Griechenland-Krise, Faschismus und moderner Totalitarismus

22. Juli 2011 / Aktualisiert: 22. November 2013 / Aufrufe: 1.164

Will Deutschland bei den geopolitischen Optionen, der Eroberung von Territorien und dem Besitz der Reichtum produzierenden Quellen ein vermeintliches Vorzugsrecht durchsetzen?

Anlässlich des Gipfeltreffens in Brüssel publizierte Jorgos Papasotiriou, Direktor der Zeitung Vradyni, am 21. Juli 2011 in der Kolumne “Zeichen der Zeit” unter dem Titel “Der Faschismus hat als Waffe die Angst” einen Beitrag, der nachstehend in deutscher Übersetzung wiedergegeben wird.

Sie nannten das Verbrechen Skandal. Der Hunger in Ostafrika ist jedoch kein Skandal, sondern ein Verbrechen gegen die Menschheit. Verbrecher sind die Westler, die Bürgerkriege und Teilungen verursachen, um die Bodenschätze zu kontrollieren und im wahrsten Sinne des Wortes für ein Stück Brot ungeheure Flächen afrikanischer Länder kaufen. Verbrecher sind diejenigen, welche die Maske der angeblichen wohltätigen nichtstaatlichen Organisationen tragen. Diese Verbrecher wird niemand jagen wie die Serben oder allgemein alle, die sich den Befehlen der Westler widersetzen.

Ebenso werden wenige und nur für kurze Zeit über den Freitod des 21-jährigen chinesischen Arbeitnehmers der Foxconn sprechen, die elektrische Geräte für Apple, Sony und Nokia herstellt. Wie es auch mit den Selbstmördern der France Telecom geschah. Letztere sind jedoch nicht wie die ersten, da diese Westler sind. Genau wie sich der „junge Sklave“ des Platon von den anderen Sklaven unterschied, weil er Griechisch sprach, so sind heute die Sklaven in Deutschland, Frankreich oder England privilegierter gegenüber den verhungernden Afrikanern, den bombardierten Asiaten, den chinesischen Sklaven und, in letzter Zeit, den griechischen Ruderern der Galeere.

Das gemeinsame europäische Haus ist ein Mythos

Wir letztere nahmen an, mit dem Eintritt in die Europäische Gemeinschaft und noch viel mehr in die Eurozone die Vorteile der privilegierten Sklaven genießen zu werden. Von wegen! Jetzt, wo wir es verstanden haben, ist es jedoch zu spät. Das vereinigte Europa, das gemeinsame europäische Haus erwiesen sich als Mythos. Weder die Deutschen, noch die Franzosen, keine sind Europäer. Jeder will Europa zu seinem Imperium machen. Wobei die Deutschen dem Ziel am nächsten sind. Und wenn es nur um den „deutschen Egoismus“ gehen würde, wäre das Übel gering.

Wir befürchten sehr, dass die modernen Deutschen den anderen auf arrogante und manchmal auf totalitäre Weise begegnen. Genau wie die Nazis, die zu dem einzigen weltweiten Wert ihre eigene ethnische Kultur, ihre eigene Weise des Denkens und Lebens erhoben, den Weisen der anderen Völker und ihrer im Lauf der Geschichte eroberten Würde den Respekt verweigernd.

Deswegen sind Nazismus und Faschismus präsent und haben als Waffe die Angst. Das heutige Gipfeltreffen in Brüssel wird als Untergang der Welt präsentiert. Angst überall und um alles. Angst um die Banken, Angst um die Arbeit, Angst um das Überleben, Angst um die Zukunft der Kinder, den Klimawandel, um alles.

Dient die Krise der Etablierung eines modernen Totalitarismus?

Diese Ängste tragen zur Gestaltung der Psyche der Menschen bei, stellen jedoch keine Stütze dar, welche die Existenz ausrichtet oder uns zu der Erkenntnis führt, wohin es mit der Welt geht. Dagegen stören sie den rechten Gebrauch des Verstandes und führen in den modernen Totalitarismus deutschen Typs, wo ein Volk, im Vorliegenden die Deutschen, annimmt, bei den geopolitischen Optionen, dem Besitz der Reichtum produzierenden Quellen, der Eroberung von Territorien und, vor allem, der Unterwerfung der Menschen unter seiner Zwecke den Vorrang zu haben. Das ist der sogenannte soziologische Nazismus.

Folglich ist die heutige Krise nicht nur wirtschaftlich, sie ist politisch, sie ist kulturell, sie ist soziologisch und anthropologisch. Und vor allem ist sie international. Deswegen müssen Reaktion und Widerstand nicht nur lokal, sondern international sein. Damit sie jedoch effektiv sind, muss der Gang hinter den Spiegel erfolgen, der Übergang weg von dem Narzissmus und der wilden Lust auf Macht der „Führer“.

Historisches Subjekt der heutigen Erhebung ist die Gesellschaft der Bürger. Deswegen muss die Hauptrolle die Gesellschaft inne haben, die heute abwesend ist. Deswegen müssen die Anführer und die parlamentarischen Vertreter die Führung ausüben, indem sie gehorchen. Der Ungehorsam des Anführers bedeutet seine umgehende Absetzung durch die Vertretenen. So wird die Souveränität des Volkes umstrukturiert und wandelt sich zu einem regulierenden Organ des öffentlichen Lebens.

(Quelle: Vradyni)

  1. Kronebildblickvradyni
    22. Juli 2011, 10:33 | #1

    Vom Schwingen mit Faschismuskeulen und Nazivorwuerfen sollte man sich nicht aufwiegeln lassen, so redet man eben in den im WK2 ueberfallenen Laendern, und wer (ausser Bild & Co.) wollte es ihnen verbieten?! Es entbehrt aber nicht einer gewissen Komik, wenn ein Angehoeriger (Papasotiriou) einer multimillionenschweren Medienhandelsdynastie in der griechenlandtypisch firmennahen Publikation im Zeitungsgewand „Vradyni“ sich in imaginaere Reihen griechischer Galeerensklaven einzureihen versucht. Dass er noch dazu impliziert, in Griechenland gaebe es 1. eine Gesellschaft und 2. der Buerger, entlarvt seinen Text vollends als Realsatire.

  2. Apateonas
    22. Juli 2011, 15:22 | #2

    Ich hab mich schon gewundert, warum es die letzten Tage so warm war…da hat wieder mal ein Nazi-Dummschwätzer viel warme Luft abgelassen. Das Niveau des Hr. Papasotiriou würde gut auf die Titelseite der BILD Zeitung passen. Genau neben die „griechischen“ Hakenkreuzfahnen und die Schlagzeile „Erster 3D Porno rausgebracht“ !

  3. retsina
    22. Juli 2011, 20:49 | #3

    Ich denke in Griechenland sind auch Drogen verboten.

  4. Maritta G. Efthimiadis
    23. Juli 2011, 08:54 | #4

    Der einzige Fehler, den Herr Jorgos Papasotiriou in seinem Artikel gemcht hat, ist die Nennung des Wortes „Nazi“ – darauf reagieren „wir Deutsche“ natürlich allergisch, da wir als Volk noch immer und sehr gerne an diese Zeit erinnert werden, mit der jedoch keiner von uns mehr wirklich etwas zu tun hat – selbst der Letzte aus dieser Zeit dürfte inzwischen über den Jordan gegangen sein.
    Der Artikel als Ganzes ist in den Formulierungen auch sehr stark an die griechische Sprache angelehnt, was ihn ein bisschen schwülstig und damit lächerlich klingen lässt. Wer sich jedoch die Mühe macht, ihn genauer zu lesen und nicht nur zu überfliegen, der muss zwingend zu dem Schluss kommen, dass ein großer Wahrheitsgehalt darin steckt.
    Als Deutsche, die seit 12 Jahren in Griechenland lebt – und das trotz der großen Schwierigkeiten, durch die wir hier gehen – denke ich, dass ich eine realitätsnahe Sichtweise der Dinge und der Entwicklungen hier habe.
    Ja, auch mir hat sich das Bild einer Galeere aufgezwungen, an dessen Ruderketten viele Menschen hängen, um die Bedürfnisse Weniger zu befriedigen.
    Ich lade jeden ein, hier in Hellas mal für ein Jahr zu leben – nicht als Wohlhabender, sondern als einfacher Mensch, der brav seine Steuern gezahlt hat, einer ordentlichen Arbeit nachgehen möchte, seine Familie ernähren können möchte.
    Und entgegen all der Propaganda in den Massenmedien trifft diese Beschreibung auf den GROSSTEIL der Menschen hier zu, die anderen sind ebenso in der Minderheit, wie die extremen Rechten in Deutschland, von denen uns in Hellas suggeriert wird, dass sie repräsentativ für das gesamte deutsche Volk stehen.

    Die Ironie meiner drei Vorreder ist in meinen Augen nicht ganz angebracht, wenn ich auch nochmals einräume, dass der Artikel in der deutschen Übersetzung zu schwülstig rüberkommt und damit natürlich auch zu ironischen Kommentaren reizen kann.

    Mit Grüßen aus Griechenland,
    von einer, die sich dem Volk hier zugetan fühlt, gerne arbeiten würde, aber ebenso wie ihre Mitbürger einfach keine Chance dafür bekommt. Und die es nicht für nötig hält, sich hinter einem Pseudonym zu verstecken, da sie zu jedem einzelnen geschriebenen Wort steht.

    Maritta G. Efthimiadis

  5. Kronebildblickvradyni
    24. Juli 2011, 09:39 | #5

    Maritta, ich bitte Sie, einfach dem eigenen Anspruch an genaues Lesen zu genuegen und nachzuzaehlen, wie viele faktische und Logikfehler im unten zitierten, ungekuerzten Textteil enthalten sind. Bleiben Sie bei „1“? Dann wuerde ich an Ihrer Stelle sogar eine Bewerbung bei Papasotirious Firmengruppe sein lassen.

    „Weder die Deutschen, noch die Franzosen, keine sind Europäer. Jeder will Europa zu seinem Imperium machen. Wobei die Deutschen dem Ziel am nächsten sind. Und wenn es nur um den ‚deutschen Egoismus‘ gehen würde, wäre das Übel gering.

    Wir befürchten sehr, dass die modernen Deutschen den anderen auf arrogante und manchmal auf totalitäre Weise begegnen. Genau wie die Nazis, die zu dem einzigen weltweiten Wert ihre eigene ethnische Kultur, ihre eigene Weise des Denkens und Lebens erhoben, den Weisen der anderen Völker und ihrer im Lauf der Geschichte eroberten Würde den Respekt verweigernd.

    Deswegen sind Nazismus und Faschismus präsent und haben als Waffe die Angst.“

  6. Monalisa
    24. Juli 2011, 20:21 | #6

    Jorgos Papasotiriou mag ja in vielen Punkten Recht haben. Aber die Schlamperei im eigenen Land erwähnt er mit keinem Wort. Wenn Papandreou sagt, er brauche zum Eintreiben der Steuern der Reichen private Unternehmen, ist das eine Bankrotterklärung zur griechischen Verwaltung. Also, an die eigene Nase fassen und internationale Zusammenhänge beschreiben. Und nicht nur, übrigens in alter griechischer Manier, die Schuld nur bei den anderen suchen.

  7. Apateonas
    24. Juli 2011, 22:08 | #7

    @Maritta G. Efthimiadis
    Glauben sie wirklich wir sind die „Wohlhabenden“ hier???
    Ich für meinen Teil bin auch schon einige Jahre vor Ort, aber glücklicherweise auch regelmäßig in D und anderen Ländern unterwegs. Dadurch und durch den Umstand, dass ich noch andere Sprachen verstehen kann ist es mir möglich die Sachlage aus verschiedenen Sichtweisen zu sehen. Ich wünschte das könnten manche Leute hier (anscheinend hat es Hr. Papasotiriou nötig) auch.
    Wenn sie sich hier als „Galeerensklaven“ fühlen („großer Wahrheitsgehalt“), kann ich ihnen nur empfehlen dieses Land zu verlassen oder sich von den (Nazipropaganda) Fesseln zu befreien!

  8. Maritta G, Efthimiadis
    29. Juli 2011, 07:44 | #8

    Vielleicht wird Ihnen meine Einstellung bezüglich des Gebrauchs des Wortes „Galeerensklaven“ ein wenig begreiflicher, wenn Sie sich folgendes durch den Kopf gehen lassen:
    “ … Eine Woche nach dem Euro-Krisengipfel lässt Bundesfinanzminister Schäuble die Katze aus dem Sack: Als Gegenleistung für „mehr Integration“ sollen Schuldenstaaten künftig „einen Teil der Hoheitsrechte“ verlieren, meldet die FTD. … “
    Quelle: http://lostineurope.posterous.com/schauble-will-schuldenstaaten-entmundigen#

    Es geht mir nicht um das ewige Aufwärmen der Vergangenheit Deutschlands (Drittes Reich), wie ich oben bereits betont habe, ich persönlich fühle mich da überhaupt nicht angesprochen oder betroffen.
    Es geht mir nicht um „DIE Deutschen“, „DIE Griechen“, „DIE … “
    Ich kann auch (leider) nicht behaupten, die politischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge, aus der sich diese „Krise“ entwickelt hat, tatsächlich vollkommen zu durchblicken und zu verstehen, so wie Sie das offensichtlich können, mir fehlt dafür wohl Ihr aller Weitblick und Ihre Kenntnisse der politisch-geschichtlich-wirtschaftlichen Entwicklungen.

    Ich sehe nur, dass sich die Völker einer sogenannten „Union“ gegeneinander aufhetzen lassen, lieber auf der einen Seite über „die Nazis“ und auf der anderen über „die faulen Griechen“ sprechen, anstatt politische Entscheidungen als das zu sehen, was sie sind. Und wenn diese wirklich „im Sinne des Volkes“ wären, dann würde es ja wohl doch ein bisserl anders aussehen in der täglichen Realität aller, sei es nun in Deutschland, in Griechenland, in Spanien, …, oder auch in Afrika und Asien usw.

    “Weder die Deutschen, noch die Franzosen, keine sind Europäer. Jeder will Europa zu seinem Imperium machen. Wobei die Deutschen dem Ziel am nächsten sind. Und wenn es nur um den ‘deutschen Egoismus’ gehen würde, wäre das Übel gering. …“
    Nun, ich weiß wirklich nicht, wie man sich als „Europäer“ zu fühlen hätte, ich selbst kann mich halt leider nur als Mensch erleben, nicht als Europäer.
    Wenn Sie aber jetzt mal bitte das mit dem Imperium in Zusammenhang mit dem von mir gesetzten Link stellen, wenn Sie sich dann nicht persönlich angesprochen fühlen von dem Ausdruck „die Deutschen“ sondern nur die deutsche (oder europäische?) Politik sehen, …

  9. Theo d’Anqt
    29. Juli 2011, 14:35 | #9

    Das hoert sich ja sehr viel vernuenftiger an ( – auch als Hr. Papasotiriou), danke. Mit der Einfuehrung der Neuen Weltordnung als ultimatives „Friedensprojekt“ werden die Voelker Europas noch viel „Spass“ bekommen, die EU-Krake und der Spaltpilz Euro sind erst der Anfang.

  10. Franki
    10. August 2011, 14:09 | #10

    Inzwischen machen sich sehr viele Zeichen breit, dass es mit Europa bergab geht! So zum Beispiel dass ein Land (Spanien, Griechenland, Italien…) pleite sind oder gerade pleite gehen!
    Diesen Sachverhalt kann man es auch vor den Medien nicht mehr verstecken!
    Sogar Amerika gibt langsam aber sicher „den Löffel ab“! Die Frage ist wohin geht es in der Zukunft? Womit wollen wir in Zukunft unser Geld verdienen? Einige versuchen sich ja selbst am Finanzmarkt und schauen, dass Sie Daytrader werden um selbst am Finanzmarkt mitmischen zu können. Wieder andere gehen in die komplett andere Richtung und bereiten sich auf den Crash mit Survival-Ausrüstungen vor.
    Es bleibt auf jedenfall sehr spannend! Und wir wollen positiv denken ;-)…!

Kommentare sind geschlossen