Sparpolitik verwandelt Griechenland in Friedhof für Unternehmen

27. Juni 2011 / Aktualisiert: 30. Juni 2013 / Aufrufe: 1.017

Marktkreise und Wirtschaftsverbände in Griechenland beurteilen das von IWF und Troika aufgezwungene neue Sparpaket als Grabstein des inländischen Unternehmertums.

Eine Welle der Empörung und Proteste riefen bei den Trägern des griechischen Inlandsmarktes die von der Regierung angekündigten neuen harten Steuermaßnahmen hervor, die laut den Einschätzungen des Marktes das Land in einen Unternehmensfriedhof verwandeln werden.

Konstantinos Michalos, Präsident der Industrie- und Handelskammer Athen (ΕΒΕΑ), sprach von eine Flutwelle neuer Steuern, die das Land ersticken werde, und merkte an, dass die aus der letzten Umbildung hervorgegangene neue Regierung in nichts die explosive Mischung der Politik geändert habe, die sie seit 20 Monaten ausübt.

IHK Athen sieht Neuwahlen in Griechenland

Laut dem Präsidenten der IHK Athen stellte sich der neue Finanzminister mit noch feindlicheren Vorsätzen gegenüber den kleinen und mittleren Unternehmen ein als sein Amtsvorgänger, indem er abgesehen von der schwersten Besteuerung eine jährliche Kopfsteuer von minimal 300 Euro gegen die gebeutelten kleinen und mittleren Unternehmen verhängt und gleichzeitig deren Betriebskosten mit der Erhöhung der Sonderverbrauchssteuern auf Treibstoffe steil in die Höhe treibt.

Wie der Präsident der IHK Athen betonte, stellt es für das Land ein Unglück dar, dass die Regierung sich nicht darüber bewusst wird, dass ohne konjunkturellen Aufschwung die Staatsverschuldung kontinuierlich ansteigen und Griechenland von dem internationalen Wirtschaftsgeschehen isoliert werden wird, in das es schrittweise integriert werden sollte.

„Der Sparkurs und die Überbesteuerung stellen schlechte Rezepte für den Ausweg aus der Krise dar“, merkte Konstantinos Michalos an und rief die Regierung, aber auch die politischen Kräfte auf, sei es auch in letzter Minute die endgültige Katastrophe abzuwenden. „Wir wiederholen, dass anderenfalls ein Schluss zu setzen ist, ein neuer Anfang erfolgen muss und der Aufruf zu den Wahlurnen fortan eine Einbahnstraße darstellt“, schloss er seine Ausführungen ab.

Industriekammer Thessaloniki spricht von Gnadenschuss für Einkommen

Als noch belastender als erwartet und ohne jedes Empfinden für die kleinen und mittleren Unternehmer, Arbeitnehmer und Rentner charakterisiert die Maßnahmen die Industriekammer Thessaloniki (ΒΕθ) und spricht von einem Gnadenschuss für die Einkommen. Der Präsident der Industriekammer Thessaloniki Panagiotis Papadopoulos merkte an, dass „mit den neuen Sparmaßnahmen die Spielräume für Akzeptanz und Belastbarkeit der Gesellschaft, aber auch des gesunden Unternehmertums, die leider nicht zu glauben vermögen, dass es einen Ausgang aus dem Tunnel der Rezession geben werde, ausgeschöpft werden„.

GSEVEE ruft zum Widerstand gegen dominante europäische Sparpolitik auf

Einem von drei Geschäften droht auch wegen der Maßnahmen die Schließung„, wird von dem Dachverband der Freiberufler, Gewerbetreibenden und Kaufleute Griechenlands (GSEVEE / ΓΣΕΒΕΕ) betont, der im übrigen argumentiert, dass die zur Bewältigung der Staatsverschuldung des Landes aufgezwungenen Maßnahmen grundsätzlich den eigentlichen Grund, aus dem um Hilfe gebeten wurde, sprich die konjunkturelle Erholung Griechenlands annullieren.

Dass arbeitslose Freiberufler, Kaufleute und Gewerbetreibenden nicht zu den Arbeitslosen hinzugerechnet werden, da sie nicht in die Register der griechischen Agentur für Arbeit (OAED / ΟΑΕΔ) aufgenommen werden, bedeutet nicht, dass es sie nicht gibt„, betont der Verband.

Schließlich gab die GSEVEE bekannt, sich an den gegen die Ratifizierung des „Mittelfristigen Volkswirtschaftlichen Programms 2011 – 2015“ organisierten Protestaktionen beteiligen zu werden und rief die Gewerbetreibenden auf, sich gegen die aufgezwungene dominante europäische Sparpolitik zur Wehr zu setzen.

(Quelle: Vradyni)

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