50000 Häuser und Wohnungen in Griechenland sind gepfändet

12. Oktober 2011 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 1.528

In Griechenland sind bereits 50.000 Häuser und Wohnungen gepfändet worden, deren Zwangsversteigerung jedoch bis Ende 2011 gesetzlich ausgesetzt bleibt.

Zwangsversteigerungen und ungedeckte Schecks stellen die Bomben an den Fundamenten privater Haushalte und Unternehmen dar. Laut dem Nationalen Verband zum Schutz der Konsumenten und Kreditnehmer Griechenlands sind für 50.000 Wohnungen und Häuser bereits Zahlungsbefehle erlassen und Pfändungsberichte ausgestellt worden. Diese Immobilien sind bisher wegen der seit 2009 bestehenden gesetzlich verfügten Aussetzung der Zwangsversteigerungen von Hauptwohnungen vor der Veräußerung gerettet worden.

Wie der Verbandsvorsitzende Evangelos Kritikos anführt, erließ das Landgericht Athen in den ersten 7 Monaten des Jahres 2011 mehr als 16.000 Zahlungsbefehle, während das selbe Gericht im gesamten Vorjahr 2010 fast 23.000 Zahlungsbefehle ausgestellt hatte. Das Beunruhigende ist, dass sich 40% dieser Zahlungsbefehle auf Hauptwohnungen beziehen.

Gemäß den Einschätzungen der Verbraucherverbände wird sich für den Zeitraum 2008 – 2012 ein explosiver Anstieg der Zahlungsbefehle in der Größenordnung von 40% zeigen. Beispielsweise beliefen sich die Zahlungsbefehle im Jahr 2008 auf 8.000 und im vergangenen Jahr (2010) stellte nur das Landgericht Athen 23.000 Zahlungsbefehle aus, während für das Jahr 2012 erwartet wird, dass sich allein bei dem Landgericht Athen die Zahlungsbefehle auf mehr als 34.000 belaufen werden.

Obwohl die Zwangsversteigerungen von Immobilien, welche die einzige bzw. Hauptwohnung des Schuldners darstellen, bis zum 31. Dezember 2011 ausgesetzt worden sind (Gesetz 3869/2010), vertreten die Verbraucher- und Bürgerorganisation dennoch, dass tausende Vermögen verloren gehen werden, falls sich bis Ende des Jahres nicht etwas ändern sollte.

Angesichts der eingetretenen erdrückenden Situation und mit dem allgemeinen Aderlass der Einkommen der Bürger als gegeben verlangt die Verbraucherorganisation EKPOIZO in einem an die gemeinsam zuständigen Minister für Finanzen, Arbeit und Sozialversicherung und Justiz gerichteten Schreiben, die Aussetzung der Versteigerungen um weitere 3 Jahre zu verlängern.

(Quelle: Vradyni)

  1. AfypnisiTwra
    12. Oktober 2011, 05:48 | #1

    Einen wunderschönen Morgen aus Nordgriechenland,
    in dem nun (leider!) auch die Temperaturen gefallen sind, wir aber wie viele andere auch in ungeheizten Räumen sitzen, da Heizöl erst ab dem 15. Oktober zum Verkauf steht. In den Schulen, die noch nicht einmal wissen, ob sie das notwendige Geld zum Kaufen von Heizöl haben werden, ist das besonders unangenehm.

    Um möglichen Kommentaren wie „Selber schuld, wenn man was kauft, das man sich nciht leisten kann“ vorzugreifen, zwei Fälle aus der Praxis:

    Ein uns bekanntes Ehepaar konnte vor zwei Jahren endlich in das eigene Haus einziehen. Jahre lang hatten sie gebaut, immer nach dem Motto σιγά-σιγά (langsam-langsam), um sich finanziell nicht zu übernehmen, sie haben also erst einen Kredit weitgehend abbezahlt, bevor sie zum Weiterbauen den nächsten aufnahmen. Typisch griechisch halt. Zu der Zeit hatten beide gute Anstellungen: Er ist Lehrer und bekam etwa 1.500 Euro im Monat, sie arbeitete in einer Firma in Thessaloniki im Büro, ihr Gehalt weiß ich jedoch nicht genau.
    Jetzt verdient er noch etwa 1.200 Euro, sie ist seit 13 Monaten arbeitslos und bekommt damit nun auch kein Arbeitslosengeld mehr, und sie betteln in Verwandten- und Bekanntenkreis um private Kredite, damit sie ihr kleines Häuschen nicht verlieren.

    Wir selbst hatten vor 2 Jahren ebenfalls vor, uns ein kleines Haus zu kaufen, nichts Besonderes, einen Altbau mit nur einem Stockwerk, damit wir in der Rente zumindest keine Miete mehr bezahlen müssten, dachten wir. Gott sei Dank war ich zu feige dafür, denn heute würden auch wir zu denjenigen gehören, deren „Eigentum“ unter den Hammer käme – mein Mann ist nämlich auch Lehrer und hat zwischenzeitlich etwa 400 Euro weniger Monatsgehalt als noch vor 2 Jahren.

    Es darf eines nicht vergessen werden:
    Wenn´s gar nicht mehr anders geht, bleibt in Deutschland immer noch die Möglichkeit des Offenbarungseides, den sicherlich niemand gerne leistet, er wird aber als letzter Ausweg doch nicht selten in Kauf genommen. Und wenn er auch keine Endlösung ist, so schafft er doch erst einmal ein bisschen Luft. Hier jedoch existiert so etwas nicht, wenn Ende des Geldes ist, dann iost man einfach an der Wand in der Sackgasse angekommen.

  2. Gevestor-Microblog
    12. Oktober 2011, 11:00 | #2

    Mich würde interessieren, wie die Chancen dafür stehen, dass eine solche Verlängerung tatsächlich durchgewunken wird. Ich hätte gerne ein paar Meinungen dazu, da ich auch kein Griechenland-Experte bin.

  3. Romanus
    12. Oktober 2011, 10:23 | #3

    Ich bin auch sehr gespannt, wer diese Immobilien dann kaufen wird. Wo kommt das Geld her? Wer steigert denn alles mit?

    Wäre nett, wenn sie uns auf dem Laufenden hielten würden.

  4. Monalisa
    12. Oktober 2011, 13:37 | #4

    Ich glaube es ja nicht. In dem Bericht wird von geretteten Vermögen geredet. Für wen werden die Vermögen gerettet? Für diejenigen, welche ihre Steuern nicht bezahlt haben, oder für diejenigen, die jetzt für deren offene Schulden haften müssen? Die Hauseigentümer sind doch nicht erst jetzt durch die Krise in Zahlungsverzug gekommen. Entweder haben sie sich schon vorher übernommen, oder es einfach drauf ankommen lassen. Dieses Verhalten ist mit ein der Ursachen für die jetzige Krise. Durch dieses unverantwortliche Handeln geraten jetzt auch Menschen in den Strudel, die nichts dafür können. Hätte man von vorne herein konsequent die Steuern eingetrieben und nicht so leichtsinnig Kredite vergeben und aufgenommen, es wäre nicht so weit gekommen. Jetzt spekulieren diese Zocker auf einen Schuldenerlass. Wie es aussieht geht ihre Rechnung auf und danach geht die Party, auf Kosten der Ehrlichen, weiter. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Armes Griechenland!

  5. Homer
    12. Oktober 2011, 16:11 | #5

    Ich frage mich, wie die griechische Politik die infolge der rigorosen Sparpolitik wohl absehbar steigenden Obdachlosen-, Krankheits- und Kriminalitätszahlen als Erfolg verkaufen möchte und weitere Durchhalteparolen zu schwingen gedenkt!? Jemandem sein mühsam erspartes Dach über den Kopf wegzuziehen scheint vielleicht aus einer rein ökonomischen Lehre nachvollziehbar, aus humanistischer Sicht ist es jedoch schlichtweg pervers und schändlich! Und immer noch warten wir alle sehnlichst auf das Großreinemachen unter griechischen Politikern, Abgeordneten, Ex- und Ex-Ex-Abgeordneten inklusive ihrer Bekannten, Verwandten, Förderer und Günstlinge, die sich nicht schämen, sich weiterhin zu bereichern. Ebenso warten wir auf die Verhaftung von reichen Steuerflüchtlingen, die Offenlegung von Schweizer, Liechtensteiner und Londoner Bankkonten sowie die Beschlagnahmung entsprechender Luxusgüter wie Jachten, Sportwagen und Villen der eben genannten Personen. Wäre das nicht mal ein Zeichen, dass es Griechenland wirklich ernst ist mit dem Neuanfang? Ob ich das noch erleben darf?

  6. Mark
    12. Oktober 2011, 20:55 | #6

    @AfypnisiTwra
    Inwieweit ist der „Offenbarungseid“ bzw. die eidestattliche Versicherung eine Möglichekeit sich Luft zu verschaffen ?? Man verliert die Kreditwürdigkeit auf Jahre und die Schulden reduzieren sich um keinen Cent.
    Erst durch das „Privatinsolvenzverfahren“ kann man da was machen.

    @Homer
    Die griechische Regierung hat dieses Jahr bisher 7% mehr ausgegeben wie im vergleichszeitraum 2010. Was für Sparmaßnahmen ????

    Die Griechen sollten sich lieber endlich aufraffen und ihr osmanisches Erbe endlich hinter sich lassen und sich letztendlich Ihren Antiken Vorfahren zuwenden. Die ganze Welt hat aus diesen Quellen geschöpft und gelernt. Nur die Griechen selbst spucken darauf und wandeln auf ausgetreten osmanische Pfaden.

  7. Paul
    13. Oktober 2011, 15:57 | #7

    Einige sind dort übelst übers Ohr gehauen worden. Man sollte schon schauen, dass man den Notleidenden hilft. Die brauchen auf jedenfall ein besseres Sozialsystem. Darüberhinaus sind Spekulanten an der Krise Schuld und zum anderen hätten die Verantwortlichen Kreditgeber vor Jahren kein Geld an Griechenland auszahlen dürfen.

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