Neue Steuerfallen in Griechenland

20. Januar 2012 / Aktualisiert: 11. April 2013 / Aufrufe: 7.754

Die für Einkommen des Jahres 2011 rückwirkend in Kraft gesetzten Steuerbestimmungen in Griechenland besteuern sogar Personen ohne jegliches Einkommen.

Das griechische Finanzministerium hat mit (rückwirkend ab Anfang 2011 geltenden) strengen Einkommensindizien für Wohnungen, Autos, Freizeitboote, Flugzeuge, Schwimmbecken, Schulgelder, Haushaltshilfen usw. viele Fallen gestellt, in welche auch die Nichtvermögenden hineingeraten können. Die diesjährige Einkommensteuererklärung (also die Steuererklärung 2012 über Einkommen des Jahres 2011) wimmelt von Fallen, welche die Steuerzahler einige hundert oder – noch schlimmer – auch tausend Euro an zusätzlichen Steuern kosten können. Dies gilt gegebenenfalls auch für aus dem einen oder anderen Grund in Griechenland steuerpflichtige Steuerausländer (siehe weiter unten).

Speziell die im Verhältnis zu den bisher geltenden um bis zu 200% erhöhten Einkommensindizien in Kombination mit der Senkung des jährlichen persönlichen Einkommensteuerfreibetrags von vormals 12.000 Euro auf nunmehr nur noch 5.000 Euro werden für tausende Steuerzahler mit besonders niedrigen (oder sogar gar keinen) Einkommen angesichts der Tatsache zu Steuerzahlungen führen, dass sie nicht für ihre tatsächlichen Einkommen, sondern auf Basis von „vermuteten“ (sprich fiktiven) Einkommen besteuert werden.

Fiktive Veranlagung führt zu pauschalen Kopfsteuern

Gemäß den jüngsten Änderungen der griechischen Steuergesetzgebung wird das Einkommen „sächlich“ auf Basis angenommener jährlicher Gesamtaufwendungen des Steuerpflichtigen, seines Ehepartners und der mit ihm zusammen wohnenden und ihn belastenden Personen festgestellt.

Sogar auch wenn jemand eine Steuererklärung mit Null-Einkommen einreicht, jedoch beispielsweise eine Hauptwohnung von 50 qm und ein Auto mit einem Hubraum von 1.200 cm³ hat, wird auf ihn eine Einkommensteuer in Höhe von 400 Euro entfallen, weil auf Basis der neuen erhöhten „Einkommensindizien“ der Steuerzahler mit minimalen Lebenshaltungskosten von 3.000 Euro, einem fiktiven Einkommen von 2.000 Euro für die Wohnung und weiteren 4.000 Euro für das Auto veranlagt werden wird. Insgesamt wird sich sein indizienbasiertes Einkommen auf 9.000 Euro belaufen und er für die über den Steuerfreibetrag hinausgehenden 4.000 Euro mit einem Satz von 10% besteuert werden, also Einkommensteuern in Höhe von 400 Euro an das Finanzamt zu entrichten haben.

Speziell bezüglich der Berechnung der sächlichen Lebenshaltungsaufwendungen für Wohnungen wird das entsprechende „Einkommensindiz“ auf Basis der Wohnungsfläche und unabhängig davon, ob die Wohnung sich im Eigentum des Bewohners befindet oder gemietet ist, gemäß folgender Staffelung ermittelt:

  • bis zu 80 m² mit 40 Euro pro Quadratmeter,
  • ab 81 bis zu 120 m² mit 65 Euro pro Quadratmeter,
  • ab 121 bis zu 200 m² mit 110 Euro pro Quadratmeter,
  • ab 201 bis zu 300 m² mit 200 Euro pro Quadratmeter,
  • ab 301 m² mit 400 Euro pro Quadratmeter,
  • für Hilfsräume unabhängig von der jeweiligen Fläche mit 40 Euro pro Quadratmeter.

Als Hilfsräume gelten im Fall eines Mehrfamilienhauses der eigenständige Abstellraum oder die Garage innerhalb des selben Gebäudes, im Fall eines Einfamilienhauses dagegen der Abstellraum, der Parkplatz, der Heizungsraum, der Brennstoffraum und das Treppenhaus, sofern sich diese Flächen mit dem Haus in einer funktionellen Einheit befinden und nicht gemeinschaftlich genutzt werden.

Der Vollständigkeit halber ist in Erinnerung zu rufen, dass gemäß den aktuellen Bestimmungen der persönliche Einkommensteuerfreibetrag nur dann gewährt wird, wenn Zahlungsbelege über Konsumausgaben (!) in Höhe von 25% des Gesamteinkommens beigebracht werden. Zahlungen für Miete, Strom, Wasser, Telefon usw. können in diesem Rahmen nicht geltend gemacht werden!

Berechnungsbeispiele auf Basis der erhöhten Einkommensindizien

1. Ein lediger Steuerpflichtiger mit einem Jahreseinkommen in Höhe von 8.000 Euro hat eine Hauptwohnung von 70 qm in einem Gebiet mit einem Zonenpreis von 1.500 €/m² und ein Auto mit einem Hubraum von 1.200 cm³. Sein Einkommen für 2011, welches das Finanzamt feststellen (und 2012 deklariert) werden wird, wird sich unabhängig von dem von ihm selbst deklarierten Einkommen auf 2.800 Euro für die Wohnung und 4.000 Euro für das Auto belaufen. Zusätzlich werden ihm weitere 3.000 Euro als minimaler Lebensaufwand zugerechnet werden. Das indizienbasierte Gesamteinkommen wird sich folglich auf 9.800 Euro belaufen. Mit dem Steuerfreibetrag bei 5.000 Euro wird für den darüber hinausgehenden Anteil von 1.800 Euro eine Steuer mit einem Satz von 10%, also 180 Euro berechnet werden. Bisher entrichtete der Steuerpflichtige für die Einkommen von 8.000 Euro keine Einkommensteuern an das Finanzamt.

2. Ein 63 Jahre alter Rentner mit einem Jahreseinkommen von 10.800 Euro mietet eine Wohnung von 80 qm, hat eine Auto mit 1.400 cm³ und ein Haus mit 60 qm auf dem Dorf. Der „sächliche“ Lebensführungsaufwand (einschließlich der minimalen Lebenshaltungskosten) beläuft sich für 2011 auf 15.240 Euro, während er sich 2010 auf 11.580 Euro belief. Angesichts der Tatsache, dass der Steuerfreibetrag 12.000 Euro betrug, zahlte der Rentner für die Einkommen des Jahres 2010 keine Steuern an den griechischen Fiskus. Für 2011 wird er auf Basis der Lebensführungsindizien besteuert und 1.283,20 Euro zu entrichten haben.

3. Ein verheirateter Steuerpflichtiger mit einer Hauptwohnung von 100 qm in einem Gebiet mit einem Zonenpreis von 3.000 Euro / qm und einem Auto mit 1.600 cm³ hat ein indizienbasiertes Einkommen von 17.700 Euro. Sein tatsächliches Einkommen beläuft sich auf 20.000 Euro. In diesem Fall wird er auf Basis des 2011 erzielten und nicht des auf Basis der „sächlichen“ Lebenshaltungsaufwendungen ermittelten Einkommens besteuert werden.

4. Ein verheirateter Steuerpflichtiger mit einer Hauptwohnung von 120 qm in einem Gebiet mit einem Zonenpreis von 1.800 €/m², einer Zweitwohnung von 70 qm und einem Auto mit 1.600 cm³ wird dem Finanzamt ein Jahreseinkommen von wenigstens 18.600 Euro melden müssen. Das „Indiz“ für die Hauptwohnung beläuft sich auf 5.800 Euro, für die Zweitwohnung auf 1.400 Euro und für das Auto auf 6.400 Euro. Ebenfalls rechnet das Finanzministerium für das Ehepaar minimale Lebenshaltungskosten von 5.000 Euro an. Liegt das reale Einkommen des Steuerpflichtigen niedriger als das auf Basis der Einkommensindizien festgestellte fiktive Einkommen, wird er für die Differenz mit zusätzlichen Einkommensteuern zur Kasse gebeten werden.

Steuerfreibetrag und fiktive Einkommensveranlagung für Steuerausländer

Steuerausländern bzw. Personen,  die zwar ihren Steuerwohnsitz im Ausland haben, jedoch parallel auch in Griechenland (bedingt) steuerpflichtig sind, wird in Griechenland grundsätzlich kein Einkommensteuerfreibetrag eingeräumt – was im Klartext bedeutet, dass ab dem ersten Cent eine Einkommensteuer fällig wird. Bezüglich der Bestimmung des Steuer(haupt-)wohnsitzes kommt die in den Doppelbesteuerungsabkommen vorgesehene 183-Tage-Regelung zur Anwendung.

Andererseits fallen Steuerausländer nach dem derzeitigen Stand der Dinge unter bestimmten Voraussetzungen nicht ausnahmslos obligatorisch unter die auf Steuerinländer zur Anwendung kommende fiktive Veranlagung. Die bereits im April 2010, allerdings mit Wirkung erst ab 2011 verabschiedete Ausnahmeregelung betrifft beispielsweise Ausländer, die in Griechenland ein Haus, eine Wohnung, ein Auto usw. besitzen (was im Regelfall unweigerlich zur Feststellung eines fiktiven Einkommens führen würde) und im übrigen in Griechenland keinerlei sonstige (reale) steuerpflichtige Einkommen erzielen.

Abschließend sei angemerkt, dass sowohl Steuerinländer als auch Steuerausländer den dokumentierten Rückgriff auf vorhandenes Vermögen (Sparguthaben, Veräußerung von Vermögensgegenständen, Einführung von Devisen / Geldern aus dem Ausland usw.) geltend machen können, um die Besteuerung eventueller Differenzen zwischen dem realen und dem fiktiv festgestellten Einkommen abzuwenden.

  1. Andreas
    20. Januar 2012, 11:12 | #1

    Liest sich ja schauerlich. Aber wie leben denn solche Leute ganz ohne Einkommen, mit Haus und Auto? Sollten die nicht laengst als Arbeitslos, Beduerftig, ergo arm registriert sein und deshalb unter eine Ausnahmeregelung fallen? Oder sind alle Griechen so selbstlose Helden, das sie von ihrem Ersparten und dem Geld ihrer Ahnen leben, um dem Staat ja nicht auf der Tasche zu liegen?
    „… tatsächliches Einkommen beläuft sich …“ bedeutet eben leider viel zu oft, „Sein auf der Steuererklaerung angegebenes Einkommen belaeft sich.

    @admin – Zu diesem Artikel gibt es keine Quellenangabe. Woher stammen all diese Angaben.

  2. mazu
    20. Januar 2012, 16:05 | #2

    Stuzig mach mich in dem Artikel folgender TeilSatz: ‚von dem von ihm selbst deklarierten Einkommen‘.
    Sind in GR alle Freiberufler, oder was? Denke doch nicht. D.h. Du kriegst vom AG entweder Monatsabrechnungen bzw. eine Jahresaufstellung, oder. Die ist doch die Grundlage der Steuererklärung. Wenn es sowas für abhängig Beschäftigte nicht geben sollten, ist sowieso alles zu spät. Dann ist dem Land nicht zu helfen.
    Und so bekommt man vielleicht auch mal die ‚mittellosen‘ Ärzte/Unternhemer, mit Ihren Yachten und Porsches im Athener und anderen Liegehäfen an die Kandare.
    Jeder, absolut jeder, der ein Auto/Haus/Wohnung etc hat, braucht irgendein Einkommen, um es zu kaufen/zu unterhalten/zu betreiben/zu versichern/instandzuhalten.
    Und wenn ich gelesen habe, das für eine mittelgrosse Yacht, deren Liegeplatz im Athener Raum schon rund 25.000 Euro kostet (ohne 1 Stunde gefahren zu sein-und da wird der Verbrauch in Stunden angegeben, ohne Berücksichtigung des Kaufpreises in 6-7-stelliger Summe)), ein Minumumeinkommen von 50.000 vorausgesetzt wird, ist das ja noch völlig unrealistisch. Da muss man locker das 4-fache netto verdienen, um sowas zu betreiben.

    Mich wundert nur, das die Griechen nicht aufstehen gegen Ihre Eigenen Steuerbetrüger, und die Yachthäfen und Nobelvillenviertel plündern, sondern nur einseitig gegen EU/IWF etc. demonstrieren.

  3. Apateonas
    20. Januar 2012, 17:13 | #3

    @ Admin
    Danke für den sehr interessanten Artikel!
    Können sie mir bitte die griechische Quelle dafür nennen?
    Danke!

  4. admin
    20. Januar 2012, 19:55 | #4

    @Andreas, Apateonas
    Die Informationen wurden aus verschiedenen Quellen zusammengetragen und teilweise bereits auch in älteren Beiträgen publiziert. Speziell die wohnungsbezogenen „Einkommensindizien“ sind in Artikel 28 Par. 1 des Anwendungsgesetz N.3986/2011 festgelegt (FEK: Α/152/01-07-2011), mit dem Artikel 16 Par. 1 der Einkommensteuerverordnung (KFE) entsprechend modifiziert wurde.

  5. lucy sky
    20. Januar 2012, 21:47 | #5

    Hier mal wieder ein Auszug aus unserem Inselleben. Wie zerstoererisch sich dieses Steuersystem auf unzaehlige klein- und mittelstaendige Unternehmen auswirken kann, zeigt sich nun vor allem denen, die ausschliesslich vom Tourismus leben. Stellen Sie sich vor, Sie haben es sich (womoeglich auch mit aufnahme eines Kredits) in Zeiten des scheinbaren Aufschwungs geleistet, ein Haeuschen zu bauen, welches vielleicht nicht einmal fertiggestellt wurde, haben sparsam gelebt, sich ein Auto zugelegt,usw. Warum ich die Tourismus-Branche anspreche? Nun eine Saison in GR ist fuer viele eben nur 3 Monate lang (wirkliche Verdienstzeit), manchmal auch kuerzer und ausserhalb der Saison ist in der letzten Zeit nicht so leicht an arbeit zu kommen. So, Herr Kostas (so nennen wir ihn heute mal) ist nun in sein Haus gezogen, aber seit einiger Zeit laeuft das mit dem Tourismus nicht so gut. Die Urlaubsgaeste sind laengst nicht mehr so spendierfreudig wie noch vor einigen Jahren, die griechischen Touristen so gut wie verschwunden, die Deutschen ernaehren sich sowieso am liebsten von Salat, Tzatziki und Brot, auf seinen grossen Fischen bleibt er sitzen, die Appartements bleiben Wochenlang leer….
    Jetzt kommt der Staat und verlangt von Herrn Kostas voellig aus der Luft gegriffene Steuern, da ein solches Haus (die Innenausstattung ist vielleicht nicht mal fertig), bzw. ein solches Auto (welches er kaum noch benutzt, da er kein Geld fuer Benzin hat) soundsoviel Verdienst vorraussetzen. Er hat nun lange gespart und ist jetzt gezwungen, alles wieder zu verkaufen. Ach, fast haette ich es vergessen: Sein Kredit kommt natuerlich auch auf die Liste zu Haus und Auto…

  6. Juergen
    21. Januar 2012, 12:53 | #6

    Dieser Staat macht wieder mal eine tolle „Milchmädchenrechnung“ auf. Ein Resident, der das ganze Jahr in GR Lebt und sein Einkommen aus Deutschland bezieht, muss – so habe ich den Artikel verstanden – für 183 Tage Einkommensteuer bezahlen. Wenn der Resident auf dieser Basis beschließt, die 6 Monate zukünftig in Deutschland zu leben, um der ESt zu entgehen, bedeutet das einen Mehrwertsteuerverlust von etwa 1000 Euro für den griechischen Staat aufgrund des entgangenen Konsums des Residenten. Die Einkommensteuereinnahme dagegen wird gemäß den Beispielen im Artikel auf höchstens 400 Euro geschätzt. Also mal wieder ins eigene Fleisch geschnitten.

  7. admin
    21. Januar 2012, 19:02 | #7

    @Juergen
    Auf Basis der sogenannten „183 Tage-Regelung“ soll bei Personen, die sich wechselweise in verschiedenen Ländern aufhalten, die Besteuerung ein und des selben Einkommens in mehr als einem Land vermieden werden (> Doppelbesteuerungsabkommen). Als gewöhnlicher Aufenthaltsort im steuerrechtlichen Sinn (> Steuerwohnsitz) gilt demnach das Land, in dem sich die Person im Lauf eines Steuerjahres (in der Regel Kalenderjahr) wenigstens 183 Tage aufhält.

  8. Jürgen Bartholomä
    29. Januar 2012, 13:52 | #8

    ich finde es unerhöhrt, dass auch wir deutschen Ferienhausbesitzer die Schulden des griecheschen Staates mit bezahlen sollen.Ich bin Rentner meine Einkommenssteuer wird in Deutschland veranlagt, ich bin von der Einkommenssteuer befreit. Ich lebe ca 90 Tage in meinem Haus in Griechenland und werde nun vom griechischen Staat für ein fiktives (vermutetes,erdachtes )Einkommen besteuert. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Griechenland von 1966 hat hier wohl keine Bedeutung.
    Es ist die Aufgabe der deutschen Botschaft in Athen, bei dem grichischen Finanzministerium
    vor zu sprechen

  9. Rezis
    10. April 2012, 17:36 | #9

    @Jürgen Bartholomä

    Das Haus muss natürlich in GR versteuert werden aber nicht das Einkommen. Nur wenn mehr als 183 Tage in GR gelebt wird. Artikel XII Absatz 3 des Doppelversteuerungsabkommen.
    Unter den jetzigen Verhältnissen muss jeder ausländische Rentner mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn er offiziell mehr als 183 Tage pro Jahr in GR lebt und das auch noch meldet.

  10. o.chung
    1. Juli 2012, 12:03 | #10

    Nach Abgabe meiner Steuererklärung fand ich nachfolgenden Artikel, der für die Mehrzahl hier wohl zutreffend sein wird: http://www.vdgg.de/2011/09/steuern-auf-hausbesitz-in-griechenland/

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