Konzept zur Rettung Griechenlands landete im Papierkorb

20. Oktober 2011 / Aktualisiert: 12. August 2017 / Aufrufe: 688

In Griechenland lag der Regierung bereits Anfang 2011 ein Vorschlag zur Bewältigung der Schuldenkrise vor, der jedoch offensichtlich im Papierkorb landete.

Während Griechenland mit Volldampf auf den „großen Schnitt“ zuzusteuern scheint, werden die alternativen Lösungen enthüllt, welche die Regierung zur Finanzierung der Staatsverschuldung mittels der Aktivierung von Sicherheiten des griechischen Staates – hauptsächlich des seit Jahrzehnten brachliegenden enormen Immobilienvermögens – in den Händen hatte. Speziell ein durchaus überzeugendes Konzept, das von dem Ingenieur Giannis Panagiotidis in Zusammenarbeit mit der IOBE ausgearbeitet und der Regierung mit der politischen Unterstützung des ehemaligen Ministers Stefanos Manos Anfang 2011 von dem Präsidenten der IOBE Giannis Stournaras unterbreitet wurde, scheint kurzerhand im Papierkorb gelandet zu sein

Falls das mit dem Beschluss vom 21. Juli 2011 gewährleistete „Rollover“ trotz der auf internationalem Niveau erfolgten Bemühungen für die Banken, Versicherungsgesellschaften und alle übrigen sich daran zu beteiligen Aufgerufenen keinen freiwilligen Charakter hat, wird jede wie auch immer geartete Entwicklung dem Bankrott des Landes gleichkommen. An dem selben Tag wird Griechenland auf die Liste der Länder geraten, die zu einer Umstrukturierung ihrer Verschuldung schritten.

Griechenland als Versuchskaninchen für IWF, Kommission und Troika

Die Studien des IWF, die auch eine Quelle zur Schöpfung von Erfahrung bezüglich der griechischen Krise darstellen, beziehen sich unter anderem auf Argentinien , Uruguay, Ukraine, Pakistan, Moldawien, Ecuador – obwohl Griechenland als Staat der Eurozone mit diesen Ländern keinerlei Ähnlichkeiten in der Strukturierung seiner Wirtschaft aufweist. Jedenfalls ist offensichtlich, dass keins dieser Länder, die (trotz der Präsenz des IWF) bankrott gingen, irgend etwas mit dem sichtbar gewordenen griechischen Schiffbruch zu tun haben.

Aus politischen und wirtschaftlichen Kreisen wird billigerweise die Frage gestellt, warum die Regierung nicht rechtzeitig mittels anderer Lösungen (wie beispielsweise der Covered Bonds) reagierte, um wenn schon nicht das „Abenteuer“ abzuwenden, weil sie es vielleicht wegen der ungeheuren volkswirtschaftliche Last nicht ertrug, so zumindest nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat, die es in diesem Kampf gab.

Die eingangs angeführte Lösung wurde der griechischen Regierung bereits Anfang Januar 2011 unterbreitet. Unter den heutigen Gegebenheiten und wegen des erstickenden Zeitdrucks vor einem eventuellen „Schnitt“, der ernsthafte Auswirkungen auf den Kurs des Landes haben wird, kann der Vorschlag optimiert und auf alle Vermögenswerte ausgedehnt werden, die als gesonderte Verwertungsobjekte dem Träger zur Verwertung des staatlichen Vermögens zufielen. Der zeitliche Spielraum ist jedoch fortan eng.

Das alternative Konzept zur Refinanzierung der Schulden Griechenlands

Die Autoren des in Rede stehenden Berichts betonen seit Anfang Januar 2011:

Die Lage der griechischen Wirtschaft erlegt schnellstmöglich die Ergreifung drastischer Maßnahmen auf. Leider ist kostbare Zeit mit dem Ergebnis verloren gegangen, dass wir uns heute mit dem Rücken an der Wand befinden, während sich bei unseren Problemen keine unmittelbare Lösung am Horizont abzeichnet. In den letzten Monaten haben die Szenarien zur Gewährleistung der Hilfe, entweder durch „Refinanzierung“ der bestehenden Verschuldung oder mittels Sicherstellung einer neuen Finanzierung, zwei Voraussetzungen umfasst:

  • Ein breites Spektrum an Privatisierungen und die gleichzeitige Verwertung (Veräußerung) des staatlichen Immobilienvermögens mit dem Ziel, in den nächsten drei Jahren 50 Mrd. Euro zusammenzubringen, die für die Tilgung der Staatsverschuldung verwendet werden.
  • Die Gewährung von Sicherheiten (Collaterals) hauptsächlich in Form dinglicher Besicherung (im wesentlichen staatliches Immobilienvermögen oder was auch immer aus den Aktiva des Staates für diesen Zweck verwendet werden könnte)“.

Weiter erklären sie:

Außer dem politischen Thema, das diese Voraussetzungen aufwerfen, existiert auch das substantielle. Tatsächlich verfügt der griechische Staat (im Gegensatz zu den meisten Staaten des sogenannten europäischen Westens) über signifikante Aktiva mit einem sehr großen Immobilienvermögen, aber auch von substantiell unschätzbarem (im Sinn von nicht taxierbarem) Wert. Grenzenlose Flächen, Inseln, Grundstücke, Gebäude, Kasernenareale und allgemein Immobilien jeder Art befinden sich im theoretischen Besitz des Staates, so wie jeweils erscheinend (K.E.D., E.T.A. OLYMPIAKA AKINITA, Ministerien usw.), jedoch provisorisch und je nach Träger, der die Inventur durchführt, auf unterschiedliche Weise verzeichnet sowie mit rechtlichen und technischen Mängeln behaftet (in Ermangelung von Titeln über Eigentum, willkürliche Inbesitznahmen und Anzweiflungen, in Ermangelung von Bebauungsplänen und Bebauungsgrenzen – die Liste ist endlos).

Parallel hat die Bewertung dieser Aktiva in einer für Griechenland sehr schlimmen und für das internationale Umfeld nicht sehr günstigen Periode sowie unter erdrückendem Zeitdruck zu erfolgen. Planung und Beschlüsse, für die ein Horizont von wenigstens drei Jahren zu veranschlagen wäre, sollen innerhalb von zwei Monaten gefasst werden, was grundsätzlich paradox ist, wenn die – unter welchen auch immer gestellten Kriterien – bestmögliche Verwertung erzielt werden soll.

Als Beispiel sei der berühmte ELLINIKO (= Areal des alten internationalen Athener Flughafens) herangezogen. Die bis heute zu Gehör gekommenen Vorschläge reichen von der Schaffung eines Hauptstadtparks von 500 Hektar bis hin zur Bebauung von 2 Millionen Quadratmetern für verschiedene Nutzungen. Wofür auch immer man plädieren mag, ist es wahrscheinlich willkürlich, dass der griechische Staat innerhalb von zwei Monaten über die Zukunft dieses Areals zu entscheiden hat, während heute, wo wir darüber sprechen, die Taxierung des ELLINIKO ohne konkrete Bebauungs- und Nutzungsbedingungen faktisch in der Luft hängt. Wie können wir uns also unter einem dermaßen erdrückenden Zeitdruck unseren Gläubigern gegenüber verpflichten? Auf welche Einnahmen können wir hoffen, wenn alle wissen, dass wir mit dem Rücken an der Wand und folglich mit minimalen bis nicht existierenden Verhandlungsmöglichkeiten dastehen?

… und unterstrichen:

Ein alternativer Vorschlag bezieht sich auf die Schaffung einer – oder höchstwahrscheinlich mehrerer – Gesellschaften juristischer Persönlichkeit, deren Form zu beschließen sein wird (fortan GESELLSCHAFT). Die Aktien der GESELLSCHAFT werden zu 100% dem Finanzministerium, also dem Staat gehören. Das Aktienkapital der (jeweiligen) GESELLSCHAFT wird aus einer ausreichenden Anzahl von Komponenten der Aktiva des griechischen Staates bestehen (Immobilien, staatliche Beteiligung an Unternehmen usw.), die auch einen nicht unerheblichen Wert haben werden.

Für jedes dieser Objekte wird es eine kontinuierliche Kontrolle eben, die jeden rechtlichen oder technischen Mangel ausfindig machen und darauf hinweisen wird (legal and technical due diligence), sofern natürlich ein solcher existiert. Wie nachstehend ersichtlich wird, stellt das Vorhandensein solcher Probleme (die für die Insider allgemein bei der Mehrheit der wesentlichen im Staatsbesitz befindlichen Immobilien bestehen) kein substantielles Problem dar.

Für jedes dieser Objekte wird es eine Taxierung geben, die aus dem Mittelwert zweier unabhängiger Schätzungen durch internationale und über eine entsprechende Erfahrung verfügende Sachverständige hervorgeht. Beispielsweise werden andere internationale Sachverständige den Flughafen von Thessaloniki und andere die 51% an der DEI schätzen (falls und sofern wir beschließen, dass diese beiden zu den Aktiva des griechischen Staates zählenden Objekte für diesen Zweck vorqualifiziert werden).

Je größer die von den Sachverständige bei jedem derartigen Objekt aufgefundenen „Probleme“ sind, desto geringer wird offensichtlich auch ihre Bewertung im Verhältnis zu den gehegten Erwartungen ausfallen. Jedoch kann und wird es für jedes Objekt eine Taxierung geben. Zum Schluss wird die (jeweilige) GESELLSCHAFT ein Aktienkapital in der Größenordnung von 30 bis 50 Millionen Euro schaffen müssen. Danach wird sich die (jede) GESELLSCHAFT unter Sicherstellung ihrer Aktiva mit dem Ziel einer kündbaren und bei Fälligkeit in Aktien umwandelbaren Anleihe mit langer Laufzeit (sagen wir 10 bis 20 Jahre) an die (internationalen) Märkte wenden.

Das Wahrscheinlichste ist, dass eine solche Anleihe mit einem Nachlass (Discount) auf die Aktiva der GESELLSCHAFT (man könnte 20% erwarten), aber auch mit einem auf einem niedrigen Zinssatz basierenden Coupon angeboten werden wird, da es eine dingliche Besicherung existieren wird. Die Eigentümlichkeit oder auch Einzigartigkeit dieser Anleihe wird darin bestehen, dass alle zukünftigen Inhaber jeden beliebigen Nachlass auf die Aktiva der (jeder) GESELLSCHAFT anbieten können, jedoch gleichzeitig akzeptiert haben werden, dass dieser Nachlass als solcher auch ihren endgültigen Kündigungswert für jedes als Sicherheit eingesetzte Objekt gestaltet.

Beispiel einer dinglich besicherten kündbaren Wandelanleihe

Um dies zu verdeutlichen, lassen wir uns ein Beispiel betrachten. Nehmen wir an, dass eine GESELLSCHAFT mit einem Aktienkapital von 50 Mrd. Euro geschaffen wurde, das sich aus dem auch wie von den Sachverständigen bestimmten Wert von 150 Objekten gebildet hat. Weiter sei angenommen, dass ein solches Objekt ihrer Aktiva der Flughafen von Thessaloniki mit einem geschätzten Wert von 1 Mrd. Euro ist (die Zahl ist ein Beispiel).

Nehmen wir jetzt an, dass die Emission einer kündbaren und bei ihrem Auslaufen in Aktien umwandelbaren Anleihe in Höhe von 40 Mrd. Euro (20% Nachlass auf die Aktiva) mit einer Laufzeit von 15 Jahren angeboten wird. Dies bedeutet automatisch, dass sich die Bewertung des Flughafens Thessaloniki nun auf 800 Mio. Euro (1 Mrd. minus 20%) belaufen und die GESELLSCHAFT jederzeit innerhalb dieser Dauer von 15 Jahren jenen sich auf diese Besicherung der Anleihe beziehenden Teil der Anleihe „kündigen“ können wird, indem sie dem Aussteller 800 Mio. Euro zahlt und den Flughafen Thessaloniki von ihrem Aktienkapital ausnimmt.

Die übrige Anleihe von 39,2 Mrd. Euro wird regulär weiterhin bestehen, außer wenn die GESELLSCHAFT das Verfahren für jedes beliebige andere Objekt ihrer Aktiva wiederholt (offensichtlich kann die GESELLSCHAFT – sofern sie es wünscht – bis zum Ende der 15 Jahre den gesamten Kredit ablösen, indem sie 40 Mrd. Euro entrichtet und ALLE anfänglich eingebrachten Objekte zurücknimmt).

Schließlich könnte über eine Karenzphase bei der Abbezahlung der Zinsen (sagen wir zwei Jahre) diskutiert werden, damit die zeitliche Möglichkeit zur Selbstfinanzierung der Zahlungen mittels des Mehrwerts der ersten Objekte der Aktiva gegeben wird, welche die GESELLSCHAFT zurücknimmt. Um einen Anreiz zum Erfolg der Unternehmung zu geben, kann der Coupon der Anleihe auch mit dem BIP Griechenlands verknüpft sein.

Die Vorteile einer solchen Tangierung sind offensichtlich:

– Da der schließlich festgesetzte Wert jedes Objekt der Aktiva der GESELLSCHAFT während der gesamten Laufzeit der Anleihe begleiten wird, beschäftigt uns die schlechte Marktlage nicht. Dagegen wird die – wann auch immer erfolgende – ersehnte Verbesserung der Marktlage einen Wertzuwachs ergeben, von dem die GESELLSCHAFT bzw. der Staat profitiert.

– Weder ist das Vorhandensein von „Mängeln“ bei den staatlichen Immobilien ein unüberwindliches Hindernis, noch müssen wir Hals über Kopf heute die beste Lösung wählen. Um zum ELLINIKO zurückzukommen, müssen wir beispielsweise nicht heute entscheiden, entweder alles zu begrünen oder voll zu bebauen. Zur Eingehung einer Verpflichtung können wir ein sehr konservatives Szenarium wie z. B. der Bebauung von 500.000 Quadratmetern wählen. Dies wird offensichtlich die Schätzung mindern, jedoch werden wir wenigstens 15 Jahre haben, es uns anders zu überlegen. Gelassen und ohne den Zeitdruck können wir das Erforderliche mit einem Horizont von 3 oder 5 Jahren tun und wissen dabei, dass der GESAMTE zusätzliche Wert des ELLINIKO wieder dem Staat zufallen wird.

– Der Coupon wird wahrscheinlich niedrig sein (speziell bei einem eventuellen Nachlass von 20% bei Emission der Anleihe). Zur größeren Absicherung des Emittenten kann ihm zusätzlich das Recht gegeben werden, alle zwei Jahre (und auf seine Kosten) zur Neubewertung der Elemente der Aktiva der GESELLSCHAFT zu schreiten, und im Fall einer bedeutsamen Abweichung nach unten werden zusätzliche Besicherungen angeboten. Auf Basis der heutigen tragischen Situation in Griechenland, die zu niedrigsten Schätzungen führen wird, sind die Möglichkeiten des Eintretens eines solchen Fall jedoch minimal, wenn wir die Objekte der Aktiva der GESELLSCHAFT schrittweise elementar aufwerten.

– Die Ausgabe einer kündbaren und in Aktien umwandelbaren Anleihe ist auf den internationalen Märkten etwas Gewöhnliches. Es existieren natürlich Besonderheiten, jedoch keine verbietenden.

– Es gibt keine Beschränkung bei der Höhe der Aktiva oder der Anzahl der GESELLSCHAFTEN, die wir schaffen können. Es ist eine politische Entscheidung, und wenn dies tatsächlich funktioniert (und wir sehen keinen Grund, warum es das nicht sollte), kann es sogar auch die gesamte Staatsverschuldung finanzieren.

Abschließend betonen die Autoren der Studie:

Offensichtlich gefällt es niemandem, staatliche Objekte in die Kredite an Griechenland zu verwickeln, jedoch ist dies jedenfalls das mildeste Szenarium und gibt uns ZEIT, endgültige Entscheidungen zu treffen, ohne dass auch die Tatsache ausgeschlossen wird, dass alles wieder zurückkehrt.

Das einzige Problem sind wir. Im Ernst, wie schnell können wir handeln um festzustellen, was wir als Staat tatsächlich besitzen, welche Probleme der Besitz aufweist und was er wert ist, um „warmes“ Geld zu sammeln?

(Quelle: Vima)

  1. Andreas
    20. Oktober 2011, 09:15 | #1

    Ich liebe die Ueberschrift. Da wird die Meinung suggeriert, das waere die Loesung gewesen. Na toll, lass uns allen Schrott den es hier so gibt in ein Aktienpaket umwandeln, und irgendein Idiot aus der Finanzwelt wird dann all die Aktien kaufen, worauf der Griechische Staat ploetzlich aus den Schulden kommt. Aktionaere werden sich darum reissen! Und wenn die dann pleite gehen, wen kuemmerts, das sind ja auslaendische Investoren. Die Regel ist, Wir loesen unsere Probleme in dem wir sie an Andere weiterreichen. Lest doch mal zur Abwechslung etwas Anderes wie diesen Artikel, der die tatsaechlichen Ursachen zwar sicher ungenau, aber wie ich finde sehr gut beobachtet darstellt.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,792698,00.html

  2. Monalisa
    20. Oktober 2011, 10:45 | #2

    Ich kann mich noch sehr gut an den Aufschrei in der griechischen Presse erinnern, als es hieß, Griechenland würde seine Inseln und am Ende die Akropolis verkaufen.
    Wenn ich das richtig verstehe, geht es um 50 Milliarden Euro, wenn alles verkauft wäre. Meint jemand im Ernst, mit 50 Milliarden weniger Schulden würde sich für Griechenland irgendwas ändern? Die Roßkur wird viel brutaler werden, leider auf Kosten derer, die eh nicht viel haben.
    Verkauft nicht euer Land, sondern jagt die Schuldenmacher zum Teufel und ändert dieses idiotische Finanzsystem mit seinen Zinsen, das die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer macht.

  3. Lina
    20. Oktober 2011, 12:25 | #3

    Hört sich an, wie das Konzept der deutschen „Treuhand“.
    Als die DDR aufgelöst wurde, hatte der Staat diese Treuhand eingerichtet, um das Volksvermögen der DDR-Bürger zu verwerten. Der damalige Vorsitzende, Rohwedder, rechnente mit Milliardeneinnahmen für die Staatskasse und zeichnete ein realstischen Szenario. Das Ende vom Spiel: Rohwedder wurde von „Terroristen“ erschossen, die Werke, Grundstücke, Versicherungen etc. wurden nicht nur an West-Deutsche (die Allianz-Versicherung z.B. hat die Versicherungen von Freiberuflern und Selbsständigen „geschluckt, große Zeitungsverlage und Firmen wurden für den symolischen Wert von 1(!) DM übernommen etc.) und amerikanische Firmen verschenkt – nein, am Ende mußten ALLE Steuerzahler auch noch draufzahlen.

    Die „Unternehmensberatung“ Roland Berger (siehe Link), die auch die Bundesregierung „berät“, hat schon ihren Tisch gedeckt! Essen umsonst ist angesagt.

    Die deutsche Presse schlägt im Moment NUR auf Griechenland ein. Kein Wort über Irland, das auch Hilfsgelder von der EU bekommt. Denn dort gibt es nichts mehr zum Klauen. Vor vielen Jahren wurde schon dort alles privatisiert. Das Land wurde als „vorbildlich“ hoch gelobt, hatte ein tolles Wirtschaftswachstum über einige Jahre und ist jetzt trotzdem „pleite“ und abhängig. Und den BÜRGERN geht es schlechter als je zuvor, weil ALLES privatisiert ist.

    Seid vorsichtig! Und jagt sie ALLE ZUM TEUFEL!

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=10989

  4. Ottfried Storz
    21. Oktober 2011, 19:08 | #4

    @Lina:
    Du hast ein Freund-Feind-Denken aus den „schönen linken“ 70er Jahren.

    Dabei verkennst die Größenordnungen völlig: Der griechische Staat hat gegenwärtig ca. 335 Milliarden Euro Schulden. Der Zinssatz für „Troika“-Gelder liegt bei ca. 3,5 Prozent, der Marktzinssatz hingegen bei über 15 Prozent.
    Griechenland hat EU-weit den höchsten Anteil von Staatsunternehmen bzw. Unternehmen mit Staatsbesitz.
    Das zur Privatisierung anstehende „Volksvermögen“ ist nicht etwa besonders werthaltig, sondern extrem ineffizient und – wenn überhaupt profitabel – nur wegen Marktabschottung und Monopole (Bsp: Wettmarkt, Strom).
    Flughäfen, Stromversorger etc bringen ca. zwischen 15 und 25 Milliarden, was angesichts von 335 Mrd. Schulden, zweistelliger Neuverschuldung und extrem subventionierten Zinsen lächerliche „Peanuts“ sind.
    Wenn ich mir das griechische „Volksvermögen“ vor Augen führe (Bahn ..), dann bestätigt sich der Eindruck, das die beiden griechischen Großparteien Staatsbetriebe und Staatsbeteiligungen ganz prioritär als Versorgungsstellen für Mitglieder und deren Angehörige sehen.

  5. CYR
    23. Oktober 2011, 15:42 | #5

    Das griechische Volksvermögen ist in der tat dazu tda als Versorgungsstellen für Parteimitglier (Management ) oder für Angestelleten (Wähler und Klientel). Das ist abner nichts neues und auch in Deutschland üblich. Man sehe sich nur die Stifftungen oder die Betriebe an, beliebt ist es ja verdiente Parteimitglieder in diverse Aufsichtsräte oder Vorstände zu schicken.
    Griechenland hat eben in ermangelung von euibner starken Wirtschaft eben nicht diese Möglichkeit und darum halten Sie sich eben diese Möglichkeit offen.
    Ich glaube auch nicht das irgendetwas groß verkauft werden kann. Denn wenn man 50 Miliarden einnehmen will, so muß die Rendite p.a. in dieser Betriebe bei 5-8 Milliarden sein. Was ich total utopisch finde. Ich glaube nicht das man einen ernsthaften Investor zur Zeit finden würde.
    Es passt aber sehr gut zu der griechischen Regierung wenn sie andere Konzepte nicht beachtet hat. Sie ist so fixiert die Probleme anderer zu lösen als die eigene anzugehen.

  6. Ottfried Storz
    24. Oktober 2011, 21:37 | #6

    Das Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes und Beamte über Parteibuch ihre Jobs bekommen, ist in Deutschland wohl seit längerem bei weniger als 5 Prozent der Fall. In Griechenland war es bis 2009 genau andersherum: 95 Prozent erhielten wegen des Parteibuchs ihren Job.

    Noch extremer ist es bei den Staats-Beteiligungen: Ich schätze, das von den über 600.000 Mitarbeitern (davon 2/3 im Ausland) der Post und Telekom jährlich weniger als 0,01 Prozent aufgrund ihres Parteibuchs den Job bekommen.
    Bei den Stromversorgerm, Gas- und Mineralölhändlern, -verarbeitern etc ist der Staat in Deutschland völlig raus, mit Ausnahme der EnBW, wo das Land BaWü neuerdings wieder engagiert ist. Aber auch dort werden sicherlich weniger als 0,x Prozent der Jobs über Parteibuch vergeben. Zahlen, die für Griechen utopisch klingen …..

    Bei der Privatisierung in Griechenland geht es der IWF vorrangig um Effizienzsteigerung, die nach Privatisierungen immer folgen. Ohne die abgeschotteten Märkte und Monopole wären die Betriebe ja ausnahmslos völlig wettbewerbsunfähig.

  7. Lina
    25. Oktober 2011, 12:12 | #7

    @ Ottfried:
    Du verkennst die Macht der Familien Springer, Mohn/Bertelsmann.
    Denen gehört nicht nur fast die gesamte deutsche Presse von der Du gebrainwashed bist – nein, sie haben auch think-tanks, die der deutschen Regierung beim Gesetzeschreiben „behilflich“ sind. Ferner haben sie großen „Hunger“ auf z.B. Krankenhäuser und andere ehemalige staatliche Einrichtungen.

    Und dass der IWF JEMALS in IRGENDEINEM LAND DIESER WELT für Effizienzsteigerung gesorgt hat, halte ich für ein perfides Gerücht. Der IWF ist nicht die Heilsarmee – und ist Teil der Worldbank , die nichts anderes als eine private Bank ist. Diese „feinen“ Institutionen haben überall auf der Welt, wo sie agiert haben, nur verbrannte Erde und versklavte Völker übriggelassen.

  8. Ottfried Storz
    25. Oktober 2011, 17:55 | #8

    @Lina
    Ich verkenne die mediale, zum Teil auch politische Macht von Springer und Bertelsmann nicht.
    Leider jedoch sind deine Feindbilder Potenzen grösser, wie dein Faktenwissen.

    Springer und Bertelsmann sind wie alle großen Medienunternehmen in Deutschland eigentlich nur und ausschließlich auf den Medienmarkt ausgerichtet, trotz jeweils über sechzigjähriger Unternehmensgeschichte. Mit „Krankenhäuser und andere ehemalige staatliche Einrichtungen“ haben sie allesamt überhaupt nichts am Hut, wie du ganz einfach aus ihren Bilanzen oder bei Wikipedia nachlesen kannst.
    In griechische Krankenhäuser und andere griechische Einrichtungen zu investieren, liegt denen so fern, wie nur denkbar.

    Selbstverständlich ist der IWF nicht die Heilsarmee.
    Sie ist jedoch entgegen deiner Behauptung keine Privatbank, sondern eine Sonderorganisation der UNO. Von deren Mitgliedern erhält sie auch das Kapital. Wenn ein Land in Zahlungsschwierigkeiten kommt, kann es finanzielle Hilfe vom IWF beanspruchen – wie es Griechenland getan hat.
    IWF-Kredite sind immer an bestimmte Bedingungen gekoppelt, die das jeweilige Land zu erfüllen hat. Diese werden als Strukturanpassungsprogramme bezeichnet, das üblicherweise aus folgenden Punkten besteht:
    • Kürzung von Staatsausgaben
    • Steigerung des Exports
    • Privatisierung von öffentlichen Einrichtungen wie Elektrizitätswerke, Transportgesellschaften, Telekommunikation etc.

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