch nichts davon, die komplette griechische Flotte auf Windturbinenantrieb (25 Knoten) umzubasteln, mit Ladestationen für nicht genutzten Strom in den Häfen oder versteckten Solarwindtürmen z.b. an der Bauxitmine auf Amorgos oder sonst wo, wo man dann sein Boot vom Wasser aus betanken kann…

    Vielleicht sollte sich der Radfahrer Papandreou mal mit einer fetten Tüte Kalamatagrass mit griechischen Fahrradkurieren zusammen setzen oder besser nicht, sonst gewinnt der wieder Wahlen.

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