Strafanzeige in Griechenland kostet 100 Euro

30. April 2011 / Aktualisiert: 02. Juli 2013 / Aufrufe: 1.693

Für die Erstattung einer Strafanzeige werden in Griechenland Gebühren in Höhe von 100 Euro gefordert, auch wenn es sich um Anzeigen bezüglich schwerer Verbrechen handelt.

Laut einem auf dem Nachrichten-Portal NEWSIT publizierten Artikel hat seit einigen Wochen die Polizei in Griechenland einen Weg gefunden, die Indizes zur Messung der Kriminalität drastisch zu senken, sowie auch die Justiz einen Modus, um einerseits die chronisch überbelegten Gefängnisse zu entlasten und andererseits den aufgelaufenen Berg der zu untersuchenden Sachen abzubauen und parallel die Verfahren zur Beurteilung neuer Angelegenheiten zu beschleunigen.

Wie das funktioniert? Ganz einfach: im Rahmen der Jagd auf Steuereinnahmen erfolgt eine indirekte Entkriminalisierung sogar auch der Schwerkriminalität zugerechneter Verbrechen wie Diebstähle und Raubüberfälle.

Wo kein Kläger Geld, da kein Richter

Damit ein Bürger geläufige und inzwischen zum Alltagsgeschehen zählende, jedoch das tatsächliche Bild der Kriminalität reflektierende Verbrechen wie beispielsweise den Einbruch in sein Haus, den Diebstahl seines Autos, seiner Tasche oder seiner Geldbörse, den Rauüberfall in seiner Wohnung oder auf der Straße  bei den zuständigen Behörden anzeigen und Strafanzeige gegen Unbekannt erstatten kann, muss er für die Anzeige fortan erst einmal vorab eine „Gegenseitigkeitsgebühr“ in Höhe von 100 Euro entrichten!

Nachdem das einschlägige Gesetz bereits vor einigen Monaten ratifiziert wurde und vor einigen Wochen auch die obligatorisch erforderliche allgemeine Veröffentlichung erfolgte, hat sich damit die „Anzeigengebühr“ von bisher 10 Euro um das Zehnfache auf 100 Euro erhöht (siehe auch Erhöhung der Gerichtskosten in Griechenland„).

Wer also einem Raubüberfall, einem Diebstahl oder einem anderen Verbrechen zum Opfer fällt, muss in diesem Rahmen den für die heutigen Zeiten beachtlichen Betrag von 100 Euro entrichten um seinem selbstverständlichen und gesetzlich auferlegten Wunsch nach der Verfolgung des verantwortlichen Täters Ausdruck zu verleihen – und zwar sogar auch, wenn es sich um Straftaten handelt, die eigentlich von Amts wegen verfolgt werden.

Indirekte Entkriminalisierung durch finanzielle Hürden für die Opfer

Wie viele Opfer einer Straftat werden jedoch unter diesen Umständen zur Erstattung einer Strafanzeige schreiten, nachdem einerseits allgemein die Ungewissheit über die Ergreifung und Bestrafung des Verantwortlichen vorherrscht und andererseits der Wert der gewaltsam entwendeten Gegenstände möglicherweise kaum höher oder gar niedriger als die zu entrichtende Gebühr für die Strafanzeige liegt?

Glücklicherweise hat der Gesetzgeber im letzten Augenblick immerhin die Vorsehung getroffen und wenigstens Tötungsdelikte von der einnahmeorientierten Bestimmung ausgenommen. Alle übrigen Verbrechen werden jedoch fortan auf genau die selbe Weise wie auch die nur auf Anzeige verfolgten Vergehen gehandhabt werden.

Der (nicht näher benannte) Autor des eingangs erwähnten Artikels schließt seine Betrachtungen mit dem sarkastischen Hinweis ab: „Immerhin tut sich damit ein ruhmträchtiges Feld für Buchhalter auf, welche die Makroökonomie der Kriminalität dokumentieren.

Hinweis: Zur Vermeidung von Missverständnissen sei angemerkt, dass die in Paragraph 4 des Artikels 42 der griechischen Strafprozessordnung in Höhe von anfänglich 10 Euro und nun 100 Euro vorgesehene Gebühr für die Erstattung einer Anzeige nur in Fällen zu entrichten ist, die sich auf eine anzeigenbedingte Strafverfolgung beziehen, jedoch nicht in Strafsachen, in denen von Rechts wegen Anzeige von der Polizei erstattet wird.

  1. Mplonkokrator
    4. Mai 2011, 17:29 | #1

    Von wegen Buchhalter-Ruhm, es handelt sich um einen indirekten Aufruf zu Selbstjustiz und -bewaffnung, einen weiteren Baustein der Strategie der Spannung, die Griechenland in chaotische Zustaende fuehren und bereitmachen soll fuer eine auch formell autoritaere Regierungsform.

  2. Lina
    10. Mai 2011, 14:18 | #2

    Was sagt eigentlich die EU dazu?!

  3. Monalisa
    2. September 2012, 10:48 | #3

    Auch hier wird es eine tolle Statistik geben, in der es heißt:
    „Griechen sind zweitbravstes Volk des OECD“
    Ich wurde von einem Griechen angegriffen, gewürgt und beraubt. Der wurde gefasst und bedrohte mich im Beisein eines Polizisten. Der hörte sich das seelenruhig an und unternahm
    n i c h t s. Für die Anzeige musste ich 100 € dann hinblättern. Das geht aber nicht einfach bei der Polizei. Man muss zum 90 Kilometer entfernten Finanzamt fahren, sich dort eine Gebührenmarke kaufen und die bei der Polizei abgeben.

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