Griechenland bietet Privatversicherern Krankenhausbetten an

20. August 2011 / Aktualisiert: 12. August 2017 / Aufrufe: 453

Das Gesundheitsministerium in Griechenland bietet privaten Versicherungsträgern 556 Betten in öffentlichen Krankenhäusern zur Behandlung von Privatpatienten an.

Das griechische Gesundheitsministerium reserviert den privaten Krankenversicherern fast ein ganzes Krankenhaus des nationalen Gesundheitssystems (ESY / ΕΣΥ): insgesamt 556 Betten in staatlichen Krankenhäusern werden für Patienten bereitgestellt, die eine private Krankenversicherung haben – also ungefähr so viele Betten, über welche alle Kliniken des Krankenhauses „G. Gennimatas“ zusammen verfügen.

Laut der offiziellen Lesart besteht das Ziel dieser Maßnahme in der „Stützung der Einnahmen der Pflegeeinrichtungen, um die Qualität der gebotenen Gesundheitsdienste zu verbessern“ – also im Klartext in einem weiteren verzweifelten Versuch, zu Lasten der gesetzlich Versicherten die maroden Finanzen des staatlichen Gesundheitssystems zu sanieren.

Vertragliche Überlassung von Krankenhausbetten an private Versicherer

Wie in dem einschlägigen Beschluss des Gesundheitsministeriums angeführt wird, der die Unterschriften des Gesundheitsministers Andreas Loverdou und des stellvertretenden Finanzministers Filippos Stachinidis trägt und zur Veröffentlichung im Regierungsanzeiger (FEK) ansteht, müssen die Vereinbarungen des staatlichen Gesundheitssystems (ESY) mit den privaten Versicherungsgesellschaften bis Ende September 2011 erfolgen.

Die Bereitstellung der Krankenhausbetten wird mittels Verträgen erfolgen, die zwischen den Bezirksgesundheitsbehörden und den privaten Krankenversicherern unterzeichnet werden. In den Verträgen werden die Versicherungsgesellschaften die geltenden Tarife für Patienten in den Krankenhäusern des ESY akzeptieren.

Laut Quellen des Gesundheitsministeriums ergibt sich der Gewinn für das ESY aus der Aufwertung der Pflegeklasse pro Behandlungstag. Die privat versicherten Patienten werden ihre Unterbringung in Einzelzimmern verlangen (was von den privaten Versicherern gedeckt wird) und damit dem staatlichen Krankenhaus einen Gewinn von täglich ungefähr 300 Euro, sprich die Differenz zwischen dritter und erster Klasse einbringen.

Wie in dem mittelfristigen volkswirtschaftlichen Rahmenprogramm vorgesehen ist, wird die Steigerung der Einnahmen der Krankenhäuser aus den Verträgen mit privaten Versicherungsgesellschaften in Kombination mit den Maßnahmen bezüglich der Entrichtung von Behandlungsgebühren seitens unversicherter Ausländern bis 2015 den Betrag von 140 Millionen Euro bzw. 0,1% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) tangieren (siehe auch Praxisgebühr und Generika im staatlichen Gesundheitswesen Griechenlands).

Private Krankenversicherer reiben sich die Hände

Von den anstehenden Verträgen, die bis zum Stichtag des 30. Septembers 2011 zu unterzeichnen sind, wird nicht nur der Staat profitieren. Die Privatversicherer reiben sich über die Überlassung von Krankenhausbetten des ESY an ihre Gesellschaften angesichts der Tatsache die Hände, dass sie im Vergleich zu privaten Krankenhäusern erheblich niedrigere Preise an das ESY entrichten werden.

Beispielsweise kostet ein Routineeingriff wie die Mandeloperation in einer Privatklinik 1.300 Euro für die eintägige Unterbringung in einem Dreibettzimmer, präoperative Untersuchung und Operation. Der „Tarif“ wird allerdings weiter aufgebläht durch das Honorar des Arztes, welches die Versicherungsgesellschaft ebenfalls deckt (ca. 800 – 900 Euro), und  die Vergütung des Anästhesisten (300 – 350 Euro). Somit hat die Versicherungsgesellschaft insgesamt rund 2.500 Euro an die Kasse der Klinik zu entrichten, während sie für den selben Eingriff in einem Krankenhaus des staatlichen Gesundheitssystems gerade einmal 526 Euro zahlen wird!

Für Privatpatienten reservierte Betten auch in Universitätskrankenhäusern

Folglich werden ab Anfang Oktober 2011 sowohl griechische als auch ausländische Versicherungsgesellschaften Krankenhausbetten des ESY in Anspruch nehmen können. Im Bezirk von Attika werden „Evangelismos“ und „KAT“ die beiden Krankenhäuser sein, welche die meisten Betten (jeweils 26) zur Nutzung durch Privatversicherer abtreten werden, gefolgt von dem Kinderkrankenhaus „Agia Sofia“ mit überlassenen 14 Betten.

In Piräus scheint mit 20 bereitgestellten Betten das Krankenhaus Tzanio das Interesse der Privatversicherer erregt zu haben, und zwar auch angesichts der Tatsache, dass mittels des Nationalen Strategischen Rahmenplans (NSRP, griechisch ESPA bzw. ΕΣΠΑ) die Renovierung der Innenräume des Krankenhauses zur Einrichtung einer kardiologischen Abteilung, einer hämodynamischen Einheit und von Labors für Belastungstests und Ultraschalluntersuchungen genehmigt worden ist.

Interesse wird natürlich auch für die Universitätskrankenhäuser wie beispielsweise das Krankenhaus ACHEPA (ΑΧΕΠΑ) in Thessaloniki gezeigt, das 16 Betten bereitstellt. Ab Herbst 2011 werden die privaten Versicherungsgesellschaften ebenfalls die Möglichkeit haben, jeweils 20 Betten in den Universitätskrankenhäusern Ioannina und Patras nutzen zu können.

(Quelle: Ta Nea)

  1. XYZ
    20. August 2011, 23:53 | #1

    privatpatienten sind bekanntlich die jenigen personen die mehr geld als andere verdienen. ich denke, dass die regierung bei der oben beschriebenen regelung darauf achten muss, dass auch alle anderen menschen ein krankenbett und eine ausreichende medizinische versorgung bekommen.

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