Areopag in Griechenland spricht Bauarbeiter 500000 Euro Entschädigung zu

26. Juli 2011 / Aktualisiert: 12. August 2017 / Aufrufe: 287

In Griechenland sprach der Oberste Gerichtshof einem schwer verunglückten Bauarbeiter eine halbe Million Euro Schmerzensgeld zu.

Der Oberste Gerichtshof in Griechenland (Areopag) bestätigte ein berufungsgerichtliches Urteil, mit dem einem 51-jährigen Bauarbeiter, der eine dauerhafte 80%ige Behinderung erlitten hatte, nachdem er bei einem Sturz aus 3,50 Meter Höhe wegen fehlender vorgeschriebener Schutzgeländer schwer verletzt wurde, ein Schmerzensgeld in Höhe von 500.000 Euro zugesprochen worden war.

Konkret befand sich der Bauarbeiter im Mai 2003 im ersten Stockwerk eines zweistöckigen Baus in dem Bezirk Alimou / Attika und bemühte sich, auf der Frontseite des Balkons die Schalung für den Sturz der Balkontür zu erstellen. Er stürzte jedoch ab und schlug aus dreieinhalb Metern Höhe auf den freien Baugrund auf. Anfänglich wurde er in das Krankenhaus Asklipio Voulas und dann in das Unfallkrankenhaus KAT eingeliefert, wo er einer Operation und einem plastischen Eingriff unterzogen wurde und fünf Monate in stationärer Behandlung blieb.

Der unglückliche Bauarbeiter verließ das Krankenhaus im Rollstuhl, da er wegen eines Wirbelbruchs eine sensorimotorische Paraplegie erlitten hatte. Seitdem verblieb er vollbehindert, lebenslang zu jeglicher Arbeit unfähig und pflegebedürftig. Von dem Sozialversicherungsträger IKA erhielt er anfänglich ein Übergangsgeld für Gelähmte (sein einziges Einkommen), wurde dann von dem zuständigen Gesundheitsausschuss als zu 80% behindert und lebenslang zu jeder Arbeit unfähig befunden und erhielt schließlich eine Rente von 800 Euro monatlich.

Bauführung unterließ gesetzlich vorgesehene Sicherheitsmaßnahmen

Laut den Richtern wurde belegt, dass der Sturz des Bauarbeiters darauf zurückzuführen war, dass die aufsichtführende Ingenieurin und die Baugesellschaft, die als Unternehmer die Erstellung des Zweifamilienhauses übernommen hatte, nicht die von der Arbeitsgesetzgebung geforderten Schutzgeländer oder ein Netz in 3 Meter Höhe angebracht hatten, welches den freien Fall der Bauarbeiter verhindert hätte. Dies wurde auch in dem Bericht der Techniker der Arbeitsaufsicht bestätigt. Somit wurde die ausschließliche Verantwortlichkeit für den Unfall der Ingenieurin und der Baugesellschaft angelastet.

Das Berufungsgericht akzeptierte nicht die Zeugenaussagen der Gesellschaft, dass es an dem gesamten Bau Sicherheitsgeländer gegeben habe, mit Ausnahme der Stelle, an welcher der unglückliche 51-jährige abstürzte. Es akzeptierte jedoch auch nicht, dass an der Stelle, wo der Bauarbeiter abgestürzt war, anstatt der Geländer Paletten mit Ziegelsteinen platziert worden waren. Der Bericht der Kontrolleure führte nicht das Vorhandensein von Paletten an der strittigen Stelle an, zumal die Arbeiten zur Platzierung der Ziegelsteine abgeschlossen worden waren. Bei dem Besuch der Baustelle am Tag nach dem Unfall stellten die Kontrolleure jedoch auch nicht das Vorhandensein von Schutzgittern fest.

Ingenieurin und Baugesellschaft zu 500.000 Euro Schadenersatz verurteilt

Laut den Richtern stellt die Verletzung des Bauarbeiters gemäß der Arbeitsgesetzgebung einen Arbeitsunfall dar, da „es ein bei der Ausführung seiner Arbeit eingetretenes gewaltsames und überraschendes Ereignis gab, das auf die Nachlässigkeit der Ingenieurin und der Baugesellschaft zurückzuführen ist„. Die Behauptungen der letzteren, dass der Unfall auf einer unbekannten Ursache beruhte, akzeptierten die Richter dagegen nicht.

Nachdem das Berufungsgericht auch die Schwere des körperlichen Schadens des unglücklichen Bauarbeiters, sein Alter und die Folgen, die er erlitt und lebenslang zu tragen haben wird, die Schwere des Vergehens der Ingenieurin und der Baugesellschaft sowie auch die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Prozessgegner bewertete, befand das Gericht nach all diesem, dem 51-jährigen als Entschädigung wegen immateriellen Schadens den Betrag von 500.000 Euro zusprechen zu müssen.

Schließlich bestätigten die Richter des Areopags das berufungsurteil und befanden, dass es vollständige, eindeutige und widerspruchsfreie Begründungen aufweist, während sie parallel den Antrag der Baugesellschaft und der aufsichtführenden Ingenieurin abwiesen, mit dem die Aufhebung des Urteils des Berufungsgerichts Athen verlangt wurde.

(Quelle: in.gr)

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